Wissen finden & publizieren

Text

Erfolgspotentiale in Familienunternehmen

Eine sozialkapitaltheoretische Sichtweise
Diplomarbeit,  2009, 98 Seiten
Preis: 29,90 EUR (E-Book), 39,90 EUR (Buch)
Keine Kommentare, Kommentar schreiben

Details zum Text

Beschreibung

Archivnummer:
V150110
ISBN (E-Book):
978-3-640-61070-9
ISBN (Buch):
978-3-640-61097-6
DOI:
10.3239/9783640610709

Kategorie:
Diplomarbeit
Jahr:
2009
Seiten:
98
Note:
1,3
Sprache:
Deutsch

Schlagworte:

Zusammenfassung / Abstract

Für Familienunternehmen entstehen durch den Besitz und den Einfluss der Familie Besonderheiten im Vergleich zu Nicht-Familienunternehmen. Die Verbindung eines Unternehmens mit der historisch gewachsenen Institution Eigentümerfamilie, mit ihren Zielen, Werten und Umgangsformen, entfaltet besondere Wirkungen innerhalb des Familienunternehmens, welche Erfolgspotentiale positiv wie negativ beeinflussen können. Insbesondere der Einfluss der Familie über die Kontakte mit Angestellten, Managern, anderen Unternehmen und weiteren Dritten sowie deren Art der Beziehung zueinander - somit das soziale Netzwerk und dessen Ausprägungen - haben einen Einfluss auf mögliche Faktoren, die den Erfolg des Familienunternehmens beeinflussen können. Die Forschung beschäftigt sich seit langem mit der Frage, wie diese besondere Funktionsweise von Familienunternehmen aussieht und welche Folgen sie auf Erfolgspotentiale dieser Unternehmensform hat. Es bleibt jedoch bis auf einzelne neuere Ansätze bei einer singulären Betrachtung einzelner Elemente von Familienunternehmen und einer Konzentration auf einzelne Theorien. Es fehlt somit eine umfassende Zusammenführung, die die besondere Funktionsweise von Familienunternehmen erklärt und deren Beeinflussung von Erfolgspotentialen darstellt. Ein möglicher Ansatz der Zusammenführung liegt in der auf Familienunternehmen angewendeten Sozialkapitaltheorie. Die Sozialkapitaltheorie entwickelte sich aus der Netzwerkforschung heraus. Sie basiert auf der Annahme, dass Beziehungen zwischen Akteuren Ertragspotential darstellen. Die Sozialkapitaltheorie beschäftigt sich somit explizit mit dem Potential, das Beziehungen darstellen können. Die Besonderheit von Familienunternehmen wird von der Forschung eben in den Beziehungen der Familie, die zu einem Familienunternehmen gehört, gesehen. Durch eine sozialkapitaltheoretische Betrachtung von Familienunternehmen kann somit die Funktionsweise von Familienunternehmen und die Wirkung von Familienbesitz und -einfluss auf Erfolgspotentiale verständlich gemacht werden. Ziel dieser Arbeit ist es, Familienunternehmen vor dem Hintergrund der Sozialkapitaltheorie zu betrachten, um die Wirkung von Familienbesitz und -einfluss auf mögliche Erfolgspotentiale von Familienunternehmen zu erklären.

Textauszug (computergeneriert)

Seite 2
Erfolgspotentiale in Familienunternehmen ­
eine sozialkapitaltheoretische Sichtweise
von Bernadette Katzer
Diplomarbeit im Fach
Unternehmensentwicklung und Organisation
Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät,
Universität zu Köln
Köln, Juni 2009

Seite 3
II
Inhaltsverzeichnis
1
Einleitung ................................................................................................................................. 1
2
Theoretische Basis zu Familienunternehmen ........................................................................... 3
2.1
Definition von Familienunternehmen ............................................................................................. 3
2.2
Kategorisierungsmerkmale ............................................................................................................ 6
2.3
Besondere Herausforderungen ...................................................................................................... 8
3
Familienunternehmen unter der sozialkapitaltheoretischen Sichtweise .................................. 10
3.1
Einführung in die Sozialkapitaltheorie......................................................................................... 11
3.2
Netzwerk von Familienunternehmen ............................................................................................ 15
3.3
Dimensionen des Sozialkapitals in Familienunternehmen ........................................................... 18
3.3.1
Strukturelle Dimension in Familienunternehmen ............................................................... 18
3.3.1.1
Institutionelle Überlappung von Familie und Unternehmen ..................................... 19
3.3.1.2
Geschlossenheit des Netzwerkes ............................................................................... 20
3.3.1.3
Strukturlöcher des Netzwerkes ................................................................................. 22
3.3.2
Relationale Dimension in Familienunternehmen ................................................................ 25
3.3.2.1
Vertrauen ................................................................................................................... 25
3.3.2.2
Normen ..................................................................................................................... 27
3.3.2.3
Soziale Identität ......................................................................................................... 28
3.3.2.4
Altruismus ................................................................................................................. 30
3.3.3
Kognitive Dimension in Familienunternehmen .................................................................. 31
3.3.3.1
Organisationskultur ................................................................................................... 32
3.3.3.2
Sprachcodierungen .................................................................................................... 33
3.4
Besondere Entstehungsbedingungen von Sozialkapital in Familienunternehmen ....................... 34
3.5
Zusammenführung ........................................................................................................................ 38
4
Einfluss des Sozialkapitals auf Erfolgspotentiale von Familienunternehmen ......................... 39
4.1
Wirkungen der strukturellen Dimension ...................................................................................... 40
4.1.1
Einfluss auf Informationen und Innovationen .................................................................... 40
4.1.2
Einfluss auf Konflikte ......................................................................................................... 45
4.2
Wirkungen der relationalen Dimension ....................................................................................... 47
4.2.1
Einfluss auf Steuerung und Kontrolle ................................................................................. 48
4.2.2
Einfluss auf Konflikte und Kooperation ............................................................................. 52
4.3
Wirkung der kognitiven Dimension .............................................................................................. 57

Seite 4
III
4.3.1
Einfluss auf Beständigkeit und Effizienz ............................................................................ 57
4.3.2
Einfluss auf Innovativität und Veränderungsprozesse ........................................................ 59
4.4
Kritische Würdigung .................................................................................................................... 61
5
Schlussfolgerungen für die Nutzung von Sozialkapital in Familienunternehmen ................... 63
5.1
Implikationen für einen Internationalisierungsprozess ................................................................ 64
5.2
Implikationen für einen Effizienzsteigerungsprozess ................................................................... 66
5.3
Ausblick ........................................................................................................................................ 67
Abbildungsverzeichnis ....................................................................................................................... i
Abkürzungsverzeichnis ..................................................................................................................... ii
Anhang ............................................................................................................................................. iii
Literaturverzeichnis ......................................................................................................................... ix

Seite 5
1
1 Einleitung
Familienunternehmen sind weltweit die älteste und am weitesten verbreitete Unter-
nehmensform.
1
Sie sind so maßgeblich an den wirtschaftlichen Entwicklungen eines
Landesbeteiligt. Kennzeichnend für Familienunternehmen ist, dass sie (zumindest
mehrheitlich) in Familienbesitz sind und Familienmitglieder Einfluss auf die Unter-
nehmensführung nehmen.
Die Führung eines Familienunternehmens birgt große Chancen, aber auch klare Risiken.
Wie in Nicht-Familienunternehmen müssen Organisationsstrukturen gestaltet und
Strategien entwickelt werden. Doch der Besitz und der Einfluss der Familie bringen
weitere Besonderheiten mit sich. Die Verbindung eines Unternehmens mit der
historisch gewachsenen Institution Eigentümerfamilie, mit ihren Zielen, Werten und
Umgangsformen, entfaltet besondere Wirkungen innerhalb des Familienunternehmens,
welche Erfolgspotentiale positiv wie negativ beeinflussen können. Insbesondere der
Einfluss der Familie über die Kontakte mit Angestellten, Managern, anderen Unter-
nehmen und weiteren Dritten sowie deren Art der Beziehung zueinander - somit das
soziale Netzwerk und dessen Ausprägungen - haben einen Einfluss auf mögliche
Faktoren, die den Erfolg des Familienunternehmens beeinflussen können.
Die Forschung beschäftigt sich seit langem mit der Frage, wie diese besondere
Funktionsweise von Familienunternehmen aussieht und welche Folgen sie auf Erfolgs-
potentiale dieser Unternehmensform hat. Es werden Erklärungsansätze hierzu u.a. in der
Transaktionskostentheorie, der Agenturtheorie, der Stewardship-Theorie, der Netzwerk-
theorie und der Identitätstheorie gesucht. Es bleibt jedoch bis auf einzelne neuere An-
sätze bei einer singulären Betrachtung einzelner Elemente von Familienunternehmen
und einer Konzentration auf einzelne Theorien. Es fehlt somit eine umfassende Zu-
sammenführung, die die besondere Funktionsweise von Familienunternehmen erklärt
und deren Beeinflussung von Erfolgspotentialen darstellt.
Ein möglicher Ansatz der Zusammenführung liegt in der auf Familienunternehmen
angewendeten Sozialkapitaltheorie. Die Sozialkapitaltheorie entwickelte sich aus der
Netzwerkforschung heraus. Sie basiert auf der Annahme, dass Beziehungen zwischen
Akteuren Ertragspotential darstellen. Beispielsweise wird festgehalten, dass sich über
ein Netzwerk schneller Informationen gewinnen lassen oder die Zusammenarbeit bei
einer vertrauten Beziehung zwischen Akteuren leichter fällt. Die Sozialkapitaltheorie
1
Vgl. Frasl, E.J. / Rieger, H. (2007), S.13.

Seite 6
2
beschäftigt sich somit explizit mit dem Potential, das Beziehungen darstellen können.
Die Besonderheit von Familienunternehmen wird von der Forschung eben in den Be-
ziehungen der Familie, die zu einem Familienunternehmen gehört, gesehen. Durch eine
sozialkapitaltheoretische Betrachtung von Familienunternehmen kann somit die
Funktionsweise von Familienunternehmen und die Wirkung von Familienbesitz und -
einfluss auf Erfolgspotentiale verständlich gemacht werden.
Ziel dieser Arbeit ist es, Familienunternehmen vor dem Hintergrund der Sozial-
kapitaltheorie zu betrachten, um die Wirkung von Familienbesitz und -einfluss auf
mögliche Erfolgspotentiale von Familienunternehmen zu erklären.
Um dieses Ziel zu erreichen, wird diese Arbeit wie folgt aufgebaut:
Nach diesem Einleitungskapitel wird in Kapitel 2 eine theoretische Basis zu Familien-
unternehmen gelegt. Neben einer Definition werden Kategorisierungsmerkmale von
Familienunternehmen geliefert, die eine Einordnung der in der Forschung untersuchten
Unternehmen möglich machen. Anhand einer Darstellung der besonderen Heraus-
forderungen soll später überprüft werden, ob und welches Sozialkapital mit seinen
jeweiligen Wirkungen auf Erfolgspotentiale empfohlen werden kann.
In Kapitel 3 wird die Sozialkapitaltheorie nach einer kurzen Theorieeinführung um-
fassend auf Familienunternehmen übertragen. Das besonders komplexe soziale Netz-
werk von Familienunternehmen wird erläutert, um eine Vorstellung der relevanten und
zu untersuchenden Beziehungen zu erhalten. Darauf aufbauend werden die drei
Dimensionen des Sozialkapitals und deren Ausprägungen umfassend auf Familien-
unternehmen übertragen und dessen Vorhandensein überprüft. Neben der Beleuchtung
der Entstehungsbedingungen für Sozialkapital in Familienunternehmen endet das
Kapitel mit einer (auch grafischen) Zusammenführung der für Familienunternehmen
spezifizierten Sozialkapitaltheorie. Die besondere Funktionsweise von Familienunter-
nehmen wird so durch eine sozialkapitaltheoretische Sichtweise verständlich gemacht.
Nach Betrachtung der Form von Sozialkapital in Familienunternehmen werden in
Kapitel 4 Forschungsergebnisse zu Wirkungen jeder Dimension des Sozialkapitals auf
mögliche Erfolgspotentiale von Familienunternehmen dargestellt. Dabei wird eine
Gruppierung der Wirkungen jeder Dimension nach den beeinflussten Erfolgspotentialen
durchgeführt. Abschließend wird der aktuelle Forschungsstand kritisch gewürdigt.

Seite 7
3
Im letzen Kapitel werden Schlussfolgerungen für die Handhabung von Sozialkapital zur
Nutzung von Erfolgspotentialen in Familienunternehmen gezogen. Es werden
Implikationen für besondere Herausforderungen von Familienunternehmen am Beispiel
eines Internationalisierungs- und eines Effizienzsteigerungsprozesses hergeleitet.
Abschließend wird weiterer Forschungsbedarf aufgezeigt.
2 Theoretische Basis zu Familienunternehmen
In diesem Kapitel werden theoretische Grundlagen zu Familienunternehmen ­ im
Folgenden FU ­ erläutert. Neben einer Definition von FU werden Kategorisierungs-
merkmale dieser Unternehmensform entwickelt, die eine Einordnung der im späteren
Verlauf dargestellten untersuchten Unternehmen ermöglichen. Die besonderen Heraus-
forderungen, denen ein FU begegnet, werden abschließend herausgestellt.
2.1 Definition von Familienunternehmen
FU sind die älteste Unternehmensform.
2
Die meisten Firmen weltweit sind im
Familienbesitz.
3
Sie haben somit einen enormen Einfluss auf die volkswirtschaftliche
Entwicklung eines Landes.
4
In Deutschland beispielsweise sind 95% aller Unternehmen
FU.
5
Rund 41% aller Unternehmensumsätze werden von ihnen generiert und sie be-
schäftigen 57% aller Arbeitnehmer.
6
Dabei sind die meisten FU mittelständisch.
7
In fast
allen Ländern ist die Mehrheit der Unternehmen in Familienbesitz oder wird von
Familienmitgliedern gesteuert.
8
Der Begriff ,,Unternehmensform" darf hierbei jedoch nicht rein juristisch oder
organisational verstanden werden. Die Bezeichnung FU lässt keine Rückschlüsse auf
die Gesellschaftsform, die Größe oder die Organisationsstruktur des Unternehmens zu.
Es ist eine bestimmte Art von Unternehmen, in der eine Familie mit einem Unter-
nehmen zunächst untrennbar verwoben ist.
Im Allgemeinen spricht man bei FU von Unternehmen, die im Eigentum von Familien
sind und deren Leitung durch Familienmitglieder stattfindet. Unter dem Begriff FU
2
Vgl. Frasl, E.J. / Rieger, H. (2007), S. 13; vgl. May, P. / Rieder, G. (2008), S. 12.
3
Vgl. Block, J.H. (2008), S. 1.
4
Vgl. Westhead, P. / Howorth, C. (2007), S. 405.
5
FU in Sinne der Definition der Stiftung Familienunternehmen.
6
Vgl. Stiftung Familienunternehmen (2007), S. 53. Daten aus 2003.
7
Vgl. Berger, R. (2008), S. 43.
8
Vgl. Lussier, R.N. / Sonfield, M.C. (2006), S. 314.

Seite 8
4
verbirgt sich eine Bandbreite von FU mit verschiedenen Eigentums- und Leitungs-
strukturen.
9
Die in der Wissenschaft benutzten Definitionen von FU variieren im Kern
in diesen beiden Eigenschaften. Die Größe des durch die Familie besessenen Geschäfts-
anteils und die Stärke des Einflusses auf die Unternehmensführung werden von den
Autoren als unterschiedlich wichtig zur Eingrenzung eines FU angesehen. Die
Definitionen umfassen auf der einen Seite des Spektrums eine sehr offene Be-
schreibung, die alle familienkontrollierten Unternehmen beinhaltet. So auch solche, die
nur ein Kontrollrecht über die Mehrheit des Kapitals oder Kontrollverträge ausüben
können.
10
Als Beispiel hierfür dient der Mischkonzern Franz Haniel & Cie. GmbH, bei
dem eine klare Trennung von Management und Eigentümern stattfindet. Die Familie
kontrolliert über den Aufsichtsrat den familienfremden Vorstand, der die strategische
und operative Ausrichtung des Unternehmens verantwortet.
11
Auf der anderen Seite gibt
es sehr enge Umgrenzungen von FU. Becker (2006) definiert, dass eine Familie das
Unternehmen ab der ersten Generation mit der Absicht führen und/oder besitzen muss,
es der nächsten Generation zu übertragen. Dabei soll der Geschäftsanteil der Familie
mindestens 50% betragen, sodass von einem maßgeblichen Einfluss der Familie aus-
gegangen werden kann.
12
Das österreichische fleischverarbeitende FU Handl Tyrol, das
sich zu 100% im Familienbesitz befindet und seit gut 100 Jahren besteht, ist hierfür ein
Beispiel.
13
Diese Breite an Definitionen von FU lässt sich durch die in der Praxis vielfältigen Er-
scheinungsformen von FU erklären. FU können folglich nicht anhand einer einzigen
Unternehmenseingrenzung beschrieben werden, sondern müssen immer in ihrer Vielfalt
betrachtet werden.
Um das Problem der Vielfalt und der jedoch nötigen Handhabbarkeit für diese Arbeit zu
lösen, wird auch hier eine sehr weite Definition von FU gewählt, die ein Zurückgreifen
auf verschiedenste Forschungsergebnisse mit unterschiedlichen Definitionen von FU
ermöglicht. FU werden für diese Arbeit wie folgt definiert:
Familienunternehmen sind von Familien gegründete Unternehmen, die sich teils in
Familienbesitz befinden und bei denen Familienmitglieder mindestens eine Kontrolle
9
Vgl. Stiftung Familienunternehmen (2007), S. 3.
10
Vgl. Stiftung Familienunternehmen (2007), S. 8.
11
Vgl. Haniel (2009), S. 9 ff..
12
Vgl. Becker, F.G. (2006), S. 33.
13
Vgl. Handl, K. (2007), S. 348.

Seite 9
5
der Unternehmensführung ausüben. Es besteht ein generationsübergreifender An-
spruch, das Unternehmen (als Familienbesitz) zu erhalten.
14
Die gewählte Definition umfasst also alle Facetten des Spektrums vom
Minderheitenbesitz und reinem Kontrollrecht bis hin zu einem vollständigen Besitz der
Familie verbunden mit der strategischen sowie operativen Verantwortung durch
Familienmitglieder. Um Ungenauigkeiten zu vermeiden, werden ggf. Spezifizierungen
der gewählten Definition an geeigneter Stelle vorgenommen.
Die Involvierung der Familie macht diese Unternehmen einzigartig.
15
Es liegt eine
besondere Verbindung oder sogar Einheit von Unternehmensführung und familien-
geprägter Eigentümerfunktion in FU vor.
16
Hieraus können besondere Eigenschaften
entstehen, über die man sich in der Forschung weitgehend einig ist. Trotz der
Individualität im Detail weisen FU mit dominantem Anteilsbesitz durch die Familie und
maßgeblichem Einfluss auf Verhalten und Entwicklung des Unternehmens weit-
reichende Übereinstimmungen auf.
17
Charakterisierend ist, dass eine Einheit von Ent-
scheidungskompetenz und Eigentum vorliegt und eine Leitfigur ,,zum Anfassen" ge-
schaffen wird. Das Miteinander im FU wird durch innerfamiliäre Solidarität und Ver-
wandtschaftsverhältnisse, Verantwortung für das Wohl der Mitglieder, evtl. einer
regionalen Verpflichtung sowie der Verpflichtung gegenüber einem religiösen oder
ethischen Ideal beeinflusst.
18
Es entwickelt sich eine spezifische Unternehmenskultur
mit eigenen Werten und Zielen.
19
Die Kundennähe scheint stärker im Unternehmens-
gedanken verankert zu sein.
20
Durch den gewünschten Besitzerhalt über Generationen
als oberstes Ziel wird davon ausgegangen, dass Familienmitglieder eher an einer lang-
14
Familien wird dabei definiert, als eine Gruppe von Menschen, die in einem direkten verwandtschaft-
lichen Verhältnis zueinander stehen und die von einer definierten Ursprungsehe abstammen, sowie deren
Ehepartner. Vgl. Klein, S.B. (2004), S. 11.
15
Vgl. Chua, J.H. / Chrismann, J.J. / Sharma, P. (1999), S. 35.
16
Vgl. Wimmer, R. (2007), S. 30 zitiert nach einigen andern Autoren.
17
Vgl. May, P. (2008), S. 18.
18
Vgl. Weissmann, A. / Artmann, A. (2007), S. 22 ff.; vgl. May, P. (2008), S. 18; vgl. Böllhoff, C.
(2006), S. 226.
19
Vgl. Baus, K. (2006), S. 4.
20
Vgl. Weissmann, A. / Artmann, A. (2007), S. 24 ff.; vgl. May, P. (2008), S. 20; vgl. Miller, D. / Le
Breton-Miller, I. / Scholnick, B. (2008), S. 70.

Seite 10
6
fristigen, nachhaltigen Vermögensvermehrung interessiert sind, statt an kurzfristigen
Gewinnen.
21
2.2 Kategorisierungsmerkmale
In der Literatur wird meist eine weitere Unterteilung von FU vorgenommen. Sei es zur
Erfassung einer Stichprobe bei einer quantitativen Untersuchung oder auch rein zur
Konkretisierung und besseren Handhabbarkeit in Diskussionen oder theoretischen
Überlegungen. Im folgenden Abschnitt sollen Merkmale von FU herausgestellt werden,
nach denen so eine Kategorisierung von FU möglich ist bzw. vorgenommen wird. Die
Darstellung in dieser Arbeit ist dabei nicht abschließend. Weitere Differenzierungen
sind denkbar.
Eine erste und vielleicht auch die wichtigste Unterteilung von FU erfolgt nach der
Größe des Unternehmens. Dabei wird die Größe meist über den Umsatz und/oder die
Mitarbeiterzahl bestimmt und so in kleine und mittelständische Unternehmen (KMU)
und große Unternehmen unterschieden. Das Institut für Mittelstandsforschung Bonn
definiert beispielsweise KMU innerhalb der Gruppe der FU als Unternehmen mit
weniger als 500 Beschäftigten oder einem Jahresumsatz bis unter 500 Mio. Euro.
22
Große FU sind im Gegensatz dazu nach oben nicht begrenzt. Die Umsätze der Metro
AG, die 2007 das größte FU in Deutschland darstellte, betrugen beispielsweise 64.337
Mio. Euro. Es wurden rund 291.000 Mitarbeiter beschäftigt.
23
Ein weiteres wichtiges Kategorisierungsmerkmal ist die Rechtsform, da mit der Rechts-
form verbundene Organe die Struktur des FU beeinflussen. Zur Komplexitäts-
reduzierung soll hier in Anlehnung an die Rechtsformen in Deutschland die Bedeutung
der Rechtsform kurz dargelegt werden. Grundsätzlich ist zwischen Personengesell-
schaften (e.K., OHG, KG) und Kapitalgesellschaften (GmbH, AG) zu differenzieren.
Dabei liegt bei der Personengesellschaft grundsätzlich Identität in der Eigentümer und
Geschäftsführung vor. Demgegenüber ist bei Kapitalgesellschaften eine Trennung von
Eigentümern und Geschäftsführung möglich, was die Möglichkeit zur Bestellung
familienexterner Manager ebenso wie die Hereinnahme fremder Anteilseigner er-
leichtert. Eine klassische Rechtsform für FU in Deutschland ist die KG, wobei nur der
21
Vgl. Weissmann, A. / Artmann, A. (2007), S. 25; vgl. Miller, D. / Le Breton-Miller, I. / Scholnick, B.
(2008), S. 73; vgl. Berger, R. (2008), S. 45.
22
Vgl. Stiftung Familienunternehmen (2007), S. 4
23
Vgl. May, P. / Rieder, G. (2008), S. 121.

Kommentare

Keine Kommentare

Kommentar schreiben

Ihr Kommentar wird vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft

Statistik

Dieses Diagramm zeigt die Besucher dieser Textvorschau (nicht die Verkäufe).

Gesamte Abrufe:

Einbetten

Kopieren Sie den folgenden Code, um die Flashansicht dieses Textes in Blogs oder Websites einzubetten.

Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:

DOI

Ein DOI (Digital Object Identifier) ist eine Art ISBN für Texte im Internet, der garantiert, dass ein Text auch nach einer Änderung der Internet-Adresse immer gefunden werden kann. Unter http://www.doi.org/ können Sie nach DOIs recherchieren.

GRIN Newsfeed

Lade Inhalt...