FU Berlin
Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft PS Marx Fachgebiet: Politik & Wirtschaft Sommersemester 2003
Inhalt
1. Einführung 03
2. Das Verhältnis von Mensch und Natur 04
2.1. Zum Marxschen Naturbegriff 05
2.2. Natur und Arbeit - Praxis und Entfremdung 05
2.3. Die Ausbeutung von Mensch und Natur 09
3. Auswege 11
4. Schlußbemerkung 13
Literaturnachweis
2
1. Einführung
Umweltbewegte Kritiker werfen Marx heute vor, er hätte „keinen Sinn für Ökologie“ (Haug: 15) bzw. eine „unkritische Haltung zur industriellen Zivilisation, insbesondere hinsichtlich ihrer zerstörerischen Beziehung zur Umwelt“ (Arbeiterbewegung und Ökologie) gehabt, einige gehen sogar soweit, ihn des unreflektierten Materialismus‘ bzw. des Produktivismus‘ zu „bezichtigen“ (Arbeiterbewegung und Ökologie). Was ist an d iesen Vorwürfen gerechtfertigt? „War Marx ein Produktivfetischist oder hat er die ökologischen Probleme schon mitbedacht?“ (Müller: Marx in Zukunft) Gibt es gar den ‚ökologischen Marx‘? Für diese Arbeit habe ich mich neben weiteren, z.T. essayistischen Quellen besonders auf Hilmar Westholms Veröffentlichung (‚Stoffwechsel des Menschen mit der Natur‘) gestützt und bin seinen Ausführungen weitestgehend gefolgt. Da Marx selbst „nie eine systematische Theorie der Natur entworfen hat“ (Westholm: 69), waren die Sekundärquellen vor allem notwendig, um einen Überblick über diejenigen Texte bzw. Textstellen des Marxschen Gesamtwerkes zu erhalten, die sich auf Natur bzw. das Naturverhältnis beziehen. Interessanterweise widersprechen sich die Autoren zum Teil hinsichtlich der jeweiligen Rezeption einzelner Textstellen. Was 1 dem einen als Beispiel für Marx‘ Kritik am Kapitalismus bzw. der entfremdenden kapitalistischen Produktion dient (vgl. Peter: Marx im Gespräch), gilt dem anderen hingegen als Beleg für dessen „allzu unkritische Bewunderung [...] für die ‚zivilisatorische‘ Mission der kapitalistischen Produktion und ihre brutale Instrumentalisierung der Natur“ (Ökologie und Sozialismus).
In dieser Arbeit soll dennoch versucht werden, anhand entscheidender Begriffe (wie Natur, Stoffwechsel, Arbeit, Entfremdung) die wichtigsten Aspekte herauszuarbeiten, die die Frage nach dem ‚ökologischen‘ Marx klären helfen sollen; der Schwerpunkt liegt hierbei auf Zitaten aus den ökonomischen Schriften - angefangen bei den Ö konomisch-philosophischen
1 In diesem Fall handelt es sich konkret um einen Abschnitt aus den Grundrissen der Kritik der politischen Ökonomie: „So schafft das Kapital erst die bürgerliche Gesellschaft und die universelle Aneignung der Natur
wie des gesellschaftlichen Zusammenhangs selbst durch die Glieder der Gesellschaft. Hence the great civilising
influence of capital; seine Produktion einer Gesellschaftsstufe, gegen die alle frühren nur als lokale
Entwicklungen der Menschheit und als Naturidolatrie erscheinen. Die Natur wird erst rein Gegenstand für den
Menschen, rein Sache der Nützlichkeit; hört auf als Macht für sich anerkannt zu werden; und die theoretische
Erkenntnis ihrer selbständigen Gesetze erscheint selbst nur als List, um sie den menschlichen Bedürfnissen, sei
es als Gegenstand des Konsums, sei es als Mittel der Produktion zu unterwerfen.“ (Marx: Grundrisse: 313)
3
Manuskripten, den Grundrissen zur Kritik der politischen Ökonomie bis hin zum Kapital. Insbesondere die Ökonomisch-philosophischen Manuskripte erwiesen sich dahingehend als wahre Fundgrube.
2. Das Verhältnis von Mensch und Natur
„Die industrielle Revolution, die mit dem Aufstieg des Kapitalismus des 19. Jahrhunderts verbunden ist, hat die Abgasmenge, die in die Atmosphäre abgegeben wird, wesentlich vermehrt und die Gesundheit der Arbeiter und Stadtbewohner schwerwiegend beeinträchtigt. Überall erfolgten rasche und heftige Wellen vom Menschen verursachter ökologischer Erschütterungen“ (Ökologie und Sozialismus). Die „letzte große Störung, die der Kapitalprozess nach der Einsicht von Marx in progressiver Steigerung darstellt, betrifft die gesellschaftlichen Naturverhältnisse“ (Haug: 15), deren katastrophale Auswirkungen erst im Verlauf der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ins Blickfeld und Bewußtsein der Öffentlichkeit gerückt sind. Dennoch gab es bereits seit dem Beginn der „technische[n], ökonomische[n] und soziale[n] Umwälzung, die den Übergang vom Manufakturstadium des Kapitalismus zum Industriekapitalismus bewirkte“ (Kosing: 253), Philosophen und Ökonomen, die das Mensch-Natur-Verhältnis auch vor dem Hintergrund offensichtlicher aufkommender Umweltprobleme (verseuchte Flüsse, Luftbelastung mit Industrieabgasen etc.) zu ergründen suchten. Während jedoch die einen - ganz im Sinne der Zeit (Romantik bis in die Zeit des Vormärz‘ hinein) - romantisch-verklärte, mystifizierte Naturbegriffe zu vormulierten suchten (Westholm: 16) bzw. sich in fast religiös anmutenden Preisungen der vorgeblich reinen, wilden Natur ergingen, stützten sich andere stärker auf aufklärerische und auch von wissenschaftlichem Fortschritt 2 geprägte Ideen und entwickelten Ansätze, die bis oder gerade heute noch eine ungeahnte Gültigkeit besitzen. Besonders unter dem Aspekt der Verbindung von Natur- mit der sozialen Frage, der Frage nach der Situation der Menschen, insbesondere der Arbeiter, der Verknüpfung von „politische[r] Ökonomie und politische[r] Ökologie“ (Altvater: 11), unterscheidet sich Marx von Vorgängern wie Nachfolgern.
2 Nicht vergessen werden sollte, daß das Bekanntwerden von Charles Darwins Schriften zur Evolution (Zur Entstehung der Spezien [1859] bzw. Die Abstammung des Menschen [1871]), welche das bisherige religiöse Bild
der Schöpfung von Welt, Natur und Mensch mit dem Menschen als Krone der Schöpfung, zusammenbrechen
ließ, um an dessen Stelle einen langwierigen evolutionären Wandlungsprozeß zu setzen, in dem ‚Gott‘ im
Prinzip nichts mehr zu sagen hatte, in diese Phase hineinspielte.
4
Arbeit zitieren:
Anna Fehmel, 2003, Der 'ökologische' Marx - Zum Marxschen Naturbegriff, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Das Gefangenendilemma: Auswege aus der Rationalitätenfalle
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Platons Ideenlehre - erläutert anhand der drei zentralen Gleichnisse d...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit, 22 Seiten
Was versteht Platon unter dem Begriff "Gerechtigkeit" und wi...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit, 24 Seiten
Gemeinsamkeiten und Unterschiede der drei Gerechtigkeitsverständnisse ...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit, 16 Seiten
Platons Menschenbild in der Politeia - Eine Untersuchung des platonisc...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 18 Seiten
Die "Natur" im Marxschen Denken
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit, 17 Seiten
"Bloß" Aristoteliker? Kritische Untersuchung der Aristoteles...
Philosophie - Epochenübergreifende Abhandlungen
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Der Dispositionsbegriff bei Ryle
Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)
Hausarbeit (Hauptseminar), 32 Seiten
Freiheit des Selbstbewusstseins durch die Erfahrung der Arbeit, des Ve...
In: G.W.F. Hegel: Phänomenolog...
Philosophie - Philosophie des 19. Jahrhunderts
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
Anna Fehmel's Text Der 'ökologische' Marx - Zum Marxschen Naturbegriff ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Anna Fehmel hat den Text Der 'ökologische' Marx - Zum Marxschen Naturbegriff veröffentlicht
Anna Fehmel hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare