Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung. 2
2. Der junge Claudius unter der Regierung des Augustus. 2
2.1 Claudius’ Schattendasein unter der Regierung des Tiberius 7
2.1 Claudius’ politische Chance unter der Regierung des Gaius. 10
3. Schluss 12
4. Literatur- und Quellenverzeichnis 14
1
1. Einleitung
Häufig stehen die Lebensabschnitte einer Person im Mittelpunkt des geschichtswissenschaftlichen Interesses, in denen diese Person über die größte Macht im Laufe ihres Lebens verfügte. In dieser Arbeit ist das Interesse ein anderes. Sie soll die Zeit vor Claudius’ Machtübernahme zum Inhalt haben, seine biographische Vorgeschichte soll genauer betrachtet werden, wobei zeitgleiche Ereignisse, aufgrund des begrenzten Rahmens, nur vereinzelt Erwähnung finden können. Bezeichnet Wolfgang Seyfarth Claudius als “gelehrte[n] Sonderling auf dem Thron“ 1 , ist es für das Verständnis seiner Herrschertätigkeit und seines Selbstverständnisses „auf dem Thron“ unabdingbar, seinen Lebenslauf vor diesen Aufgaben zu betrachten. Immerhin war Claudius schon über 50 Jahre alt, als er die Herrschaft über das Römische Reich übernahm, so dass er in dieser Fülle an Jahren viel erlebt, erlitten und eine starke Prägung bereits erfahren hatte. So beschäftigt sich die Arbeit unter anderem mit dem von Seyfarth erwähnten „gelehrte[n]“ und mit dem „Sonderling“ Claudius. Sie untersucht Claudius’ Familienverhältnisse, dessen Auswirkungen auf sein Leben und seine Beschäftigungsmöglichkeiten, denn insbesondere unter dem humanen und sozialen Aspekt ist er eine besonders interessante Persönlichkeit.
2. Der junge Claudius unter der Regierung des Augustus
Claudius (Tiberius Claudius Nero) wurde am 1. August 10 v. Chr. in Lugdunum, dem heutigen Lyon, geboren. Er war der jüngste Sohn des Nero Claudius Drusus (38 v. Chr. - 9 v.Chr.), des Bruders des späteren Princeps Tiberius, und der Antonia der Jüngeren (36 v. Chr. - 37 n. Chr.), einer Tochter des Triumvirn Marcus Antonius und der Octavia. 2 Claudius hatte zwei Geschwister: Livilla und den 5 bis 6 Jahre älteren Nero Claudius Germanicus. Ein weiteres Kind seiner Eltern verstarb früh. Als Claudius’ Vater 9 v. Chr. auf einem Germanienfeldzug vom Pferd stürzte und starb, war Claudius ungefähr ein Jahr alt. In Erinnerung an Nero Claudius Drusus’ Leistungen wurde dem Familienoberhaupt, zu dieser Zeit Nero Claudius Germanicus, der erbliche Titel „Germanicus“ verliehen. Der Tod Nero Claudius Drusus’ bedeutete insbesondere für seine Söhne nicht nur einen persönlichen Verlust, sondern hatte auch ihre politische Zurücksetzung zur Folge. Der Bruder ihres Vaters, Tiberius, erfuhr nun eine erhebliche politische Aufwärtsentwicklung, die sich unter anderem in seiner Adoption 4 n. Chr., durch den zu dieser Zeit herrschenden Kaiser Augustus, manifestierte. 3 Allerdings zwang der iulische Augustus den claudischen Tiberius zur Vorbereitung der eigenen Adoption, seinen iulischen Neffen Germanicus zu adoptieren, wodurch der leibliche Sohn des Tiberius, Drusus, und Germanicus gleichermaßen zu Adoptiv-Nachkommen des Augustus’ wurden. Augustus bestimmte Tiberius, offensichtlich in Ermangelung einer besseren Lösung, zum Nachfolger, denn einen Iulier zur direkten Thronfolge gab es nicht mehr. Durch
1 Seyfarth, W.: Römische Geschichte 1, S. 107
2 vgl. Grant, M.: Die Römischen Kaiser, S. 46
2
seinen Adoptionszwang, verfolgte er langfristig das Ziel wieder einen Iulier im Besitz des Thrones zu wissen. 4 Infolge der Adoption des Germanicus’ in die Familie der Iulier nahm Claudius den Beinamen „Germanicus“ an, und hieß nun Tiberius Claudius Nero Germanicus.
Laut Sueton wurde Claudius fast die gesamte Kindheit von verschiedenen hartnäckigen Krankheiten geplagt 5 und litt seit dem Kindesalter an verschiedenen Behinderungen, die Levick zufolge möglicherweise Folgeschäden einer Verletzung bei der komplizierten, eventuell verfrühten Geburt oder die Konsequenz einer prä- oder postnatalen Infektion gewesen sein können. So meinten Historiker vor und nach dem Zweiten Weltkrieg, dass Claudius Kinderlähmung gehabt haben könnte. Mittlerweile setzt sich jedoch die Meinung durch, dass er an zerebraler Lähmung erkrankt war und diese spastische Lähmungen auslöste. Jene spastischen Lähmungen, Schwäche und Verhärtungen betrafen möglicherweise nicht nur sein rechtes Bein, das er nachzog, sondern auch seine rechte Hand. Seneca stellte Claudius’ Hand in seiner späteren Regierungszeit lediglich für die Geste der Exekution als stark genug dar 6 und Dio merkte an, dass Claudius’ „einen kranken Körper besaß, weshalb er mit dem Haupte und den Händen leicht zitterte“ 7 . Im Erwachsenenalter zeigte Claudius Persönlichkeitsstörungen wie offensichtliche und scheinbare Teilnahmslosigkeit, aber auch Wutausbrüche. Doch können diese Störungen eventuell auf seine Lähmungen zurückgeführt werden, denn Opfer zerebraler Lähmung werden oft emotional und deprimiert. Sicherlich litt Claudius unter dem psychologischen Effekt seiner physischen Frustration, den eigenen Körper nicht unter Kontrolle zu haben. 8 Auch eine deutliche und saubere Artikulation scheinen ihm physische Schwierigkeiten, die eventuell durch eine Verletzung der Gehirnrinde ausgelöst wurden und in Verbindung mit der Lähmung stehen könnten, erschwert zu haben. So berichtet Levick über Äußerungen Senecas bezüglich seiner Artikulationsschwierigkeiten und Stimmeigenarten. „[I]t (seine Stimme) belonged to no land-animal but was the kind of voice a sea-creature has, raucous and throaty: you couldn’t even tell what language he was speaking.” 9 Diese Schwierigkeiten verschlimmerten sich im Falle emotionaler Anspannung. Wurde Claudius wütend, knurrte und geiferte er und seine Nase lief. 10
Die erste öffentliche Bestätigung dafür, dass bei Claudius etwas sonderbar verlief, erfolgte als er im Jahre 5/6 n. Chr. seine ’toga virilis’, die Kleidung des Mannesalters, bekam. Normalerweise wurde dieses zeremonielle Ereignis, bei dem der Vater seinen Sohn in das überfüllte Forum führte, von viel Jubel und großen Feierlichkeiten begleitet, doch in Claudius’ Fall wurde dieser spezielle Tag zu einer heimlichen Aktion, bei der er um Mitternacht ohne feierliches Geleit in einer Sänfte zum Kapitol getragen wurde. Als Claudius und Germanicus im Jahre 6 n. Chr. zu Ehren ihres toten Vaters Spiele präsentierten, war Claudius in einen Mantel eingehüllt. 11
3 vgl. Levick, B.: Claudius, S. 11f
4 vgl. v. Haehling, R.: Tiberius in: Clauss, M.: Die Römischen Kaiser, S. 54f
5 vgl. Suet. Cl. 2,1
6 vgl. Levick, B.: Claudius, S. 13f
7 Dio 60 2,1
8 vgl. Levick, B.: Claudius, S. 15
9 Seneca zit. nach Levick, B.: Claudius, S. 14
10 vgl. Levick, B.: Claudius, S. 14
11 Suet. Cl. 2,2
3
Arbeit zitieren:
Constanze Mey, 2002, Das Leben des Claudius vor seinem Herrschaftsantritt, München, GRIN Verlag GmbH
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