Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Identität 3
1.1 Kollektive Identität 4 - 5
2. Identität im Kontext pluralistischer Gesellschaften 5 - 6
2.1 Formen und Beeinflussungsfaktoren von Identität 6
2.2 Identifikation mit Europa 7 - 8
3. Antrieb und Hemmnisse europäischer Identität 8 - 9
3.1 Hemmnisse einer kollektiven europäischen Identität 9 - 11
3.2 Anreizmechanismen für eine kollektive europäische Identität 11 - 13
4. Fazit 13 - 14
Literaturverzeichnis 15
2
Einleitung 1 "Europe has become part of the daily life, and yet remains lonesome." Die Europäische Union wurde in jüngster Vergangenheit von mehreren politischen Ereignissen eingeholt, die ihre Entwicklung negativ beeinflusst bzw. zumindest zu einem Stillstand derselben geführt haben. Dazu zählen u.a. die EU-Osterweiterung, die gescheiterten Referenden in Frankreich und den Niederlanden zum Verfassungsvertrag sowie die anhaltende öffentliche Diskussion über den Beitrittskandidaten Türkei. Daher benötigt die Europäische Union mehr denn je die Unterstützung der europäischen Öffentlichkeit. Vor allem braucht sie aber die politische Legitimation der europäischen Bevölkerung. Nichtsdestotrotz forcieren führende PolitikerInnen europäischer Nationalstaaten den Gedanken, dass eine Identifikation mit Europa schon längst stattgefunden hat und dass dieses auch automatisch zu einer gemeinsamen europäischen Identität führen wird, aber "Europe remains lonesome as long as people who are considered to be European are asked whether or not they define themselves as such, and reply either with a definite ‘no’ or rank it far be- 2 hind other modes of belonging."
Politische Gemeinwesen, so wie die Europäische Union eines ist, sind jedoch auf Legitimation und Akzeptanz angewiesen und nicht auf die Aussagen von PolitikerInnen, um die Stabilität der politischen Ordnung zu gewährleisten. Die Bürger erkennen ein Gemeinwesen nur als legitim an und akzeptieren es, wenn sie sich mit diesem identifizieren. 3 Eine gemeinsame europäische Identität stellt somit ein zentrales Thema für die künftige Entwicklung und das Bestehen der Union dar. Deshalb stellt diese Hausarbeit die Frage, ob sich Europa auf dem Weg zu einer gemeinsamen Identität befindet und wie stark die Identifikation mit Europa verankert ist. Hierfür wird der Begriff Identität eingeführt und erläutert. Dazu ist es erforderlich, zwischen personaler und kollektiver Identität zu unterscheiden und um den Terminus der multiplen Identitäten zu erweitern, um schließlich auf europäische Identität und ihre Relevanz im europäischen Kontext einzugehen. In Addition dazu muss der Zusammenhang zwischen Identität und Identifikation erläutert werden. Schließlich stellt sich die Frage, ob eine Identifikation mit der Europäischen Union überhaupt notwendig und durch welche Faktoren ein Zusammengehörigkeitsgefühl herstellbar ist. Abschließend soll in einem Ausblick geklärt werden, welche Entwicklungen auf dem Weg zu einer gemeinsamen europäischen Identität erkennbar sind und was unternommen werden muss, um den Prozess der europäischen Identitätsbildung voranzutreiben.
1 Huntington 1996, S. 47
2 Diez 2010, S. 45
3 Vgl. Thalmaier 2007, S. 141
3
1. Identität
In diesem Kapitel soll der Terminus Identität eingeführt werden. Dadurch soll gezeigt werden, warum eine europäische Identitätsbildung so entscheidend für die Europäische Union ist. Zu diesem Zweck ist es sinnvoll zwischen personaler und kollektiver Identität zu unterschieden.
Der Begriff Identität kann auf verschiedenen Ebenen analysiert werden. Hierzu zählen vor allem die Konstruktion von Identität in der Philosophie, Psychologie und Soziologie. Auf politischer Analyseebene ist Identität die Selbstdefinition einer Person oder Sache und be- 4 Schonbei der Einführung deschreibt weiterhin den Prozess der Selbstvergewisserung.
Begriffs muss eine Unterscheidung in personale und kollektive Identität unternommen werden. Bei dieser Arbeit wird auf die personale Identität nur kurz eingegangen, da die kollektive Identität für diese Arbeit relevanter ist.
Personale Identität bezeichnet dabei die Individualität einer Person, das heißt ihre Besonderheiten, die sich nach außen und innen zeigen und die sie von anderen unterscheiden. Außerdem wird eine affektive und kognitive Relation einer Person zu einem Objekt, mit dem sie sich identifiziert, beschrieben. 5
1.1 Kollektive Identität
Kollektive Identität hingegen bezieht sich auf Familien, Gesellschaften und nationale sowie grenzüberschreitende soziale Gruppen. Dieser Identitätstyp wird durch ein Gefühl der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe geformt und wird durch die Abgrenzung zu anderen 6 Gruppen gestärkt.
Der Identität kommen dabei verschiedene Funktionen zu. Sie bildet einen Bezugs- und Orientierungspunkt, damit Personen und Kollektive sich selbst in einen familiären oder gesellschaftlichen Kontext einordnen können. Dazu erfolgt bei der kollektiven Identität eine Trennung zwischen wir und sie. 7 Des Weiteren gibt es die Funktion der Exklusion und Inklusion, die dazu führt, dass Grenzen gezogen werden, was im Besonderen die Abgrenzung zu anderen Gruppen betrifft. Eine sehr wichtige Funktion der Identität ist die Legitimationsfunktion bzw. die Systemunterstützung. Nach David Easton gibt es zwei Arten der Unterstützung: die spezifische Unterstützung und die diffuse Unterstützung.
Spezifische Unterstützung bedeutet, dass das politische System Outputs produziert, die deckungsgleich mit den Interessen der Bürger sind. Die diffuse Unterstützung bezieht sich
4 vgl. Schmale 2007, S. 63
5 vgl. Haratsch 2008, S. 175 6 vgl. ebd. 176ff
7 vgl. Nissen 2004, S.21
4
aber nicht auf die Outputs, die in der Gegenwart oder Zukunft zu erwarten sind, sondern ist 8 Nun existent, sogar, wenn die Outputs nicht den Interessen der Bevölkerung entsprechen. muss es also das Ziel der Europäischen Union sein, eine diffuse Unterstützung zu erlangen, was bedeutet, dass sie sich nicht nur stärker der Output-Produktion widmen und Ergebnisse hervorbringen muss. Es wird außerdem vonnöten sein, dass beispielsweise die Strukturen der europäischen Politik verbessert sowie transparenter gemacht werden und außerdem eine Verbesserung des Wohlstandes herbeigeführt wird. "Eine gemeinsame europäische Identität stellt bei der Schaffung der diffusen Unterstützung eine grundlegende Bedingung dar." 9 Wichtig dabei ist, dass die EU nur dann von den europäischen Bürgern akzeptiert und die politische Ordnung somit legitimiert wird, wenn sie sich mit diesem politischen Gemeinwesen identifizieren, sich affektiv und kognitiv dazu hingezogen fühlen. Auch wenn es mehrerer 10 Faktoren bedarf, um die Legitimität einer politischen Ordnung zu gewährleisten , spielt die
Identität bei dem Legitimationsprozess eine wichtige Rolle.
Im Kontext dieser Arbeit und der nachfolgenden Kapitel ist es abschließend wichtig klar zu stellen, dass multiple Identitäten existieren. Multiple Identität bedeutet, dass eine Person mehrere Identitäten haben kann. So schließen sich beispielsweise die nationale, regionale und europäische Identität nicht aus, sie können problemlos nebeneinander bestehen. 11 Für die Frage, ob wir uns auf dem Weg zu einer gemeinsamen europäischen Identität befinden, ist es wichtig zu sehen, dass multiple Identitäten den Identifikationsprozess der EU-Bürger nicht stören. Es ist relevant, dass sich überhaupt eine gemeinsame europäische Identität herausbildet und es soll hier nicht darum gehen, diese über die Identifikation mit dem Nationalstaat zu stellen. Im nächsten Kapitel wird daher untersucht werden, ob und in welchem Ausmaß europäische Identität vorhanden ist.
2. Identität im Kontext pluralistischer Gesellschaften
Im Rahmen seiner Überlegungen, inwieweit Europäer sich ihrer Identität bewusst sind, beobachtete Bassam Tibi 12 eine Multikulturalität, welche mehr eine Gleichgültigkeit als eine Toleranz anderen Kulturen gegenüber darstellt. Er prägte auf der Grundlage verschiedener Entwicklungen und Verhaltensweisen, welche er in Deutschland und Europa beobachtet hat, den Begriff der Leitkultur.
8 vgl. Easton 1990, S. 43
9 Thalmaier 2007, S.171 10 vgl. Jannig 2004, S. 86
11 Vgl. Thalmaier 2007, S. 143
12 Bassam Tibi ist ein deutscher Politikwissenschaftler syrischer Herkunft und hatte bis zu seiner Emeritierung 2009 ein Professur für Internationale Beziehungen der Universität Göttingen inne
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Arbeit zitieren:
Sebastian Schmelzer, 2010, In Vielfalt geeint - ein europäischer Traum?, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Zu: Die neuen Kriege von Herfried Münkler, 2002
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