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Arnold Gehlens Theorie der Antriebe in "Der Mensch"
Hauptseminararbeit WS 2000/2001
Inhalt
Einleitung
3
I. Gehlens `Mängelwesenthese' und seine
"anthropo-biologische" Betrachtung des Menschen
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1. Die Bestimmung des Menschen als `Mängelwesen'
4
a) Die `Mängel' des `Mängelwesens'
4
b) Die Bewältigung der `Mängel' durch das `Mängelwesen'
5
2. Gehlens Anknüpfung an Herders `Mängelwesenthese' -
die ganzheitliche Betrachtung des Menschen
6
3. Zur Methode der Untersuchung des Menschen
8
a) Die "anthropo-biologische" Fragestellung als empirische
Funktionsanalyse
8
Funktionsanalyse...
b) Die Handlung als Ausgangspunkt der Funktionsanalyse
10
II. Die menschlichen Antriebe
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1. Gehlens Kritik an der Triebpsychologie und seine Definition
2
der menschlichen Triebe
12
a) Die Unterscheidung zwischen tierischem und menschlichem Trieb
bzw. Instinkt
13
b) Einige Kategorien menschlichen Verhaltens: Instinktreduktion,
Instinktresiduum, Instinktentdifferenzierung
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c) Die alltagssprachliche Analyse der menschlichen Triebe
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2. Das Verhältnis der Antriebe zur Handlung
17
a) Die zwei Antriebsgesetze
18
a.1) Das erste Antriebsgesetz
18
a.2) Das zweite Antriebsgesetz
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3. Die Weltoffenheit der Antriebe
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a) Die Orientierbarkeit der Antriebe
22
b) Die Auskristallisierung der Antriebe
22
4. Die Anpassung des Antriebslebens
24
a) Die "höheren Interessen" oder Dauerinteressen
24
b) Wie der Mensch Entscheidungsprobleme löst
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5. Der Antriebsüberschuss
27
a) Der Antriebsüberschuss als Zeichen der vollkommenen
Übereinstimmung zwischen dem Wesen des Menschen
und dem Wesen seiner Antriebe
27
b) Antriebsüberschuss und Erhaltung der Art - eine biologische
Paradoxie
28
6. Der Willensbegriff
29
III. Schlussbemerkung
32
Literaturverzeichnis
35
3
Einleitung
Arnold Gehlen verfasste 1940 seine Anthropologie "Der Mensch", die bis 1962 in
verschiedenen überarbeiteten Fassungen erschienen ist. Seine Analyse des Menschen enthält
eine Theorie zu den menschlichen Antrieben. Diese Theorie wird im Folgenden im
Zusammenhang mit Gehlens in der Einführung von "Der Mensch" gegebenen theoretischen
und methodologischen Grundannahmen erläutert.
1
Im ersten Teil sollen die wesentlichen Grundannahmen Gehlens, die `Mängelwesenthese', die
"anthropo-biologische" Fragestellung und die Bekenntnisse zur empirischen Methode
dargestellt werden. Es wird gezeigt, dass Gehlen eine an Herders `Mängelwesenthese'
orientierte, ganzheitliche Betrachtungsperspektive auf den Menschen entwickelt hat, die
diesen primär als handelndes Wesen versteht.
Dem folgt im zweiten Teil Gehlens Analyse der menschlichen Antriebe. Der menschliche
Trieb wird von Gehlen in Abgrenzung zum tierischen Instinkt und zur Psychologie der
Grundtriebe definiert. Hierbei wird die Rolle der Handlung für den Aufbau des menschlichen
Trieblebens deutlich und in den Zusammenhang mit Gehlens Vorstellung von der Seele
gebracht. Anschließend wird dargestellt, wie die typisch menschlichen Phänomene
"Charakter", "Dauerinteresse" und "Entscheidungsproblem" von Gehlen anhand seiner
entwickelten Theorie der Antriebe erklärt werden können. Schließlich wird auf Gehlens
Begriff des Willens eingegangen. Gehlens gesamte Analyse der menschlichen Antriebe wird
dabei immer im Licht seiner grundlegenden Annahmen interpretiert. Diskussiosansätze aus
dem Seminar "Das Werk Arnold Gehlens" werden in die Erörterung aufgenommen,
insbesondere die biologische Paradoxie eines Antriebsüberschusses, die Ähnlichkeit
zwischen Gehlens Willensbestimmung und der von Gilbert Ryle in dessen Buch "Der Begriff
des Geistes" sowie die Bedeutung der teleologischen Formulierungen von Gehlens
"anthropo-biologischer" Fragestellung.
Die im Seminar gestellte Frage, ob sich hinter Gehlens häufigen teleologischen
Formulierungen eine Teleologie versteckt, wird im dritten Teil negativ beantwortet. Der
Zweck des Überlebens, für den alle menschlichen Funktionen die Mittel bereitstellen müssen,
taucht nur deshalb an zentraler Stelle auf, weil er den Zusammenhang aller höheren und
niederen menschlichen Funktionen hervorhebt und daher einer ganzheitlichen Perspektive auf
den Menschen entspricht. Mit dieser Perspektive kann ein analytisches Licht auf alle
1 Gehlen hat seine Antriebstheorie im Laufe der verschiedenen Fassungen verändert. Auf die zu findenden
Variationen werde ich aus Platzgründen aber nicht eingehen können. Ich beziehe mich auf Gehlens letzte
überarbeitete Fassung von "Der Mensch":
Arnold Gehlen, Der Mensch. Seine Natur und seine Stellung in der
Welt (Wiesbaden 1997).
4
divergierenden Aspekte des menschlichen Wesens geworfen werden, die in einem
allgemeinen, common sense `Vor-Verständnis' des Menschen schon gegeben sind.
I. Gehlens `Mängelwesenthese' und seine "anthropo-biologische" Betrachtung des
Menschen
1. Die Bestimmung des Menschen als `Mängelwesen'
a) Die `Mängel' des `Mängelwesens'
Gehlen versteht den Menschen im Gegensatz zum Tier als "Mängelwesen", d.h., er ist in
seinem Wesen durch die `Mängel' der "Weltoffenheit", der "morphologischen
Unspezialisiertheit" und der "Instinktreduktion" bestimmt, wobei die Merkmale der
"physischen und organischen Unspezialisiertheit" und der "zurückgebildeten Instinkte" als
Bedingungen für ein "weltoffenes" Wesen zu betrachten sind.
2
In welchem Sinn sind diese
menschlichen Merkmale aber `Mängel'? Indem Gehlen den Menschen durch den `Mangel'
der "Weltoffenheit" bestimmt, grenzt er sich von der durch Jakob von Uexküll entwickelten
Vorstellung ab, dass der Mensch eine "Umwelt" hat, in die er organisch "eingepasst" ist.
Uexküll hat Lebewesen nie isoliert, sondern nur im Zusammenhang mit ihrer Umwelt
betrachtet.
3
Gehlen kritisiert an der uexküllschen Theorie zum einen, dass sie die Rolle, die
die Instinkte für verschiedene Lebewesen spielen, unberücksichtigt läßt, und zum anderen,
dass sie die Umwelteinpassung vom Tier auf den Menschen überträgt; - dabei scheint gerade
die grundsätzliche Missachtung der Instinkte Grund für diese unvorsichtige Übertragung zu
sein.
4
Dem Menschen `mangelt' es Gehlen zufolge gerade an der harmonischen Einpassung
in eine Umwelt, weil seine Instinkte - im Gegensatz zum Tier - "reduziert" sind. An seinen
Organen und seiner Physis haftet auf Grund des Fehlens einer Umwelt der `Mangel' der
2 Gehlen (1997): 33ff. Mit der Vorstellung, daß der Mensch "weltoffen" ist, bezieht sich Gehlen auf Max
Scheler: "Ein "geistiges Wesen" ist also nicht mehr trieb- und umweltgebunden, sondern "umweltfrei" und wie
wir es nennen wollen, "weltoffen" : Ein solches Wesen hat "Welt"." Max Scheler, Die Stellung des Menschen
im Kosmos (Bonn 1998), 38f.
3 Uexküll hat die Zugeordnetheit von Organausstattung und Umwelt am Tier untersucht und ist zu dem Ergebnis
gekommen, dass jedes Tier entsprechend seiner Organausstattung seine eigene Umwelt hat, dass es mit seinen
Sinnes- und Leistungsorganen in eine Umwelt "eingepasst" ist. Er hat diese Zugeordnetheit Organen und
Umwelt später auf den Menschen übertragen. Vgl. Gehlen (1997): 79. Vgl. hierzu auch: Christian Thies, Gehlen
zur Einführung (Hamburg 2000), 52ff.
4 "Zu den in die Umwelt eingepaßten Organspezialisierungen können ebenfalls die speziellen instinktiven
Bewegungsfiguren gerechnet werden, die durchaus wie Organe betrachtet werden können, die man wie diese zur
systematischen Klassifikation benutzen kann." Gehlen (1997): 78. Vgl. auch: Ebenda: 79. Schon Scheler weist
auf den Zusammenhang von Morphologie und Instinkt hin: "Der Instinkt ist also der Morphogenesis der
Lebewesen selbst eingegliedert und im engsten Zusammenhang mit den gestaltenden physiologischen
Funktionen tätig, welche die Strukturformen des Tierkörpers erst bilden." Scheler: 21.
5
Unspezialisiertheit. Während bei den Tieren spezialisierter Organbau und Umwelt eine
"funktionelle Einheit"
5
bilden, Tieren nur die Wahrnehmungen und Bewegungen gegeben
sind, die sie zum Überleben in ihrer Umwelt brauchen, bedeutet die menschliche
"Weltoffenheit" eine deutliche Nichteingegrenztheit des Wahrnehmbaren und der
Bedingungen des biologischen Sichverhaltens. Reiz- und Eindrucksoffenheit stellen für ihn
eine erhebliche Belastung dar, die er erst in spezifisch menschlichen Aktivitäten bewältigen
muss. Alle menschlichen Fähigkeiten, von den elementarsten bis zu den höchsten, vom
Wahrnehmen über die Motorik bis zum Denken, werden Gehlen zufolge erst in
Auseinandersetzung mit der Welt eigentätig entwickelt. Deshalb erreicht der von der Natur
nur `mangelhaft' ausgestattete Mensch die wirkliche Lebensfähigkeit erst nach einer langen
Jugendzeit.
b) Die Bewältigung der `Mängel' durch das `Mängelwesen'
"Der Grundgedanke ist der, daß die sämtlichen "Mängel" der menschlichen Konstitution,
welche unter natürlichen, sozusagen tierischen Bedingungen eine höchste Belastung seiner
Lebensfähigkeit darstellen, vom Menschen selbsttätig handelnd gerade zu Mitteln seiner
Existenz gemacht werden, worin die Bestimmung des Menschen zur Handlung und seine
unvergleichliche Sonderstellung zuletzt beruhen."
6
Das Zitat benennt eines der wichtigsten Seiten des von Gehlen eingeführten und allein für den
Menschen geltenden "Entlastungsprinzips": Der Mensch als `Mängelwesen' muss sich
selbsttätig von der Reizfülle "entlasten", d.h. er muss die `Mängelbedingungen' seiner
Existenz eigentätig in Lebenschancen umarbeiten. Er ist deshalb ganz auf die Erfahrung der
Welt hin gebaut, der er vor allem handelnd begegnen muss. Aus diesem Grund bestimmt
Gehlen den Menschen primär als handlendes Wesen.
7
Der Mensch hat keine "Umwelt",
sondern schafft sich aktiv eine ins lebensdienliche umgewandelte "zweite Natur"
8,
die
Kultur
9.
Für den Menschen ist die Bewältigung der belastenden Eindrucksfülle deshalb eine
"Entlastung", weil sie zu einer Herabsetzung des unmittelbaren Kontaktes mit der Welt führt:
Aus den `Mängeln' der "Unspezialisiertheit" und "Instinktreduktion", also aus dem `Mangel'
der "Weltoffenheit" entwickelt der Mensch im Laufe seiner langen Kindheit auf der Basis
5 Scheler: 39.
6 Ebenda: 37.
7 Hierin unterscheidet sich Gehlen von Schelers Wesensbestimmung des Menschen durch den "Geist".
8 Ebenda: 38.
9 Gehlen definiert Kultur folgendermaßen: "Kultur soll uns sein: der Inbegriff der vom Menschen tätig arbeitend
bewältigten, veränderten und verwerteten Naturbedingungen, einschließlich der bedingteren, entlasteten
Fertigkeiten und Künste, die auf jener Basis erst möglich werden." Ebenda: 39.
6
kommunikativer Bewegungen und Wahrnehmungen eine kontrollierte komplexe Motorik und
Sinnlichkeit, ein abstraktes Wahrnehmungsfeld, Sprache, Phantasie und Denken, so dass er
schließlich frei von direkt Gegenwärtigem wird und sich in potentiellen Situationen mit
aufgeschobenen Bedürfnissen in allen Richtungen der Zeit gedanklich und handlend bewegen
kann. Er schafft sich so aus seinen - im Vergleich zum Tier verstandenen - `Mängeln' mit
eigenen Mitteln gute Überlebenschancen.
2. Gehlens Anknüpfung an Herders `Mängelwesenthese' - die ganzheitliche Betrachtung
des Menschen
Obwohl der Topos vom `Mängelwesen' Mensch schon in der Antike zu finden ist
10,
bezieht
sich Gehlen mit seiner Bezeichnung des Menschen als `Mängelwesen' explizit auf Herders
Unterscheidung von Tier und Mensch in dessen "Abhandlung über den Ursprung der
Sprache".
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Herders Beschreibung der `Mängel' des Menschen, so Gehlen, hat zum ersten
Mal die Einpassung des Tieres in seine Umwelt ausgesprochen und hiervon den eigenen
Charakter des Menschen unterschieden.
Gehlen interessiert an Herders Schrift allerdings weniger seine Theorie vom Menschen als
`Mängelwesen'
12,
als vielmehr der innere Zusammenhang, in dem Herder die "biologische
Hilflosigkeit" des Menschen sieht: Gehlens Beschreibung nach leitet Herder aus der
"Weltoffenheit" des Menschen und aus seinen "zerstreuten Begierden" Sprache und Vernunft
ab, "aus der Mitte dieser Mängel" folgert er den spezifischen Charakter der Menschheit:
"Man kann über das Verhältnis des Menschen zum Tier nichts Treffenderes sagen, als daß
der Unterschied nicht "in Stufen, oder Zugabe von Kräften, sondern in einer ganz
verschiedenartigen Richtung und Auswirkung aller Kräfte" liege, so daß also der Verstand
des Menschen nicht seiner tierischen Organisation aufliegt, sondern: "Es ist die ganze
Einrichtung aller menschlichen Kräfte; die ganze Haushaltung seiner sinnlichen und
erkennenden, seiner erkennenden und wollenden Natur, [...] die bei den Menschen so
Vernunft heißt, wie sie bei den Tieren Kunstfähigkeit wird: die bei ihm Freiheit heißt, und bei
den Tieren Instinkt wird." "
13
10 Er findet sich u.a. schon bei Anaximander, Platon, Plutarch, Hobbes, Herder und Nietzsche.
11 Gehlen (1997): 82.
12 Gehlen betont den Stellenwert, den er dem Begriff `Mängelwesen' gibt selbst: "Wenn der Mensch hier und in
dieser Beziehung, im Vergleich zum Tier als "Mängelwesen" erscheint, so akzentuiert eine solche Bezeichnung
eine Vergleichsbeziehung, hat also nur einen transitorischen Wert, ist kein "Substanzbegriff"." Gehlen (1997):
20. Desweiteren schreibt Gehlen in einem Brief vom 14.07.1969, der Begriff des Mängelwesen solle "[...] keine
strenge wissenschaftliche Bezeichnung sein [...], nur eine Denkhilfe für sehr komplexe Zusammenhänge [...]".
Zitiert nach Thies: 36.
13Gehlen (1997): 94.
7
Mit der Annahme Herders, dass beim Menschen die "ganze Haushaltung der Natur" eine
neue Richtung einschlägt, ist für Gehlen das geleistet, "[...] was jede philosophische
Anthropologie [...] zu leisten verpflichtet ist: die Intelligenz des Menschen im
Zusammenhang seiner biologischen Situation, seiner Wahr-nehmungs-, Handlungs- und
Bedürfnisstruktur zu sehen, d.h. "die gänzliche Bestimmung seiner denkenden Kräfte im
Verhältnis seiner Sinnlichkeit und Triebe"."
14
Gehlen bezieht sich gerade deshalb auf Herder, weil er wie dieser versucht, alle Funktionen
des Menschen aneinander zu erklären. Nach Gehlen sollte eine Erklärung des Menschen den
Zusammenhang von Leib und Seele nicht als Abstraktum setzten, sondern ihn als eine
Verbindung zwischen konkreten niederen und höheren menschlichen Funktionen, zwischen
Motorik, Wahrnehmung, Sprache, Denken, Phantasie und Antriebsleben aufzeigen können.
Gehlen macht seine Affinität zu Herder am Ende seiner Einführung in seine Anthropologie
"Der Mensch" deutlich
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und schließt damit einen Bogen zu seiner Kritik an verschiedenen
anthropologischen Grundannahmen, mit der er seine Einführung beginnt. Diese Kritik richtet
sich gegen zwei streitende Formeln zur Bestimmung des menschlichen Wesens, die beide
behaupten, dass der Mensch nicht aus sich selbst heraus, sondern nur mit Kategorien des
Aussermenschlichen beschrieben und gedeutet werden kann. Die eine Formel versucht die
Ableitung des Menschen von Gott, die andere leitet ihn vom Tier ab, die eine setzt eine
abstrakte Leib-Seele Einheit, ohne die Ganzheit des Menschen zu erkennen, die andere
vertritt eine naturalistische Auffassung: Sie geht als Abstammungslehre vom Körperlichen
aus und versucht "[...] das Innen allein von außen einzufangen[...]", wodurch Gehlen
zufolge alle Fragen nach Sprache, Wille, Erkenntnis, Phantasie und Moral vernachlässigt
werden.
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Beide anthropologischen Konzepte - egal ob sie den Menschen vom Körper oder vom Geist
her verstehen - sind nach Gehlens Diagnose dem "Vorurteil des Stufenschemas der Natur"
verhaftet
17
, das sich schon in Schelers "Die Stellung des Menschen im Kosmos" findet.
18
Folgt man der Ordnung des "Stufenschemas der Natur", die sich bei Scheler in die Abschnitte
"Gefühlsdrang", "Instinkt", "Gewohnheit", "praktische Intelligenz" und "menschliche
14 Ebenda: 84.
15 "Die philosophische Anthropologie hat seit Herder keinen Schritt vorwärts getan, und es ist im Schema
dieselbe Auffassung, die ich mit den Mitteln moderner Wissenschaft entwickeln will. Sie braucht auch keinen
Schritt vorwärts zu tun, denn dies ist die Wahrheit." Ebenda.
16 Ebenda: 13f.
17 Ebenda: 22.
18 Ebenda: 21.
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