WS 2005/2006
Universität Bielefeld
Kapitel 6
Der Sozialisationsbegriff der Gegenwart:
Pierre-Félix Bourdieu
Gliederung
1. Biographie von Bourdieu
2. Zusammenfassung des Textes
3. These 1
4. These 2
5. These 3
6. Quellenangabe
1. Biographie von Bourdieu
Pierre - Félix Bourdieu
Geboren am 1.August 1930 in Denguin
Vater: Landwirt, später Postangestellter
Mutter: Hausfrau
er stammte aus einfachen Verhältnissen
1948:
Besuch des ,,Lycée de Pau"
Wechsel an rennomiertes ,,Lycée Louis-le-Grand"
Studium der Philosphie (an der ,,Ecole Normale Supérieure")
1954:
Abschluss
Arbeit als Lehrer
1958 1960: Soldat im Algerienkrieg
Forschungen über die Kultur der Berber
1962:
Heirat mit Marie-Claire Brizard
3 Kinder: Jérôme, Emmanuel und Laurent Bourdieu
1972 : Veröffentlichung von ,,Esquisse d`une théorie de la pratique"
(,,Entwurf einer Theorie der Praxis", 1979)
1979:
Veröffentlichung von ,,La distinction"
( ,,Die feinen Unterschiede", 1982)
1981:
Lehrstuhl am ,,Collège de France"
1983 : Scheidung von Marie-Claire
1990er :
setzt sich für die demokratische Kontrolle ökonomischer Prozesse ein
1995:
Solidarisierung mit streikenden Bahnarbeitern
1998:
Unterstützung der Arbeitslosenbewegung in Frankreich
Am 23. Januar 2002 stirbt Bourdieu in Paris an einer Krebserkrankung
2. Zusammenfassung des Textes
Pierre-Félix Bourdieu, einer der renommiertesten französischen Soziologen
des 20. Jahrhunderts, beschäftigte sich im Zuge empirischer Forschung mit den sozialen
Ungleichheiten in der Gesellschaft.
Um den Aspekt der Sozialisation zu beschreiben, verwendet Bourdieu Begriffe wie Kapital,
sozialer Raum und Habitus, die im weiteren Verlauf erläutert werden.
Seine Ausführungen beginnen mit der Begriffserklärung des Kapitals, welches man bisher
lediglich mit ökonomischen Aspekten in Zusammenhang gebracht hat.
Er geht davon aus, dass die Aufteilung der Gesellschaft in Klassen durch die unterschiedliche
Verfügbarkeit von Kapital hervorgerufen wird und um dieses besser zu verdeutlichen
unterscheidet er das Kapital 3 Teilbereiche.
Das ökonomische Kapital spiegelt die herkömmliche Definition des Kapitals wieder. Es
beschreibt den Besitz jeder Art von Ware, wie beispielsweise Unternehmen, Produktions-
mittel aber auch Geld, Schmuck und Kunstwerke, die direkt in Geld konvertierbar sind.
Das kulturelle Kapital, die zweite Kapitalsorte Bourdieus, beschreibt sowohl Investitionen
finanzieller als auch zeitlicher Art, die dazu verwendet werden, bestimmte Kenntnisse und
Fähigkeiten zu erwerben. Auch hier unterscheidet Bourdieu 3 Sorten des Kulturkapitals.
Das inkorporierte Kulturkapital beschreibt alle nicht angeborenen Eigenschaften, wie z.B. die
Sprechweise, die in manchen Regionen über den sozialen Status der Person entscheidet.
Um sich inkorporiertes Kulturkapital anzueignen muss jeder Mensch einzeln Zeit investieren.
Es ist Bestandteil einer Person und kann deshalb nicht durch Schenken, Vererbung oder Kauf
weitergegeben werden.
Das Objektivierte Kulturkapital umfasst Objekte, wie beispielsweise Bücher, Kunstwerke und
Musikinstrumente, die im Gegensatz zum inkorporierten Kulturkapital materiell übertragbar
sind. Jedoch müssen bei der ,,symbolischen Aneignung", was soviel bedeutet wie die richtige
Nutzung, dieser Objekte Fähigkeiten und Kenntnisse in inkorporierter Form vorliegen.
Das institutionalisierte Kulturkapital, welches somit die dritte Form des Kulturkapitals
darstellt, umfasst Bildungstitel wie z.B. das Abitur. Diese Bildungstitel können auf dem
Arbeitsmarkt in ökonomisches Kapital umgewandelt werden, jedoch hängt dies von der
relativen Seltenheit des jeweils institutionalisierten Kulturkapitals ab. Was soviel bedeutet,
dass das Abitur beispielsweise auf den Arbeitsmarkt wertvoller wirkt, je weniger es erworben
haben.
Bei der letzten Kapitalform Bourdieus handelt es sich um das soziale Kapital, welches sich
auf die Beziehungen der Individuen untereinander bezieht.
Es bietet ihnen Zugang zu Ressourcen des gesellschaftlichen Lebens, wie beispielsweise
Unterstützung und Hilfeleistung. Um sich soziales Kapital anzueignen ist, Bourdieu zufolge,
stetige ,,Beziehungsarbeit" erforderlich.
Bourdieus Begriff des Habitus:
Sozialisation als Habitualisierung
Der Begriff des Habitus bezeichnet nach Bourdieu die Beeinflussung von der Wahrnehmung,
dem Handeln und Denken eines Menschen durch gesellschaftliche Bedingungen. Aufgrund
von diesen Dispositionen kann auf den sozialen Ort eines Menschen oder auf die jeweilige
Zugehörigkeit zu einer Gruppe geschlossen werden.
Eigenschaften des Habitus sind:
1. Unbewußtheit (Erfahrungen werden verinnerlicht und führen unbewusst zu einem
bestimmten Verhalten oder einer bestimmten Einstellung)
2. Regelhaftigkeit (die erzeugten Dispositionen basieren auf objektiven Regeln)
3. Kollektivität ( der Habitus bezieht sich auf eine Gruppe von Personen, nicht auf das einzelne
Individuum)
Nach Bourdieu wirkt der Habitus nicht determinierend sondern limitierend. Die
Entscheidungs- und Willensfreiheit bleibt innerhalb der durch den Habitus markierten
Grenzen erhalten.
Da Habitualisierung schon in der Kindheit und Jugend geschieht, kann sie auch als
Sozialisation bezeichnet werden. Der einmal erworbene Habitus bleibt dann in der Regel ein
Leben lang erhalten, wenn er nicht durch wechselnde soziale Bedingungen verändert wird.
Desweiteren sind Habitusformen klassen-, geschlechts-, berufs- oder generationsspezifisch,
mitentscheidend ist, welcher sozialen Gruppe eine Person angehört.
Um Bourdieus Begriff des Habitus zu verdeutlichen bedient sich Koller eines Beispiels aus
,,About a Boy" von Nick Hornby.
In dieser Passage (S. 13 f) wird Will beim Ausfüllen eines Psychotests in einem
Männermagazin gezeigt. Hier werden persönliche Vorlieben und Lebensgewohnheiten
gezeigt. Aus den Fragen und den dazugehörigen Antworten können Schlüsse auf den Habitus
gezogen werden. Der eben nichts über den individuellen Lebensstil aussagt, sondern über die
Zugehörigkeit zu einem bestimmten Typus, in diesem Fall zum Typ des ,,Young urban
professional", dem ,,Yuppie" (mit der Abweichung, dass Will seinen finanziellen Status nicht
durch eigene Erwerbsarbeit erreicht). Fionas Habitus wird dagegen als eher alternativ
beschrieben und steht im Gegensatz zu Wills Habitus. Koller sieht in diesen unterschiedlichen
Beschreibungen den Bestandteil einer Milieustudie über den sozialen Raum des Englands der
1990er Jahre (vgl. S.154).
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