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Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
Kapitel 1: Intertextualitätstheorien 5
1.1. Text und Prätext 7
1.2. Autor und Rezipient 8
Kapitel 2: Müllers Theaterkonzeption 12
2.1. Theater als Material 12
2.2. Der Einfluß Antonin Artauds 12
2.3. Die Rolle des Zuschauers oder die soziale
Funktion des Theaters 14
2.4. Die Inszenierung der Hamletmaschine von
Robert Wilson 16
Kapitel 3: Skalierung der Intertextualität in der
Hamletmaschine 18
Epilog 22
Literaturverzeichnis 23
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Heiner Müllers Hamletmaschine entstand 1977 und war ursprünglich als „Variation über Hamlet“ angelegt. „Ich stellte mir ein Zweihundert-Seiten-Stück vor...“ 1 resümieret Heiner Müller in seiner Autobiographie. Entstanden ist daraus ein fünfseitiges Extrakt aus Bilderreihen und Textcollagen. Die vorliegende Arbeit umfasst zwei - auf den ersten Blick - unterschiedliche Themengebiete, die im dritten Kapitel miteinander verknüpft werden. Im ersten Kapitel soll ein einführender Überblick über die Entstehung und die Entwicklung der Intertextualitätstheorie und der hervorgegangen, divergierenden Strömungen gegeben werden. Da es sich nur um eine einführende Darstellung handelt, ist es nicht möglich, alle Theorien hier vorzustellen. Ich habe eine Auswahl getroffen, die mir persönlich sinnvoll scheint und in Hinblick auf eine Analyse der Intertextualität in Heiner Müllers Hamletmaschine relevant ist. Grundlage für diesen Überblick bildet der Aufsatz von Manfred Pfister „Konzepte der Intertextualität“ 2 . Die Darstellung geht von Bachtins Begriff der Dialogizität aus, und führt über Kristeva, Genette und Bloom zu Pfisters Unterteilung in zwei Beziehungen; zum einen das Verhältnis zwischen Autor und Rezipient, zum anderen das Verhältnis zwischen Text und Prätext. Das zweite Kapitel beschreibt Müllers Theaterkonzeption. Die Darstellung soll einen ersten Überblick über die Theatertheorie Heiner Müllers geben. Dabei wird auf Einflüsse von Antonin Artaud und Berthold Brecht verwiesen, die mir eindeutig erscheinen. Müllers Bezüge zu „dem Absurden Theater Becketts“ 3 oder „dem Surrealismus Lautreamonts“ 4 werde ich angesichts dieses Rahmens ausklammern . Ich habe versucht Müllers Auffassung, Theater müsse immer eine soziale Funktion haben, anhand einiger Zitate und Ausführungen darzulegen. Hierzu soll auch ein Eindruck von Müllers
4
Pädagogikverständnis vermittelt werden, in dem dem Zuschauer eine enorme Rolle zukommt.
Abschließend wird noch kurz die Aufführung der Hamletmaschine unter der Leitung des NY Regisseurs Robert Wilson besprochen. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Inszenierungsart, die meiner Meinung nach am besten widerspiegelt, was Müllers Theaterkonzeption ausmacht. Den Abschluß dieser Arbeit bildet eine kurzgefasste Skalierung der Intertextualität in der Hamletmaschine. Hier versuche ich, die Kriterien, die nach Manfred Pfister für eine Skalierung der Intertextualität eines Textes ausschlaggebend, sind auf die Hamletmaschine anzuwenden und jeweils mindestens ein Beispiel anzuführen. Den Schwerpunkt der Arbeit bilden allerdings die ersten beiden Kapitel.
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1. Intertextualitätstheorie
Im ersten Kapitel soll ein Überblick über die Entstehung und Entwicklung und die daraus entstandenen, divergierenden Strömungen der Intertextualitätstheorie gegeben werden. Da es sich nur um eine einführende Darstellung handelt, ist es nicht möglich, alle Theorien hier vorzustellen. Grundlage für diesen Überblick bildet Manfred Pfisters Aufsatz Konzepte der Intertextualität. Anhand dieses Textes soll versucht werden, die wichtigsten Theorien auch im Hinblick auf Heiner Müllers Hamletmaschine wiederzugeben.
Der Begriff Intertextualität wird erst im 20.Jahrhundert eingeführt, die Wurzeln seiner Bedeutung gehen jedoch zurück bis ins antike Griechenland. Damals wurde in der Rhetorik zwischen imitatio vitae, dem Textbezug auf die Wirklichkeit, und imitatio veterum, dem Textbezug auf andere Texte unterschieden. Auch hier wurde schon davon ausgegangen, daß Texte zu anderen in Bezug stehen.
Michael Bachtin ( 1895 - 1975 ) entwickelt Ende der zwanziger Jahre die Theorie der Dialogizität. Für ihn gibt es keine absolute Sinnhaftigkeit, daher kann nach Bachtin eine Bedeutung nur in Relationen begriffen werden, und diese sind entscheidend von der Position des Betrachters abhängig. Vorläufige Erkenntnisse können nur in einem nie abgeschlossenen offenen Dialog zwischen dem Selbst und dem Anderen gewonnen werden. 5 Die zentrale Opposition „Monologizität“ vs. „Dialogizität“ wird in drei
Dichotomien verdeutlicht: „monologisch“ vs. „dialogisch“, „zentripetal“ vs.
„zentrifugal“ und „Epos“ vs. „Roman“. Ein weiterer wichtiger Begriff
innerhalb Bachtins Schaffen ist der „polyphone Roman“. In ihm tritt der
Autor zurück und ist nunmehr eine Stimme unter vielen, wodurch es den
Charakteren ermöglicht wird, für sich selbst zu sprechen. Die Vorstellung
eines autonomen „Ichs“ wird abgelöst; das Selbst formt sich nun durch
6
Selbstreflexion und in der Reflexion auf andere, in der dialogischen
Existenz.
Mit dem individuellen Subjekt des Autors verschwindet aber auch die Individualität des Werkes selbst, das zum bloßen Abschnitt in einem universalen, kollektiven Text entgrenzt wird. 6 Aus diesem Kontext entsteht die Theorie des Poststrukuralismus, das Bild eines „Universums der Texte“, eines „texte general“, was bedeutet, daß es kein Vakuum mehr gibt, in dem Texte entstehen können. Deshalb verweist ein Text immer - beabsichtigt oder unbeabsichtigt - auf einen anderen Text und prinzipiell auf alle anderen Texte.
Der Terminus „Intertextualität“ wird in den späten Sechzigern durch Julia Kristeva ( *1941 ) geprägt, die ausgehend von Bachtins Schriften zu Dostojevski und Rabelais ein neues Konzept zur Texterfassung erarbeitete. Bei Kristeva ist Intertextualität ein allgemeines Merkmal von Texten : [...] jeder Text baut sich als Mosaik von Zitaten auf, jeder Text ist Absorption und Transformation eines anderen Textes. 7 Anders als Bachtin versteht sie Text als „Mechanismus“ und „Produktivität“ und spricht ihm eine bedeutungsproduzierende Selbständigkeit zu, die sich von der Instanz einer künstlerischen Gestaltungsabsicht des Autors, dem Konzept eines geschlossenen Werkes und der Idee einer dialogischen Kommunikation zwischen Subjekten ablöst. Der Autor wird zum Schnittpunkt von Diskursen, das intendierte Werk zum ambivalenten Text, an die Stelle der Intersubjektivität tritt die Intertextualität. Kristeva geht sogar so weit, alles als Text zu bezeichnen, so schließt ihr entgrenzter Textbegriff auch jedes kulturelle System und jede kulturelle Struktur ein. 8
Arbeit zitieren:
Martin Börzel, 2000, Hamletmaschine, München, GRIN Verlag GmbH
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