Bei Schädigungen im Bereich des Sehens unterscheidet man die Begriffe Sehbeeinträchtigung, Sehbehinderung und Blindheit, wobei die Übergänge dieser Definitionen jedoch fließend sind und die Abgrenzung der verschiedenen Stufen und Schweregrade von Sehschädigungen schwer fällt. Trotzdem ist es oft aus praktischen Gründen z.B. durch das Sozialgesetzbuch und Schulrecht notwendig, dass bestimmte Unterscheidungen vorgenommen werden.
Zunächst möchte ich mich der Sehbeeinträchtigung zuwenden, welche in folgende Hauptformen unterschieden werden kann.
Die am bekanntesten Beeinträchtigung des Sehvermögens ist jene durch Brechungsfehler bzw. Brechungsanomalien, was sich in Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit oder/und Hornhautverkrümmung ausdrücken kann. Von Kurzsichtigkeit (Myopie) spricht man, wenn ein Bild schon vor der Netzhaut im Brennpunkt ist und somit nur Nahes scharf jedoch weiter Entferntes verschwommen wahrgenommen wird. Als Ursache hierfür kann ein zu langer Augapfel (Bulbus) bzw. eine zu große Brechkraft der Linse angenommen werden. Wenn Personen gemäß der augenärztlichen Messskala über 10 Dioptrien aufweisen, so kann man dies als schwere Kurzsichtigkeit bezeichnen, welche häufig vererbt wird und oft auch in Verbindung mit einer Netzhautablösung (ablatio retinae) bzw. Netzhautdegeration, die unbehandelt zur Erblindung führen kann, auftritt. Solche kurzsichtige Kinder bilden einen großen Teil der Sehbehinderten- und teilweise auch Blindenschulen.
Bei der Weitsichtigkeit (Hypermetropie) ist das Bild theoretisch erst nach der Netzhaut scharf und diese Personen können häufig in der Ferne sehr wohl präzise, doch in der Nähe oft nur verschwommen sehen. Im Gegensatz zur Kurzsichtigkeit kann diese Form oft auf einen zu kurzen Augapfel (Bulbus) bzw. eine zu geringe Brechkraft der Linse zurückgeführt werden. Es konnte jedoch beobachtet werden, dass Personen mit Weitsichtigkeit dies besonders im jugendlichen Alter durch Linsenakkomodation, das heißt durch die Fähigkeit der Linse, sich durch den Einsatz des Ziliarmuskels den Sehanforderungen entsprechend unterschiedlich stark zu
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krümmen, ausgleichen können. Auf diese Weise kann also ein weitsichtiges Kind häufig gut kompensieren und somit in der Ferne aber auch Nähe scharf sehen. Eine weitere Form der Sehbeeinträchtigung durch Brechungsfehler stellt die Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) dar, bei welcher eine unregelmäßige Wölbung der Hornhaut vorliegt und dadurch ein unscharfes und verzerrtes Bild auf der Netzhaut entsteht.
Auch das Schielen (Strabismus) wird zu einer Beeinträchtigung des Sehvermögens bzw. auch zu den frühen Augenerkrankungen von Kindern gezählt. Ca. 6 % aller Kinder sind davon betroffen, das heißt ihnen fällt das beidäugige Sehen schwer bzw. es ist gar nicht möglich und sie neigen oft auch zu einer erhöhten Lichtempfindlichkeit, Augentränen, chronischen Lidrandentzündungen und Kneifen ein Auge zu, usw. Die Ursache liegt hierfür entweder in einer Störung des Gleichgewichts der Augenmuskeln oder in einer einseitigen, nicht korrigierten Fehlsichtigkeit auf einem Auge. Unbehandelt kann Schielen den Verlust an Sehfähigkeit bedeuten, welchem jedoch bereits ab dem fünften Lebensmonat durch spezielle Brillen, das Abdecken eines Auges oder durch eine Operation entgegengewirkt werden kann.
In Verbindung mit dem Schielen und anderen Erkrankungen tritt oft auch ein Augenzittern (Nystagmus) auf, welches sich in verschiedenen Formen und Schweregraden äußern kann. Kinder mit dieser Erkrankung zeigen ruckartige oder rasche pendelnde Augenbewegungen, welche willentlich nicht kontrolliert werden können und auch die Sehschärfe ist fast immer schon herabgesetzt. Als Ursache für diese Beeinträchtigung können pränatale Erkrankungen, aber auch
Sauerstoffmangel bei der Geburt und organische Augen- oder Hirnerkrankungen bzw. eine Gehirnhautentzündung genannt werden.
Eine weitere Form der Sehbeeinträchtigung ist jene durch Trübung der brechenden Medien wie beispielsweise beim grauen Star (Katarakt), welcher auch zu den frühen Augenerkrankungen gezählt werden kann. Bei dieser Form liegt eine Linsentrübung durch eine konzentrierte Eiweißbildung vor und diese Personen Sehen wie durch einen Nebel oder wie durch eine teilweise oder ganz beschlagene Scheibe. Leider gehört diese Linsentrübung auch zu den häufigsten Fällen in
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Blinden- und Sehbehindertenschulen. Der graue Star ist häufig angeboren und hat seine Ursache zum Beispiel in Erbkrankheiten oder in Infektionen der Mutter in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten (z.B. Röteln). Außerdem kann er eine Folgeerscheinung von Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) oder von Verletzungen sein.
Bei den angeborenen Linsentrübungen (kongenitale Katarakte) kann davon ausgegangen werden, dass diese häufiger einseitig als beidseitig sind. Hierbei entwickelt sich dann die Sehfähigkeit des gesundes Auges in der Regel normal und das Sehvermögen des erkrankten Auges bleibt in seiner Entwicklung stark zurück. Als Therapie können hier neue Behandlungsmethoden wie eine frühe Operation (Linsenentfernung) zwischen der 6. und 8. Lebenswoche und der Einsatz von Haftschalen (künstliche Linse) und anderen Hilfsmitteln angewendet werden, welche größere Entwicklungschancen erkennen lassen.
Neben der Trübung der Linse gibt es auch das Krankheitsbild der Hornhauttrübung, welche ihre Ursache beispielsweise in Infektionskrankheiten (z.B. Lues) haben kann. Mögliche Merkmale dieser Beeinträchtigung können eine graue Hornhaut und/oder Schielen sein.
Beim grünen Star (Glaukom) ist der Augendruck erhöht, was auch dazu führen kann, dass der Sehnerv abgedrückt wird. Auffällig für diese Augenerkrankung sind möglicherweise „große Augen“, eine Lichtscheuheit und vermehrter Tränenfluss.
Eine weitere Form der Sehbeeinträchtigung können Störungen oder Ausfälle im Bereich des zentralen oder peripheren Sehens darstellen. Störungen und Ausfälle im zentralen Sehen (in der Gesichtsfeldmitte) können ihre Ursache in krankhaften Veränderungen oder Verletzungen der Netzhaut und in anderen Gewebsdefekten (Regenbogenhaut, Aderhaut) oder Pigmentmangel (Albinismus) haben. Hierbei ist das Fixieren und scharfe Abbilden in der Mitte des Gesichtsfeldes erschwert und kleine Gegenstände und Zeichen können nicht oder nur schwer erkannt werden. Ein solches Kind kann sich zwar in der Peripherie relativ gut orientieren und sich auch im Raum frei bewegen, doch z. B. keine normale Druckschrift entziffern. Ebenso kann bei dieser Erkrankung das Farbensehen
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beeinträchtigt sein und häufig sind diese Sehausfälle mit Lichtscheu und Blendempfindlichkeit verbunden.
Störungen und Ausfälle im peripheren Sehen können durch verschiedene Netzhautentartungen und Pigmentdegenerationen verursacht werden und außerdem als Folge des Grünen Stars, welcher auf einen erhöhten Augeninnendruck zurückzuführen ist, auftreten. Bei dieser Erkrankungen ist das Fixieren und scharfe Erkennen in der Mitte des Gesichtsfeldes vorhanden, doch die Orientierungsfähigkeit im umgebenden Gesichtsfeld ist herabgesetzt. Hierbei kann auch das Dämmerungssehen bis hin zur völligen Nachtblindheit beeinträchtigt sein. In schweren Fällen liegt ein ringförmiger Gesichtsfeldausfall um die Stelle des schärften Sehens vor und es verbleibt hier dann oft nur mehr ein röhrenförmiges Gesichtsfeld.
Als Gesichtsfeld wird jener Bereich des Raumes verstanden und berechnet, den man mit unbewegten Augen sehen kann. Neben einer der genannten Ursachen für Gesichtsfeldeinschränkungen durch Schäden an der Netzhaut können aber auch Hornhauttrübungen, Schädigungen des Sehnervs, Einäugigkeit und Schäden im Gehirn wie z.B. durch einen Schlaganfall hierfür verantwortlich gemacht werden.
Eine weitere Form der Sehbeeinträchtigung ist die Farbenblindheit, welche jedoch im Gegensatz zur nachfolgend angeführten Blindheit nur relativ geringe Folgen auf eine selbständige Lebensbewältigung hat.
Von einer Sehbehinderung spricht man, wenn die Sehschärfe für die Ferne und/oder für die Nähe auf 1/3 bis 1/25 bzw. 1/50 der Norm (trotz optischer Sehhilfen wie Brillen) herabgesetzt ist.
Fallweise wird auch noch eine Zwischenstufe der „hochgradig Sehbehinderten“ hervorgehoben, welche über ein Sehvermögen (Visus) von 1/20 bzw. 1/25 bis 1/50 verfügen.
Die Messzahl 1/50 bedeutet zum Beispiel, dass jemand ein Sehzeichen erst aus einem Meter Entfernung erkennt, obwohl dieses normalerweise bereits aus 50 Meter Entfernung zu sehen ist. Es muss jedoch auch hier erwähnt werden, dass diese standarisierten, präzisen Messverfahren zu den subjektiven Verfahren
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Arbeit zitieren:
Birgit Mayer, 2003, Sehstörungen: ein kurzer Überblick, München, GRIN Verlag GmbH
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