Historisches Institut der RWTH Aachen Abteilung Alte Geschichte Zwischenprüfungsarbeit Erarbeitet von: Uwe Daniels Abgabedatum: 1. 02. 2001
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Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort 3
2. Das Land der Germanen und die Germanenvölcker 4
3. Die Germanienvorstöße unter Caesar 9
4. Die Germanienpolitik des Augustus bis zur Varusschlacht 13
4.1 Die Feldzüge von Drusus in Germanien 12 - 9 v. Chr. 13
4.2 Tiberius in Germanien 8 v. Chr - 6 n. Chr. 20
4.3 Römische Herrschaftsform im Gebiet zwischen Rhein und Elbe 24
4.4 Die Varusschlacht 29
5. Die Zeit nach der Varusschlacht bis zur Abberufung
des Germanicus 35
6. Zeittafel 41
7. Literaturverzeichnis 42
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1. Vorwort
In der folgenden Arbeit wird die römische Germanienpolitik dargestellt, die ihren Anfang im Zuge des Gallischen Krieg Caesars mit dem Bau einer Rheinbrücke im Jahre 55 v. Chr. nimmt und nach der Abberufung des Germanicus 16 n. Chr. mit dem Rückzug der Römer auf die Rheingrenze in ihrer expansiven Ausrichtung ein Ende findet.
An erster Stelle werden die germanischen Völker mit ihren damaligen Siedlungsraum vorgestellt, daß Land der Germanen abgegrenzt und in seinen Naturräumlichen Gegebenheiten beschrieben.
Nach dieser mehr geographischen Einführung wird anschließend der Beginn der römischen Expansion nach Germanien unter Julius Caesar beschrieben. War dieses Vorgehen gegen die Germanen nur eine kurze Episode, so ist seit den Feldzügen des Drusus und Tiberius, welche weit in das Germanengebiet jenseits des Rhein führen, der Versuch unternommen wurden, daß eroberte Gebiet zu befestigen und zu einer Provinz auszubauen. Dieses wird in einem Teil dieser Arbeit dargestellt. Im Anschluß an diese Ausführungen wird desweiteren dargelegt wie es zur Varusschlacht, welche für Rom mit einem Desaster endet, kommt und wie in der Folgezeit römische Politik gegenüber den Germanenvölker fortgeführt wird und was der Verzicht auf eine Okkupation Germaniens langfristig für Folgen hat. Germanien ist im übrigen bis zu diesen Zeitpunkt das erste Land, aus dem Rom sich wieder zurückziehen mußte.
Dieses Kapitel der Römisch - Germanischen Geschichte ist in zahlreichen wissenschaftlichen Abhandlungen dargestellt. Wie aber sieht es mit der Quellenliteratur aus?
Da die Germanen keine Aufzeichnungen hinterlassen haben, beziehen wir das gesamte Wissen von römischen Schriftstellern. Dies ist zum ersten nicht so vorteilhaft, weil dadurch die Ereignisse, welche im folgenden Text dargestellt werden, nur aus einer Perspektive bekannt sind.
Zum zweiten sind die römischen Autoren zum Zeitpunkt der Ereignisse nicht selber in Germanien gewesen noch haben sie zum Teil zu diesen Zeitpunkt überhaupt gelebt. Tacitus, auf dessen Werk ,, Germania ´´ sich die meisten heutigen Autoren beziehen, wurde 46 Jahre nach der Varusschlacht im Jahre 55 n. Chr. geboren. Auch Sueton wird erst 75 n. Chr. Geboren. Cassius Dio schreibt seine ,,Römische Geschichte``
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erst etwa 180 Jahre später. Der einzige Zeitzeuge, der Aktiv am Geschehen beteiligt ist und dies in seinem „ Bellum Gallicum`` niederschreibt, ist Julius Caesar. Der spielt jedoch nur in den ersten Anfängen dieser Arbeit eine Rolle. Die oben genannten Autoren werfen auch die Frage nach ihrer Glaubwürdigkeit auf. Es gibt bei einem Autor ein Detail, welches bei einem anderen nicht oder völlig anders beschrieben wird.
Weiter ist zu befürchten, daß manche Tatsachen falsch oder Übertrieben dargestellt werden, wohl auch um das römische Scheitern in ein besseres Licht zu stellen.
2. Das Land der Germanen und die Germanenvölker
Das Land der Germanen oder vielmehr das der einzelnen Germanenvölker ist schwer abzugrenzen, da es keine politischen Grenzen besitzt. Germanien beinhaltet vielmehr eine Ansammlung in sich verschiedener Stämme, die in Nachbarschaft in einem Gebiet leben, welches man geographisch mit dem Rhein als westliche Grenze, der Donau oder die Alpen als Südgrenze, der Nord - und Ostsee als nördliche Grenze sowie der Weichsel als östliche Grenze begrenzen kann. Es ist jedoch so, daß dieses Gebiet nicht vollständig besiedelt ist und auch außerhalb noch Germanenstämme seßhaft sind. Dies macht die Karte auf S. 6 auch deutlich. 1, 2 Zur Herkunft der Germanen gibt Tacitus in seiner „Germania‘‘ an, daß die verschiedenen Germanengruppen Ureinwohner sind. 3 Dies ist allerdings nicht richtig. Vielmehr kommen die Germanischen Völker ursprünglich aus Skandinavien, 4 Dänemark ,von der Nord- und Ostseeküste sowie aus dem Gebiet der Elbe. 5 Die Karte auf S. 6 verdeutlicht, daß einzelne Germanenstämme vom Norden kommend langsam in südlicher Richtung vordringen . Um 750 v. Chr. bewohnen sie den oben genannten Raum, so haben einzelne Gruppen oder ganze Stämme bei Christi Geburt Rhein , Donau und Weichsel erreicht.
Auf der Karte ist weiterhin zu erkennen, das die einzelnen Germanenstämme eigene Namen besitzen. So stellt sich die Frage nach der Herkunft der Bezeichnung „ Germanen‘‘ für diese Gruppen. Die Altertumswissenschaft ist sich einig darüber, daß
1 Vgl. Tacitus, Germania, 1990, Kap. 1.
2 Vgl. Kinder, H. / Hilgemann, W., dtv - Atlas Weltgeschichte Band 1, S. 108.
3 Vgl. Tacitus, Germania, Kap. 2.
4 Vgl. Wolfram, H. , Die Germanen, 1999, S. 15.
5 Vgl. Goetz, H - W. / Welwei, K - W. , Altes Germanien, 1995, S. 7.
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der Germanename als solcher nichtgermanischer, aber auch nicht lateinischer Herkunft ist und seine Bedeutung daher im Dunkeln bleibt. 6 Der Begriff Germanen als Bezeichnung für eine eigene Volksgruppe, getrennt von Kelten und Galliern, wird erstmals von Julius Caesar in seinem Buch „ De bello Gallico‘‘ über den Gallischen Krieg, dargestellt. Dort geht er davon aus, daß der Rhein Gallien und Germanien voneinander trennt. Durch Caesar wird der Germanenbegriff als Gesammtbezeichnung für alle rechts des Rhein lebenden Völker bekannt. 7
Das Land der Germanen wird von Tacitus in seiner Naturausstattung als sehr unterschiedlich beschrieben, wobei er jedoch angibt, daß es von Wäldern und Sümpfen bedeckt wird und im Vergleich mit Gallien regenreicher und auch windiger ist. 8 Insgesamt geht Tacitus auf die Naturausstattung des Landes nicht besonders intensiv ein, desweiteren ist er selber nie in Germanien gewesen, kennt das Land also nur von Berichten anderer.
Auf die Landschaft und Vegetation möchte ich etwas intensiver eingehen als Tacitus dies in seiner „ Germania‘‘ für nötig hält, da dies für das Verständnis um das Scheitern der Römer bei der Eroberung Germaniens notwendig erscheint. Das Land ist, stark bewaldet, mit Sümpfen, Windbrüchen und Hochmooren durchzogen. Diese Region in Mitteleuropa, bis Caesars Beschreibung in seinem Buch„ Der Gallische Krieg‘‘ durch die sehr vagen Darstellungen von griechischen Geographen wie Poseidonios bekannt, kann durchaus als Urlandschaft bezeichnet werden. 9 Jene Landschaft bedeckt die gesamte Fläche von Horizont zu Horizont, unterbrochen lediglich von Lichtungen, seltenen Äckern, Brachen und gerodeten Siedlungsflächen.
Aufgrund von Klimaänderungen ab 2500 v. Chr. mit niedrigeren Temperaturen sowie höheren Niederschlägen ändert sich das Aussehen des Waldes jedoch allmählich. So verdrängt die Buche die Eiche, die Kiefer breitet sich statt der Tanne in den Mittelgebirgen aus.
In Germanien macht sich der Einfluß der Menschen erst allmählich ab 700 v. Chr. auf die Landschaft bemerkbar. Die Bevölkerungsgröße dürfte sich um die Zeitenwende
6 Vgl. Wolfram, H., Die Germanen, 1999, S. 25 .
7 Vgl. Pohl, W. , Die Germanen, 2000, S. 52 ff.
8 Vgl. Tacitus, Germania, 1990, Kap. 5.
9 Vgl. Wolters, Die Römer in Germanien, 2000, S.16ff.
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auf 2 - 5 Millionen Menschen belaufen, was einer Bevölkerungsdichte von 3 - 7 Personen auf einen km 2 ausmacht. 10
Wie aber sieht das Leben der Menschen in diesem Land, das den Römern unbekannt ist, aus?
Es gibt keine Städte und kaum Dörfer. Vielmehr leben die Germanen in langgezogenen Häusern, die sich vereinzelt in den eben dargelegten Räumen befinden. Die Häuser sind mit Rohr gedeckt, Vieh und Mensch leben unter einem Dach. In der Mitte ist eine Feuerstelle, deren Qualm durch Rauchabzugslöcher entweicht, da es keine Fenster gibt. 11
Die Germanen leben als Großfamilie in Häusern, wobei das dreischiffige Langhaus als typisch gelten kann. Die Besiedlung der Dörfer mit bis zu dreißig Häusern erfolgt durch die Sippe, was zur Identität von Sippe und Dorfgemeinschaft führt. In der Dorfumgebung wird auf gerodeten Flächen Ackerbau (Weizen, Gerste, Hafer, Flachs, Gemüse) und Viehzucht (Rinder, Schafe) betrieben. 12 Das Bild zeigt ein typisches Haus in Germanien aus dieser Zeit.
Desweiteren gibt es Handwerk und Handel, jedoch wird hauptsächlich zur Selbstversorgung gewirtschaftet. Die Gesellschaft der Germanen kennt 3 Stände: Der Adel, dessen Geschlechter angeblich von den Göttern stammen, die Freien, welche Rechte besitzen und die Bevölkerungsmasse bilden sowie die Minderfreien (Freigelassene). Die Germanen besitzen kein geschriebenes Recht, sondern ein auf eine vernünftige Ordnung beruhendes, mündlich weitergegebenes Volksrecht. 13
10 Vgl. Döbler, Die Germanen, 1975, S. 243ff.
11 Vgl. Völcker, Als die Römer..., 1984, S. 97, Bild S. 103.
12 Vgl. Kinder/Hilgemann, dtv- Atlas Weltgeschichte Band 1, 1997, S. 109.
13 Siehe Anmerk. 12.
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Für die Verfassung ist das Oberste Organ der Thing, eine Versammlung, welche in regelmäßigen Abständen zusammentritt. Dort stimmen die Fürsten über Krieg ab, über Freilassung von Gefangenen und es wird Gericht gehalten. 14 Die Germanischen Stämme unterteilen sich in Gaue, ein Gau wiederum in eine Hundertschaft. Der wichtigste Verband ist jedoch die bereits erwähnte Sippe, die untereinander Verwandt sind. Im Kriegsfall wählen die Germanen einen Herzog, der sie anführt. 15
In der Religion gibt es bei den Germanen drei Götter. Als erstes den Kriegsgott Wodan, dann Thor als Beschützer der Bauern und Tiwaz, der als Kriegsgott verehrt wird. Die Ausübung der Religion findet auf Kultfesten in Kultbezirken statt. Dies können heilige Haine, Berge, Quellen, Steine und Bäume sein. Dort finden Tier,aber auch Menschenopfer statt. 16
Zum Abschluß dieser kurzen Beschreibung der Germanen möchte ich nun die Germanenstämme kurz vorstellen, welche am stärksten in Berührung mit den Römern kommen.
Die geographische Lage der einzelnen Germanengruppen ist mit Hilfe der folgenden Karte zu verfolgen. Bei der Darstellung der folgenden Germanenstämme beziehe ich mich auf die Ausführungen von Tacitus in seiner „ Germania‘‘.
14 Vgl. Döbler, Die Germanen, 1975, S. 263- 265.
15 Siehe Anmerk.12.
16 Vgl. Wolfram, Die Germanen, 1999, S. 59- 64.
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Am linken Rheinufer leben im Moselraum die Stämme der Wangionen und der Treverer. Südlich von ihnen leben am Oberrhein die Nemeter und die Triboker. Die Ubier siedeln am Niederrhein zwischen Maas und Rhein, während die Bataver an der Rheinmündung zur Nordsee leben. Weiter südlich im Bereich des heutigen Belgien befinden sich noch die Siedlungsgebiete der Menapier, Nervier, Tungrer sowie der Eburonen. 17 Diese Stämme gelten als unterworfen. Die Bataver und die am Rhein lebenden Mattiaker gelten hingegen als Treue Verbündete Roms. 18 Nördlich des Mains und westlich der Fulda liegt in einem Waldgebirge das Gebiet der Chatten. Diese werden von Tacitus als militärisch diszipliniert, organisiert im Gefecht, sehr kriegerisch und sehr mutig im Kampf dargestellt. 19
Am Rhein leben als Nachbarn der Chatten die Tenkterer sowie die Usiper, die weiter nördlich leben. Die Tenkterer gelten als ein in der Kunst des Reiten sehr geschicktes Volk. 20
Nördlich der Tenkterer siedeln die Brukterer, diese sind jedoch von den nun in diesen Gebiet lebenden Chamaven und Amsiwarier vertrieben worden. 21 Nördlich der Chamaren leben im Gebiet der heutigen Niederlande die Friesen, nach ihrer Stärke aufgeteilt in Groß - und Kleinfriesen. Diese Stämme leben am Meer und befahren dieses auch. 22
Westlich der Friesen trifft man im Gebiet der Weser auf die Chauken. Sie besiedeln ein großes Gebiet und stehen in hohen Ansehen bei ihren Nachbarstämmen, da sie ein friedliches Volk sind, welches den Krieg nicht sucht, jedoch zur Verteidigung auf ein großes Heer zurückgreifen kann. 23
Im Gebiet zwischen Ems und Weser leben im heutigen Westfalen die Cherusker. Im Jahr 4 n. Chr. werden sie zunächst zu römischen Verbündeten. Kommen wir nun zu den Sueben. Diese bilden keinen zusammenhängenden Stamm, sie sind vielmehr im ganzen germanischen Raum beheimatet. Dabei sind sie in Einzelstämme und Stammesverbände gegliedert. Der Älteste und angesehenste von ihnen ist der Stamm der Semnonen. 24
17 Vgl. Tacitus, Germania, 1990, Kap. 28.
18 Ders., Kap. 29.
19 Karte: siehe Kinder/ Hilgemann, dtv- Atlas Weltgeschichte Band 1, 1997, S.108
20 Vgl. Tacitus, Germania, 1990, Kap. 30 u. 31.
21 Ders., Kap. 32.
22 Ders., Kap. 33.
23 Ders., Kap. 34.
24 Ders., Kap. 35
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Uwe Daniels, 2001, Die Germanienpolitik Roms in der Zeit von Caesar bis Augustus, München, GRIN Verlag GmbH
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