I. Ist betriebliche Suchtprävention erforderlich? ..................................................................2 II. Der Betrieb - der richtige Ort für Suchtprävention? ......................................................2 III. Entwicklung der Suchtprävention ....................................................................................4 IV. Grundlagen und Ursachen von Süchten........................................................................4 V. Ziele der betrieblicher Suchtprävention...........................................................................6 VI. Maßnahmen und Methoden der Suchtprävention ........................................................6 Abschließende Anmerkungen................................................................................................8 Literaturverzeichnis .................................................................................................................9
I. Ist betriebliche Suchtprävention erforderlich?
Jeder Betrieb muss laut den vorhandenen Statistiken selbst bei konservativer Schätzung damit rechnen, dass ca. 5 % seiner Mitarbeiter behandlungsbedürftig alkoholabhängig, weitere 10 % gefährdet sind. Hinzu kommen schätzungsweise 1-2 % Medikamentenabhängige sowie eine Dunkelziffer an Drogenkonsumenten. Der Zeitraum vom Beginn einer manifesten Suchtmittelabhängigkeit bis zum Kontakt mit adäquaten Hilfsangebotenen umfasst in der Regel mehrere Jahre. In dieser Zeit verursachen Suchtmittel sowohl beim Konsumenten als auch im privaten und betrieblichen Umfeld erhebliche Kosten und Probleme. 1
Der jährliche Schaden, den die Sucht und ihre „Begleiter“ anrichten, wird auf 50 bis 80 Milliarden DM geschätzt. Der Schaden als solcher setzt sich aus Beschaffungskriminalität, Wertschöpfungsverlust durch Morbidität und Mortalität, polizeiliche und juristische Maßnahmen, Prävention, Beratung und Behandlung zusammen, wobei die Prävention mit 25 Millionen DM den kleinsten Kostenfaktor darstellt. 2
II. Der Betrieb - der richtige Ort für Suchtprävention?
Betriebsangehörigen stellen eine klar abgegrenzte und damit sehr konkret ansprechbare Zielgruppe dar; beschäftigte Suchtkranke weisen gegenüber Arbeitslosen eine
1 Fuchs, R., Rainer, L., Rummel, M., Schönherr, U. (1998): „ Betriebliche Suchtprävention: Ein Arbeitsfeld in der Diskussion“. In: Fuchs, R., Rainer, L., Rummel, M. /Hg.): „Betriebliche Suchtprävention“, Verlag für angewandte
Psychologie, Göttingen, S. 13 - 29
2 Niedersächsische Landesstelle gegen die Suchtgefahren (1997): „Suchtprävention - Wirksam und das Geld wert!“
2
wesentlich geringere Rückfallquote auf, sodass gerade die betriebliche Suchtprävention eine besondere Wirksamkeit ermöglicht. 3
Neben der oben erwähnten Zielgruppenspezifität gibt es für den Handlungsort „Betrieb“ weitere Pluspunkte:
- das Vorhandensein von Strukturen für Informations- und Trainingsmaßnahmen und deren Nutzbarkeit;
- die Bestimmbarkeit und Durchsetzbarkeit allgemeiner und unternehmerspezifischer Ziele und Maßnahmen der Prävention durch die Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretungen;
- die Tatsache, dass Gesundheitsförderung im allgemeinen und Suchtprävention im besonderen zu befriedigenderen Arbeitsbedingungen, geringeren Fehlzeiten und zu höheren Leistungen führen;
- die Verbesserung des Arbeitsklimas durch eine verbesserte Kommunikation und einen ehrlicheren Umgang miteinander;
- die Sicherung der Arbeitsplätze Gefährdeter und Abhängiger; ein positives Be-handlungsergebnis wird durch Weiter-/Wiederbeschäftigung und regelmäßige Arbeit gesichert
- der Arbeitsplatz spielt im Leben jedes Einzelnen sowohl zur Existenzsicherung als auch zur Lebensgestaltung und Selbstwertbestätigung eine wesentliche Rolle. 4
Die aufgeführten Argumente machen deutlich, dass die Suchtprävention nur multidisziplinär unter besonderer Berücksichtigung der individuellen Verhaltensweisen und der Lebensverhältnisse der betroffenen Personen stattfinden kann.
In diesem Zusammenhang wird klar, dass eine scharfe Abgrenzung der Begriffe Prävention und Gesundheitsförderung - jedenfalls im Sinne eines ganzheitlichen Ansatzes der Gesundheitsförderung bzw. des Lebensweisenkonzeptes der WHO - in der Praxis nicht immer gelingt. Sowohl der ganzheitliche als auch der partizipatorische Ansatz, die beide ihren Ursprung in der Gesundheitsförderung haben, finden sich in der Prävention wieder. Damit wird offensichtlich, dass die
3 Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (Hg.) (1996): „Arbeitshilfe für die Rehabilitation von Suchtkranken Alkohol-Drogen-Medikamente“, Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation, Frankfurt
4 Alkohol und Medikamente am Arbeitsplatz, DAK
3
soziale Dimension in ein erfolgversprechendes Konzept mit einbezogen werden muss. 5
III. Entwicklung der Suchtprävention
Betrachtet man die Entwicklung der Suchtpräventionsansätze in den letzten Jahren und Jahrzehnten, so stellt man fest, dass auch hier der ganzheitliche Ansatz der Ge-sundheitsförderung eingeflossen ist.
Die klassische Suchtprävention, der kein großer Erfolg beschieden war, beschränkte sich auf die Warnung vor Suchtmitteln und deren negativen Folgen. Die häufigste Methode in der Gesundheitsaufklärung und Gesundheitsberatung, die Motivation durch Sachinformation, wurde suchtmittelspezifisch in Kombination mit Furchtappellen eingesetzt. Auch hier war keine durchschlagende Wirkung zu verzeichnen.
Die Konzepte der heutigen modernen Suchtprävention setzen sehr früh im Leben des Menschen ein und zielen auf die Vermittlung von Kompetenzen, die ihm helfen sollen, mit Belastungen positiv umzugehen und dadurch die Wahrscheinlichkeit zu verringern, dass Drogenkonsum als Bewältigungshandeln eingesetzt wird. Damit wird die Suchtprävention zu einer pädagogischen Aufgabe. 6
IV. Grundlagen und Ursachen von Süchten
Abhängiges Verhalten ist durch einen Teufelskreis gekennzeichnet: Durch den Konsum von Alkohol, Drogen oder Medikamenten wird eine unbefriedigende und als unerträglich erlebte Situation scheinbar verbessert. Lässt die Wirkung der Substanz aber nach, kommt es im wahrsten Sinne des Wortes zu einer "Ernüchterung", denn die Person muss feststellen, dass sich ihre Situation nicht wirklich verändert hat. Oft erscheint sie sogar noch unerträglicher, so dass der Betroffene jetzt erst recht die Substanz "braucht", um der Situation zu entfliehen.
5 Gerber, U. und Stünzner, W.v.: „Einführung in die Gesundheitswissenschaften: 1.Studientext des Weiterbildenden Fernstudiums Angewandte Gesundheitswissenschaften“, Bielefeld, Magdeburg, 1999.
6 Gerber, U. und Stünzner, W.v.: „Einführung in die Gesundheitswissenschaften: 1.Studientext des Weiterbildenden Fernstudiums Angewandte Gesundheitswissenschaften“, Bielefeld, Magdeburg, 1999.
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Reinhold Ballmann, 2000, Moderne Strategien der Suchtprävention - ein kurzer Überblick, München, GRIN Verlag GmbH
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