KIT (Universität Karlsruhe)
Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften
Institut für Literaturwissenschaft/Mediävistik
WS 09/10
Die Möglichkeit eines weltlichen
Bildungsweges im von Religion
geprägten Mittelalter
Name:
Katharina Brömel
Datum der Abgabe:
30.03.2010
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung...3
2 Wissen im Mittelalter...4
2.1 Voraussetzungen für den Wissenserwerb...4
2.2 historische, wissensbegünstigende Entwicklungen...5
2.3 Wissensvermittler...6
3 Verschiedene weltliche Schulformen...7
3.1 Städtische Schulen...7
3.1.1 Lateinschulen...8
3.1.2 Schreibschulen...9
3.2 Zwischenbilanz...9
4 Der universitäre Bildungsweg...11
5 Abschließende Betrachtung...16
6 Literaturverzeichnis...17
7 Quellenverzeichnis...19
8 Erklärung...20
1 Einleitung
Das Mittelalter wird von manchen als 'dunkles Zeitalter' bezeichnet. Tatsache ist, dass der
Entwicklungsstand natürlich nicht mit unseren heutigen Vorstellungen vom Leben und
unseren Errungenschaften vergleichbar ist. Tatsache ist aber auch, dass es auch im
Mittelalter Strömungen gab, dass die Menschen nach mehr Wissen und Fortschritt
strebten.
Unterscheiden muss man dabei noch das geistliche und das weltliche Wissen.
Ersteres war in Europa zu dieser Zeit stark verbreitet aufgrund der Vormachtstellung der
Kirche. Das weltliche Wissen, was bis zum Hochmittelalter nicht allzu präsent in der
Gesellschaft war, befand sich auf einem immer stärker werdenden Zweig, wie folgende
Arbeit zeigen soll. Außerdem soll nicht nur auf das Wissen, sondern vor allem auf die
Möglichkeiten des Wissenserwerbs eingegangen werden. Interessant wäre natürlich eine
vergleichende Betrachtung zum geistlichen Wissen und dessen Vermittlungsformen,
allerdings würde dies den Rahmen der Arbeit sprengen.
Für uns ist es heutzutage normal, verschiedene Schultypen und gegebenenfalls
noch die Universität zu durchlaufen. In unterschiedlichen Berufen werden
Weiterbildungen angeboten und es ist selbstverständlich, im Laufe seines Lebens ständig
neues Wissen zu erwerben. Interessant ist hierbei natürlich der historische Blick zurück
zu den Anfängen. Möchte man dahin, wo der weltliche Wissenserwerb die ganze
Gesellschaft durchzogen und verändert hat, kommt man also zum Hoch- und vor allem
zum Spätmittelalter.
Und genau für diese Zeit sollen im Folgenden die vorhandenen Gegebenheiten,
neue Ideen und Strömungen, die gesellschaftlichen Veränderungen und die Art der
Wissensvermittlung betrachtet werden.
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2 Wissen im Mittelalter
2.1 Voraussetzungen für den Wissenserwerb
Im Mittelalter hatte Wissen immer vorrangig mit Theologie zu tun: ,,Daß der Weg des
Wissens zur Weisheit führe und diese Weisheit das Wissen Gottes sei, war den Menschen
des Mittelalters zu allen Zeiten geläufig."
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Dementsprechend dominant in puncto
Wissensvermittlung waren die geistlichen Orte wie z.B. die Klöster. Dort wurden vor
allem zukünftige Kleriker ausgebildet und mit geistlichem Wissen für ihren späteren
,,Beruf" versorgt. Außerdem bekamen sie 'praktisches' Wissen wie etwa das Lesen und
Schreiben beigebracht. Dagegen war in der Bevölkerung der Dörfer und Städte
angewandtes Wissen nötig wie das Kennen eines Handwerks. Im Mittelalter waren ,,beide
Wissensbestände, das Bildungs- und das Handlungswissen, [...] strikt getrennt."
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Auf der
einen Seite standen also die Gelehrten und auf der anderen Seite die Bürger mit dem
jeweiligen Spezialwissen ihres Berufes. Erst im Zuge des im Folgenden beschriebenen
Bildungsprozesses kam es zu immer mehr Berührungen dieser beiden Wissensbereiche.
Wesentlich für die Beschreibung der Wissenssituation im Mittelalter ist die
Betrachtung der Lese- und Schreibfähigkeit. Diese wurden vorwiegend nur in schulischen
und klösterlichen Einrichtungen gelehrt. Weltliche Bildungseinrichtungen gab es
allerdings erst in größerer Anzahl im Spätmittelalter, so dass im Früh- und
Hochmittelalter sehr wenige Menschen des Lesens, geschweige denn des Schreibens
mächtig waren. Erst mit zunehmender Ausprägung des Bildungswesens sowie der
Erfindung des Buchdrucks und der damit einhergehenden rascheren Verbreitung von
Schrift nahm die Lese- und Schreibfähigkeit und die damit verbundene
Grundvoraussetzung für umfangreicheren Wissenserwerb im ausgehenden Mittelalter zu.
1 KINTZINGER. Wissen wird Macht. S. 8.
2 KINTZINGER. Wissen wird Macht. S. 29.
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2.2 historische, wissensbegünstigende Entwicklungen
Der bereits erwähnte Buchdruck hat zweifelsohne einen großen Teil beigetragen zur
allgemeinen Literarisierung des vorhandenen Wissens und zur dementsprechend größeren
Bildung der Bevölkerung. Denn durch ihn waren Bücher (und mit ihnen das in ihnen
dargestellte Wissen) nicht mehr nur ,,auf eine kleine geistig und sozial privilegierte
Schichte beschränkt, sondern fanden Eingang in breitere Volkskreise."
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Jedoch spielten nicht nur den Wissensbetrieb direkt beeinflussende Faktoren wie
der Buchdruck eine Rolle, vor allem muss auch die soziale Entwicklung beachtet werden.
Hierbei ist im Mittelalter die große Zunahme an Städten zu vermerken. Dadurch wurde
eine ganz eigene städtische Kultur hervorgebracht, in der auf der einen Seite immer mehr
Berufe und Spezialwissen entwickelt und benötigt wurden. Auf der anderen Seite ist zu
sehen, dass in den Städten immer mehr Menschen auf engem Raum zusammenlebten und
so neue Lösungen für Probleme und neue Beschäftigungsmöglichkeiten für die Vielzahl
an Bürgen geschaffen werden mussten. All diese Entwicklungen führten dazu, dass ,,der
Bedarf an lese-, schreib- und rechenkundigen Bürgern parallel zum politischen und
ökonomischen Aufschwung der St[ä]dt[e] (stieg)."
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Es wird also deutlich, dass ,,im Spätmittelalter Bildung [zunehmend] zu den
Bestandteilen bürgerlicher Repräsentation und damit der städtischen Kultur (gehörte)."
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Dieses neue Selbstverständnis setzte sich jedoch erst allmählich durch. Fürsten und die
Kirche wollten natürlich ihre Vormachtstellung nicht verlieren: ,,Reich und Territorien
waren bis zur Reformation trotz regen und wachsenden Interesses an Gebildeten im
ganzen wenig interessiert"
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an einer Förderung des weltlichen Bildungswesens. Doch
auch sie konnten diese Entwicklungen nicht aufhalten, die eng mit der neuen Stadtkultur
verbunden waren.
,,Die urbane Wissenskultur war ein europäisches Phänomen, das schon aufgrund
der regen zwischenstädtischen Kommunikation Länder- und Reichsgrenzen überschritt,
3 PLETICHA. S. 373.
4 HOLTZ. S. 448
5 MELVILLE, Gert; STAUB, Martial: Enzyklopädie des Mittelalters. S .421.
6 KINTZINGER. Einleitung. S. 5.
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