Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung Seite 3
2. Der Begriff des Fans Seite 4
2.1. Kategorisierung von unterschiedlichen Fan-Ausprägungen Seite 7
2.2. Fanstrukturen in anderen Popkulturgruppen Seite 9
2.2.1. Fanobjekt Person Seite 9
2.2.2. Fanobjekt Computerspiel Seite 11
3. Fans und Internet Seite 14
3.1. Fanfiction im Internet Seite 14
3.2. Akkumulation kulturellen Kapitals durch das Internet Seite 16
4. Neue Serienstrukturen als Modifikatoren von Fantum Seite 19
5. Schlussbemerkungen Seite 22
6. Literaturverzeichnis Seite 23
7. Internetquellen Seite 24
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1. Einleitung
Auf den folgenden Seiten werden Fans von Medienprodukten etwas genauer betrachtet. Die leidige Diskussion um das fanatische Image des Fans, welches in vielen Aufsätzen und Arbeiten behandelt wird, soll hier einmal nicht diskutiert werden 1 . Fans und ihre Handlungen sowie Verhaltensmuster werden in dieser Ausarbeitung keiner Wertung unterzogen, also weder negativ noch positiv kritisiert. Worum es auf den folgenden Seiten gehen wird ist lediglich eine gedankliche Auseinandersetzung mit der Definition des Begriffes ‚Fan’ auf der Basis theoretischer Ansätze von John Fiske. Außerdem soll versucht werden, mit diesen Begrifflichkeiten verschiedene Typen von Fans zu umreißen. Den Fokus bilden dabei zunächst Fans von Serientexten im Medium Fernsehen. Dabei soll deutlich werden, wodurch sich ein Fan von einem regulären Rezipienten unterscheidet, wodurch er sich definiert.
Im weiteren Verlauf werden Einflüsse des Internets untersucht, welche auf die Struktur von Fantum gewirkt haben, bzw. noch wirken können. Dabei werden einige Internetseiten als Beispiele für den hier vollzogenen Argumentationsgang herangezogen, da es in dieser Hinsicht noch nicht allzu umfangreiche Forschungsliteratur gibt. Die Wirkungen von Internet auf Fankultur bedürfen daher künftig einer sehr genauen Beobachtung.
Ebenso wird die sich im Laufe der letzten zwanzig Jahre veränderte Struktur von Fernsehserientexten untersucht, welche ebenfalls nicht unbedeutende Wirkungen auf Fangruppen, aber auch allgemein auf Serienrezipienten, haben kann.
1 Es sei hier jedoch kurz angemerkt, dass es durchaus nahe liegt, woher die Verbindung zum Fanatismus in Bezug auf Fans rühren könnte. Ein gutes Beispiel zeigt der Besuch eines großstädtischen Bahnhofs, beispielsweise des Dortmunder Hauptbahnhofs, an einem Heimspieltag. Als Außenstehender, also Nicht-Fan, wirken die Massen von Fußballfans in ihrem Verhalten oftmals recht skurril. Der Eindruck mangelnder Selbstkontrolle und Selbstbeherrschung kann dort schnell aufkommen.
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2. Der Begriff des Fans
Beschäftigt man sich mit der Ausarbeitung von Problemstellungen rund um Fankultur kommt man nicht umhin, die Frage zu stellen, was einen Fan überhaupt ausmacht. Wodurch ist Fan-Sein geprägt und kann man verschieden starke Ausprägungen von Fanverhalten feststellen und gruppieren? Ausführungen zu den Merkmalen von Fantum gibt John Fiske 2 . Demnach entsteht es in dem folgenden, umrissenen Prozess: Fans lösen bestimmte Teile, beispielsweise beteiligte Künstler, spezifische Darstellungsformen oder G enres aus dem innerhalb der eigenen Gesellschaft zugängigen Unterhaltungsangebot heraus. Diese Teile werden von Kleingruppen, den Fangemeinden, als eine gruppeneigene Populärkultur konstruiert. Diese Art der Kultur hat vornehmlich den Sinn, die Mitglieder zu unterhalten, wobei mit dem Fankult sehr ernsthaft umgegangen wird. Für die Teilhabenden entwickelt er sich zu einem wichtigen Bestandteil des eigenen alltäglichen Lebens. Scheinbar bilden sich solche Fangruppierungen in finanziell eher benachteiligten B evölkerungsgruppen, die aus diesem Grund an der Hochkultur nicht und nur schwerlich teilhaben können. Mit drei Schlagworten kann Fantum nach Fiske beschrieben werden: durch „Abgrenzung und Unterscheidung“, „Produktivität und Partizipation“ sowie „Kapitalakkumulation“. Fiske beschreibt diese Merkmale für Fangruppen wie folgt:
Fangruppen versuchen ständig, sich von den ‚normalen’ Rezipienten zu unterscheiden und grenzen sich von Verfechtern der Hochkultur bewusst ab. Dies ist allerdings kein einseitiges Phänomen. Die Vertreter der Hochkultur empfinden ebenso keine Wertschätzung in der Gleichsetzung mit Fankulturen.
„ […] the boundaries between what falls within their fandom and what does not are sharply drawn. […] Both sides of the boundary invest in the difference; mundane viewers often wish to avoid what they see as the taint of fandom […]. On the other sides of the line, fans may argue about
2 Siehe dazu: John Fiske, “The cultural economy of Fandom”, in: Lisa A. Lewis (Hg.) Adoring Audience. Fanculture and Popular Media, London/ New York 1992, Seite 30-49.
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what characteristics allow someone to cross it and become a true fan, but they clearly agreed on the existence of the line.” 3 Durch die Tatsache, dass Fantum sich auf Produkte der Massenkultur bezieht, muss die Abgrenzung in spezieller Form geschehen. Dabei stellen Fans die Einzigartigkeit einzelner Merkmale innerhalb des Kultobjektes heraus oder heben die Wichtigkeit des Kultes für die eigene Identitätsfindung hervor. Ebenfalls gibt es häufig Versuche, die ästhetischen Werte des Objektes durch wissenschaftliche Akribie aufzuzeigen. Abgrenzung kann also durch Wertzuweisungen geschehen, die innerhalb der Popkultur anerkannt oder durch Rückgriffe auf ästhetische Kriterien vorgenommen werden, die der Hochkultur entlehnt wurden.
Das zweite Merkmal Fiskes befindet produktives Vorgehen am Kultobjekt für Fans als essentiell.
„Fans are particularly productive, and I wish to categorize their productions into three areas, while recognizing that any example of fan productivity may well span all categories and refuse any distinctions among them. […] The ones I propose to use may be called semiotic productivity, ennunciative productivity, and textual productivity.” 4 Die Aneignung des Medientextes erfolgt dabei in unterschiedlicher Weise. Fans können so den Texten neue Bedeutungen zuweisen, welche aus ihrer speziellen sozialen Umgebung entspringen (semiotische Produktivität). Ebenso kann sich Bedeutungsproduktion in einer für die jeweilige Fangruppe spezifischen Sprache und/oder Symbolik entfalten (ennunziative Produktivität). Außerdem zirkulieren innerhalb der Fankultur Texte, welche sich kritisch und überarbeitend mit den lücken- und fehlerhaften Originaltexten des Kultobjekts befassen (textuelle Produktivität) 5 .
3 John Fiske, “The cultural economy of Fandom”, in: Lisa A. Lewis (Hg.) Adoring Audience. Fanculture and Popular Media, London/ New York 1992, Seite 34/35.
4 John Fiske, “The Cultural Economy of Fandom”, in: Lisa A. Lewis (Hg.) Adoring Audience. Fanculture and Popular Media, London/ New York 1992, Seite 37.
5 Fiske beschreibt solche Texte im Zusammenhang mit seiner Rezeptions- und Aneignungsforschung als tertiäre Texte. Ebenfalls beschreibt er Populärkultur und als bedeutungsoffene Texte, welche vom Rezipienten im Rezeptionsprozess erst die volle Bedeutung erhalten. Siehe dazu auch: John Fiske, “Populäre Texte, Sprache und Alltagskultur”, in Andreas Hepp/ Rainer Winter (Hg.), Kultur - Medien - Macht. Cultural Studies und Medienanalyse, Opladen /Wiesbaden 1999, S. 67-87.
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Das kulturelle Kapital eines Fans besteht aus genauer Kenntnis und großer Wertschätzung seines Kultobjektes. Hier unterscheidet sich kulturelles Kapital kaum vom dem der offiziellen Kultur. „In fandom as in the official culture, the accumulation of knowledge is fundamental to the accumulation of cultural capital. […] Such fan knowledge helps to distinguish a particular fan community (those who possess it) from others (those who do not): like the official culture, its work is finally one of social distinction. “ 6 Ein Unterschied zwischen beiden Arten kulturellen Kapitals zeigt sich dennoch. Das eines Fans führt selten zu gesellschaftlichem Ansehen, sondern wird im Gegenteil wohlmöglich eher belächelt wird. Das Ansehen kommt ihm nur innerhalb der Fangemeinde zugute. Dabei verringert größeres Wissen den Abstand zwischen Fan und Kultobjekt, wodurch die Motivation der Wissensaneignung und Partizipation verstärkt wird und der eigene Status innerhalb der Fangemeinde gebildet wird. Großes Wissen erzielt dabei auch eine höhere Position innerhalb der Fangruppe. Damit entwickeln sich im Prinzip Fanhierarchien.
Trotz der Definition Fiskes ist es nicht ganz leicht, festzuhalten, wann genau Fantum bereits einsetzt. Um diese Frage zu beantworten, soll nun der Versuch gemacht werden, herauszustellen, ab welchem Grad sich ein Fan von einem Rezipient 7 abgrenzen lässt. Fanverhalten wird hier zunächst anhand der Rezeption von Medienprodukten, vornehmlich Serien kategorisiert. Im späteren Verlauf sollen diese Überlegungen auch auf Fans anderer Popkulturprodukte angewendet werden.
6 John Fiske, “The cultural economy of Fandom”, in: Lisa A. Lewis (Hg.) Adoring Audience. Fanculture and Popular Media, London/ New York 1992, Seite 43/43.
7 Fans sind natürlich auch Rezipienten. Innerhalb dieser Arbeit meint der Begriff ‚Rezipient’ einen Zuschauer, welcher kein Fanverhalten zeigt, sonder den jeweiligen Medientext lediglich rezipiert.
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Arbeit zitieren:
Stefan Rein, 2002, Fankultur - Untersuchung von Wechselwirkungen zwischen Fan und Popkultur und der Versuch einer Begriffsdefinition, München, GRIN Verlag GmbH
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