Gliederung
1. Einleitung 3
2. Voraussetzungen 4
3. Die Wahrnehmung als intentionales Phänomen 5
3.1 Die Bedingungen 5
3.2 Die Integration 6
3.3 Kausalität und Skepsis 9
3.4 Eine Verteidigung des naiven Wahrnehmungsrealismus 10
3.5 Das Partikularitätsproblem - eine Veteidigung des Internalismus 11
4. Kritik 14
Literaturverzeichnis 19
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1. Einleitung
Was eine Theorie der Wahrnehmung spannend macht, ist, dass die Wahrnehmung eine so grundlegende Form ist, über die unser Geist in Beziehung zur Welt steht. In einer Intentionali-tätstheorie bietet die Wahrnehmungstheorie den Ausgangspunkt und die Voraussetzung für andere Formen von Intentionalität, sowie die der Handlung und bei Searle bis zur sprachlichen Bedeutung. Das heißt, wenn man sich mit der Intentionalität der Wahrnehmung aus-einandersetzt, dann hat man einen wichtig Schritt dahin getan, sich selbst, seinem geistigen Innenleben und dem Platz dieses Lebens in der physischen Welt, bewusst zu werden. Wenn Searle die begrifflichen Eigenschaften der Wahrnehmung schildert, dann ist das der Versuch, die Grundlagen der Struktur unseres psychischen oder mentalen Lebens nachzuzeichnen.
Für John Searle ist das Problem der Wahrnehmung eines von dem er sagt:“..., daß nur wenige Probleme in der Geschichte der Philosophie mehr Ärger gemacht haben...“ 1 . In Searles Bestreben, der Wahrnehmung in einer Intentionalitätstheorie einen ihr gebührenden Platz zu verschaffen, steckt vieles, mit dem er sich von der traditionellen Philosophie verabschieden möchte. Ich möchte vor allem erläutern, wie er das tut und dann versuchen zu schauen, inwiefern es ihm gelungen ist. Ich hätte Searles Denkmuster, die eher seine Position in der Philosophie des Geistes im Großen und Ganzen beschreiben, gerne vollständig vorangeschickt. Somit wäre der Rahmen geklärt, in dem dann Searles Betrachtung der Wahrnehmung als intentionalen Erlebens im Besonderen erklärt werden könnte. Doch so grundlegend die Wahrnehmung für eine Theorie über das wichtigste Merkmal des Bewusstseins ist, so viele weitreichende Implikationen werden hier und dort unvermeidlich wieder auftauchen. Somit teilt sich meine Hausarbeit in sieben Teile, einmal der Rahmen, den ich unter dem Kapitel „Voraussetzungen“ beschreibe. Dann geht es um die Bedingungen, die die Wahrnehmung erfüllen muss um als intentionaler Zustand a la Searle gelten zu können und wie Searle sie in seine Theorie der Intentionalität integriert. Hierauf folgen dann Einwände und Probleme, denen Searls Theorie sich stellen muss. Letztendlich hat mich meine Auseinandersetzung mit Searles Denken zu einer Kritik gebracht, die am Ende dargelegt wird.
1 Searle, 2004, S.169
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2. Voraussetzungen
Für John Searle besteht das Wahrnehmungsproblem, die Frage, wie mentale, subjektive Erlebnisse der Wahrnehmung mit einer objektiven, wissenschaftlichen Beschreibung der Welt aus der dritten Person Perspektive in Einklang gebracht werden kann, aufgrund des Festhaltens an veralteten, letztendlich cartesischen, begrifflichen Kategorien. Um dies zu erklären, ist es nötig, einige weitreichendere Erläuterungen über Searls Philosophie des Geistes, seinen biologischen Naturalismus, voran zu schicken.
„Im welchen Sinne sind meine Wahrnehmungserlebnisse „hier drinnen“ und ist die Welt „da draussen?“ 2 Diese Frage macht für Searle keinen Sinn und ist für ihn die Ursache vieler philosophischer Probleme. Für Searle ist die Welt so beschaffen, dass biologische Prozesse, Zustände von Organismen, mentale, subjektive Eigenschaften, haben können. Intentionale Phänomene, psychische Erlebnisse, passen für ihn in die physische Welt. Das höherstufige Organismen über intrinsische Intentionalität verfügen ist für Searle so natürlich, wie Verdauung die Tätigkeit des Magens ist. Dies zeigt sich insbesondere im Fall der Wahrnehmung: Es bereitet uns weniger Schwierigkeiten bei der Bedeutung des Wortes „Farbe“ auch an die Reflektion von Licht bestimmter Wellenlänge zu denken, als bei vielen anderen mentalen, intentionalen Zuständen. Doch auch diese sind nach Searle kausal reduzierbar auf Zustände des Gehirns, sie sind aber nicht eliminativ oder ontologisch reduzierbar, da sie eine Erste-Person-Ontologie aufweisen und zweifellos existieren. Die einzige Dichotomie die bei Searle erhalten bleibt, ist die der zwei Beschreibungsbeben: die subjektive, erste Person Perspektive und die objektive, dritte Person Perspektive.
Searles Ausführungen zur Intentionalität der Wahrnehmung werden erst dann verständlich, wenn man sein Konzept von Kausalität verstanden hat. Sein Begriff von Kausalität lässt sich, wie Searle es tut, im Vergleich mit Humes Konzept gut erläutern. Hume versuchte Kausalität aus der Perspektive der dritten Person auffindig zu machen und fand nur Regelmäßigkeiten in der Abfolge von Ereignissen ohne irgendeine Notwendigkeit. Searle findet die Notwendigkeit kausaler Verknüpfungen als Teil der physischen Welt im Erleben intentionaler Phänomene. Der kausale Nexus ist Teil des Erlebens einer Abfolge bewusster Ereignisse. Er kann nach Searle ohne Probleme auf Vorkommnisse, die unabhängig vom bewussten Erleben passieren, übertragen werden. Wir erleben, dass wir Gegenstände manipulieren können und nehmen wahr, dass die gleichen Ursachen, die unabhängig von uns auf die Gegenstände
2 Searle 1987, S.59
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wirken, das gleiche Resultat hervorbringen. Humes Betrachtung, sein Erleben einer bloßen Regelmäßigkeit der Abfolge von Ereignissen, enthielt nach Searle bereits die gesuchte kausale Notwendigkeit und verursachte in ihm die Vorstellung einer Illusion von kausaler Notwendigkeit.
3. Die Wahrnehmung als intentionales Phänomen
3.1 Die Bedingungen
Die Wahrnehmung wird eingeführt als das primäre, ursprüngliche intentionale Phänomen. Von der Beschreibung dieser Basis aus sollen sich höherstöckige intentionale Zustände erschließen lassen. Es geht Searle darum, die formale Struktur des intentionalen Zustandes zu beschreiben, welches eine Vorrausetzung für ihn darstellt zu verstehen, wie Intentionalität funktioniert. Die Begriffe, die Searl verwendet, sollen dabei als ontologisch neutral betrachtet werden, es geht ihm um die logischen Eigenschaften.
Wenn Wahrnehmungsprozesse Intentionalität aufweisen, dann sind sie auf etwas gerichtet, sie handeln von etwas, in dem Sinne, in dem jeder intentionaler Zustand einen Gehalt hat, von dem er handelt oder auf den er sich bezieht. Das intentionale Phänomen der Wahrnehmung muss also einen Gehalt haben, der in einem psychischen Modus unter bestimmten Aspekten repräsentiert wird. So ähnlich, wie es meiner Absicht, diesen Absatz zu schreiben, intern ist, dass sie aus dieser Proposition besteht oder der Überzeugung, dies zu schaffen. Die Überzeugung bildet dabei keinen Zustand ab, sie ist ein intentionaler Zustand dem diese Repräsentation intern ist und ihm zu dem macht, was er ist. Ich kann hoffen z.B., dass es regnet oder einfach davon überzeugt sein, dass dies gegenwärtig der Fall ist. Dies wären psychische Modi, innerhalb deren der Gehalt repräsentiert werden kann. Zu der Überzeugung gehören Wahrheitsbedingungen, habe ich eine Überzeugung, weiß ich, dass dies oder jenes der Fall sein muss, damit sie zutrifft. Das heißt die Überzeugung repräsentiert ihre Erfüllungsbedingungen. Der psychologische Modus gibt die Richtung an, durch die der intentionalen Zustand mit den Tatsachen in Einklang gebracht werden kann. Bei der Überzeugung handelt es sich, wie bei der Wahrnehmung, um die Geist-auf-Welt-Ausrichtung. Es ist nicht die Schuld der Welt, falls meine Überzeugung falsch ist. Bei Wünschen und Absichten ist dies anders. Ich ändere etwas in der Welt, damit ich mein Ziel erreiche. Intentionale Zustände existieren in einem holistischen, interagierenden Netzwerk intentionaler Phänomene, zu dem ihre Erfüllungsbedingungen relativ sind. Wenn ich
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überzeugt bin, dass es regnet, dann habe ich auch Überzeugungen darüber, was Regen ist. Diese Überzeugung kann in mir die Absicht hervorrufen, das Fenster zu schließen oder Ähnliches. Die Erfüllungsbedingungen des Netzwerkes werden letztendlich durch einen mentalen Hintergrund, eine Reihe vorintentionaler, biologisch oder kulturell bedingten „Fähigkeiten“, mentalen Dispositionen oder Arten von Know-How bestimmt. Wenn ich die Absicht habe, das Fenster zu schließen, muss ich wissen, wie Fenster funktionieren, letztendlich muss ich davon ausgehen können, dass der Boden mich wie auf dem Weg zum Fenster gewöhnlich trägt und nicht plötzlich verschluckt und das Gegenstände eine gewisse Festigkeit haben. Diese mentalen „Fähigkeiten“ oder Einstellungen, die Searl den Hintergrund nennt, müssen mir nicht bewusst sein. Searle kann nicht genau sagen, was der Hintergrund ist, er kann auf ihn zeigen, wenn er darauf hinweist, was der Hintergrund verursachen kann, weil durch ihn, unter anderem, das Verstehen wörtlicher Bedeutung bedingt ist.
3.2 Die Integration
Die Frage ist nun, wie Searle die Wahrnehmung in diese Konzeption von Intentionalität einpasst. Das Schlüsselwort ist hier das der intentionalen Verursachung bzw. der Erfüllungsbedingungen. Searle verdeutlicht die Intentionalität der Wahrnehmung am Beispiel des Sehens eines gelben Kombis. Ein Problem, dem sich jede Wahrnehmungstheorie stellen muss, ist das der möglichen Halluzination. Wie unterscheidet man die Wahrnehmung von der Illusion? Es wird nun hier ein (begrifflicher) Unterschied gemacht, zwischen dem Sehen des Autos und dem Wahrnehmungserlebnis. Wenn ich halluziniere, dann sehe ich nach Searle nichts. Halluzinieren ist etwas anderes als Sehen. Doch trotzdem habe ich ein Wahrnehmungserlebnis und weil der Gehalt des Wahrnehmungserlebnisses hier aber weder das Sehen noch das Auto ist, fällt der Gegenstand als Anwärter für den Gehalt aus. An die Stelle tritt die Proposition und dass, wovon das Wahrnehmungserlebnis handelt, ist das typische „Wovon“ das man benötigt, um intentionale Zustände zu identifizieren, zu beschreiben, wie sie von etwas handeln. Das Wahrnehmungserlebnis vom gelben Kombi handelt von dem Sachverhalt, dass da ein gelber Kombi steht, und dass ich ihn sehe. Dieses sind die Erfüllungsbedingungen des intrinsisch- intentionalen Phänomens, des Wahrnehmungserlebnisses. Die Erfüllungsbedingungen und die phänomenologischen Eigenschaften bedingen sich gegenseitig. Sie sind kausal selbstbezüglich. Wenn ich das visuelle Erlebnis von einem gelben Kombi habe, dann erlebe ich es als durch die Existenz
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Arbeit zitieren:
Julian Habermann, 2008, Über die Intentionalität der Wahrnehmung in John R. Searles „Intentionalität. Eine Abhandlung zur Philosophie des Geistes“, München, GRIN Verlag GmbH
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