Bergische Universität Wuppertal
Studiengang Wirtschaftswissenschaft
Diplomarbeit
Ratingoptimierung
Überprüfung des Nutzens der Optimierung der Bilanz-
und Finanzierungsstruktur von KMU, im Hinblick auf
das Ratingurteil und der damit verbundenen
Finanzierungskosten
Prüfungsgebiet:
Finanz- und Bankwirtschaft
Abgabetermin:
08. Mai 2008
Vorgelegt von:
Manfred Waldrich
Seite | I
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis ... I
Abkürzungsverzeichnis ...IV
Abbildungsverzeichnis ...VIII
Tabellenverzeichnis ...IX
Formelverzeichnis ...XI
1.
Zielsetzung der Untersuchung ... .1
2.
Begriffliche und theoretische Grundlagen ... 4
2.1.
Begriffsabgrenzung des deutschen Mittelstandes ... 4
2.1.1.
Größenklassen nach dem Handelsgesetzbuch ... 4
2.1.2.
Mittelstandsdefinition des IfM Bonn... 5
2.1.3.
Mittelstandsdefinition der Europäischen Union ... 6
2.2.
Besondere Charakteristika des deutschen Mittelstandes ... 8
2.2.1.
Finanzierungsquellen des Mittelstandes ... 10
2.2.2.
Bilanzstruktur des Mittelstandes ... 13
2.3.
Definition und Grundlagen des Ratings ... 15
2.3.1.
Die Ratingskalen von Standard & Poor's und Moody's ... 18
2.3.2.
Abgrenzung von bankinternen und externen Ratings ... 20
2.3.3.
Interpretation des Ratingurteils ... 22
2.3.4.
Mathematisch-statistische Ratingmodelle als Grundlage des Ratings . 24
3.
Basel II und die Notwendigkeit der Ratingoptimierung für KMU ... 27
3.1.
Entwicklung von Basel I zu Basel II... 29
3.2.
Wesentliche Veränderungen durch Basel II ... 29
3.3.
Ausnahmeregelungen für KMU ... 32
3.4.
Auswirkungen der Ratingnote auf die Finanzierungskosten von KMU . 33
4.
Optimierungsansätze für quantitative Ratingfaktoren ... 35
4.1.
Ratingstrategie und Rating-Advisory als Grundlage der
Ratingoptimierung ... 36
4.2.
Optimierung der Transparenz und Kommunikation ... 39
4.3.
Optimierung der Unternehmensrisiken ... 40
4.4.
Optimierung durch wertorientiertes strategisches Management ... 41
Seite | II
4.5.
Optimierung der Finanzplanung und Finanzierung ... 42
4.6.
Verbesserungen im Bereich Unternehmensstrategie
und Management ... 42
4.7.
Verbesserungen im Controlling und Berichtswesen ... 43
4.8.
Verbesserungen im Umgang mit Marktrisiken ... 43
4.9.
Verbesserungen der Lieferanten- und Kundenabhängigkeiten ... 44
5.
Internes Finanzrating am Beispiel von Moody's KMV RiskCalc ... 45
5.1.
Modellentwicklung ... 45
5.2.
Analyse und Gewichtung der einbezogenen Kennzahlen ... 46
5.3.
Kennzahlenreaktionen auf Veränderungen der Finanzierungsstruktur 52
5.4.
Besonderheiten des Modells ... 53
6.
Empirische Analyse von Finanzierungsmaßnahmen zur
Ratingoptimierung von KMU ... 54
6.1.
Aufbau der Analyse ... 55
6.1.1.
Strukturierung der durchschnittlichen Modellunternehmen ... 57
6.1.2.
Ausgangsratings der durchschnittlichen KMU ... 60
6.2.
Einfluss von Factoring auf das Ratingurteil ... 61
6.2.1.
Auswirkung des Factoring auf Bilanz und GuV ... 63
6.2.2.
Moody's RiskCalc-Rating nach Factoring ... 65
6.3.
Einfluss von Leasing auf das Ratingurteil ... 66
6.3.1.
Wirkung des Leasing auf Bilanz und GuV ... 67
6.3.2.
Moody's RiskCalc-Rating nach Leasing ... 70
6.4.
Einfluss von Sale-and-lease-back auf das Ratingurteil ... 70
6.4.1.
Wirkung des Sale-and-lease-back auf Bilanz und GuV ... 72
6.4.2.
Moody's RiskCalc-Rating nach Sale-and-lease-back... 75
6.5.
Einfluss von Vorratsoptimierungen auf das Ratingurteil ... 76
6.5.1.
Wirkung der Vorratsoptimierung auf Bilanz und GuV ... 77
6.5.2.
Moody's RiskCalc-Rating nach der Vorratsoptimierung ... 78
6.6.
Einfluss von Mezzanine-Kapital auf das Ratingurteil... 78
6.6.1.
Wirkung des Mezzanine-Kapitals auf Bilanz und GuV ... 80
6.6.2.
Moody's RiskCalc-Rating nach der Mezzanine-Finanzierung ... 82
6.7.
Einfluss der Kombination von Mezzanine-Kapital und
Factoring auf das Ratingurteil ... 83
6.8.
Einfluss von Beteiligungskapital auf das Ratingurteil ... 84
Seite | III
6.8.1.
Wirkung des Beteiligungskapitals auf Bilanz und GuV ... 85
6.8.2.
Moody's RiskCalc-Rating nach der Beteiligungsfinanzierung ... 86
6.9.
Einfluss der Ausgliederung von Pensionsrückstellungen
auf das Ratingurteil ... 86
6.9.1.
Wirkung der Ausgliederung der Pensionsrückstellungen
auf Bilanz und GuV ... 88
6.9.2.
Moody's RiskCalc-Rating nach Ausgliederung der
Pensionsrückstellungen ... 89
6.10.
Bilanzpolitik und deren Konsequenzen für das Rating ... 89
6.11.
Ratingeinfluss von Gestaltungsspielräumen in der GuV ... 94
7.
Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse ... 96
7.1.
Reaktion der RiskCalc-Kennzahlen auf die
Finanzierungsmaßnahmen ... 96
7.2.
Reaktion der Ausfallwahrscheinlichkeiten und des
Ratingurteils auf die Finanzierungsmaßnahmen ... 97
7.3.
Auswirkungen der Ratingveränderungen auf die
Finanzierungskosten ... 102
8.
Kritische Würdigung der Ergebnisse und
Handlungsempfehlungen für KMU ... 107
Literaturverzeichnis ... 111
Anhang I: Modellannahmen für das Baugewerbe ... 124
Anhang II: Modellannahmen für das verarbeitende Gewerbe ... 128
Anhang III: Angepasste Gewinn- und Verlustrechnungen
verarbeitendes Gewerbe ... 129
Anhang IV: Angepasste Bilanzen - verarbeitendes Gewerbe ... 130
Anhang V: Angepasste Gewinn- und Verlustrechnungen
Baugewerbe... 132
Anhang VI: Angepasste Bilanzen Baugewerbe ... 133
Anhang VII: Jährliche Zinsersparnisse nach Ratingoptimierung ... 135
Anhang VIII: Reaktion der Kennzahlen auf die
Finanzierungsmaßnahmen... 138
Seite | IV
Abkürzungsverzeichnis
Abs.
Absatz
ABS
Asset-Backed-Securities
Aufl.
Auflage
Ausgl.
Ausgliederung
BaFin
Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht
Bankverb.
Bankverbindlichkeiten
Basel I
Baseler Eigenkapitalakkord von 1988
Basel II
Gesamtheit der Eigenkapitalvorschriften des Baseler
Ausschusses für Bankenaufsicht
BGB
Bürgerliches Gesetzbuch
BilMoG
Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz
BMF
Bundesministerium der Finanzen
BMJ
Bundesministerium der Justiz
bspw.
beispielsweise
BW-Bank
Baden-Württembergische Bank
bzgl.
bezüglich
bzw.
beziehungsweise
ca.
circa
D
Default (Kreditausfall)
d. h.
das heißt
DIHK
Deutscher Industrie- und Handelskammertag
DSGV
Deutscher Sparkassen- und Giroverband
EAD
Exposure At Default
(Erwartete ausstehende Forderungen bei Ausfall)
EBITD
Earnings before Interest, Taxes and Depreciation
(Ergebnis der Geschäftstätigkeit vor Zinsen, Steuern und
kalkulatorischen Abschreibungen
EBITDR
Return on Investment (EBITD dividiert durch Bilanzsumme)
EK
Eigenkapital
EK-Anforderung
Eigenkapitalanforderung
Seite | V
EKQ
Eigenkapitalquote
EStG
Einkommensteuergesetz
et al.
et alii (und andere)
EU
Europäische Union
f.
folgende Seite
Fac.
Factoring
ff.
folgende Seiten
FINK
Finanzkraft
FK
Fremdkapital
FKS
Fremdkapitalstruktur
ggü.
gegenüber
GmbH
Gesellschaft mit beschränkter Haftung
GoF
Geschäfts- oder Firmenwert
GuV
Gewinn- und Verlustrechnung(en)
HGB
Handelsgesetzbuch
Hrsg.
Herausgeber
i.
Zinssatz (in mathematischen Formeln)
i. d. R.
in der Regel
IFD
Initiative Finanzstandort Deutschland
IfM
Institut für Mittelstandsforschung
Immat.
Immaterielle
IRB
Internal-Ratings-Based (auf internen Ratings basierend)
K
Finanzierungsbetrag (in mathematischen Formeln)
KapGes
Kapitalgesellschaften
KBD
Kapitalbindungsdauer
KfW
Kreditanstalt für Wiederaufbau
KMU
Kleine und mittlere Unternehmen (Mittelstand)
KPMG
Klynveld, Peat, Marwick und Goerdeler
kurzfr.
kurzfristige
KWG
Kreditwesengesetz
LGD
Loss Given Default (Verlust bei Ausfall)
Seite | VI
L. u. L.
Lieferungen und Leistungen
M
Maturity (Restlaufzeit)
Mezz.
Mezzanine
Mio.
Millionen
n.
nach
n
Laufzeit in Jahren (in mathematischen Formeln)
NACE
Wirtschaftszweigklassifikationen der Europäischen Union
NVQ
Nettoverschuldungsquote
o. J.
ohne Jahr
o. O.
ohne Ort
o. S.
ohne Seite
p. a.
per annum (pro Jahr)
PAQ
Personalaufwandsquote
Pensionsrückst.
Pensionsrückstellungen
PD
Probability of Default (Ausfallwahrscheinlichkeit)
QIS
Quantitative Impact Study (quantitative Auswirkungsstudie)
RAP
Rechnungsabgrenzungsposten
RMS
Risk Management Services
RW
Risikogewicht
S.
Seite
SAV
Sachanlagevermögen
SLB
Sale-and-lease-back
SoPo
Sonderposten mit Rücklageanteil
S&P
Standard & Poor's
(t)
Zeitpunkt (t)
(t-1)
Zeitpunkt (t-1)
U.
Unternehmen
u. a.
unter anderem, unter anderen
UE
Umsatzerlöse
UR
Umsatzrentabilität
Seite | VII
US
United States
USA
United States of America
UV
Umlaufvermögen
UW
Umsatzwachstum
Verb.
Verbindlichkeiten
Verb. a. L. u. L.
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
Vg.
Vermögensgegenstände
Vgl.
vergleiche
z. B.
zum Beispiel
zeb
zeb/rolfes.schierenbeck.associates
Seite | VIII
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Eigenkapitalausstattung unterschiedlicher Branchen ... 9
Abbildung 2: Median der Eigenkapitalentwicklung von KMU
nach Umsatz ... 10
Abbildung 3: Bedeutung von Finanzierungsquellen für KMU ... 12
Abbildung 4: Bilanzstruktur von KMU im Baugewerbe (alle Rechtsformen) . 14
Abbildung 5: Bilanzstruktur von KMU im verarbeitenden Gewerbe
(alle Rechtsformen) ... 15
Abbildung 6: Ratingverteilung des deutschen Mittelstandes ... 20
Abbildung 7: IFD-Skala und Masterskalen der deutschen Bankinstitute ... 21
Abbildung 8: Kumulierte Ausfallwahrscheinlichkeiten für
1 Jahr bis 10 Jahre... 23
Abbildung 9: Ratingabhängige Zinsdifferenzierung nach Basel II ... 34
Abbildung 10: Ablauf der Ausarbeitung einer Ratingstrategie ... 37
Abbildung 11: Ansatzpunkte zur Optimierung des Ratings ... 38
Abbildung 12: Relativer Einfluss der Kennzahlen auf das RiskCalc-Rating ... 47
Abbildung 13: Ablaufschema der Untersuchung ... 56
Abbildung 14: Ratingveränderungen und PD für das
mittlere verarbeitende Unternehmen ... 98
Abbildung 15: Ratingveränderungen und PD für das
kleine verarbeitende Unternehmen ... 99
Abbildung 16: Ratingveränderungen und PD für das
mittlere Bauunternehmen ... 100
Abbildung 17: Ratingveränderungen und PD für das
kleine Bauunternehmen ... 101
Seite | IX
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Größenklassen für Kapitalgesellschaften nach dem HGB... 5
Tabelle 2: Mittelstandsdefinition des IfM Bonn ... 6
Tabelle 3: Mittelstandsdefinition der EU. ... 6
Tabelle 4: Übersicht Ratingarten und Ratingobjekte. ... 17
Tabelle 5: Ratingklassen und Ausfallwahrscheinlichkeiten
nach Moody's und S&P ... 19
Tabelle 6: Ein-Jahres-Migrationsmatrix für S&P-Ratingklassen ... 24
Tabelle 7: Wichtige quantitative und qualitative Ratingkriterien ... 25
Tabelle 8: Vergleich der Eigenkapitalunterlegung nach
Standard- und IRB-Basisansatz ... 32
Tabelle 9: Ratingabhängige Zinskonditionen von SME Growth,
H.E.A.T II-2007 sowie KfW ... 34
Tabelle 10: Kennzahlen des deutschen RiskCalc-Modells ... 48
Tabelle 11: Ertragswirtschaftlicher Cashflow nach Moody's RiskCalc. ... 50
Tabelle 12: Ordentliches Betriebsergebnis nach Moody's RiskCalc. ... 51
Tabelle 13: Analysierte Finanzierungsalternativen für
mittelständische Unternehmen ... 57
Tabelle 14: Eckdaten der Musterunternehmen ... 58
Tabelle 15: Ausgangsbilanzen für die Unternehmen des verarbeitenden
Gewerbes ... 59
Tabelle 16: Modellierte GuV für die Unternehmen des verarbeitenden
Gewerbes ... 60
Tabelle 17: Ausgangsratings der Musterunternehmen ... 60
Tabelle 18: Modellannahmen für das Factoring ... 64
Tabelle 19: Ratingveränderung nach Factoring ... 66
Tabelle 20: Modellannahmen für das Leasing ... 68
Tabelle 21: Ratingveränderung nach Leasing ... 70
Tabelle 22: Modellannahmen für das Sale-and-lease-back ... 73
Tabelle 23: Ratingveränderung nach Sale-and-lease-back ... 76
Tabelle 24: Modellannahmen für die Vorratsoptimierung ... 77
Tabelle 25: Ratingveränderung nach Vorratsoptimierung ... 78
Tabelle 26: Modellannahmen für die Finanzierung über Mezzanine-Kapital ... 81
Seite | X
Tabelle 27: Ratingveränderung nach der Finanzierung über
Mezzanine-Kapital ... 82
Tabelle 28: Ratingveränderung nach Mezzanine und Factoring ... 83
Tabelle 29: Modellannahmen für die Finanzierung über Beteiligungskapital ... 85
Tabelle 30: Ratingveränderung nach der Finanzierung über
Beteiligungskapital ... 86
Tabelle 31: Ratingveränderung nach Ausgliederung der
Pensionsrückstellungen ... 89
Tabelle 32: Effekte von Bilanzierungswahlrechten auf
die RiskCalc-Kennzahlen ... 94
Tabelle 33: Durchschnittliche relative Reaktion der RiskCalc-Kennzahlen ... 96
Tabelle 34: Durchschnittliche Veränderung von Ratingklasse und PD ... 102
Tabelle 35: Jährliche Zinsersparnis durch Ratingoptimierung
(verarbeitendes U.) ... 104
Tabelle 36: Jährliche Zinsersparnis durch Ratingoptimierung
(kleines Bauunternehmen) ... 106
Seite | XI
Formelverzeichnis
Formel 1: Berechnung der Eigenkapitalunterlegung im Standardansatz ... 30
Formel 2: EK-Anforderung in den IRB-Ansätzen ... 31
Formel 3: Annuitätenformel für die Berechnung der jährlichen
Leasinggebühr ... 68
Seite | 1
1. Zielsetzung der Untersuchung
Gegenwärtig tragen die Auswirkungen der US-Hypothekenkrise dazu bei, dass
sich Firmenkredite verteuern und Banken bei der Vergabe von neuen Krediten
zurückhaltender agieren.
1
Die Zurückhaltung der Banken bezüglich der Kredit-
vergabe, wurde jedoch bereits im Zuge der Umsetzung der neuen Baseler
Eigenkapitalvereinbarung (Basel II) verstärkt.
2
Vollständig umgesetzt ist Basel II
seit Beginn des Jahres 2008.
3
Nach den bisherigen Basel-I-Regelungen
mussten Banken pauschal acht Prozent der Kreditforderungen mit Eigenkapital
hinterlegen. Die neue Regelung schreibt eine risikoorientierte, d. h. an den
individuellen Ausfallrisiken der Kreditnehmer ausgerichtete, Eigenkapitalunter-
legung vor.
4
Für die zukünftige Finanzierung von Unternehmen bedeutet Basel
II, dass keine Kreditvergabe ohne ein zuvor durchgeführtes Rating möglich ist.
Im Rahmen eines Ratings werden die Risiken der kreditsuchenden
Unternehmen als Ausfallwahrscheinlichkeiten abgebildet, die auch als
Probability of Default (PD) charakterisiert werden. Im Mittelpunkt der
Kreditverhandlungen steht die auf mathematisch-statistischen Modellen
beruhende Ratingnote. Je ungünstiger das Ratingurteil ausfällt, desto mehr
haftendes Eigenkapital muss die Bank bereitstellen. Ein schlechtes
Ratingergebnis hat damit direkten Einfluss auf die Zinskonditionen des
Unternehmens, da die Bank bei höherer Eigenkapitalhinterlegungspflicht eine
höhere Marge veranschlagt, um die Eigenkapitalrentabilität zu erhalten.
5
Nicht
nur die Zins- und Konditionengestaltung werden durch das Ratingergebnis
bestimmt, sondern auch die Anforderungen an zu leistende Sicherheiten und
die Höhe des möglichen Kreditvolumens. Daher hat sich die Berücksichtigung
von Ratingaspekten zu einem nicht zu vernachlässigenden Gesichtspunkt
entwickelt. Unternehmen müssen anstatt der steueroptimierenden Bilanzie-
rungspolitik ebenfalls das Ziel eines verbesserten Ratings verfolgen.
6
Ein gutes
Rating kann über sinkende Finanzierungskosten zu einem steigenden
Unternehmenswert beitragen und die Position des Unternehmens langfristig
stärken. Dieser Zusammenhang ist ein weiterer Beweis dafür, dass das
1
Vgl. Reuters (2007), o. S.; Drost, F. M. (2008), S. 1.
2
Vgl. Niggemann, K. A./Simmert, D. B. (2006), S. 31.
3
Vgl. Potthoff, C. (2007), S. 1.
4
Vgl. Niggemann, K. A./Simmert, D. B. (2006), S. 31.
5
Vgl. Schneck, O. (2006a), S. 25; Niggemann, K. A./Simmert, D. B. (2006), S. 31.
6
Vgl. Everling, O./Niggemann, K. A./Simmert, D. B. (2007), S. 66.
Seite | 2
Modigliani/Miller-Theorem in der Praxis keine Gültigkeit besitzt. Gleichzeitig gilt
ein gutes Rating stets als Aushängeschild des Unternehmens.
7
Deutlich wird der Stellenwert eines guten Ratings am Beispiel eines KfW
Unternehmerkredits. Die Schwankungsbreite des Zinssatzes liegt zwischen
4,79 Prozent für Unternehmen mit geringen Ausfallwahrscheinlichkeiten und
7,85 Prozent für risikoreichere Kreditnehmer. Der bonitätsabhängige Credit-
Spread liegt demnach bei über 300 Basispunkten. Die jährliche Differenz der
Zinsbelastung kann bei einem Kreditvolumen von 5 Mio. dementsprechend
bis zu 153.000 betragen.
8
Ähnliches gilt für die Finanzierung über Mezzanine-
Kapital, da die Zinsaufschläge ebenfalls auf dem Ratingurteil des
Unternehmens basieren. Angesichts dieser Tatsache kommt in Zukunft kaum
ein Unternehmen an der Auseinandersetzung mit der Thematik ,,Rating-
optimierung" vorbei. Die Unsicherheit der Unternehmen bzgl. der Auswirkungen
von Basel II und dem damit verbundenen Rating hat zwar abgenommen, wie
eine DIHK-Studie belegt, sehen über 50 Prozent eine Chance in Basel II.
Dennoch, um Chancen realisieren zu können, ist eine gründliche
Auseinandersetzung mit den ratingbeeinflussenden Faktoren oder der Einsatz
eines Rating-Advisors notwendig.
9
Im Mittelpunkt dieser Arbeit soll, aufgrund der hohen Banken- und
Fremdkapitalabhängigkeit, der deutsche Mittelstand (synonym als KMU
bezeichnet) und die Fragestellung des Nutzens der Optimierung der Bilanz- und
Finanzierungsstruktur, im Hinblick auf das Ratingurteil und der damit
verbundenen Finanzierungskosten, stehen. Zudem sind gerade kleine und
mittelständische Unternehmen auf die Anforderungen eines Ratings nur
unzureichend vorbereitet.
10
Deshalb besteht gerade in diesen Unternehmen ein
umfassendes Verbesserungspotenzial in Hinsicht auf das Unternehmensrating.
Als Einführung in die Problematik sollen, neben der Abgrenzung von KMU,
ratingrelevante Besonderheiten von mittelständischen Unternehmen herausge-
stellt werden, um im Anschluss eine Einführung in die Thematik des Ratings zu
7
Vgl. Lichtblau, K./Utzig, S. (2002), S. 5 ff.; Heim, Gerhard (2006), S. 17 ff.
8
Vgl. KfW (2007), S. 1 (Als Beispiel wurde der Unternehmerkredit 10/2/10 gewählt).
9
Vgl. Kabuth, A. (2003), S. 3 f.
10
Vgl. Kinne, K. (2004), S. 271.
Seite | 3
liefern. Im weiteren Verlauf wird die Bedeutungszunahme eines guten Ratings,
vor dem Hintergrund von Basel II, begründet und der Einfluss auf die
Finanzierungskonditionen hervorgehoben. Nach einem kurzen Überblick über
generelle Handlungsfelder zur Verbesserung des eigenen Ratings werden
Optimierungsansätze für qualitative Ratingkriterien thematisiert.
Da die Bewertung der quantitativen Ratingkriterien, je nach Kreditinstitut, bis zu
70 Prozent der Ratingnote bestimmt, bilden das Finanzrating sowie die
Überprüfung von Verbesserungsmaßnahmen den Schwerpunkt dieser Arbeit.
11
Zu diesem Zweck wird, stellvertretend für den quantitativen Teil eines
bankinternen Ratings, das Rating-Tool Moody's KMV RiskCalc vorgestellt und
analysiert, um im Anschluss verschiedene Ansätze zur Optimierung der
Finanzierungsstruktur überprüfen zu können. Anhand verschiedener alternativer
Finanzierungsmaßnahmen soll dann, mithilfe von Moody's KMV RiskCalc,
verifiziert werden, ob und in welchem Umfang es möglich ist das Rating eines
Unternehmens zu verbessern. Im Einzelnen werden die Effekte von Factoring,
Leasing, Sale-and-lease-back, Optimierung der Vorratsbestände, Mezzanine-
Kapital, Beteiligungskapital sowie die Ausgliederung von Pensionsrückstel-
lungen auf das Ratingurteil von mittelständischen Musterunternehmen
analysiert und ausgewertet. Daneben wird auf die Auswirkungen von
bilanzpolitischen Gestaltungen auf das Ratingurteil eingegangen.
Zur Beantwortung der Fragestellung nach dem Nutzen einer Ratingoptimierung,
wird eine abschließende Analyse der Auswirkungen auf die Finanzierungs-
kosten durchgeführt. Die Arbeit schließt mit einer kritischen Würdigung der
Untersuchungsergebnisse sowie einer Handlungsempfehlung für KMU ab.
11
Vgl. Wambach, M./Kirchmer, T./Wunderlich, D. (2004), S. 171.
Seite | 4
2. Begriffliche und theoretische Grundlagen
Dieses Kapitel übernimmt die Aufgabe der Erläuterung der wichtigsten
Begrifflichkeiten und Definitionen, die die Grundlage dieser Arbeit bilden. Neben
der Begriffsabgrenzung und Charakterisierung des deutschen Mittelstandes
wird der Leser in die Thematik und Methodik des Ratings eingeführt.
2.1. Begriffsabgrenzung des deutschen Mittelstandes
Für eine Untersuchung, die den deutschen Mittelstand betrifft, ist zu Beginn
eine Definition bzw. Abgrenzung dieses Begriffs vorzunehmen. Weder in der
Literatur noch in der Praxis gibt es eine einheitliche Definition von mittelstän-
dischen Unternehmen, die auch synonym als KMU bezeichnet werden. Bereits
Anfang der sechziger Jahre wurde durch Klaus-Jürgen Gantzel in der Arbeit
,,Wesen und Begriff der mittelständischen Unternehmung" darauf hingewiesen,
dass ungefähr 200 Definitionen und Umschreibungen zusammenstellbar sind.
Erschwerend kommt hinzu, dass sowohl in der wissenschaftlichen Literatur als
auch im wirtschaftspolitischen Kontext keine klare und einheitliche Begriffstren-
nung zu erkennen ist. Mittelständische Unternehmen lassen sich zudem keines-
wegs nur quantitativ, nach Umsatz, Bilanzsumme oder Mitarbeiterzahl, sondern
ebenso qualitativ abgrenzen.
12
Als problematisch erweisen sich viele der quanti-
tativen Ansätze, da es an öffentlich zugänglichen Daten über Bilanzsumme,
Gewinn und Marktanteile fehlt.
13
Ein weiteres Problem besteht in der Vielzahl
der theoretisch möglichen Definitionen, wodurch der Mittelstand, je nach
gewählter Definition, unterschiedliche Unternehmen mit unterschiedlichen
Merkmalsausprägungen umfasst. Im Ergebnis gibt es keine allgemeingültige
Definition von kleinen und mittelgroßen Unternehmen.
14
Daher soll zunächst ein
Überblick über die gebräuchlichsten Definitionen von KMU gegeben werden,
um anschließend eine geeignete Definition als Arbeitsgrundlage dieser Arbeit
auswählen zu können.
2.1.1. Größenklassen nach dem Handelsgesetzbuch
Ein erster quantitativer Ansatz zur Abgrenzung kleiner und mittelgroßer
Unternehmen von Großunternehmen ist im Handelsgesetzbuch zu finden. Das
HGB nimmt mit § 267 eine Festlegung von Wertobergrenzen für kleine, mittlere
12
Vgl. Behringer, S. (2004), S. 6 f.; Hauser, C. (2006), S. 7 ff.
13
Vgl. Krüger, W. et al. (2006), S. 38.
14
Vgl. Behringer, S. (2004), S. 7.
Seite | 5
und große Kapitalgesellschaften vor. Die handelsrechtliche Zuordnung zu einer
Größenklasse erfolgt allerdings nur, wenn mindestens zwei der drei genannten
Kriterien an zwei aufeinanderfolgenden Abschlussstichtagen erfüllt sind.
Nachteilig ist die ausschließliche Betrachtung von Kapitalgesellschaften und
haftungsbeschränkten Personenhandelsgesellschaften.
15
Aufgrund dieser
Einschränkung kommt der Definition außerhalb des Geltungsbereichs des HGB
keine Bedeutung zu.
16
Das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) sieht
vor die Schwellenwerte für Bilanzsumme und Umsatz um 20 Prozent zu
erhöhen.
17
Tabelle 1 fasst die Anforderungen der einzelnen Größenklassen an
Bilanzsumme, Umsatzerlöse und Mitarbeiterzahl zusammen:
Kleine KapGes
Mittelgroße KapGes
Große KapGes
Bilanzsumme
4.015.000
< 16.060.000
> 16.060.000
Umsatzerlöse
8.030.000
< 32.120.000
> 32.120.000
Mitarbeiter
18
50
< 250
> 250
Tabelle 1: Größenklassen für Kapitalgesellschaften nach dem HGB
Quelle: Eigene Darstellung, auf Grundlage § 267 HGB.
2.1.2. Mittelstandsdefinition des IfM Bonn
Eine in der Praxis gebräuchlichere Abgrenzung liefert das Institut für Mittel-
standsforschung Bonn (IfM Bonn). Diese ebenfalls an quantitativen Kriterien
ausgerichtete Festlegung, definiert Unternehmen mit bis zu neun Beschäftigten
und weniger als 1 Mio. Jahresumsatz als kleine Unternehmen. Beschäftigt ein
Unternehmen 10 bis 499 Mitarbeiter und liegt der Jahresumsatz zwischen
1 Mio. und unter 50 Mio. , handelt es sich per Definition um ein mittleres
Unternehmen.
Die Gesamtheit der KMU setzt sich insofern aus allen Unterneh-
men mit weniger als 500 Beschäftigten sowie weniger als 50 Mio. Jahresum-
satz zusammen. Überschreitet die Anzahl der Mitarbeiter 500 bzw. der Umsatz
50 Mio. , spricht das IfM von einem großen Unternehmen (vgl. Tabelle 2).
Darüberhinaus hält das IfM auch einen qualitativen Definitionsansatz bereit.
Danach wird ein Familienunternehmen als ein mittelständisches Unternehmen
angesehen, wenn die Eigentums- und Leitungsrechte in der Person des
Unternehmers gebündelt sind. Eine Größenbeschränkung ist in diesem
qualitativen Ansatz nicht vorgesehen. Die Definition wird als erfüllt angesehen,
15
Vgl. Tegel, T. (2005), S. 5 ff.
16
Vgl. Hauser, C. (2006), S. 14.
17
Vgl. BMJ (2007), S. 2.
18
Die Mitarbeiteranzahl bezieht sich auf den Jahresdurchschnitt.
Seite | 6
wenn bis zu zwei natürliche Personen oder ihre Familienangehörigen
mindestens 50 Prozent der Anteile eines Unternehmens halten und diese
natürlichen Personen gleichzeitig Mitglieder der Geschäftsführung sind.
19
Unternehmensgröße
Anzahl Mitarbeiter
Umsatz in pro Jahr
Klein
bis zu 9
bis unter 1 Million
Mittel
10 bis 499
1 bis unter 50 Millionen
Mittelstand (KMU) insgesamt
bis zu 499
bis unter 50 Millionen
Groß
500 und mehr
50 Millionen und mehr
Tabelle 2: Mittelstandsdefinition des IfM Bonn
Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an IfM Bonn (2007a), o. S.
2.1.3. Mittelstandsdefinition der Europäischen Union
In Anbetracht der wirtschaftlichen Bedeutung von KMU, hat selbst die EU eine
verbindliche und einheitliche KMU-Definition für alle EU-Mitgliedsstaaten
erarbeitet. Bereits 1996 wurde die erste gemeinsame Definition seitens der EU
formuliert, die aufgrund veränderter ökonomischer Rahmenbedingungen am
6. Mai 2003 angepasst wurde. Diese bis heute gültige Definition trat am
1. Januar 2005 in Kraft. Die EU differenziert KMU in drei Größenkategorien. Die
Größenklasse der Kleinstunternehmen umfasst Unternehmen mit weniger als
10 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von maximal 2 Mio. oder alternativ
einer Bilanzsumme von höchstens 2 Mio. . Ein kleines Unternehmen ist mit
weniger als 50 Mitarbeitern sowie einem Jahresumsatz oder Bilanzsumme von
maximal 10 Mio. definiert. Die Größenklasse der mittleren Unternehmen setzt
weniger als 250 Mitarbeiter sowie einen Jahresumsatz von maximal 50 Mio.
oder eine Bilanzsumme von höchstens 43 Mio. voraus.
20
Außerdem darf ein
KMU zu höchstens 25 Prozent in Besitz eines anderen Unternehmens stehen.
21
Unternehmens-
größe
Anzahl der
Mitarbeiter
sowie
Umsatz in
pro Jahr
oder
Bilanzsumme
in pro Jahr
Kleinst
bis 9
bis 2 Millionen
bis 2 Millionen
Klein
bis 49
bis 10 Millionen
bis 10 Millionen
Mittel
bis 249
bis 50 Millionen
bis 43 Millionen
Tabelle 3: Mittelstandsdefinition der EU.
Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an IfM Bonn (2007a), o. S.
In den 25 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union existieren etwa 23 Mio.
KMU, die ungefähr 75 Mio. Arbeitsplätze zur Verfügung stellen und dabei etwa
99 Prozent des gesamten Unternehmensbestandes ausmachen. Außerdem
19
Vgl. IfM Bonn (2007a), o. S.
20
Vgl. Europäische Gemeinschaften (2006), S. 12 ff.
21
Vgl. Krüger, W. et al. (2006), S. 38.
Seite | 7
bilden sie eine wichtige Grundlage für unternehmerische Fähigkeiten und Inno-
vationen.
22
Mittelständische Unternehmen haben für Deutschland eine große
Bedeutung und werden daher oft als das Rückgrat der deutschen Wirtschaft
bezeichnet. Der Anteil von mittelständischen Unternehmen an der Gesamtheit
aller rund 3,57 Mio. deutschen Unternehmen beträgt 99,7 Prozent. Sie
beschäftigen 70,7 Prozent aller Erwerbstätigen und bilden 82,7 Prozent aller
Auszubildenden aus. Die Nettowertschöpfung liegt bei 46,3 Prozent.
23
Jedoch
verkörpert der Mittelstand nicht nur positive Eigenschaften. Defizite weist der
Mittelstand im Bereich der Finanzierung, Forschung und Entwicklung auf.
24
Neben der bereits vorgestellten qualitativen Begriffsabgrenzung des IfM, bieten
sich weitere Eigenschaften zwecks der Definition von KMU an. Diese zielen
meistens auf die Personengebundenheit und die wesentliche Bedeutung des
Unternehmers für das Unternehmen ab. In der Regel trägt der Unternehmer die
Verantwortung für sämtliche Entscheidungen und Vorgänge. Weitere, in der
Literatur genannte, Abgrenzungsmerkmale sind die rechtliche Selbständigkeit,
Konzernunabhängigkeit sowie die Überschaubarkeit des Unternehmens.
Wiederholt lässt sich das Abgrenzungskriterium identifizieren, dass KMU keinen
Zugang zur Börse haben.
25
In der wissenschaftlichen Literatur besitzen die quantitativen Ansätze eine
größere Relevanz, da diese im Rahmen von empirischen Studien, zur
Abgrenzung des Untersuchungsgegenstandes, besser geeignet sind.
26
Es fällt
auf, dass sowohl in der Rechtsprechung (vgl. § 267 HGB), in der Wirtschaft
(vgl. Definition IfM) als auch in der Politik (vgl. Definition EU) unterschiedliche
Kriterien und Schwellenwerte zur Abgrenzung von mittelständischen
Unternehmen zum Einsatz kommen. Diese divergierenden Definitionen gilt es
beim Interpretieren und Vergleichen von Studien, welche den Mittelstand
betreffen, zu berücksichtigen. Verschiedene Untersuchungen sind deshalb nicht
ohne weiteres miteinander zu vergleichen. Die Abweichungen zwischen
einzelnen Studien können daher erheblich sein. Einzige Gemeinsamkeit
22
Vgl. Europäische Gemeinschaften (2006), S. 5.
23
Vgl. Schneck, O. (2006a), S. 15; IfM Bonn (2007b), o. S.
24
Vgl. Pufahl, M. A./Laux, D. D./Gruhler, J. M. (2006), S. 13 f.
25
Vgl. Hundt, I./Neitz, B./Grabau, F.-R. (2003), S. 1 f.; Altmann, G. (2003), S. 10 ff.; Behringer,
S. (2004), S. 10 f.
26
Vgl. Kraut, Nicole (2002), S. 6 ff.
Seite | 8
zwischen EU- und IfM-Definition ist die Umsatzgrenze von bis zu 50 Mio. , die
als Obergrenze für ein mittleres Unternehmen festgelegt wurde.
Für die vorliegende Arbeit erweist sich die Abgrenzung nach quantitativen
Aspekten am geeignetsten, da schwerpunktmäßig auf die Optimierbarkeit von
Finanzratings abgestellt wird und diese auf den quantitativen Angaben des
Jahresabschlusses beruhen. Im weiteren Verlauf der Arbeit erfolgt die Orientie-
rung an der Mittelstandsabgrenzung der EU. Diese Begriffsbestimmung umfasst
mit Umsatz, Bilanzsumme und Mitarbeiterzahl mehrere Abgrenzungskriterien
und ist aus diesem Argument heraus für die Differenzierung von kleinen und
mittleren Unternehmen im Rahmen dieser Arbeit am zweckmäßigsten.
2.2. Besondere Charakteristika des deutschen Mittelstandes
Sollen Ansatzmöglichkeiten zur Verbesserung eines Finanzratings beurteilt
werden, interessiert zum Einstieg der Status quo des typischen Finanzierungs-
verhaltens von KMU. Die durchschnittliche Eigenkapitalquote aller deutschen
Unternehmen beträgt ungefähr 18 Prozent. Für den Euro-Raum lässt sich eine
durchschnittliche Eigenkapitalquote von 35 Prozent konstatieren, in den USA
liegt diese sogar bei 45 Prozent. Insbesondere deutsche mittelständische
Unternehmen sind also im europäischen und internationalen Vergleich relativ
schlecht mit Eigenkapital ausgestattet.
27
Die ausgeprägte Eigenkapitalquote
von US-amerikanischen Unternehmen beruht zum Teil auf der hohen Nutzung
von Beteiligungskapital.
28
Im Schrifttum ist häufig der Hinweis auf die
Problematik einer niedrigen Eigenkapitalausstattung zu finden, da diese in
nahezu sämtlichen Ratings stark gewichtet wird.
29
Eigenkapital dient als
Verlustpuffer und Haftungsmaßstab, daher ist es umso bedenklicher, dass rund
37,9 Prozent der KMU kein oder ein negatives Eigenkapital aufweisen. Mit
anderen Worten gelten gut ein Drittel der KMU als bilanziell überschuldet.
30
Nach der aktuellen Erhebung ,,Diagnose Mittelstand 2008" des Deutschen
Sparkassen- und Giroverbands zeichnet sich jedoch eine positive Tendenz ab.
Der Anteil der KMU ohne bzw. mit negativem Eigenkapital ist in 2006 auf
27
Vgl. Reich, H. W. (2007), S. 14.
28
Vgl. Geisen, B./Demps, J./Schüller, R. (2003), S. 16.
29
Vgl. Prümer, M. (2003), S. 120; Kopietz, H. (2003), S. 230; Everling, O./Schneck, O. (2004),
S. 33.
30
Vgl. Werner, H. S./Kobabe, R. (2005), S. 11 f.
28,9 Prozent zurückgegangen.
ditreform rangiert die durchschnittliche Eigenkapitalquote über alle Wirtschafts
zweige bei rund einem Drittel der befra
In diesen Fällen kann von einer schwachen Eigenkapital
gesprochen werden. Darüberhinaus existieren
einzelnen Branchen. Eine Vorstellung liefert die
38,7 Prozent der Bauunternehmen lediglich
der Bilanz aus. Ein Ausweis v
zent realisiert. Im verarbeitenden Gewerbe können dagegen
der Unternehmen eine Eigenkapitalquote oberhalb von
Zahlenreihen der Creditreform, für den Zeitraum 1999 bis 2007,
signifikanten Anstieg der Unternehmen
als 30 Prozent vorweisen. I
Unternehmen, im Jahr 2007
hat der Mittelstand auf eine
kapitalausstattung verbessert
eingeschränkt, trotz positiver Tendenz ist die Eigenkapitalausstattung mager.
Abbildung 1: Eigenkapitalausstattung unterschiedlicher Branchen
Quelle: Eigene Darstellung, Daten
Nachdem die Situation separiert nach
folgende Abbildung 2 den Median der
2006 über alle Branchen zusammen.
Umsatzklasse von 0 bis 1 Mio.
31
Vgl. DSGV (Hrsg.) (2008a), S. 35.
32
Vgl. Creditreform (2007a), S. 22
33
Vgl. Gude, H. (2007), S. 36 ff.; Vgl.
34
Der Median verzerrt die Eigenkapitalquote nicht so stark wi
Jeweils 50 % der Unternehmen
30
,9
%
38
,7
%
31
,2
%
33
,2
%
0%
10%
20%
30%
40%
50%
EK bis 10 %
EK bis 20 %
zurückgegangen.
31
Gemäß einer aktuellen Untersuchung der Cre
ditreform rangiert die durchschnittliche Eigenkapitalquote über alle Wirtschafts
Drittel der befragten Unternehmen bei bis zu
In diesen Fällen kann von einer schwachen Eigenkapital
rüberhinaus existieren eklatante Unterschiede
. Eine Vorstellung liefert die Abbildung 1. Da
der Bauunternehmen lediglich bis zu 10 Prozent Eigen
usweis von 30 Prozent und mehr wird nur von 13,3 Pro
realisiert. Im verarbeitenden Gewerbe können dagegen über 29 Prozent
Eigenkapitalquote oberhalb von 30 Prozent
Zahlenreihen der Creditreform, für den Zeitraum 1999 bis 2007, belegen
signifikanten Anstieg der Unternehmen, die eine Eigenkapitalquote von mehr
vorweisen. Im Jahr 2001 waren es lediglich 14
Unternehmen, im Jahr 2007 waren es bereits etwa 23,5 Prozent
eine Anforderung von Basel II reagiert und die Eigen
kapitalausstattung verbessert. Für Kleinstunternehmen gilt diese Aussage
eingeschränkt, trotz positiver Tendenz ist die Eigenkapitalausstattung mager.
: Eigenkapitalausstattung unterschiedlicher Branchen
Quelle: Eigene Darstellung, Datengrundlage: Creditreform (2007a), S.
die Situation separiert nach Branchen betrachtet wurde
en Median der Eigenkapitalentwicklung von 1995 bis
Branchen zusammen.
34
Positiv ist die Entwicklung
Umsatzklasse von 0 bis 1 Mio. , hier konnten erstmals im Jahr 2005 von
), S. 35.
Vgl. Creditreform (2007a), S. 22 ff.
ff.; Vgl. Creditreform (2007a), S. 22.
Der Median verzerrt die Eigenkapitalquote nicht so stark wie die Durchschnittswertbildung.
50 % der Unternehmen liegen unter bzw. über der angegebenen Eigenkapitalquote.
22
,8
%
16
,7
%
29
,5
%
32
,5
%
15
,5
%
13
,3
%
25
,5
%
20
,0
%
23
,3
%
23
,1
%
20
,3
%
23
,4
%
EK bis 20 %
EK bis 30 % EK über 30 %
Verarb. Gewerbe
Bau
Handel
Dienstleistungen
Seite | 9
einer aktuellen Untersuchung der Cre-
ditreform rangiert die durchschnittliche Eigenkapitalquote über alle Wirtschafts-
bis zu 10 Prozent.
In diesen Fällen kann von einer schwachen Eigenkapitalausstattung
eklatante Unterschiede zwischen
Danach weisen
Eigenkapital in
von 13,3 Pro-
über 29 Prozent
ausweisen.
32
belegen einen
nkapitalquote von mehr
m Jahr 2001 waren es lediglich 14 Prozent der
es bereits etwa 23,5 Prozent.
33
Demnach
und die Eigen-
se Aussage nur
eingeschränkt, trotz positiver Tendenz ist die Eigenkapitalausstattung mager.
: Eigenkapitalausstattung unterschiedlicher Branchen
Creditreform (2007a), S. 24.
wurde, fasst die
von 1995 bis
Positiv ist die Entwicklung der
erstmals im Jahr 2005 von null
e die Durchschnittswertbildung.
Eigenkapitalquote.
Verarb. Gewerbe
Bau
Handel
Dienstleistungen
verschiedene Eigenkapitalquoten festgestellt werden. Auch die Eigenkapital
ausstattung des gesamten Mittelstand
Jahren kontinuierlich angestiegen. In der Gesamtbetrachtung zeigt sich
über alle Größenklassen verbesserte
immer noch schwache EK
Vergleich zu Großunternehmen (über 50 Mio.
schwach mit Eigenkapital ausgestattet.
isoliert zu betrachten, ebenso wichtig sind die Finanzierungsstruktur, Liquidität
und Ertragskraft des Unternehmens.
Abbildung 2: Median der
Quelle: Eigene Darstellung
2.2.1. Finanzierungsquellen
Die Finanzierung über Bankkredite ist nach wie vor die wichtigste
Finanzierungsquelle für den deutschen
Bankverbindlichkeiten macht
Vergleich dazu sind es in den USA
Finanzierungsquelle stellen thesaurierte Gewinne dar. Die Gewinnsituation ist
allerdings gerade in kleinen mittelständischen Betrieben unbefriedigend,
durchschnittliche Nettoumsatz
Außerdem sind ca. 19,2 Prozent aller
für viele KMU problematisch
thesaurierungen zu verbessern. Die Fremdfinanzierungsquote ist
Prozent außerordentlich
und Ablauforganisation sowie die Geschäftsstrategie
35
Vgl. Pottgießer, G. (2006), S. 79
36
Vgl. DSGV (Hrsg.) (2008a), S. 39.
0%
5%
10%
15%
20%
25%
30%
1995
1997
0,
0%
0,
0%
3,
4%
2,
8%
20
,9
%
21
,6
%
0 bis 1 Mio.
verschiedene Eigenkapitalquoten festgestellt werden. Auch die Eigenkapital
des gesamten Mittelstandes (0 bis 50 Mio. UE) ist in den letzten
Jahren kontinuierlich angestiegen. In der Gesamtbetrachtung zeigt sich
en verbesserte Eigenkapitalausstattung. Negativ fällt
EK-Quote der Kleinstunternehmen auf. KMU
Vergleich zu Großunternehmen (über 50 Mio. UE), aber immer noch relativ
schwach mit Eigenkapital ausgestattet. Allerdings ist die Eigenkapitalquote nicht
isoliert zu betrachten, ebenso wichtig sind die Finanzierungsstruktur, Liquidität
und Ertragskraft des Unternehmens.
Median der Eigenkapitalentwicklung von KMU nach Umsatz
Darstellung, Datengrundlage: DSGV (Hrsg.) (2008b)
squellen des Mittelstandes
Die Finanzierung über Bankkredite ist nach wie vor die wichtigste
ierungsquelle für den deutschen Mittelstand. Der Anteil der
Bankverbindlichkeiten macht rund 66 Prozent des Fremdkapitals aus. Im
Vergleich dazu sind es in den USA nur 41 Prozent. Die zweit
Finanzierungsquelle stellen thesaurierte Gewinne dar. Die Gewinnsituation ist
gerade in kleinen mittelständischen Betrieben unbefriedigend,
durchschnittliche Nettoumsatzrendite lediglich rund 1,6 Prozent
19,2 Prozent aller KMU Verlustunternehmen.
36
problematisch die Eigenkapitalsituation durch Gewinn
thesaurierungen zu verbessern. Die Fremdfinanzierungsquote ist
hoch. Auf organisatorischer Ebene sind d
und Ablauforganisation sowie die Geschäftsstrategie oft unbefriedigend
Vgl. Pottgießer, G. (2006), S. 79; Pufahl, M. A./Laux, D. D./Gruhler, J. M. (2006), S. 14.
Vgl. DSGV (Hrsg.) (2008a), S. 39.
1999
2001
2003
2004
2005
0,
0%
0,
0%
0,
0%
0,
0%
1,
2%
3,
1%
4,
2%
6,
1%
7,
7%
9,
2%
21
,6
%
21
,4
%
22
,1
%
24
,5
%
25
,7
%
27
,3
%
0 bis 1 Mio.
0 bis 50 Mio.
über 50 Mio.
Seite | 10
verschiedene Eigenkapitalquoten festgestellt werden. Auch die Eigenkapital-
ist in den letzten
Jahren kontinuierlich angestiegen. In der Gesamtbetrachtung zeigt sich eine
Negativ fällt die
KMU sind, im
immer noch relativ
Allerdings ist die Eigenkapitalquote nicht
isoliert zu betrachten, ebenso wichtig sind die Finanzierungsstruktur, Liquidität
Umsatz
), S. 6.
Die Finanzierung über Bankkredite ist nach wie vor die wichtigste externe
Mittelstand. Der Anteil der
des Fremdkapitals aus. Im
nur 41 Prozent. Die zweite wichtige
Finanzierungsquelle stellen thesaurierte Gewinne dar. Die Gewinnsituation ist
gerade in kleinen mittelständischen Betrieben unbefriedigend, da die
lediglich rund 1,6 Prozent erreicht.
35
36
Daher ist es
nkapitalsituation durch Gewinn-
thesaurierungen zu verbessern. Die Fremdfinanzierungsquote ist mit rund 80
Auf organisatorischer Ebene sind die Aufbau-
oft unbefriedigend
. (2006), S. 14.
2006
9,
7%
15
,0
%
27
,3
%
28
,0
%
Seite | 11
dokumentiert. Nur ein kleiner Teil der KMU verfügt über ein gut funktionierendes
Planungs- und Rechnungswesen, Controlling oder Risikomanagement. Die
Unternehmensnachfolge ist ebenfalls oft nicht geklärt.
37
Diese Umstände tragen
in Verbindung mit einer schlechten Eigenkapitalausstattung und einer mageren
Ertragslage dazu bei, dass bankinterne Ratings von KMU tendenziell schlecht
ausfallen. Demzufolge ist das Verbesserungspotenzial des Ratings hier höher
einzuschätzen als bei Großunternehmen, die i. d. R. bessere Ratingnoten
erreichen.
Zu den für KMU geeigneten Finanzierungsalternativen zählen Leasing, Sale-
and-lease-back, Factoring, Mezzanine-Kapital sowie Beteiligungskapital.
Gerade innovative Finanzierungsinstrumente, die eine aktive Kommunikation
mit den Kapitalgebern voraussetzen, werden vom Mittelstand nur zögerlich
eingesetzt. Der Forderungsverkauf über den Kapitalmarkt ist von 84 Prozent
der KMU nicht geplant, selbst dem Factoring stehen 76 Prozent ablehnend
gegenüber. Die Erhöhung der Eigenkapitalbasis durch Beteiligungskapital
lehnen 83 Prozent der, von KPMG im Jahr 2004 bis 2005, befragten
mittelständischen Unternehmen ab. Der Einsatz von mezzaninen Finan-
zierungsformen, wie Nachrangdarlehen oder stille Beteiligungen, wird von
82 Prozent der befragten Unternehmen ausgeschlossen.
38
Diese Ergebnisse
werden durch zwei Umfragen der KfW, aus dem Jahr 2005 und 2006,
bestätigt.
39
Auch nach diesen Untersuchungen hält der überwiegende Teil der
Unternehmer die Finanzierung über Mezzanine-Kapital oder Kapitalbeteili-
gungsgesellschaften für unbedeutend. Abbildung 3 belegt, dass Bankkredite
nach der Innenfinanzierung die zweitwichtigste Finanzierungsquelle bilden und
die Finanzierung über Beteiligungskapital, Mezzanine-Kapital oder Factoring
vernachlässigt wird.
37
Vgl. Hundt, I./Neitz, B./Grabau, F.-R. (2003), S. 2 f.; Ahnert, S. (2007), S. 201.
38
Vgl. Speyer, B./Böttcher, B. (2004), S. 901 ff.; Müller, S. et al. (2006), S. 187 ff.
39
Vgl. KfW (Hrsg.) (2005), S. 43; KfW (2006) (Hrsg.), S. 69.
Abbildung 3: Bedeutung von Finanzierungsquellen
Quelle: Eigene Darstellung,
Insbesondere vor dem Hintergrund der Anforderungen durch Basel II
damit verbundenen Rating
verhalten zu überdenken. Die
kapital oder Mezzanine-K
tenteils wirtschaftliches Eigenkap
geschlossen werden. Eine ausg
größeres Kreditvolumen und günstigere
nehmen, die ihre Finanzierungsstrukturen nicht auf die neuen Anforderungen
abstimmen, werden neue
nicht mehr erhalten oder die
bewilligt werden. Häufigste
unzureichende Sicherheiten,
Eine individuell diversifizierte
Analyse der gegenwärtigen
Zusammenarbeit mit einer
Finanzierungslösung entwickelt werden. Diese sollte neben den bilanzve
kürzenden Instrumenten wie
Mezzanine-Kapital oder Beteiligungskapital
Optimierung des Vorratsbestandes zu einer günstigeren F
führen, wenn frei werdende liquide Mittel zum Ausgleich von kurzfri
Fremdkapital genutzt werden
Finanzierungsinstrumenten
40
Vgl. KfW (Hrsg.) (2006), S. 69
41
Vgl. KfW (Hrsg.) (2006), S. 46
Innenfinanzierung
kurzfristige Bankkredite
langfristige Bankkredite
Lieferantenkredite
Beteiligungskapital
Factoring
Mezzanine
Anleihen, Schuldverschreibungen
(1 = sehr wichtig, 6 = unwichtig)
: Bedeutung von Finanzierungsquellen für KMU
igene Darstellung, Datengrundlage: KfW (Hrsg.) (2006), S. 69.
or dem Hintergrund der Anforderungen durch Basel II
en Rating ist der Mittelstand aufgefordert sein Finanzierungs
überdenken. Die Zuführung von Eigenmitteln über Beteiligungs
Kapital, welches in bankinternen Ratingverfahren
wirtschaftliches Eigenkapital darstellt, sollte nicht schon im
Eine ausgewogene Eigenkapitalausstattung
Kreditvolumen und günstigere Kreditkonditionen bedeuten
die ihre Finanzierungsstrukturen nicht auf die neuen Anforderungen
neue Bankkredite nur schwierig, im ungünstigsten Fall
oder die Finanzierung kann nur zu nachteiligen
Häufigste Ablehnungsgründe eines Kreditantrags
Sicherheiten, gefolgt von mangelnder Eigenkapitalausstattung.
Eine individuell diversifizierte Strukturierung der Finanzierung basiert auf eine
gegenwärtigen Finanzierungsstruktur. Im Anschluss
einer Bank oder einem Berater, eine maßgeschneiderte
entwickelt werden. Diese sollte neben den bilanzve
kürzenden Instrumenten wie Leasing, Sale-and-lease-back und Factoring
oder Beteiligungskapital umfassen. Ergänzend kann
sbestandes zu einer günstigeren Finanzierungsstruktur
werdende liquide Mittel zum Ausgleich von kurzfri
Fremdkapital genutzt werden. Durch den Einsatz von alternativen
Finanzierungsinstrumenten kann außerdem die Abhängigkeit von wenigen
Vgl. KfW (Hrsg.) (2006), S. 69; Fischer, T. R. (2007), S. 456 f.
Vgl. KfW (Hrsg.) (2006), S. 46 f.
1
1,5
2
2,5
3
3,5
4
4,5
Innenfinanzierung
kurzfristige Bankkredite
langfristige Bankkredite
Leasing
Lieferantenkredite
Beteiligungskapital
Factoring
Mezzanine-Kapital
Anleihen, Schuldverschreibungen
(1 = sehr wichtig, 6 = unwichtig)
Seite | 12
(2006), S. 69.
or dem Hintergrund der Anforderungen durch Basel II und dem
sein Finanzierungs-
von Eigenmitteln über Beteiligungs-
apital, welches in bankinternen Ratingverfahren größ-
ital darstellt, sollte nicht schon im Voraus aus-
ewogene Eigenkapitalausstattung kann ein
bedeuten.
40
Unter-
die ihre Finanzierungsstrukturen nicht auf die neuen Anforderungen
im ungünstigsten Fall gar
nachteiligen Konditionen
antrags sind
Eigenkapitalausstattung.
41
r Finanzierung basiert auf einer
Anschluss kann, in
eine maßgeschneiderte
entwickelt werden. Diese sollte neben den bilanzver-
Factoring auch
Ergänzend kann die
inanzierungsstruktur
werdende liquide Mittel zum Ausgleich von kurzfristigem
Durch den Einsatz von alternativen
von wenigen
5
5,5
6
Seite | 13
Finanzierungsquellen reduziert werden.
42
Im Vorfeld des Einsatzes einer
alternativen Finanzierungsmaßnahme sollte gleichwohl eine Prüfung der
Kosten, Eignung sowie der langfristigen Folgen vorgenommen werden.
Ergebnisse einer Studie von Ernst & Young belegen, dass diversifiziert finan-
zierte Unternehmen, im Durchschnitt ein Umsatzwachstum von etwa drei Pro-
zent pro Jahr erreicht haben.
43
Unternehmen, die ihre Finanzierung nur auf
klassische Instrumente wie Bankkredite stützen, sind dagegen pro Jahr um fast
ein Prozent geschrumpft.
44
Ein weiteres Argument für eine diversifizierte und
nicht ausschließlich auf Bankkrediten beruhende Finanzierung.
2.2.2. Bilanzstruktur des Mittelstandes
Aufgrund des hohen Stellenwerts der Finanzierungsstruktur für das Ergebnis
eines Ratings, soll die durchschnittliche Bilanzstruktur von KMU näher
analysiert werden. Im Folgenden wird die Zusammensetzung der Aktiv- und
Passivseite der Bilanz betrachtet, um sowohl Mittelverwendung als auch die
Mittelherkunft darzustellen. Die Auswertungen erfolgen auf Grundlage der
,,Verhältniszahlen aus Jahresabschlüssen deutscher Unternehmen von 2004 bis
2005", die regelmäßig durch die Deutsche Bundesbank veröffentlicht werden.
45
Die nach Umsatzgrößen separierte Darstellung erfolgt in Anlehnung an die
KMU-Definition der EU, um Abweichungen zwischen unterschiedlichen Größen-
klassen identifizieren zu können. Um branchenspezifische Besonderheiten zu
identifizieren, wird neben der durchschnittlichen Finanzierungsstruktur des
verarbeitenden Gewerbes auch die der Baubranche vorgestellt.
46
Die Aktivseite eines durchschnittlichen Bauunternehmens (vgl. Abbildung 4)
offenbart einen hohen Anteil an Vorräten und Forderungen. Der Vorratsbestand
nimmt mit ansteigender Umsatzhöhe weiter zu. Je höher der Umsatz, desto
höher ist das gebundene Kapital in Form von Vorräten und Lagerbeständen.
Unternehmen der Größenklasse bis 50 Mio. Euro Umsatzerlöse binden
42
Vgl. Reich, H. W. (2007), S. 14 ff.; Schielke, J. E. (2007), S. 76 ff.
43
Untersuchungszeitraum von Ende 2001 bis Ende 2004.
44
Vgl. Ernst & Young (2005), S. 25.
45
Vgl. Deutsche Bundesbank (2007), o. S.
46
Bei der Interpretation des relativen Anteils der einzelnen Bilanzpositionen ist zu beachten,
dass diese rundungsbedingt nicht exakt 100 Prozent ergeben. Trotzdem kann ein erster
Eindruck über größen- und branchenabhängige Bilanzstrukturen vermittelt werden.
annähernd die Hälfte des Kapitals in Vorräten.
Anteil von Sachanlagen an d
zurückgeht. Die Passivseite
stattung. In der kleinsten Umsatzklasse
10,4 Prozent. Positiv ist die Entwicklung zwischen den
zu interpretieren. In allen
zu verzeichnen. Der Anteil der Verbindlichkeite
72,6 und 80,6 Prozent der Bilanzsumme
Abbildung 4: Bilanzstruktur von KMU
Quelle: Eigene Darstellung, Datengrundlage:
Im Gegensatz dazu, fasst
tlichen Unternehmens des
Vergleich zeichnen sich Unterschiede
nur zwischen rund einem Fünftel und
Sachanlagevermögen, welches
einen beträchtlicheren Part
Eigenkapitalausstattung liegt im Jahr 2005 innerh
20,3 und 30 Prozent. Ebenfalls
ansteigenden Eigenkapital
Bilanzsumme eines Unterne
beträgt rund 55 Prozent. Im Vergleich dazu
bei Bauunternehmen mit
wird anhand dieser Beispiele, dass m
spezifische und größenabhängige
aufweisen. Daher muss zu Vergleichszwecken
1,6%
1,6%
1,9%
1,9%
2,6%
2,4%
23,6%
22,4%
16,3%
16,3%
13,1%
13,2%
31,5%
34,7%
42,5%
43,4%
49,4%
49,0%
0%
20%
40%
UE bis 2 Mio.
(2004)
UE bis 2 Mio.
(2005)
UE bis 10 Mio.
(2004)
UE bis 10 Mio.
(2005)
UE bis 50 Mio.
(2004)
UE bis 50 Mio.
(2005)
Sonstige Vg.
Sachanlagen
Vorräte
Kasse und Bankguthaben
Forderungen
die Hälfte des Kapitals in Vorräten. Außerdem fällt auf, dass d
Sachanlagen an der Bilanzsumme mit steigender Umsatzhöhe
e Passivseite dokumentiert die unzureichende Eigenkapitalaus
kleinsten Umsatzklasse beträgt diese im Jahr
ist die Entwicklung zwischen den Jahren 2004 und 2005
allen Größenklassen ist ein Anstieg der Eigenkapitalquote
. Der Anteil der Verbindlichkeiten ist mit Werten zwischen
der Bilanzsumme ausgesprochen hoch.
: Bilanzstruktur von KMU im Baugewerbe (alle Rechtsformen)
: Eigene Darstellung, Datengrundlage: Deutsche Bundesbank (2007), o. S.
fasst die Abbildung 5 die Ergebnisse eines dur
tlichen Unternehmens des verarbeitenden Gewerbes zusammen. Im direkten
Unterschiede zur Baubranche ab. Die Vorräte binden
einem Fünftel und einem Viertel des Gesamt
evermögen, welches zur Sicherung von Krediten dienen
Part der Bilanzsumme ein. Die für Ratings
Eigenkapitalausstattung liegt im Jahr 2005 innerhalb einer Bandbreite von
. Ebenfalls zeigt sich ein positiver Trend bezüglich der
Eigenkapitalausstattung. Der Anteil der Verbindlichkeiten an der
Unternehmens der Größenklasse bis 50 Mio
. Im Vergleich dazu liegt der Anteil der Verbindlichkeiten
Bauunternehmen mit identischem Umsatz bei rund 73 Prozent
Beispiele, dass mittelständische Unternehmen
und größenabhängige Unterschiede in der Finanzierungsstruktur
zu Vergleichszwecken die Branche bzw.
31,5%
34,7%
42,5%
43,4%
49,4%
49,0%
9,6%
9,2%
10,2%
10,5%
9,7%
9,9%
32,1%
30,5%
27,9%
26,8%
24,5%
24,8%
60%
80% 100%
Sachanlagen
Kasse und Bankguthaben
8,6%
10,4%
13,2%
14,8%
12,1%
13,3%
80,6%
79,4%
75,4%
74,0%
73,4%
72,6%
0%
20% 40% 60%
UE bis 2 Mio.
(2004)
UE bis 2 Mio.
(2005)
UE bis 10 Mio.
(2004)
UE bis 10 Mio.
(2005)
UE bis 50 Mio.
(2004)
UE bis 50 Mio.
(2005)
Eigenmittel
Verbindlichkeiten
Seite | 14
auf, dass der
steigender Umsatzhöhe stark
Eigenkapitalaus-
beträgt diese im Jahr 2005 nur
Jahren 2004 und 2005
Anstieg der Eigenkapitalquote
n ist mit Werten zwischen
(alle Rechtsformen)
(2007), o. S.
eines durchschnit-
. Im direkten
Die Vorräte binden
em Viertel des Gesamtkapitals.
zur Sicherung von Krediten dienen kann, nimmt
der Bilanzsumme ein. Die für Ratings bedeutende
ner Bandbreite von
bezüglich der
er Anteil der Verbindlichkeiten an der
der Größenklasse bis 50 Mio. Umsatz
der Anteil der Verbindlichkeiten
Prozent. Deutlich
ehmen branchen-
Unterschiede in der Finanzierungsstruktur
bzw. die Größen-
80,6%
79,4%
75,4%
74,0%
73,4%
72,6%
10,7%
10,1%
11,4%
11,1%
14,4%
14,0%
60% 80% 100%
Rückstellungen
klasse berücksichtigt werden.
Auswirkungen der alternativen Finanzierungsmaßna
großen Modellunternehmen der Baubranche und des verarbeitenden Gewerbes
analysiert.
Abbildung 5: Bilanzstruktur
Quelle: Eigene Darstellung, Datengrundlage:
Auf Grundlage dieser
Eigenkapitalausstattung
setztes gilt für die Entwicklung der Verbindlichkeiten
weisen eine gesündere Finanzierungsstruktur auf
Insbesondere
die
Kleinstunternehmen
haben
Schwierigkeiten
ausreichende Eigenkapital
Bankkredite ausgerichtet
Finanzierungsstruktur wieder.
an Maßnahmen zur Verbesserung ihrer Finanzierungssituation bestehen.
Vielfach fehlt KMU der Anreiz
werden erst ergriffen, wenn eine beantragte Kreditfinanzierung abgelehnt wird.
Ziel der Arbeit ist, die Auswirkungen
Rating von KMU zu analysieren
Finanzierungskonditionen
2.3. Definition und Grundlagen
Der Begriff Rating kommt ursprünglich aus dem anglo
und ist im Zusammenhang mit dem Begriff ,,C
Ausdruck ,,Credit" bezeichnet im D
3,4%
3,2%
3,7%
4,0%
6,8%
7,1%
35,3%
35,0%
31,7%
30,8%
28,6%
27,7%
21,4%
21,8%
26,1%
26,6%
26,0%
26,2%
0%
20% 40%
UE bis 2 Mio.
(2004)
UE bis 2 Mio.
(2005)
UE bis 10 Mio.
(2004)
UE bis 10 Mio.
(2005)
UE bis 50 Mio.
(2004)
UE bis 50 Mio.
(2005)
Sonstige Vg.
Sachanlagen
Vorräte
Kasse und Bankguthaben
Forderungen
werden. Korrespondierend dazu werden in Kapite
alternativen Finanzierungsmaßnahmen an unterschiedlich
großen Modellunternehmen der Baubranche und des verarbeitenden Gewerbes
Bilanzstruktur von KMU im verarbeitenden Gewerbe (alle Rechtsformen)
Eigene Darstellung, Datengrundlage: Deutsche Bundesbank (2007), o. S.
Analyse wird offensichtlich, dass die
positiv mit dem Umsatz korreliert ist.
Entwicklung der Verbindlichkeiten. Große Unternehmen
Finanzierungsstruktur auf, als kleinere Unternehmen
Insbesondere
die
Kleinstunternehmen
haben
Schwierigkeiten
ausreichende Eigenkapitalquote aufzubauen. Außerdem spiegelt sich das
Bankkredite ausgerichtete Finanzierungsverhalten, in der unausgewogenen
Finanzierungsstruktur wieder. Deshalb sollte für KMU das prinzipielle Interesse
an Maßnahmen zur Verbesserung ihrer Finanzierungssituation bestehen.
r Anreiz ihr Verhalten zu überdenken.
wenn eine beantragte Kreditfinanzierung abgelehnt wird.
die Auswirkungen von Optimierungsmaßnahmen
zu analysieren und zu überprüfen ob günstigere
Finanzierungskonditionen erzielt werden können.
und Grundlagen des Ratings
Der Begriff Rating kommt ursprünglich aus dem anglo-amerikanischen Raum
Zusammenhang mit dem Begriff ,,Credit Rating" zu interpretieren
redit" bezeichnet im Deutschen die Bonität. ,,Rating" kann synonym
21,4%
21,8%
26,1%
26,6%
26,0%
26,2%
8,2%
8,8%
8,7%
9,3%
7,3%
7,6%
30,5%
30,2%
29,1%
28,6%
30,9%
31,0%
60% 80% 100%
Sachanlagen
Kasse und Bankguthaben
18,2%
20,3%
23,9%
26,1%
28,7%
30,0%
70,3%
68,2%
63,4%
61,3%
56,2%
55,0%
0%
20% 40% 60%
UE bis 2 Mio.
(2004)
UE bis 2 Mio.
(2005)
UE bis 10 Mio.
(2004)
UE bis 10 Mio.
(2005)
UE bis 50 Mio.
(2004)
UE bis 50 Mio.
(2005)
Eigenmittel
Verbindlichkeiten
Seite | 15
pondierend dazu werden in Kapitel 6 die
unterschiedlich
großen Modellunternehmen der Baubranche und des verarbeitenden Gewerbes
(alle Rechtsformen)
(2007), o. S.
die Höhe der
. Entgegenge-
Große Unternehmen
Unternehmen.
Insbesondere
die
Kleinstunternehmen
haben
Schwierigkeiten
eine
sich das, auf
in der unausgewogenen
KMU das prinzipielle Interesse
an Maßnahmen zur Verbesserung ihrer Finanzierungssituation bestehen.
Maßnahmen
wenn eine beantragte Kreditfinanzierung abgelehnt wird.
ahmen auf das
und zu überprüfen ob günstigere
amerikanischen Raum
interpretieren. Der
eutschen die Bonität. ,,Rating" kann synonym
70,3%
68,2%
63,4%
61,3%
56,2%
55,0%
11,4%
11,3%
12,6%
12,5%
15,0%
14,9%
60% 80% 100%
Rückstellungen
Seite | 16
für ein Beurteilungsverfahren sowie für das Resultat dieses Verfahrens
verwendet werden.
47
Allgemeingültig ausgedrückt, resultiert ein Ratingurteil aus
der Bewertung von wirtschaftlichen Verhältnissen.
48
Ein Credit Rating bewertet
die zukünftige Zahlungsfähigkeit eines Schuldners.
49
In Deutschland wurde der
Begriff ,,Rating" erst in Verbindung mit Basel II populär. Die Vorstellung eines
Ratings umfasste bis zu diesem Zeitpunkt überwiegend die Bewertung eines
Emittenten von Anleihen durch die Ratingagenturen Standard & Poor's oder
Moody's. Nur vereinzelt wurde die Bezeichnung Rating auf die Kreditvergabe
bezogen. Der Ausdruck ,,Rating" wird in unterschiedlichen Anwendungsbe-
reichen zum Zweck der Charakterisierung von Beurteilungsobjekten, nach
zuvor festgelegten Kriterien, eingesetzt. Als Ergebnis des Ratingprozesses
ergibt sich eine Benotung bzw. ein Ratingurteil, welches zu einer Klassifikation
des zu beurteilenden Objektes anhand einer Skala führt. Im finanzwirtschaft-
lichen Bereich werden meist Bonitätsrisiken eingeschätzt. Das Ratingurteil
beinhaltet eine Aussage bezüglich der wirtschaftlichen Fähigkeit, der
rechtlichen Bindung und Willigkeit eines Zahlungsverpflichteten, seine fälligen
Zahlungsverpflichtungen vollständig und rechtzeitig zu erfüllen.
50
Diese Einschätzungen nehmen Ratingagenturen respektive Banken vor.
Banken nehmen im Rahmen des internen Ratings eine Überprüfung der Bonität
bei potenziellen oder bereits existierenden Kreditbeziehungen vor. Dagegen
führen die Ratingagenturen den Beurteilungsprozess, auch als externes Rating
bezeichnet, überwiegend nach Aufforderung eines Mandanten durch. Das Er-
gebnis des Ratings wird als Symbol kombinierter Buchstaben und/oder Zahlen
dargestellt und gibt die Annahme der Ratingagentur bzw. der Bank über das
Bonitätsrisiko eines Finanztitels oder eines Kreditnehmers wieder. In der Litera-
tur lassen sich zahlreiche spezielle Ratingbezeichnungen, je nach Ratingobjekt
und der damit verbundenen Zielsetzung des Ratings, identifizieren. Die
folgende Übersicht zeigt eine Synopse von Ratingobjekten, die mit dem Rating
verbundene Absicht und die charakteristischen Ratingbezeichnungen.
51
47
Vgl. Nau, H.-R. (2005), S. 128.
48
Vgl. Nitzsche, H./Fischer, F. (2004), S. 7.
49
Vgl. Christians, U./Schadrack, M. (2002), S. 1207.
50
Vgl. Kletzing, S./Schulze, H. (2005), S. 166.
51
Vgl. Wieben, H.-J. (2004), S. 6 ff.
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Ratingobjekt
Absicht des Ratings
Ratingbezeichnung
Unternehmen
Ermittlung des Ausfallrisikos bzw.
Insolvenzrisikos eines Unternehmens
Finanzrating
Schuldtitel
Einschätzung der Zinszahlungs- und
Tilgungsfähigkeit während der Laufzeit
des Engagements
Emissionsrating
(Debt Rating, Credit Rating)
Emittenten
Beurteilung der Zinszahlungs- und
Schuldentilgungsfähigkeit eines
Emittenten bezüglich seiner erstrangigen
Verpflichtungen
Emittentenrating
(Issuer Rating, Credit
Rating, Counterparty Rating)
Eigenkapitaltitel Analyse der Risiko- und Qualitätsaspekte
Aktienrating (Stock Rating)
Länder
Prüfung der Zahlungs- und
Schuldentilgungsfähigkeit eines Landes
Länderrating
(Sovereign Rating)
Fonds
Untersuchung der Qualität der
Anlageinstrumente und des
Fondsmanagements
Fondsrating
(Money Market Fund Rating,
Mutual Bond Fund Rating)
Versicherungen Einschätzung der Sicherheit von
Ansprüchen der Versicherten
Versicherungsrating
(Insurance Company Rating,
Financial-Strength-Rating)
Banken
Beurteilung der Sicherheit von Einlagen
Bank-Rating
(Securities Industry Rating)
Tabelle 4: Übersicht Ratingarten und Ratingobjekte.
Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Wieben, H.-J. (2004), S. 6 f.
In dieser Arbeit wird speziell auf das Finanzrating, welches auch als
Bilanzbonitäts-Rating bezeichnet wird, eingegangen. Vor dem Hintergrund
eines Finanzratings wird die Beurteilung des Unternehmens überwiegend auf
quantitative Daten des Jahresabschlusses gestützt. Das Unternehmen als
solches, stellt das Ratingobjekt dar. Die Einschätzung der Fähigkeit des
Schuldners seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, beruht auf der
Beurteilung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage. In den meisten Banken
liegt dem internen Rating hauptsächlich das Finanzrating zugrunde.
52
Daneben
spielen in der Praxis qualitative Faktoren bei der Ermittlung der Ratingnote eine
wichtige Rolle. In Abgrenzung zu einer klassischen Bilanzanalyse, die
vergangenheitsorientiert aufgebaut ist, erhält man am Ende eines
Ratingverfahrens eine Aussage über die zukünftige Zahlungsfähigkeit des
Unternehmens. Ein weiterer Unterschied zwischen Bilanzanalyse und Rating
besteht in der subjektiven Auswahl und Gewichtung der einzelnen Kennzahlen
im Rahmen der Bilanzanalyse.
53
Innerhalb eines bestimmten Ratings sind die
Gewichtung und der Kennzahlenkatalog für alle untersuchten Unternehmen
52
Vgl. Schneck, O. (2006b), S. 35; Everling, O. (2007), S. 7 f.
53
Vgl. Hundt, I./Neitz, B./Grabau, F.-R. (2003), S. 15 f.; Baetge, J./Keitz, I./Wünsche, B. (2007),
S. 480.
Seite | 18
gleich. Die Gewichtung und die Auswahl der quantitativen und qualitativen Ra-
tingkriterien variiert jedoch von Bank zu Bank.
54
Die quantitativen Fakten kön-
nen in diesem Zusammenhang bis zu 70 Prozent der Ratingnote bestimmen.
55
Für Banken ist in Verbindung mit § 18 Kreditwesengesetz (KWG) die Existenz
von Prüfungsvermerken von Bedeutung. Bei prüfungspflichtigen Unternehmen
ist dies der Bestätigungsvermerk des Wirtschaftsprüfers. Bei nicht prüfungs-
pflichtigen Unternehmen kommt entweder ein Jahresabschluss mit konkret
beschriebenen Prüfungshandlungen oder eine freiwillige Prüfung in Frage. Jah-
resabschlüsse ohne Prüfungsvermerke genügen den Ansprüchen nicht.
56
In Abgrenzung zu den bankinternen Ratings sind die Credit Ratings der
bekannten Ratingagenturen Moody's, Standard & Poor's und Fitch Ratings zu
interpretieren, die i. d. R. eine Beurteilung von Fremdfinanzierungstiteln und
deren Emittenten vorsehen. Diese bewerten die Fähigkeit des Emittenten zum
Begleichen der, aus den Finanzierungstiteln resultierenden, Zahlungsverpflich-
tungen.
57
Dieses Risiko drückt sich zwischen Schuldner und Gläubiger in der
Gefahr aus, dass die vom Schuldner zu erbringenden Zins- und
Tilgungszahlungen nicht zum vertraglich festgelegten Zeitpunkt und/oder in
reduzierter Höhe beim Gläubiger eintreffen. Emittentenratings beziehen sich
damit nicht auf bestimmte Finanzierungen, sondern auf die generelle Fähigkeit
eines Unternehmens seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen.
58
2.3.1. Die Ratingskalen von Standard & Poor's und Moody's
Die Ratingskalen von Standard & Poor's und Moody's, basieren auf 22 bzw. 21
Ratingabstufungen (Notches). Zwischenzeitlich wurde die zusätzliche Angabe
eines Outlooks etabliert - dies ist eine Art Signal in welche Richtung sich das
Ratingurteil in der näheren Zukunft verändern könnte.
59
Jede Ratingklasse
symbolisiert eine eigenständige Risikoklasse, der das entsprechend geratete
Unternehmen zugeordnet ist. Die einzelnen Ratingklassen beinhalten
charakteristische Informationen über die durchschnittliche Ausfallwahrschein-
54
Vgl. Speyer, B./Böttcher, B. (2004), S. 895 f.
55
Vgl. Kopmann, M. (2004), S. 557; Wambach, M./Kirchmer, T./Wunderlich, D. (2004), S. 171.
56
Vgl. Wambach, M. (2003), S. 20 f.
57
Vgl. Baetge, J./Keitz, I./Wünsche, B. (2007), S. 478.
58
Vgl. Wieben, H.-J. (2004), S. 6 ff.
59
Vgl. Kley, C. R. (2003), S. 17.
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