Die Philosophie John Searles Eckhard Eva
Inhaltsverzeichnis
Einleitung S 3
1. Darstellung des Textes: Sind Bedeutungen im Kopf
1.1. Searles Ziele S 3
1.2. Internalistische Theorie der Bedeutung S 4
1.3. Einwände gegen internalistische Theorien S 5
1.4. Die Auseinandersetzung mit Hilary Putnam S 5
2. Searles Internalismus im Vergleich mit seiner Darstellung von Geist als biologisches
Phänomen
2.1. Einführung in den Text S 8
2.2.Analyse von Gemeinsamkeiten und Widersprüchen S 8
3. Persönliche Analyse und kritische Reflexion des Textes
3.1. Textanalyse S 10
3.2. Kritische Reflexion und eigene Gedanken zu den beiden Texten S 12
3.3. Resumé S 15
Literaturverzeichnis S 17
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Die Philosophie John Searles Eckhard Eva
Einleitung
Der Fokus dieser Arbeit liegt auf zwei ausgewählten Texten von John Searle. Ich beginne damit, den Haupttext vorzustellen, in dem sich Searle vor allem mit der Frage nach Bedeutung und Intentionalität beschäftigt. Anschließend, werde ich diesen Haupttext in Bezug zu einem Text von Searle setzen, in dem er versucht zu zeigen, dass der menschliche Geist und dadurch auch Bewusstsein reine biologische Vorgänge sind, um zu untersuchen, in wie weit sie übereinstimmen, und ob es vielleicht auch Widersprüche zwischen ihnen gibt. Den Schluss und letztendlich auch das Ziel dieser Arbeit bildet die eigenständige und kritische Reflexion der Texte, welcher ich auch meine eigene Meinung, zu den von Searle erwähnten Themen anschließen werde.
1. Darstellung des Textes: „Sind Bedeutungen im Kopf?“ 1
In diesem ersten Teil meiner Arbeit, werde ich versuchen, die Thesen und Auffassungen Searles, die er in dem Text „Sind Bedeutungen im Kopf“ darstellt, in meinen eigenen Worten zu erläutern.
Ich beginne damit Searles Ziele, die er in diesem Text verfolgt, zu erklären und kurz darzustellen. Danach skizziere ich seine Vorstellung von internalistischen und intentionalistischen Theorien der Bedeutung und schließe daran mit einem kurzen Teil über mögliche Kritiken dieser Theorien an. Zum Schluss des ersten Teils möchte ich näher auf Searles Auseinandersetzung mit Hilary Putnam eingehen, und ich werde versuchen zu erklären, wieso Searle meint, Putnam in all seinen Theorien widerlegen zu können.
1.1 Searles Ziele
Searles Ziel ist von Anfang an klar definiert. Er will, ausgehend von der Annahme einer internalistischen Theorie von Bezug, seine intentionalistische Theorie vorstellen und im selben Zug beweisen, warum sich Bedeutungen im Kopf, und nirgends sonst, befinden und alle anderen Theorien, die gegenteiliges behaupten, falsch liegen. Dieses Ziel formuliert er ganz deutlich, wenn er sagt: „ […] mein Ziel ist es nicht nur, eine intentionalistische Theorie des Bezugs vorzustellen, sondern dabei zugleich eine Antwort auf eine Familie von meines
1 Vgl. Searle, John. „Intentionalität: eine Abhandlung zur Philosophie des Geistes.“ 1. Aufl. Frankfurt am Main.
1987. Suhrkamp. S. 247- 260.
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Erachtens irrigen Lehren der zeitgenössischen Philosophie zu geben.“ 2 Weiters denke ich, dass es ihm ein Anliegen ist, zu zeigen, dass seine Theorie der Intentionalität und ebenso die Sprechakttheorie äußerst brauchbare Theorien sind, um wichtige Phänomene wie Bedeutung und Bewusstsein zu analysieren und zu erklären.
1.2. Internalistische Theorien von Bedeutung
Zu Beginn dieser Erläuterung meine ich sagen zu müssen, dass Searle keine genaue Unterscheidung zwischen internalistischen und intentionalistischen Bedeutungstheorien macht. Beide bedeuten meines Erachtens, dass es uns mit Hilfe unserer Geisteszustände, die sich im Kopf befinden, möglich ist, dass sowohl Sprecher als auch Hörer verstehen können, worauf sich die verwendeten sprachlichen Ausdrücke beziehen. 3 So bezieht sich beispielsweise der Ausdruck „Baum“ über den Sinn im Kopf auf den tatsächlichen Gegenstand. Die Gegenposition zum Internalismus ist der Externalismus, den Hilary Putnam vertritt. Externalisten vertreten die Meinung, dass der tatsächliche Gegenstand in der Welt, Teil meiner Idee von dem Gegenstand ist. Für Putnam ist nicht wichtig, was in unseren Köpfen ist, sondern der reale Gegenstand und dessen Mikrostruktur. Ich meine sagen zu können, dass Searle seine intentionalistische Theorie, als eine Theorie sieht, die man der Kategorie der internalistischen Theorien zurechnen kann, die jedoch die spezielle Eigenschaft hat, die Intentionalität in den Mittelpunkt zu stellen. Um begreifen zu können, wie die Beziehung zwischen dem Geist und der Wirklichkeit ist, muss man nach den unterschiedlichen Formen der Intentionalität fragen. 4
Searle stellt anfangs Freges´ Theorie als eine internalistische dar und entwickelt anhand dieser Theorie seine eigne, wobei er nicht alle Teile der Fregeschen Vorstellung akzeptiert. Das Postulat eines „dritten Reiches“ 5 , wie Frege es nennt, in dem es abstrakten Entitäten möglich ist, zu existieren, verwirft Searle, denn eine solche Annahme ist für ihn überflüssig. Ein solches Reich ist keine nötige Voraussetzung oder Annahme, um zu erklären, wieso Menschen einander verstehen können, oder sie gemeinsame intentionale Gehalte haben. 6
2 Ebd. S.248
3 Ebd. S.248 4 Ebd. S.247 5 Ebd. S.247 6 Ebd. S. 247 f.
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Er demonstriert seine Anschauung indem er sagt: „Die Möglichkeit gemeinsamer intentionaler Gehalte verlangt genauso wenig einen schweren metaphysischen Apparat, wie die Möglichkeit gemeinsamer Spaziergänge dies tut.“ 7
1.3. Einwände gegen internalistische Theorien
Searle geht dann dazu über, Angriffe auf internalistische Bedeutungstheorien vorzustellen. All diese Konzeptionen haben laut Searle eines gemeinsam: Ihnen ist der innere intentionale Gehalt nicht genug, um einen Bezug oder eine Bedeutung festzustellen. Sie nehmen zusätzlich eine äußere, kausale Beziehung zwischen dem Geäußerten und dessen Merkmalen in der Welt an, um eine Bedeutung zu erhalten. 8 Es wird gefragt, wovon der Begriff kausal verursacht wurde.
Beispiele für nicht-internalistische und somit irrige Lehren, wären laut Searles etwa Lehren, die eine genaue Unterscheidung zwischen de re- Einstellungen und de dicto-Einstellungen für wichtig erachten, Lehren, die meinen, dass eine internalistische Theorie nicht mit indexikalischen Begriffen fertig würde, oder Lehren, die Bezugnahme nur durch Kausalbeziehungen erklären können. 9
1.4. Die Auseinandersetzung mit Hilary Putnam
Searle geht sehr genau auf die Argumentation von Putnam ein, um zu zeigen, dass er mit seiner Auffassung (dass Bedeutungen nicht im Kopf sind), Unrecht hat, und dass eigentlich auch er eine internalistische Auffassung von Bedeutung vertritt. 10
Hilary Putnam vertritt die Meinung, dass es nicht alleine unsere psychischen Zustände sind, die Extensionen festlegen. Putnam hält folgende Argumentation für falsch:
1) Die Bedeutung eines Wortes zu kennen besteht darin, in einem gewissen psychischen Zustand zu sein.
2) Bedeutung legt Extension 11 fest.
Daraus folgt: Psychische Zustände legen dir Extension fest. 12
7 Ebd. S. 248
8 Ebd. S. 250 9 Ebd. S. 249 10 Ebd. S. 260 11 Extension bedeutet Begriffsumfang.
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Putnam meint, dass der gezogene Schluss nicht korrekt ist, denn derselbe psychische Zustand kann laut Putnam unterschiedliche Extensionen hervorrufen. Das bedeutet, dass laut Putnam zwei Menschen dieselbe Idee im Kopf haben können, aber die tatsächlichen Sachen in der Welt unterschiedlich oder nicht identisch sind mit dieser Idee. Kurz gesagt: Ein psychischer Zustand aber zwei unterschiedliche Gegenstände. Um dies zu beweisen, konstruiert er einige Gedankenexperimente, die seine Haltung verdeutlichen sollen. 13
Als erstes Beispiel nennt Putnam ein Prinzip, welches er „sprachliche Arbeitsteilung“ 14 nennt. Dieses Prinzip besagt, dass es in jeder Gesellschaft Menschen gibt, die sich in bestimmten Themenbereichen besser auskennen als andere, was sich in deren Wortwahl zu genau diesem Themenbereich äußert. Beispielsweise kann jemand der den Unterschied zwischen Ulmen und Buchen nicht kennt, einfach weil er nicht genug Kenntnis zu diesem Themenbereich hat, auch nicht zwischen Ulmen und Buchen unterscheiden. Ein Laie auf diesem Gebiet hat aber denselben psychischen Zustand wie ein Experte, wenn er eine Buche vor sich sieht. Ihr psychischer Zustand ist derselbe, aber ihre Extension eine andere, so Putnam. Searle entkräftet diesen Einwand, indem er sagt, dass es unsinnig sei, von Fällen auszugehen, in denen Menschen die richtige Bedeutung von Dingen gar nicht kennen. Der Laie habe die Möglichkeit die Extension von dem Experten festlegen zu lassen, wenn seine eigenen Kompetenzen mangelhaft sind. 15
Das zweite und wichtigere Beispiel von Putnam ist das „Zwerdenbeispiel“. Man muss sich die Zwerde vorstellen, wie unseren Planeten die Erde. Das Leben auf Zwerde ist unserem in vielerlei Hinsicht ähnlich. Aber es gibt auch Unterschiede. Ein wichtiger Unterschied besteht darin, dass Wasser auf Zwerde eine andere chemische Verbindung als Wasser auf der Erde aufweist. Auf Erde hat es die chemische Zusammensetzung H 2 O und auf Zwerde XYZ. Zu einer Zeit in der sowohl die Erd- auf auch die Zwerdbewohner von der chemischen Zusammensetzung von Wasser noch nichts wussten, waren sie in dem gleichen psychischen Zustand, wenn sie an Wasser dachten. Ihre Extensionen waren aber unterschiedlich. 16
Putnam geht weiters davon aus, dass man Extensionen indexikalisch festlegt. Das bedeutet, dass man Ausdrücken wie „Wasser“ gewisse Merkmale wie farblos, flüssig, geschmacklos etc.
12 Searle. Intentionalität. S. 251
13 Ebd. S. 250 f.
14 Ebd. S. 251 15 Ebd. S. 251 f.
16 Ebd. S. 253 f.
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zuordnet. Alles, was dann dieselbe Struktur ausweist, wie der beschriebene Gegenstand, gehört zur Extension des indexikalisch festgelegten Gegenstands. Daraus folgt für Putnam, dass Wasser auf Erde und Wasser auf Zwerde unterschiedliche Extensionen haben, weil es auf Erde eine andere Struktur aufweist als auf Zwerde. 17
Searle jedoch meint, dass Putnam einen Fehler begeht, denn er ersetzt nur einen intentionalen Gehalt durch einen anderen und er macht spezifische Annahmen über die Natur von indexikalischen Ausdrücken. Laut Putnam kann man Searles Theorie nicht auf indexikalische Ausdrücke anwenden. Außerdem gibt Putnam an, dass die Erfüllungsbedingungen von typidentischen Geisteszuständen zweier Sprecher identisch sein müssen.
Auch in diesem Fall widerspricht Searle. Zwei Menschen können, in der Situation in der sie Wasser benennen, auf Grund der kausalen Selbstbezüglichkeit, typidentische visuelle Erlebnisse haben und trotzdem können sich ihre intentionalen Gehalte unterscheiden. Es werden unterschiedliche Erfüllungsbedingungen festgelegt, je nach geistigem Inhalt im Kopf. 18 Searle beschreibt dies in folgenden Worten: „Auch wenn die beiden in der Situation, in der sie jeweils „Wasser“ indexikalisch identifizieren, typidentische visuelle Erlebnisse haben, so haben sie doch keine typidentischen intentionalen Gehalte. Im Gegenteil, ihre intentionalen Gehalte können sich voneinander unterscheiden, weil jeder der beiden intentionalen Gehalte in dem oben von mir erläuterten Sinn kausal selbstbezüglich ist.“ 19
17 Ebd. S. 257
18 Ebd. S. 258 f.
19 Ebd. S. 259
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2. Searles Internalismus im Vergleich mit seiner Darstellung von Geist als biologisches
Phänomen
2.1. Einführung in den Text
Um zu untersuchen, welche Gemeinsamkeiten oder auch Widersprüche Searles Vorstellungen von Internalismus und von geistigen Phänomenen als biologische Vorgänge haben, werde ich Searles Buch „Die Wiederentdeckung des Geistes“ 20 heranziehen, in dem er ganz besonders genau beschreibt und erklärt, welche Eigenschaften der menschliche Geist für ihn besitzt. In der Einführung zu diesem Buch erklärt er, dass es sein Ziel sein soll, die dualistische und die materialistische Sicht, die das Verständnis von Geist über lange Zeit geprägt haben, zu kritisieren und zu zeigen, dass sie beide verworfen werden müssen. Seine Motivation sich mit dem Thema Geist zu beschäftigen, entsteht für Searle aus dem Bedürfnis nach einem Fundament seiner Sprachtheorie, für die es eine Theorie des Geistes und der Intentionalität braucht, um zu zeigen, wie das Phänomen des Geistes mit dem der Sprache zusammenhängt. Seine eigene Position bezeichnet er als „biologischen Naturalismus“ 21 . Mit dieser Position beschreibt er die Vorstellung, dass „Geistiges“ wie etwa Bewusstsein oder Subjektivität, zwar ein ganz normaler biologischer Vorgang des Körpers (in diesem Fall des Gehirns) ist, es aber trotzdem nicht auf seine physischen Merkmale reduziert werden kann. Das Gehirn ist die niederstufige, biologische Basis für die höherstufigen Merkmale des Geistes. Der Geist ist jedoch nicht auf seine Basis reduzierbar. Bewusstsein ist also ein Merkmal des Gehirns, welches essentiell subjektiv ist. 22
2.2. Analyse von Gemeinsamkeiten und Widersprüchen
Meiner Ansicht nach bleibt Searle seiner internalistischen Linie in beiden Texten treu. Bedeutungen sind im Kopf, und der Geist, der hauptsächlich durch das Bewusstsein (welches vor allem die Merkmale Intentionalität und Phänomenalität besitzt) charakterisiert ist, ist ein Merkmal des Gehirns. Man könnte also sagen, dass für Searle der Kopf, beziehungsweise vor allem das Gehirn, ein zentraler Punkt ist, mit dem er versucht Phänomene wie Sprache,
20 Vgl. Searle, John. „Die Wiederentdeckung des Geistes.“ München. 1993.Artemis und Winkler .
21 Ebd. S. 15
22 Ebd. S. 15 ff.
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Intentionalität oder eben Geist auf eine möglichst wissenschaftliche Weise zu erklären, ohne dabei den Erlebnischarakter und die Subjektivität zu eliminieren.
Searles Theorie von Sprache baut auf den Vorstellungen von Bewusstsein als geistiges Phänomen auf. Er konzipiert seine Theorie von Geist und Bewusstsein so, dass sie ihm ein Fundament bieten, auf welchen er die Beziehung zwischen Geist und Sprache erklären kann. Aus seiner Einleitung geht hervor, dass er seine Analyse des „Geistes“ mit der Intention betrieben hat, seiner Sprachtheorie damit eine feste Untermauerung zu geben. „Ich brauchte eine Theorie der Intentionalität, um meiner Sprechakttheorie eine Grundlage zu geben und um sie zu vervollständigen.“ 23 Mit Hinblick auf diese Tatsache scheint es mir nicht verwunderlich zu sein, dass sich all seine Ansätze in meinen Augen so wunderbar ineinander fügen. Da gibt es das Gehirn, welches die Basis für unser Bewusstsein darstellt. Das Bewusstsein wiederum hat Qualitäten, wie die Intentionalität und die Erlebnisqualität. Dank der Intentionalität ist es uns möglich einen Bezug zur Außenwelt herzustellen.
Searles intentionalistische Theorie der Bedeutung braucht klarerweise den Begriff der Intentionalität. Intentionalität ist die „Gerichtetheit“ von mentalen Zuständen. Sie kann auf Dinge gerichtet sein, die de facto gar nicht existieren, aber nicht alle mentalen Zustände müssen zwangsweise intentional sein. Der wichtigste Punkt, der die Intentionalität betrifft, ist, dass das primär Intentionale das Geistige ist. Da der Geist primär ist, ist alles andere von ihm abgeleitet. Deswegen ist für Searle, das was in unseren Köpfen ist so wichtig.
Searle kritisiert vor allem den Versuch, den „intentionalen Gehalt zu »naturalisieren«.“ 24 Dabei wird versucht, die beiden Phänomene, Bewusstsein und intentionalen Gehalt, voneinander zu trennen. Das Bewusstsein wird bei diesen Unternehmungen eher außer Acht gelassen, weil es als unwichtig für die Wissenschaft angesehen wird. Die Intentionalität hingegen soll durch physische Prozesse erklärt werden können. Searle meint, dass solche Konzepte nur fehlschlagen können, denn für ihn ist die Intentionalität ein Merkmal des Bewusstseins und deswegen können beide nicht einfach so getrennt werden. Bewusstsein braucht laut Searle nicht naturalisiert zu werden, denn es liegt in seiner Natur natürlich zu sein. 25
23 Ebd. S. 9
24 Ebd. S. 66
25 Ebd. S. 112
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Zusätzlich vernachlässigen die externalistischen Theorien der Bedeutung die Subjektivität des Geistigen. Das Bewusstsein eines Menschen ist subjektiv, was bedeutet, dass nicht jeder Zugang zu meinen Bewusstseinsinhalten hat.
3. Persönliche Analyse und kritische Reflexion des Textes
3.1. Textanalyse
In beinahe allen Texten, die ich bisher von Searle gelesen habe, geht er bei seiner Entwicklung von Theorien sehr ähnlich vor. Sein Argumentationsmuster ist sehr einheitlich. Am Beginn steht meist eine konkrete Zielsetzung, wie etwa zu zeigen, dass alle anderen Theorien, die nicht seiner Meinung sind, auf keinen Fall wahr sein können. Anhand vieler „falscher“ Beispiele, die er zumindest ansatzweise versucht zu widerlegen, kommt er Schritt für Schritt zu seiner eigenen Theorie.
Sowohl im Text „Sind Bedeutungen im Kopf“ als auch im Buch „Die Wiederentdeckung des Geistes“ führt Searle anfangs eine Reihe von irrigen Lehren an. Diese speist er (zumindest meistens) mit sehr kurzen Begründungen ab, und erklärt kaum, warum genau sie falsch sind. Nur auf einige, wie beispielsweise Putnam, geht er genauer ein. Da Searle seine Thesen sehr selbstsicher präsentiert, erfordert es meiner Meinung nach viel Konzentration und Geschick, seine Texte zu lesen. Beim erstmaligen Lesen scheint es, als könne er sich gar nicht irren. Doch ein genauer Blick auf seine Art zu Argumentieren lohnt sicht. Ein Beispiel, das sehr gut zeigt, was ich meine, liefert Searle indem er schreibt: „Wenn wir die Beziehungen des Bezugs nicht mit inneren intentionalen Gehalten erklären können […], dann befindet sich die gesamte philosophische Tradition seit Frege […] im Irrtum, und wir müssen noch einmal ganz von vorne anfangen […].“ 26 Ich finde, dass dieses Argument kein besonders überzeugendes Argument ist, denn nur weil sich ein Großteil der Philosophie mit ihren Ansichten geirrt hätte, muss es nicht bedeuten, dass deswegen die Theorie falsch ist. Meines Erachtens ist ein solches Argument nicht zulässig, sondern ein Fehlschluss. Genauso gut könnte man zu Galileo Galilei sagen, dass seine Theorie über das heliozentrische Weltbild nicht wahr sein kann, da es ein Weltbild verwirft, welches die Sicht der Menschen für Jahrhunderte geprägt hat. Trotzdem waren seine Annahmen wahr. In der Geschichte lassen sich noch einige andere Beispiele finden, in denen
26 Vgl. Searle. Intentionalität. S. 250
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Denkmuster, die über lange Zeit hinweg unangefochten Geltung hatten, irgendwann als falsch entlarvt wurden und dies wäre im Falle von Searle auch möglich.
Ein weiteres Charakteristikum von Searles Texten ist die eher geringfügige Achtung seiner Gegner, beziehungsweise deren Theorien. Er schreibt beispielsweise: „Das berühmte Körper/Geist-Problem, […], hat eine einfache Lösung“. 27 Dieser Satz klingt ein wenig, als sei es ihm unverständlich, dass so viele Menschen sich mit der Leib-Seele-Problematik beschäftigten, wo es doch so offensichtlich ist, wie man das Problem lösen kann. Ich denke, dass Searle bei solchen Aussagen vergisst zu betonen, dass das Problem nur seiner Ansicht nach eine einfache Lösung hat, die gewiss nicht von jedem Menschen akzeptiert werden kann. Doch es scheint, als seien seine Theorien für ihn so einleuchtend, dass er gar nicht verstehen kann, wie man ihre Wahrheit verleugnen kann.
An einer anderen Stelle im Buch bezeichnet er die Begriffe Dualismus und Monismus als „archaische Vokabeln“ 28 oder auch als „unglaubliche Theorien“ 29 . All dies zeigt, wie viel Searle von seinen Widersachern hält und wie sehr er selbst von seinen Annahmen überzeugt ist. Weitere Beispiele für Searles enormes Selbstbewusstsein finden sich zuhauf in seinen Büchern. „Wenn diese Auffassungen richtig sind, muß meine Darstellung der Intentionalität falsch sein.“ 30 Aber was beweist eine solche Aussage? Sie besitzt sehr wenig an Überzeugungskraft und das einzige, was sie in mir auslöst ist der Drang zu sagen: „ Ja, geehrter Searle, es könnte durchaus möglich sein, dass Ihre Theorie falsch ist.“ Zu Searles Verteidigung muss ich sagen, dass diese speziellen Argumente eher rar in seinen Texten sind, aber sie sind vorhanden.
Äußerst problematisch finde ich auch noch, dass sich Searle manchmal auf Grundannahmen stützt, die er nicht weiter begründet oder schlichtweg als „offenkundige Wahrheiten“ 31 bezeichnet. Diese „Wahrheiten“ sind keine einfachen Prämissen, von denen man tatsächlich annehmen könnte, dass jeder Mann und jede Frau sie unter gewissen Umständen akzeptieren könnte. Es sind Annahmen, die durchaus bestritten werden können und die keineswegs unbezweifelbare Wahrheiten (falls es so etwas überhaupt gibt) darstellen. Überzeugungen, die Searle vertritt, wie etwa die Annahme, dass Intentionalität und Bewusstsein reine biologische Prozesse des Körpers sind, werden so zu offenkundigen Wahrheiten. Ich denke, dass Searle hier zirkulär vorgeht, denn wie könnte er jemanden, der ein Vertreter der dualistischen
27 Searle. Die Wiederentdeckung des Geistes. S. 15
28 Ebd. S. 18 29 Ebd. S. 18 30 Searle. Intentionalität. S. 250 31 Searle. Die Wiederentdeckung des Geistes. S. 9
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Theorie ist, davon überzeugen, dass der Geist auf biologischen Funktionen beruht? Bestimmt nicht, indem er diese Annahme einfach schon vorab voraussetzt.
3.2. Kritische Reflexion und eigene Gedanken zu den beiden Texten
Als ich zum ersten Mal einen Text von Searle las, muss ich sagen, dass ich enorm begeistert war, denn bei einer rein oberflächlichen Betrachtung seiner Aussagen scheint es so, als könne er alle Probleme, die er behandelt, mit Hilfe des natürlichen Menschenverstandes lösen. Wenn man aber beginnt sich genauer mit Searles Arbeit auseinander zu setzen merkt man, dass zumindest einiges von dem, was er so selbstsicher präsentiert, keine Grundlage hat oder zumindest derzeit noch nicht hinreichend bestätigt werden kann.
Was mich an seiner Theorie des Geistes oder des Bewusstseins dennoch besonders beeindruckt hat, ist, dass man durch seinen Vorschlag, einerseits den Substanzdualismus umgehen kann und andererseits trotzdem nicht in einen völligen Physikalismus abrutschen muss. Das bedeutet, dass man einerseits auf der wissenschaftlichen Ebene bleiben kann und andererseits, dass Elemente, wie die Erlebnishaftigkeit von Bewusstseinszuständen trotzdem nicht aufgeben werden müssen.
Ich würde sagen, dass es zu Searles Methode gehört, vor allem den monistischen Theorien, wie etwa dem Behaviorismus vorzuwerfen, dass sie das Wesentliche, nämlich den Geist, in ihren Theorien missachten und ihre Theorie deswegen unvollständig ist. 32 Ich bin zwar der Meinung, dass Searle mit der Annahme, dass Theorien, die davon ausgehen, dass es keine irreduziblen Phänomene gibt, etwas enorm Wichtiges vergessen, Recht hat, aber ich denke nicht, dass man diese Annahme dadurch begründen kann, dass man den Vertretern dieser monistischen Theorien aufzeigt, dass sie diese Phänomene weglassen, denn genau das ist ihre Intention. Sie wollen zeigen, dass es nur den Körper, das Verhalten oder das Gehirn gibt und sonst nichts.
Auch wenn Searles Argumente für diese Theorie nicht die besten sind, bedeutet das noch lange nicht, dass sie nicht wahr sein kann. Ich denke, womit Searle Recht hat, ist, dass wir sehr lange einfach grundsätzlich von einem Dualismus des Physischen und des Psychischen ausgegangen sind und uns hauptsächlich mit den Problemen beschäftigt haben, die uns durch ihn entstanden sind. Ich finde es nicht nur gut, sondern auch wichtig, dass er dieses Problem
32 Ebd. S. 46
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aufdeckt. An einer Stelle in seinem Buch bezeichnet Searle uns als „die Gefangenen einer bestimmten Terminologie“. 33 Ich kann mit dieser Aussage übereinstimmen, weil ich mich selbst als einen solchen „Gefangenen“ erlebt habe. Wenn man beginnt, sich mit der Problematik rund um Geist und Körper zu beschäftigen, trifft man als erstes auf die zwei Positionen des Dualismus und des Monismus, die diese Diskussion für sehr lange Zeit dominiert haben und es vielleicht noch immer tun. Es scheint mir tatsächlich wahr, dass man in ihrer Terminologie gleichsam gefangen wird und gar nicht darüber nachzudenken beginnt, dass es auch andere Ansätze geben könnte. Als Laie bekommt man schnell den Eindruck, als müsste man sich zwischen den zwei Positionen entscheiden. Searle hat gezeigt, dass das nicht der Fall sein muss.
Er hat eine Art Synthese gewagt. Seine Theorie erlaubt es, wissenschaftlich über Phänomene wie Qualia zu diskutieren. Ich finde Searles Bewusstseinskonzeption überzeugend, weil sie die erste war, die mir eine Lösung, die mit meinen Erfahrungen übereinstimmt, geboten hat. Ich hatte schon immer das Gefühl, dass der Mensch mehr ist, als bloßes Gehirn, andererseits fand ich Erklärungen, die den Menschen nicht auf seine rein physische Komponente reduzierten, wie etwa die Religion mit ihrem Begriff der Seele oder viele Anhänger von spirituellen Lehren, nicht objektiv genug und vor allem nicht der heutigen, modernen Zeit entsprechend.
Was mir an Searles Texten sehr gut gefällt, ist, dass er sehr viele Gedankenexperimente verwendet, um seine Annahmen zu verdeutlichen. Ein gutes Beispiel hierfür wäre das Gedankenexperiment mit den Siliziumhirnen, in dem es darum geht, dass ein ganzes Gehirn schrittweise durch Siliziumchips ersetzt wird und man sich danach fragt, welche ursprünglichen Funktionen des Menschen noch erhalten sind beziehungsweise in wie weit sie sich verändert haben. 34 Auch bei seiner Bedeutungstheorie geht Searle auf ein Gedankenexperiment ein, nämlich das Zwerdenbeispiel von Hilary Putnam. Grundsätzlich denke ich, dass die Konstruktion des Zwerden-Gedankenexperiments ein guter Versuch von Putnam war, seine Theorie, die besagt, dass der tatsächliche Gegenstand in der Welt, ein Teil ist von meiner Idee von dem Gegenstand, zu verteidigen. Es klingt zunächst sehr einleuchtend, dass wenn zwei Menschen (Erd- und Zwerdbewohner) Wasser betrachten, (das heißt, dass sie in diesem Moment in demselben psychischen Zustand sind) dieses Wasser jedoch nicht identisch ist, weil es unterschiedlich zusammengesetzt ist, es dann nicht möglich ist, dass der psychische Zustand 33 Ebd. S. 48
34 Ebd. S. 84 f.
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im Kopf die Extension festlegt. 35 Damit wäre Putnams Bestreben die internalistischen Theorien zu widerlegen, gelungen.
Die Frage ist, ob wirklich beide Personen in demselben psychischen Zustand waren? Searle erwidert, dass die Personen eben nicht identische sondern unterschiedliche intentionale Gehalte hatten und man deswegen nicht den Schluss ziehen kann, dass psychische Zustände die Extension nicht festlegen. Ich finde Searle überzeugender, weil ich ebenfalls der Meinung bin, dass wir selbst in unserem Kopf die Bedeutungen von Dingen festlegen und es keine kausalen Beziehungen in der Welt braucht, um eine Bedeutung zu erhalten. Wie genau aber soll man diese Vermutung rechtfertigen? Ich muss gestehen, dass ich das Beispiel der „sprachlichen Arbeitsteilung“ für geeigneter halte, um zu veranschaulichen, dass es nicht wahr ist, dass Intensionen Extensionen nicht festlegen, auch wenn Searle die Anschauung vertritt, dass dieses Beispiel das schwächere von beiden ist. Ich bin trotzdem der Meinung, dass Searle hier eine sehr gute Widerlegung gelungen ist. Wenn es jemanden gibt, der nicht über genügend Wissen verfügt, um zwischen zwei Baumarten zu unterscheiden, dann wird er, so denke ich, auch nicht in demselben psychischen Zustand sein, wie eine Person, die über ein ausreichend gutes Wissen verfügt, um die Bäume zu unterscheiden. Also kann man daraus nicht schließen, dass Intensionen die Extensionen nicht festlegen. Natürlich ist das Beispiel ein wenig problematisch, weil es sich sozusagen auf die Unwissenheit einer Person stützt, aber ich denke trotzdem, dass es ganz gut verdeutlicht, worum es Searle geht. Weiters könnte man Putnam einfach entgegnen, dass es nicht wahr ist, dass zwei Menschen, die beispielsweise Wasser, welches unterschiedlich zusammengesetzt ist, betrachten, in dem gleichen psychischen Zustand sein müssen.
Eine große Schwachstelle, die sich meiner Ansicht nach durch fast alle Konzepte von Searle zieht, ist die Tatsache, dass Searle für seine Annahmen selten wirkliche Beweise hat. Meist verweist er als stärksten Einwand gegen Theorien auf den „gesunden Menschenverstand“ und versucht seine Thesen dadurch wahr zu machen, indem er sich konsequent behauptet. Immerhin gesteht Searle ein, dass die Wissenschaft zur jetzigen Zeit einfach noch nicht das nötige Wissen und die erforderlichen Mittel hat, um zu zeigen, dass seine Theorien wahr sind. „Hätten wir eine angemessene Wissenschaft des Hirns […] dann gäbe es kein Körper/Geist-Problem mehr.“ 36 Ich denke, dass Searle auch andere Probleme, die er diskutiert, (Bewusstsein, Intentionalität, Bedeutung) als Probleme ansieht, die sobald man über genügend Wissen über das Gehirn verfügt, ohne große Schwierigkeit gelöst werden können. 35 Searle. Intentionalität. S. 253 ff.
36 Searle. Die Wiederentdeckung des Geistes. S. 120
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Außerdem darf man nicht vergessen, dass viele wichtige Theorien, wie etwa die Atomtheorie in einer Zeit entstanden sind, in der es noch nicht möglich war, zu beweisen, dass sie wahr sind oder auch zu zeigen, dass sie falsch sind. Die Gehirnforschung befindet sich gerade erst am Anfang und es wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen, zu welchen Erkenntnissen sie uns noch bringen kann.
Zuletzt möchte ich noch einen Gedanken aufwerfen, der sich mir bei meiner Bearbeitung von Searles Bewusstseinskonzeption aufgedrängt hat und gegen den sich Searle, so meine ich, mit Sicherheit vehement gewehrt hätte. Searle möchte die üblichen Kategorien (Dualismus und Monismus) aufheben, doch auch seine eigene Theorie scheint mir in irgendeiner Art ein Dualismus (zwar kein Substanzdualismus aber zumindest Eigenschaftsdualismus) zu sein. Er selbst scheint sich in seinem Buch „Geist, Sprache und Gesellschaft“ zu fragen, ob seine Annahmen nicht zwangsweise in einen Eigenschaftsdualismus führen. 37 Wenn das Bewusstsein, wie Searle es annimmt, ein irreduzibles Phänomen ist, das heißt es bleibt bei vollständiger Beschreibung der Basis von Bewusstsein ein subjektives Element übrig, welches nicht auf diese Basis reduziert werden kann, dann muss dieses Element, eben weil es nicht auf die Basis reduzierbar ist, einer anderen Kategorie angehören. Searle selbst schreibt: „Obgleich Bewusstsein ein biologisches Phänomen wie jedes andere ist, läßt es sich wegen seiner Erste-Person-Perspektive nicht in der Weise auf objektive Dritte-Person-Phänomene zurückführen, wie uns dies bei Dritte-Person-Phänomenen wie der Verdauung oder Festigkeit möglich ist.“ 38 Meiner Meinung nach, ist dies ein Eigenschaftsdualismus auch wenn Searle meint, sowohl Dualismus als auch Monismus umgangen zu sein.
3.3. Resumé
Zuerst möchte ich etwas zum Thema der internalistischen beziehungsweise der externalistischen Bedeutungstheorie sagen. Wie zuvor angedeutet, hat mich eher Searles internalistische Bedeutungstheorie überzeugt, weil ich denke, dass er die besseren Argumente vorbrachte. Ich muss aber auch zugeben, dass es nicht nur an Searles Überzeugungskraft liegt, dass ich diese Art der Deutung bevorzuge. Ich bin grundsätzlich eher einer internalistischen Interpretation zugeneigt, weil sich diese mit meiner persönlichen Intuition deckt. Ich muss auch sagen, dass mich das Thema der Bedeutung allgemein nicht so fasziniert hat, wie es etwa 37 Vgl. Searle, John. „Geist, Sprache und Gesellschaft.“1.Aufl. Frankfurt am Main. 2004. Suhrkamp. S. 71 ff.
38 Ebd. S. 74
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die Frage nach dem Bewusstsein getan hat. Ich denke dass der Grund dafür darin liegt, dass ich Fragen, die den menschlichen Geist betreffen für essentieller halte, und ich deswegen aus der Auseinandersetzung mit diesem Thema mehr für mein weiteres Leben gewinnen konnte.
Zusammenfassend kann man sagen, dass Searles Position für mich eine neue Möglichkeit, die Dinge zu betrachten, geschaffen hat. Durch seine Überlegungen und seiner Darstellung vom Geist oder Gehirn als das zentrale Phänomen, welches man bei Problemen, wie sie in der Philosophie des Geistes vorkommen, heranziehen muss, ist es ihm meiner Meinung nach gelungen, einen Mittelweg zwischen zwei Extrempositionen zu finden. Zwar sind seine Begründungsversuche nicht immer zielführend, jedoch scheint er mir stets sehr bemüht darum zu sein, Klarheit zu schaffen. Ich denke auch, dass man seine Neigung, viele große und unüberwindbar scheinende Probleme mit Hilfe des Menschenverstandes zu lösen, nicht nur negativ sehen sollte. Ich bin nicht der Meinung, dass Searle den Menschenverstand aus Bequemlichkeit heranzieht, quasi weil er ein einfaches, schnelles und für viele Menschen einleuchtendes Mittel der Begründung ist. Bei genauerer Überlegung scheint es mir gar nicht so abwegig zu sein, dass wir unseren innersten Intuitionen vertrauen können. Damit meine ich kein blindes Vertrauen, sondern ein Vertrauen in den Menschenverstand, der dennoch kritisch reflektiert werden muss.
Was mir an Searles Theorie des Geistes ein wenig gefehlt hat, ist eine Begründung, warum es den Menschen offensichtlich so schwer fällt sich von den üblichen dualistischen Begrifflichkeiten zu verabschieden. Ich selbst bin der Meinung, dass die meisten Menschen bei der Trennung von Psyche und Körper bleiben, weil sie meinen, dass jede andere Konzeption bedeuten würde, dass sie selbst vergänglich sind. Die Angst vor dem Tod und die Angst davor danach einfach nicht mehr zu sein, ist so groß, dass man sich voller Hoffnung an etwas klammert, von dem man intuitiv vielleicht gar nicht mehr glaubt, dass es das gibt. Auch Searles Theorie bedeutet Vergänglichkeit, denn wenn das Gehirn, welches gleichsam die Basis darstellt für unser Bewusstsein, nicht mehr ist, dann ist auch der Geist nicht mehr. Aber dies ist nur eine Kleinigkeit und ändert nichts an der Tatsache, dass ich John Searle für einen sehr wichtigen Philosophen halte.
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Literaturverzeichnis:
Searle, John. „Intentionalität: eine Abhandlung zur Philosophie des Geistes.“ 1. Aufl.
Frankfurt am Main. 1987. Suhrkamp.
Searle, John. „Die Wiederentdeckung des Geistes.“ München. 1993.Artemis und Winkler. Searle, John. „Geist, Sprache und Gesellschaft.“1.Aufl. Frankfurt am Main. 2004. Suhrkamp.
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Eva Eckhard, 2009, Die Philosophie John Searles, München, GRIN Verlag GmbH
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