ZIELE UND ERGEBNISSE
Vorliegende Diplomarbeit analysiert, wie sich die Determiniertheit von Entscheidungen, die Manager im betriebswirtschaftlichen Kontext treffen, auf das Controlling auswirkt. Führungsverantwortliche, die nur durch ihre Gene und frühkindlichen Erfahrungen geleitet werden und somit keinen freien Willen besitzen, können in ihren Entscheidungen nur geringfügig beeinflusst werden. Somit scheint die Implementierung eines Controllingsystems obsolet. Die vorliegende Diplomarbeit entwickelt ein Controllingsystem, welches determinierten Entscheidungen Rechnung trägt.
Im ersten Teil wird das Verhältnis von Controlling und Management im Allgemeinen untersucht. Das zweite Kapitel setzt sich mit dem Forscher- und Medizinerstreit hinsichtlich der Determiniertheit bzw. Indeterminiertheit von Entscheidungen auseinander. Im abschließenden Teil werden Charakteristiken eines Controllingsystems entwickelt, das die einzelnen Bereiche des Unternehmens auch bei determinierten Entscheidungen von Managern erfolgreich koordiniert.
Ergebnis der Diplomarbeit ist, dass bei determinierten Entscheidungen ein Controllingsystem im Unternehmen implementiert werden sollte, das sowohl Managern in ihren Entscheidungen größere Freiheit zugesteht als auch den Schwerpunkt auf Koordination sowie den Aufbau eines Informationsnetzwerkes legt. Auf diese Weise können determinierte Entscheidungen von Managern dennoch teilweise beeinflusst werden.
5
INHALTVERZEICHNIS
ABBILDUNGSVERZEICHNIS 8
TABELLENVERZEICHNIS 8
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS 9
1. EINLEITUNG 11
1.1. FRAGESTELLUNG 11
1.2. ZIELE 12
1.3. AUFBAU DER ARBEIT 12
1.4. WISSENSCHAFTSTHEORETISCHE GRUNDLAGEN 14
1.4.1. Definition: Wissenschaftstheorie 14
1.4.2. Notwendigkeit der Wissenschaftstheorie 15
1.4.3. Forschungskonzeptionen 16
2. CONTROLLING UND MANAGEMENT 20
2.1. GRUNDSÄTZE UND DEFINITIONEN 20
2.1.1. Management 21
2.1.2. Controlling 23
2.1.3. Aufgabenteilung zwischen Manager und Controller 25
2.2. KONZEPTIONEN DES CONTROLLINGS 26
2.2.1. Controlling als Rationalitätssicherung 26
2.2.2. Controlling als Koordinationsfunktion 28
2.2.3. Controlling als umfassende Koordinationsfunktion 33
2.2.4. Controlling als Ergänzungsfunktion 34
2.3. VORLÄUFIGE CONCLUSIO I 37
6
3. DER (UN)FREIE WILLE DETERMINISMUS UND
INDETERMINISMUS VON ENTSCHEIDUNGEN 38
3.1. DETERMINISMUS 38
3.1.1. Wissen 39
3.1.2. Bewusstsein 40
3.1.3. Freiheit 42
3.1.4. Entscheidungen 43
3.1.5. Zusammenfassung 45
3.1.6. Kritik 46
3.2. INDETERMINISMUS 48
3.2.1. Das Bereitschaftspotential 48
3.2.2. Geist 51
3.2.3. Bewusstsein 54
3.2.4. Freiheit 56
3.2.5. Entscheidungen 58
3.2.6. Zusammenfassung 59
3.2.7. Kritik 61
3.3. WEITERE WILLENSKONZEPTE 62
3.3.1. Der freie Wille als Vetofunktion 62
3.3.2. Kompatibilismus 64
3.4. VORLÄUFIGE CONCLUSIO II 65
4. CONTROLLING DETERMINIERTER
ENTSCHEIDUNGEN 68
4.1. DETERMINIERTE ENTSCHEIDUNGEN DER MANAGER 68
4.1.1. Einfluss des Controllers 69
4.1.2. Entscheidungen von Managern in Unternehmen 69
4.1.3. Controlling von determinierten Entscheidungen 71
4.2. KONSEQUENZEN FÜR DIE UNTERNEHMENSORGANISATION 74
7
4.2.1. Determiniertheit als dezentrales Entscheidungssystem 74
4.2.2. Entwicklung eines dezentralen Entscheidungssystems 76
4.3. URSACHEN FÜR DAS EXISTIEREN EINES CONTROLLINGS 78
4.3.1. Existenz des Controllings als Erfolgsfaktor 78
4.3.2. Komplexität unternehmerischer Entscheidungen 79
5. CONCLUSIO 81
BIBLIOGRAPHIE 83
8
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Abbildung 1: Begriffs- und Aussagenbildung als zyklischer Prozess 17
Abbildung 2: Verantwortungsbereiche von Managern und Controllern 25
Abbildung 3: Controllingsystem als Koordinationsfunktion 29
Abbildung 4: Abgrenzung der Koordinationsaufgaben der Organisation
und des Controllings 34
Abbildung 5: Einflussfaktoren auf deterministische Entscheidungen 45
Abbildung 6: Vergleich von aktiven willentlichen Bewegungen des
rechten Zeigefingers mit ähnlichen passiven Bewegungen 50
Abbildung 7: Gehirnvergleich Igel Koboldmaki und Mensch 53
Abbildung 8: Aufgliederung der Hirnrinde in Funktionsfelder nach Kleist
an der Innenseite der rechten Hemisphäre 55
Abbildung 9: Lokalisation der Funktionen an der Großhirnrinde auf
zytoarchitektonischer Grundlage nach Karl Kleist 57
Abbildung 10: Einflussfaktoren auf indeterministische Entscheidungen 60
Abbildung 11: Selbst eingeleitete Handlung: Abfolge 63
Abbildung 12: Entscheidungssystem nach deterministischer Auffassung 75
Abbildung 13: Analoges Entscheidungssystem im Unternehmen unter
Berücksichtigung determinierter Entscheidungen 76
TABELLENVERZEICHNIS
Tabelle 1: Gegenüberstellung Determinismus Indeterminismus 66
9
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
aktual. aktualisierte
Aufl. Auflage
bearb. bearbeitete
BP Bereitschaftspotential
bzgl. bezüglich
bzw. beziehungsweise
ca. circa
CMA Gyrus cinguli anterior
d.h. das heißt
EEG Elektroenzephalogramm
EMG Elektromyogramm
engl. englisch
erg. ergänzte
erw. erweiterte
et al. et alii
etc. et cetera
f. folgende
ff. fortfolgende
Hg. Herausgeber
insbes. Insbesondere
MEG Magnetoenzephalogramm
msec Millisekunde
Nr. Nummer
o. ä. oder ähnliches
Orig. Original
PK Planung und Kontrolle
S. Seite
sec Sekunde
SMA Supplementäre Motorische Area
u. und
u.a. unter anderem (Fließtext)
u.a. und andere (Bibliografie)
überarb. überarbeitete
unveränd. unveränderte
usw. und so weiter
vgl. vergleiche
Vol. Volume (engl.: Ausgabe)
vollst. vollständig
VP Versuchsperson(en)
W Zeitpunkt des Bewusstwerdens des Willens
z.B. zum Beispiel
1. Einleitung
1. EINLEITUNG
1.1. FRAGESTELLUNG
Besitzt der Mensch einen freien Willen? Oder bildet er sich nur ein, dass er frei entscheiden könnte? Werden also Willensentscheidungen nur im Gehirn, durch uns mehr oder weniger bekannte Aktionen, ausgelöst? Bilden wir uns dabei lediglich ein, eine Entscheidung frei getroffen zu haben? Sobald man über diese Fragen beginnt nachzudenken, erkennt man, welche weitreichende Bedeutung die Beantwortung in die eine oder andere Richtung hat.
Die Forschungsfrage in der vorliegenden Diplomarbeit ist daher, welche Auswirkungen eine mögliche Determiniertheit der Entscheidungen des Managements auf das Controlling hat. Können Manager von Controllern überhaupt erfolgreich unterstützt, koordiniert und kontrolliert werden, wenn sie ihre Entscheidungen nicht selbst treffen, sondern diese schon von Vornherein bestimmt sind? Falls dem so ist, welchen Sinn hat dann ein Controlling? Nehmen wir beispielsweise an, ein Unternehmensführer möchte eine bestimmte, risikoreiche Investitionsentscheidung treffen. Ist der Manager in seinem Willen und seinen Entscheidungen determiniert und generell von seinen Anlagen her risikofreudig, so wird er unter Umständen die Entscheidung unabhängig von den Warnungen des Controllers treffen. Da Controller dem Management grundsätzlich organisatorisch untergeordnet sind, wird ein Unternehmensführer den Controller zwingen können, „ihm diesen Business Case positiv zu rechnen“. Was würde daraus folgen? Controller hätten einen äußerst begrenzten Einfluss auf die Unternehmensführung. Ihre einzige Aufgabe wäre es, nur solche Informationen bereitzustellen, die im Einklang mit der schon vorher getroffenen Management-Entscheidung sind. Jede Art von Einflussnahme bliebe auf das gleichzeitige Einverständnis des Managements beschränkt.
Gerade weil seit der Beschäftigung des Autors mit Unternehmensführung oftmals das Gefühl entstand, Manager „machen sowieso, was sie wollten“
1. Einleitung
und ließen es dann vom Controlling „schön rechnen“, ist die Frage, inwieweit Manager von Controllern beeinflussbar sind und welche Art von Controlling dafür am besten geeignet sein könnte, besonders interessant. Dies wird in der vorliegenden Diplomarbeit erörtert.
1.2. ZIELE
Das Ziel der vorliegenden Diplomarbeit ist zu zeigen, welche Auswirkungen die (mögliche) Determiniertheit der Entscheidungen (durch Genom und Umfeld) von Managern auf das Controlling hat. Es soll geklärt werden, welchen Sinn ein Controlling bei Determiniertheit der Entscheidungen hätte und wie es dazu angepasst werden könnte.
Erstes Nebenziel ist es, einen Überblick über die gängigsten Controlling-Konzeptionen in der Theorie zu erlangen. Das zweite Nebenziel umfasst das eingehende Verständnis des Mediziner- und Forscherstreits hinsichtlich des (In-)Determinismus von Willensentscheidungen und dessen philosophischen Hintergrund mit seinen Auswirkungen.
Kein Ziel ist es, ein Urteil darüber abzugeben, ob Menschen einen freien Willen besitzen oder nicht. Diese Frage bleibt der Medizin, der Psychologie und der Philosophie überlassen.
1.3. AUFBAU DER ARBEIT
Die vorliegende Diplomarbeit gliedert sich in fünf Bereiche. Im ersten Teil werden nach einer kurzen Einleitung wissenschaftstheoretische Grundlagen (1.4.) der Diplomarbeit erklärt.
Hierauf wird Grundsätzliches zu Management und Controlling (2.) untersucht. Dabei wird zuerst auf eine Definition der beiden Begriffe (2.1.) Wert gelegt und in einem zweiten Schritt werden die verschiedenen Controlling-Konzeptionen (2.2.) untersucht. Schlussendlich wird ein vorläufiges Fazit
1. Einleitung
(2.3.) bezüglich dieser beiden Funktionen im Unternehmen gezogen und so deren Anwendung innerhalb der folgenden Kapitel festgelegt.
Im dritten Teil wird ein Überblick über Streitfragen bezüglich Determinismus (3.1.), Indeterminismus (3.2.) und Zwischenpositionen (3.3.) gegeben. Die beiden ersten Unterkapitel weisen eine ähnliche Struktur auf; sie erklären den Prozess der Entscheidungsfindung, jeweils aus deterministischer und indeterministischer Sichtweise. Eine vorläufige Conclusio (3.4.) fasst die Ergebnisse zusammen und wirft Implikationen für weitere Kapitel auf. Die grundsätzliche Frage, ob der Mensch einen freien Willen besitzt, soll bewusst nicht beantwortet werden, da diese Frage sowohl aus philosophischer als auch medizinischer Sicht (noch) nicht eindeutig geklärt werden konnte. Der vierte Teil erforscht das Verhältnis von Controlling und Management, falls Entscheidungen von Managern determiniert sind. Können solche Entscheidungen positiv beeinflusst werden? Welche Handlungsalternativen bestehen für das Controlling, um eine Unternehmen erfolgreich zu koordinieren? Zuerst wird erklärt, wie ein Controlling von determinierten Entscheidungen gestaltet sein könnte (4.1.). Das zweite Unterkapitel bezieht sich auf eine veränderte Unternehmensorganisation, die ähnlich dezentral und komplex wie das Entscheidungssystem nach deterministischer Auffassung aufgebaut ist (4.2.). Zuletzt werden Argumente für das Existieren von Controllingsystemen gegeben (4.3.).
In einem abschließenden Fazit (5.) werden neue Forschungsrichtungen für die neuroökonomische Wissenschaft und das Verhältnis zwischen einem im vorherigen Kapitel entwickelten Controllingsystem und determinierten Entscheidungen in zusammenfassender Form dargestellt.
1. Einleitung
1.4. WISSENSCHAFTSTHEORETISCHE GRUNDLAGEN
1.4.1. Definition: Wissenschaftstheorie
Entsprechend der Forderung von Chmielewicz, Definitionen am Anfang einer wissenschaftlichen Abhandlung zu setzen, werden im Folgenden die wissen-schaftstheoretischen Grundlagen der vorliegenden Diplomarbeit erklärt. 1 Wissenschaft wird nach Schülein/Reitze folgendermaßen definiert.
„Wissenschaft ist eine Sonderform von institutionalisierter Reflexion, die aus bestimmten historischen Umständen hervorgegangen und in ihrer Entwicklung eng mit der Dynamik moderner Gesellschaften verbunden ist. Für sie gilt immer, dass sie in ihrer Entwicklung und Funktionsweise von bestimmten Rahmenbedingung abhängig bzw. darauf bezogen
ist.“ 2
Theorien versuchen dabei, die aus der Reflexion gewonnene Realität zu erklären. Sie geben bewiesenes Wissen wieder und „formulieren Gesetzmäßigkeiten, die die Welt in eine bestimmte Ordnung bringen“ 3 . Das Ziel von Theorien ist ein „logischer Zugang zur Welt“ 4 , der auch in der vorliegenden Diplomarbeit verfolgt wird. Bei Chmielewicz wird Theorie in Abgrenzung zur Praxis erklärt:
„Theorie ist, unabhängig von den jeweiligen Besonderheiten ihrer Institutionalisierung, die Form, die Reflexion dann entwickeln kann, wenn sie sich lösen kann von den Zwängen der Praxis [...].Theorien [sind] die
Idealform (institutionalisierter) Reflexion.“ 5
Wissenschaftstheorie, oder Epistemologie, widmet sich demnach der speziellen Problemlage der Sonderform Wissenschaft und muss „die Funktionsweise einer besonderen Form von institutionalisierter Erkenntnis erfassen
1 Vgl. Chmielewicz (1994), S. 59.
2 Schülein/Reitze (2005), S. 25.
3 Popper (1994), S. 14 ff.; Ruß (2004), S. 81 ff., zitiert nach Kirsch/Seidl/van Aaken (2007), S. 7.
4 Schülein/Reitze (2005), S. 221.
5 Schülein/Reitze (2005), S. 21.
1. Einleitung
und begreifen“ 6 . Epistemologie wird als die „Lehre von der Wissenschaft bzw. [...] Wissenschaftswissenschaft“ 7 bezeichnet. Sie ist eine Metawissenschaft, die sich entgegen der „Realwissenschaft [nicht] [...] mit realen Phänomenen der Erfahrungswelt als Objekt beschäftigt, [sondern] [...] mit den Aussagensystemen der Wissenschaft, insbes. der Realwissenschaft als Objekt“ 8 . Zweck der Wissenschaftstheorie ist es demnach, in einer Metaebene, also in einer Ebene, in der Aussagen über Aussagen getroffen werden, eine rationale, wissenschaftliche Bearbeitung zu gewährleisten. 9 Epistemologie untersucht dabei „die wissenschaftliche Erkenntnis und damit die Struktur wissenschaftlicher Theorien“ 10 . Auch Lauth/Sareiter definieren Wissen-schaftstheorie als die Befassung mit logischen und methodischen Grundlagen. 11
1.4.2. Notwendigkeit der Wissenschaftstheorie
Die Notwendigkeit der Beschäftigung mit Wissenschaftstheorie zu Beginn einer jeden wissenschaftlichen Abhandlung unterstreicht Chmielewicz mit folgenden Argumenten 12 :
• Erstens sollte sowohl die Wissenschaftstheorie per se als auch die wissenschaftliche Abhandlung auf rationalen Überlegungen basieren.
• Zweitens muss der wissenschaftlich Geschulte die methodologischen Spielregeln kennen. Von diesen kann er sich während der wissenschaftlichen Arbeit leiten lassen.
6 Schülein/Reitze (2005), S. 26.
7 Raffée (1993), S. 17.
8 Chmielewicz (1994), S. 34.
9 Vgl. Raffée (1993), S. 17-20.
10 Lütge (2001), S. 18.
11 Vgl. Lauth/Sareiter (2005), S. 12.
12 Vgl. Chmielewicz (1994), S. 5-6.
1. Einleitung
• Drittens besitzt die Wissenschaftstheorie ebenfalls eine gesellschaftskritische und aufklärerische Komponente, die beispielsweise unbegründbare oder dogmatische Aussagen als solche entlarven kann.
• Viertens unterstützt die Wissenschaftstheorie den Verfasser der wissenschaftlichen Arbeit bei der Vermeidung methodischer Fehler. Die Beschäftigung mit Wissenschaftstheorie gilt gleichermaßen für die Betriebswirtschaftslehre als Orientierungshilfe, da auch dort unrationales Vorgehen, das zu einseitigen, dogmatischen Aussagen führen kann, vermieden werden soll. 13
1.4.3. Forschungskonzeptionen
Um (wirtschafts-)wissenschaftliche Problemstellungen lösen zu können, muss laut Chmielewicz unterschieden werden, welche Forschungskonzeption für das Erreichen eines bestimmten Wissenschaftsziels am sinnvollsten ist. Er nennt dabei vier grundsätzliche Arten von Forschungskonzeptionen: 14
• „Die BEGRIFFSLEHRE [...] begnügt sich mit der Bildung und Präzisierung von Begriffen und Definitionen“ 15 . In Anlehnung an Popper sieht Chmielewicz die Aufgabe der Wissenschaft innerhalb dieser Forschungskonzeption, „das Wesen (die Essenz) der Dinge in möglichst exakten Definitionen zu erfassen“ 16 . Raffée betont ebenfalls, dass „Aussagen über die Realität nur dann überprüfbar sind, wenn die Tatbestände, auf die sie sich beziehen, definiert sind“ 17 Begriffe, die in der Diplomarbeit verwendet werden, werden zu Beginn der jeweiligen (Unter-)Kapitel definiert und dann im Verlauf der weiteren Abhandlung
13 Vgl. Raffée (1993), S. 20.
14 Vgl. Chmielewicz (1994), S. 8-17.
15 Chmielewicz (1994), S. 10.
16 Chmielewicz (1994), S. 49.
17 Raffée (1993), S. 28.
1. Einleitung
schrittweise präzisiert. Aussagen, die sich aus der Definition von Begriffen und der Untersuchung des Stoffes ergeben, sind dabei wiederum Grundlage für die Definition neuer Begriffe und Aussagen. Bereits eingeführte Begriffe werden jedoch auch „umdefiniert, um noch präzisere Aussagen bilden zu können“ 18 . Ersichtlich wird dieser zyklische Prozess in folgender Abbildung:
Abbildung 1: Begriffs- und Aussagenbildung als zyklischer Prozess (Quelle: Chmielewicz (1994), S. 59)
In den folgenden Kapiteln wird zwischen Begriff und Aussagen nach obigem, dynamischen Erkenntnisprozess verfahren.
• „Die [WIRTSCHAFTS-]THEORIE [...] verwendet [definierte] Begriffe als Elemente von theoretischen Aussagen“ 19 . Die bloße Definition von Begriffen als Selbstzweck ist nicht die einzige Aufgabe der Wissenschaft; vielmehr muss untersucht werden, ob „sich damit leistungsfähige Aussagen bis hin zu umfassenden Theorien bilden lassen“ 20 . Diese Aussagen müssen sowohl logisch und faktisch wahr sein 21 , als auch einen Informationsgehalt besitzen. 22 Darüber sollte aus ihr auch ein wissenschaftlicher Fortschritt für die Gesellschaft oder Menschheit erwachsen. 23
18 Chmielewicz (1994), S. 59.
19 Chmielewicz (1994), S. 11.
20 Chmielewicz (1994), S. 11.
21 Vgl. Chmielewicz (1994), S. 90-98.
22 Vgl. Chmielewicz (1994), S. 123-124.
23 Vgl. Chmielewicz (1994), S. 132.
1. Einleitung
• „Die [WIRTSCHAFTS-]TECHNOLOGIE [...] basiert auf diesen theoretischen Aussagen und formt sie technologisch (instrumental, final, teleologisch, praxeologisch) um, indem die Wirkungen im ganzen oder zum Teil als Ziele angestrebt und dafür Ursachen, soweit sie gestaltbar sind, als Mittel herbeigeführt werden.“ 24 Die Wirtschaftstechnologie erstellt demnach ein Zielsystem und formt Ursache/Wirkungs-Zusammenhänge in Zweck/Mittel-Zusammenhänge 25 um. Mittel sind dabei im Gegensatz zu Ursachen stets von Menschen beeinflussbar. 26 Die Technologie ist hierbei eine „anwendungsbezogene Umformung der Theorie“ 27 und sollte der Konzeption nach werturteilsfrei sein 28 .
• „Die [WIRTSCHAFTS-]PHILOSOPHIE [...] legt die Technologie zugrunde und formuliert Werturteile“ 29 über die verfolgten Ziele in der Technologie 30 . Nach Raffée können Aussagen „als Werturteile betrachtet werden, wenn sie einen auszeichnenden Realitätsbezug, eine implizite Bezugnahme auf Prinzipien und eine präskriptive Erwartung enthalten“ 31 . Der Wirtschaftsphilosophie fehlt im Gegensatz zur Theorie und Technologie der Wahrheitswert, wobei dieser durch die normative Gültigkeit ersetzt wird 32 .
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht, wie bereits oben erwähnt, die Auswirkung möglicher determinierter Entscheidungen auf die Beziehung zwischen Controlling und Management. Daher wird als Forschungskonzeption sowohl die Wirtschaftstheorie, also die Frage nach nicht beeinflussbaren Ur-
24 Chmielewicz(1994), S. 11.
25 Vgl. Kirsch (2007), S. 176.
26 Vgl. Chmielewicz (1994), S. 12-14.
27 Chmielewicz (1994), S. 182.
28 Vgl. Chmielewicz (1994), S. 276-277.
29 Chmielewicz (1994), S. 14.
30 Vgl. Chmielewicz (1994), S. 207-208.
31 Raffée (1993), S. 45.
32 Vgl. Chmielewicz (1994), S. 216-217.
Arbeit zitieren:
Roman Wachtel, 2009, Der Freie Wille und Controlling, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
BWL - Controlling: Der Freie Wille und Controlling ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
BWL - Controlling: neuer Titel erschienen: Der Freie Wille und Controlling
Roman Wachtel hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare