Die Menschen werden geboren, die Menschen sterben, und die Zeit dazwischen
”
verbringen sie mit dem Tragen der Digitaluhren.“
Douglas Adams
Vorwort
Weil ich in der N¨ ahe eines Glockenturms meine Kindheit verbrachte, war mir das st¨ undliche Gel¨ aut bestens vertraut - so vertraut, dass es im Alltag von mir ¨ uberh¨ ort
wurde. Die Uhr am Kirchturm schl¨ agt, weil sie die Zeit angibt. Vor allem f¨ ur Leute die nicht sehen k¨ onnen sei das wichtig erkl¨ arte mir jemand. Einleuchtend - vorerst. Irgendwann sp¨ ater h¨ orte ich auch, dass die Menschen fr¨ uher noch keine eigene Uhr hatten und die Kirchenuhr, um die Zeit zu wissen, umso wichtiger war. Ohne h¨ atte nat¨ urlich keiner irgendeinen Termin einhalten k¨ onnen. Jahre sp¨ ater stolperte die Erkenntnis ¨ uber mich, dass an anderen Stellen, z.B. in
anderen L¨ andern, gar keine Kircht¨ urme stehen. Und auch dort leben, lieben und tun die Menschen Dinge zu vereinbarten Zeitpunkten. Und eigentlich h¨ ort doch auch bei uns keiner mehr wirklich hin, wenn die Uhr schl¨ agt. Wir haben unsere Uhr am Handgelenk.
Als Student begann ich mich mehr daf¨ ur zu interessieren: Wann und wieso war es irgendwann zum ersten Mal der Fall, dass ein Jeder auf das Schlagen der Uhr geh¨ ort hat und sofort wusste, was dieses bedeutet? Wieso achteten die Menschen ¨ uberhaupt
auf so etwas wie den Glockenschlag - war er denn mehr als ein abstraktes Symbol? Was bedingte unser heutiges Temporalsystem, die Art und Weise wie wir mit Zeit umgehen?
I
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Zeit 8
3 Die mechanische Uhr und die mittelalterliche Stadt 12
3.1 Uhr, mechanische Uhr und Glocke 12
3.2 Die mittelalterliche Stadt 15
3.3 Wichtige Ver anderungen innerhalb der Epoche 17
3.4 Die Temporalstruktur in der mittelalterlichen Stadt 18
3.5 Einf uhrung der mechanischen Uhr 20
3.6 Einstellung verschiedener sozialer Gruppen zur mechanischen Uhr 22
3.7 Durch die mechanische Uhr bedingte Ver anderungen des offentlichen
Lebens 24
3.8 Zusammenhang zwischen Religion und Einf uhrung der mechanischen
Uhr 27
3.9 Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und mechani-
scher Uhr 29
3.10 Gr unde f ur die Einf uhrung der mechanischen Uhr/ zusammenfassen-
de Darstellung 32
4 F ur diese Arbeit relevante Teile der Soziologie Norbert Elias’ 34
4.1 Figurationen 35
4.2 Psychogenese und Soziogenese 37
4.3 Selbstzwang und Fremdzwang 38
4.4 Elias’ Machtbegriff 39
4.5 ’ Uber die Zeit im Kontext des ’ Prozess der Zivilisation 42
5 Analyse des Einf uhrungsprozesses 48
5.1 Historische Umst ande reflektiert mit Elias’ Soziologie - Schritt 1 48
II
5.2 Die vier Interdependenztypen im Kontext geschichtlicher Fakten -Schritt 2 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50 5.3 Bedeutung von Stadt, ¨ Okonomie und B¨ urgertum - Schritt 3 . . . . . 53
5.4 Die Figurative Macht im Einf¨ uhrungsprozess - Schritt 4 . . . . . . . 54
6 Fazit 57
7 Ausblick 60
8 Exkurs 61
9 Anhang 68
10 Literatur 71
III
1 Einleitung
Das Interesse des Menschen an der Zeit gilt meist nicht der Zeit selbst, sondern viel-
mehr den Zeiten (vgl. Kapitel 4.5) von Ereignissen. Aussagen wie: ” wir uns?“, ” Frage ” Wer hat die Zeit erschaffen?“ liest man seltener in B¨ uchern. Das Verstehen von Zeit als naturwissenschaftliche, soziologische und philosophische Gr¨ oße ist f¨ ur den Alltag von geringer Bedeutung. Viel wichtiger ist die u.a. von Emile Durkheim und Norbert Elias als solche erkannte soziale Determiniertheit kollektiver Zeitrepr¨ asentationen; die Zeit in der t¨ aglichen Praxis. Also eben: ” Du bist zu sp¨ at!“. Jede Gesellschaft besitzt ihre eigene, vereinende Zeit, welche es Individuen erm¨ oglicht, ihr Vorgehen aufeinander abzustimmen. Zeit wird immer individuell erlebt, aber der Ursprung dieses Erlebens weist ¨ uber
”
den Einzelnen hinaus, verweist auf die Gesellschaft“ (Raehlmann 2004, S.15). Es wird hier von Zeit als strukturierendes Element einer Gesellschaft gesprochen. Dieses strukturierende Element bedingt sich aus politischen, wirtschaftlichen, religi¨ osen, und weiteren Elementen einer Gesellschaft.
Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass eine sich ver¨ andernde Gesellschaft auch ihr strukturierendes Element Zeitordnung ver¨ andern kann. Das Mittel um die Zeit zu messen, ist meist eine Uhr. Also ein technisches Ger¨ at zur Feststellung der Zeit. Sie hilft Menschen, sich mit der kollektiven Zeitordnung zu synchronisieren. Sie hilft den Menschen, eine kollektive Zeitordnung zu erschaffen. Die Anspr¨ uche an die kollektive Zeitordnung stehen im Kontext mit den Eigenschaften einer Gesellschaft - unsere westliche Gesellschaft w¨ are beispielsweise mit dem Potential der Sonnenuhren nicht zu steuern, da diese kein einheitliches, gleichf¨ ormiges und ¨ uberall verf¨ ugbares Tem-poralsystem erm¨ oglicht. George Woodcook schrieb: ” Technically, the clock was the first really automatic machine that attended any importance in the life of men.“ (Woodcook 1944, http://www.spunk.org/texts/writers/woodcock/sp001734.html, abgerufen am: 12.3.2009) und maß damit der Uhr eine ¨ ahnliche Bedeutung bei wie Lewis Mumford mit seiner These, nicht die Dampfmaschine, sondern die mechanische Uhr
1
sei die Schl¨ usselmaschine des Industriezeitalters (vgl. Mumford 2001, S.22). Die mechanische Uhr erfuhr ihre erste Verbreitung im mittelalterlichen Europa, als sich die damalige Gesellschaft in einem Prozess der Vernetzung und des wirtschaftlichen Aufbl¨ uhens befand - war dies ein Zufall? Oder lag der Grund darin, dass die Gesellschaft eine neue Temporalstruktur ben¨ otigte und so die Horen (vgl. Kapitel 3.1) zu Gunsten der modernen Temporalstunde aufgab?
Diese Diplomarbeit behandelt ein gesamtgesellschaftliches, sowie historisches Thema in der Epoche des Mittelalters 1 . Hier werde ich prim¨ ar die st¨ adtischen Vorg¨ ange der europ¨ aischen Gesellschaft analysieren. Dies ist sinnvoll, da historisches st¨ adtisches Leben und Vorg¨ ange gut untersucht wurden und so die Bedeutung f¨ ur andere Bereiche abstrahiert werden kann. Um dem komplexen Ursprung figurativer Macht Rechnung zu tragen, werde ich versuchen, die Analyse des st¨ adtischen Lebens m¨ oglichst breitgef¨ achert durchzuf¨ uhren und den ’ Geist‘ der Zeit zu bestimmen.
Vermutlich liegt der Grund der Verbreitung der mechanischen Uhr in einer Art Kettenreaktion. Mehr und mehr Menschen wurden in ihren Bann gezogen, weil mehr und mehr andere Menschen sie benutzten. Irgendwann (vielleicht ab dem 16. Jahr-hundert) war ” Wie viel Uhr ist es?“ zu einem oft geh¨ orten Satz geworden. Daher stelle ich an den Anfang der Diplomarbeit folgende These: Eine sich diversifizierende und vernetzende ¨ Okonomie, das Wachstum der St¨ adte und die neue Rolle
des B¨ urgertums standen in einer wechselseitigen Abh¨ angigkeit mit der durch die mechanische Uhr bedingten figurativen Macht. Eine figurative Macht war also notwendig f¨ ur den Erfolg der mechanischen Uhr. Daraus folgt die dieser Diplomarbeit zugrunde liegende Frage:
War eine zunehmende figurative Macht der Grund f¨ ur die Etablierung der mechanischen Uhr in mittelalterlichen St¨ adten?
War eine zunehmende figurative Macht der Grund f¨ ur die Etablierung der mechanischen Uhr in mittelalterlichen St¨ adten? Norbert Elias stellt die These auf, dass die Figurationen (vgl. Kapitel 4.1) einer Gesellschaft Macht auf den Einzelnen aus¨ uben k¨ onnen. Sie generieren diese aus dem Zusammenspiel aller Individuen. Allerdings
1 Das Mittelalter, als Teil der europ¨ aischen Geschichte, wird zwischen Antike und Neuzeit datiert. Allgemein werden die Jahre von 500 bis 1500 als Mittelalter bezeichnet. Sowohl der genaue Anfang, als auch das Ende sind Gegenstand wissenschaftlicher Diskussion. Das 16. Jahrhundert wird allgemein nicht mehr dem Mittelalter, sondern der Neuzeit zugeschrieben. Obwohl sich meine Analyse auf die mittelalterliche Stadt bezieht macht es keinen Sinn hier einen Bruch zu vollziehen und dieses Jahrhundert nicht mehr zu betrachten. Eine gewisse Unsch¨ arfe soll erlaubt sein.
2
bleibt dem Einzelnen die Komplexit¨ at des Prozesses, die Ursache dieser Macht unklar (vgl. Kapitel 4.1).
In dieser Diplomarbeit m¨ ochte ich untersuchen, ob eine figurative Macht den Einzelnen dazu gedr¨ angt hat, die mechanische Uhr zu benutzen. Wurde sie popul¨ ar, weil die Umst¨ ande der Zeit, die Figurationen, sie erforderten? Konnte der Einzelne dann nicht mehr anders, als es anderen nachzutun und seinen Tagesrhythmus nach der mechanischen Uhr zu richten? Hat er die Ursache daf¨ ur dieser Macht zuordnen k¨ onnen? Wo lag der Anfang dieser Entwicklung? Hatten einzelne Personen einen besonderen Einfluss auf diese Entwicklung?
Ich bin der Ansicht, dass Norbert Elias’ Soziologie einen geeigneten theoretischen Rahmen f¨ ur meine Analyse bietet, denn sie ist umfassend genug f¨ ur meine multidimensionale Fragestellung. Auch Baumgart und Eichner schreiben: ” Die Prozeß- und
Figurationstheorie stellt eine allgemeine menschenwissenschaftliche Theorie dar, die zur Erkl¨ arung gesellschaftlicher Ph¨ anomene jeglicher Art angewendet werden kann“ (Baumgart/Eichner 1991, S.118). Ich erwarte mir speziell von Elias’ Zivilisations-theorie ein gutes Werkzeug um oben genannter Fragestellung nachzugehen. Bei meiner Literaturrecherche ist mir weder im deutsch- noch im englischsprachigen Raum etwas begegnet, was sich konkret mit dem Einf¨ uhrungsprozess der mechanischen Uhr auseinandersetzt. Generell ist die Soziologie der Zeit (in Anbetracht ihrer Wichtigkeit und grundlegenden Beeinflussung fast aller Vorg¨ ange in der Gesellschaft) wenig untersucht worden. Allerdings gibt es viel Literatur, die sich mit dem Thema der Zeit und Zeitordnung befasst.
Vier Fachb¨ ucher sind in diesem Zusammenhang besonders interessant: ’ Zeit‘ von Norbert Elias, ’
der Stunde - Uhren und moderne Zeitordnung‘ von Gerhard Dohrn-van Rossum und ’ Zeiterfahrung und Zeitordnung vom fr¨ uhen Mittelalter bis ins 16. Jahrhundert‘ von Werner Sulzgruber. Diese B¨ ucher k¨ onnen als Standardwerke zu diesem Thema begriffen werden. Heider (2008) gelingt mit den ’ Grauen Herren‘ im Titel eine Referenz, welche Leserinnen und Lesern von Michael Endes ’ Momo‘ eine Idee vermittelt, wie etwashintergr¨ undig und m¨ achtig wirkt, so dass wir nicht verstehen, warum wir mehr und mehr nach der und f¨ ur die Uhr leben. Heider nennt dies ” nicht-intendierte Folgen
sozialen Geschehens“ (vgl. Heider 2008, S.19) - eine Parallele zu Elias’ Macht- und Figurationsbegriff wird von ihm beschrieben und ist leicht zu erkennen. Es ist die Rede von der Inthronisierung des Symbols Zeit in die Welt der Menschen durch
3
die Menschen. Heider beschreibt abstrakt, wie Uhren seit dem 14. Jahrhundert den Alltag durchdringen und den Einzelnen tangieren. Er beschreibt vier wichtige Teilbereiche:
1. die wirtschaftliche Entwicklung
2. die Ver¨ anderung von Herrschaftsformen
3. die Stadtentwicklung
4. das Entstehen der Weltgesellschaft
Wichtig ist f¨ ur ihn auch die Analyse der Mimesis der Zeit. Jene beschreibt den Umstand, dass sich die Menschen mit der Liberalisierung der Zeitpraxen weniger nach einer nat¨ urlichen Zeitstruktur richten (z.B. Tag- Nachtrhythmus) und ein mimetisches Verh¨ altnis mit der abstrakten Zeit der gleichf¨ ormigen Temporalstunden 2 (vgl. Kapitel 4.1) eingehen (hier vermittelt durch die Uhr) - sondern, wie in einer stark individualisierten Gesellschaft z.B. sich jeder nach seinem eigenen und pers¨ onlichen Zeitplan richtet. Heiders Analyse ist als abstrakter Zugang zum Thema ergiebig. Zwei wichtige Punkte stehen jedoch nicht im Mittelpunkt seiner Analyse: Die Rolle von Figurationen (damit ein tieferes Eintauchen in die Soziologie von Norbert Elias) wird kaum untersucht und die Ver¨ anderungen rund um den Einf¨ uhrungsprozess der mechanischen Uhr in der Stadt werden nur oberfl¨ achlich analysiert. ¨ Norbert Elias (1984) befasst sich in ’ Uber die Zeit‘ mit dem Verh¨ altnis Mensch-Zeit.
Dabei geht er dem gleichen Erkenntnisinteresse nach wie Heider und fragt nach dem Inthronisierungsprozess des abstrakten Zeitbegriffs. Elias Interesse ist es, dem Leser ¨ die Symbolhaftigkeit und den sozialen Ursprung der Zeit aufzuzeigen. ’ Uber die
Zeit‘ sollte als Teil seiner Prozess- und Figurationstheorie verstanden werden. Elias n¨ ahert sich dem Thema Zeit mit anschaulicher Stringenz. Die Eigenschaft der Zeit als Symbol, verschiedene Arten sie zu messen und ihre Rolle im Entwicklungsprozess der Menschheit werden erkl¨ art. Elias verdeutlicht, warum Menschen zeiten (vgl. Kapitel 4.5) und warum wir es nun anders tun als in der Vergangenheit. Da Elias hier immer sehr generell bleibt und sich keinesfalls einer bestimmten Zeit und Gesellschaft zuwendet, eignet sich dieses Buch als ’ Ger¨ ust‘ f¨ ur eine weiterf¨ uhrende Analyse.
Die Geschichte der Stunde - Uhren und moderne Zeitordnung‘ von Gerhard
’
2 Hier nun nur noch Temporalstunden genannt
4
Dohrn-van Rossum (1995) bietet eine umfassende Beschreibung von Umst¨ anden und technischen Details der Einf¨ uhrung der mechanischen Uhr. Anhand vieler Beispiele gelingt es ihm, den Weg von der mittelalterlichen Hore zur modernen Stunde; von inselartigen zu vernetzten Zeitstrukturen und von einem Leben mit der Zeit zu einem von der Zeit geordneten Leben darzustellen. Sein Forschungsschwerpunkt ist das Mittelalter. Dabei relativiert van Rossum anschaulich gesellschaftliche Kategorien wie St¨ ande oder Kulturkreise zu historischen Perioden oder sozialpsychologischen Kategorien. Van Rossums Werk kann als Standard der fach¨ ubergreifenden Zeitforschung begriffen werden. Allerdings ist dieser Standard mehr geschichtlichen als soziologischen Anspruchs. Dies wird besonders deutlich, wenn er, in einer von vielen Aufz¨ ahlungen, Prozesse historisch aufgliedert. Van Rossum bedient sich also einer historischen Epistemologie und versucht sich weder in Theoriereflektion noch im Aufstellen einer eigenen Theorie. Das Werk ist daher f¨ ur meine Analyse außerordentlich bedeutend und eine gute Quelle historischer Ereignisse, die dann in ein eigenes Gedankengeb¨ aude einbezogen werden k¨ onnen. Wie van Rossum gibt auch Sulzgruber (1995) einen detaillierten Einblick in die Materie. Allerdings steht f¨ ur ihn mehr die Ver¨ anderung der Zeiterfahrung, als die zeitliche Zuordnung von Prozessschritten im Vordergrund. So behandelt er, wie der Titel seiner Arbeit schon vermuten l¨ asst, auch sozio-psycholgische Aspekte. Oft jedoch bleibt er, wie er selbst zugibt, auf Grund der mangelnden Datengrundlage in seiner Analyse, oberfl¨ achlich und eher spekulativ. Auch untersucht Sulzgruber, mehr als andere Autoren, die Rolle der wirtschaftlichen Entwicklung auf die Einf¨ uhrung der mechanischen Uhr. Er vermutet hier eine urs¨ achliche Erkl¨ arung der Einf¨ uhrung. Wie bei van Rossum wird eine theoretische Reflexion nicht vorgenommen. War eine zunehmende figurative Macht der Grund f¨ ur die Etablierung der mechanischen Uhr in mittelalterlichen St¨ adten? - diese Fragestellung enth¨ alt die Schlagw¨ orter: Macht, mechanische Uhr, Etablierung und mittelalterliche Stadt. Ich m¨ ochte die Rolle der figurativen Macht hinter dem Einf¨ uhrungsprozess der mechanischen Uhr in der urbanen Gesellschaft des Mittelalters analysieren. Eine Analyse mit der Soziologie von Norbert Elias verweist auf Elias gesamte Soziologie. Meine These dazu lautet: Eine zunehmende figurative Macht wirkte bedingt durch die sich diversifizierende und vernetzende ¨ Okonomie, das Wachstum
der St¨ adte und die neue Rolle des B¨ urgertums.
5
In diesem Kontext ist Folgendes f¨ ur mich von Interesse:
1. Wirkt in diesem Kontext eine figurative Macht?
2. In welchen Bev¨ olkerungsgruppen und Institutionen existieren die Figurationen die diese Macht bedingen?
3. Welche Vorteile und Nachteile ergaben sich f¨ ur Bev¨ olkerungsgruppen und Institutionen durch die fl¨ achenm¨ aßige Verbreitung der mechanischen Uhr und wie gehen sie damit um?
4. Inwiefern wussten die Menschen von der figurativen Macht, die auf sie wirkte?
5. Welche gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ver¨ anderungen und Rahmenbedingungen k¨ onnten einen m¨ oglichen Einfluss gehabt haben?
6. Wie k¨ onnte diese figurative Macht ausgesehen und sich angef¨ uhlt haben?
Ich erweitere und spezifiziere somit Heiders Analyse der hintergr¨ undigen Macht der Uhrzeit, da ich mich mehr und expliziter mit den Fakten um die Einf¨ uhrung der mechanischen Uhr besch¨ aftige. Auch behandle ich einen anderen Bereich als Elias ¨ in ’ Uber die Zeit‘ (vgl. Elias 1984). Er kommt hier kaum auf die mechanische Uhr zu sprechen und auch die Rolle von figurativer Macht wird wenig behandelt 3 . Seine Gedankeng¨ ange werden kaum durch externe Quellen validiert. Nicht zuletzt habe ich den Anspruch, die Umst¨ ande hinter der Einf¨ uhrung der mechanischen Uhr m¨ oglichst umfassend zu behandeln und aus vielen Blickwinkeln zu betrachten. Daf¨ ur muss es gelingen, die Struktur dieser mittelalterlichen Epoche m¨ oglichst plastisch zu er¨ ortern. Mit plastisch meine ich die Bem¨ uhung, ein m¨ oglichst detailliertes und nachvollziehbares Gesamtbild zu zeichnen. Dieses ist notwendig um den komplexen Charakter und Ursprung von Figurationen gerecht zu werden und um keine Spielform und keinen Hintergrund der figurativen Macht zu ¨ ubersehen.
Zuerst ist es notwendig, sich dem Begriff ’ nieren. Anschließend wird ein ¨ Uberblick ¨
und ihren Begleiter, die Glocke, geben. Dann wird der ’ Siegeszug‘ der mechanischen
Uhr in der mittelalterlichen Stadt dargestellt und die mechanische Uhr sowohl als abh¨ angige als auch als unabh¨ angige Variable betrachtet. Herleitend analysiert werden zuerst die Einfl¨ usse fr¨ uherer Entwicklungen auf die mich interessierende Ausgangsituation, dann der Einf¨ uhrungsprozess der mechanischen Uhr mit seinen Begleitumst¨ anden und abschließend die Auswirkungen dieser
3 Was interessant vor dem Hintergrund erscheint, dass er diesen Begriff selbst eingef¨ uhrt hat.
6
auf die Teilbereiche Religion, Wirtschaft und st¨ adtisches Leben. Diese Teilbereiche sind so gew¨ ahlt, weil dadurch m¨ oglichst viele Aspekte des st¨ adtischen, mittelalterlichen Lebens abgedeckt werden und die Ausgangspunkte der figurativen Macht gut nachvollzogen werden k¨ onnen.
Anschließend wird Elias’ Soziologie betrachtet und die von ihm gepr¨ agten Begriffe Figuration, Psychogenese, Fremdzwang/Selbstzwang und Soziogenese erkl¨ art. Dann ¨ ¨ werden Elias’ Werke ’ Uber den Prozess der Zivilisation‘ und ’ Uber die Zeit‘ behandelt und mit den erarbeiteten Begriffen in einen Kontext gestellt. Zum Schluss wird der Begriff Macht generell er¨ ortert um so, in einem weiteren Schritt, Elias’ Machtbegriff abzugrenzen.
Wenn dies gelingt, sind alle relevanten Aspekte Elias’ Soziologie dargestellt und einer Analyse der f¨ ur diese Arbeit gew¨ ahlten zentralen Fragestellung steht nichts mehr im Weg. Hier wird die Rolle von figurativer Macht auf den Einf¨ uhrungsprozess der mechanischen Uhr in die mittelalterliche, st¨ adtische Gesellschaft untersucht. Daf¨ ur werden zun¨ achst die im historischen Teil erarbeiteten Fakten mit Elias’ Soziologie analysiert. Dann werden, noch etwas spezifischer, soziale, ¨ okonomische, r¨ aumliche und affektive 4 Interdependenzen zugeordnet, um den Wirkungsbereich der mechanischen Uhr besser zu verstehen. Zuletzt wird der anfangs gestellten Frage nach Art und Herkunft von figurativer Macht im Kontext der Einf¨ uhrung der mechanischen Uhr nachgegangen.
In einem Fazit werden abschließend die Erkenntnisse zusammengefasst. An meine Diplomarbeit angeschlossen, aber als Exkurs zu verstehen, ist ein anderes Thema. Weil die Diplomarbeitsfrage einen rein historischen Bezug hat und sich die Soziologie vor allem mit aktuellen Themen besch¨ aftigt, m¨ ochte ich hier noch etwas Aktualit¨ at wagen. Die steile Karriere des Handys hat mich verbl¨ ufft und ich werde dem hier, auf einigen Seiten, nachgehen. Dabei bietet sich ebenfalls Elias’ Soziologie als Analysewerkzeug an. Ich denke, dass durch diesen Exkurs die gesamte Diplomarbeit profitiert, weil das Betrachten eines anderen Einf¨ uhrungsprozesses den der mechanischen Uhr pr¨ azisiert und durch den aktuellen Bezug besser verst¨ andlich macht.
4 Der Begriff affektive Interdependenzen wird von Elias nicht verwendet und findet bei mir der Anschaulichkeit halber Anwendung. Elias spricht stattdessen von affektiven Valenzen. Valenzen beschreiben das ’ aufeinander ausgerichtet und angewiesen- Sein‘ von Menschen. Sie besitzen einen Aufforderungscharakter zur Interaktion von einem Menschen auf den anderen. Valenzen k¨ onnen entweder bereits ’ ges¨ attigt‘ sein und eine bestehende Verbindung beschreiben, oder ’ suchend‘ nach neuen Ankn¨ upfungsm¨ oglichkeiten streben. Das Erleben und der Ausdruck von Gef¨ uhlen bildet die Grundlage f¨ ur eine affektive Valenz, die dann in Worten wie z. B.
Sympathie oder ¨ Uberlegenheit beschrieben wird (vgl. Elias 1970, S.11).
7
2 Zeit
Bevor eine Analyse gesellschaftlicher Zeitstrukturen m¨ oglich ist, m¨ ussen noch einige ¨ Begriffe definiert werden. Elias stellt in ’ Uber die Zeit‘ fest, dass Zeit ein gesellschaftliches Produkt, eine soziale Konstruktion ist. Um diese soziale Konstruktion verstehen zu k¨ onnen, ist es notwendig richtig zeiten zu k¨ onnen (vgl. Elias 1984, S. 3). F¨ ur die heutige Gesellschaft gilt: ” Geht man von der gegenw¨ artigen Situation
aus (. . . ) so ist allgemein bewusst, dass wir heute zum einen eine individuelle Zeitempfindung und zum anderen einen davon unabh¨ angigen physikalischen, chronometrischen Zeitablauf unterscheiden ” (Dinzelbacher 2003, S. 22). Dinzelbacher
beschreibt Eigenschaften unserer heutigen, westlichen Gesellschaft und erkennt f¨ ur die Zeit eine subjektive und eine objektive Dimension. Eine subjektive und eine objektive Dimension galt und gilt in allen Gesellschaften. Die subjektive Dimension beschreibt wie das Individuum Zeit erf¨ ahrt, seine Eigenzeit (vgl. Nowotny 1993, S. 12). Jedes Individuum kann diese entweder selbst erfahren, wie es der Fall ist, wenn man sich z.B. nur von seinen Trieben (essen, schlafen, usw.) leiten l¨ aßt oder wenn man sein Verhalten durch Sachverhalte (wie eine Uhr) steuert. Besonders kleine Kinder haben Probleme den Unterschied zwischen Eigenzeit und gesellschaftlich konstruierter Zeit zu verstehen.
Im Laufe des Zivilisationsprozesses, im ethnografischen Vergleich heutiger Kulturen und von Person zu Person, kann sich die Eigenzeit unterscheiden und ver¨ andern. (Dinzelbacher 2003, S. 22)
Die objektive Dimension beinhaltet die gesellschaftliche Temporalstruktur, also wie eine Gesellschaft Zeit konstruiert. Auf den Menschen wirkt die Zeit durch ein Tem-poralsystem. Ein Temporalsystem vermittelt den gesellschaftlich standardisierten Umgang mit der Zeit durch allgemein zug¨ angliche Symbole. (vgl. Kapitel 4.5) Ein Temporalsystem kann anhand von abstrakten Symbolen (wie unser 24 Stundensystem) oder durch offensichtliche Anhaltspunkte, wie den Sonnenuntergang wirken - wichtig ist nur, dass es von der gesamten Gesellschaft verstanden wird und eine Leitfunktion einnimmt.
So ist die Geschichte der Menschheit auch eine Geschichte der Vorstellungen,
8
Normen und Maße, die Menschen im Umgang mit der Zeit entwickelt haben (vgl. Wendorff 1980).
Allgemein wird zwischen zyklischen (Uhrzeit, Monat - also wiederkehrende) und linearen (z.B. Datum - also voranschreitende) Zeiten unterschieden. Eine Kultur die zyklisch zeitet, durchl¨ auft immer wieder den gleichen Zyklus und benutzt diesen als Zeitmaß (z.B. Ausrichten der Gesellschaft nach den Jahreszeiten). Lineares zeiten kennt keinen Neubeginn und verl¨ auft auf einem endlosen Zeitstrahl. Dies beschreibt die heutige Form des Zeitens mit ihrer gegen Vergangenheit und Zukunft offenen Zeitachse und einem konstant fortlaufenden Kalender. Die Historie und die Ethnographie gew¨ ahren Blicke in die verschiedensten Tem-poralstrukturen und ihrer Symbolik. In dieser Diplomarbeit wird gezeigt, dass die Einf¨ uhrung von neuen Zeitmessinstrumenten mit sozialen Ver¨ anderungen und dann eben auch mit einer neuen Temporalstruktur und einer neuen Eigenzeit einher gehen kann.
Wenn man von Zeitbewusstsein spricht, hat man meist das der eigenen Kultur vor Augen. Doch ist unser westliches Zeitbewusstsein nur eines in einer langen Reihe vieler und bestimmt von den Erfordernissen und Bed¨ urfnissen des modernen Wirtschaftsystems, der Einbindung in den Nationalstaat und b¨ urokratischen Organisation. Zeitbewusstsein und Temporalstruktur unterscheiden sich von Kultur zu Kultur - viele Stereotypen 1 bedienen sich dieser Unterschiede. Manche vergangenen Gesellschaften besaßen ebenso komplexe Temporalstrukturen wie die mit Hilfe der Weltzeit 2 gemessenen Temporalstruktur der westlichen Gesellschaft. Zum Beispiel unterschieden sie sich in der Art und Weise den Tag zu untergliedern. Hintergr¨ unde dieser Andersartigkeit waren damalige fragmentierte Strukturen mit kurzen Interaktionsketten 3 (vgl. Kapitel 4.1), die dominante Rolle von Religion und unzureichenden M¨ oglichkeiten, eine vereinheitlichte und ¨ uberall verf¨ ugbare Zeitbestimmung zu gew¨ ahrleisten.
1 Dieser Umstand wird plastischer, wenn man sich den Hintergrund einfach erscheinender Sprichw¨ orter wie ’ Die Europ¨ aer haben die Uhren, die Afrikaner die Zeit‘ vor Augen f¨ uhrt.
2 Die Weltzeit gilt seit 1884 weltweit und l¨ oste die bis dahin konkurrierenden Zeitsysteme der verschiedenen V¨ olker und Gesellschaften ab. Sie ist bedeutsam zur Steuerung ¨ uberregionaler Interaktion.
3 z.B. direkt vom Acker zum Konsumenten
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Als erstes bedeutsames Zeitsystem und Teil eines sozialen Systems gilt die Sonnenuhr 4 . Durch sie entstand die Bedingung f¨ ur Lebensweisen, die alle anderen nachfolgenden Temporalsysteme und Uhrtypen in Europa und weltweit beeinflussten. So hatten bereits die Babylonier ihr Temporalsystem in je 12 Tag- und Nachtabschnitte geteilt, die alten Temporalstunden 5 . Diese sind zu erw¨ ahnen, da diese zweimal 12 Stunden unser Zeitempfinden bis heute bestimmen (vgl. Opizzo 2001, S. 25). Tem-poralstunden bestanden bis in das r¨ omische Reich fort. Hier teilten die Menschen zuerst den Lichttag in die vier Teile mane, meridiam, meridie, suprema. Von den Griechen ¨ ubernahmen die R¨ omer dann die Unterteilung des Tages in zweimal 12 Stunden (vgl. Bilfinger 1992, S. 2).
Durch den Zerfall des R¨ omischen Reiches und der Macht¨ ubernahme der katholischen Kirche erfuhr das Temporalsystem eine Wandlung. Das M¨ onchtum f¨ uhrte im 3. Jahrhundert die Kanoniale Zeitmessung und mit ihr die Horen 6 ein (vgl. van Rossum 1995, S. 44).
4 Die bekannte Geschichte der Uhr beginnt mit den Sonnenuhren. Die Gnomonik, die Lehre von der Sonnenuhr, unterscheidet viele Typen, welche alle unterschiedlich akkurat funktionieren. Manche lassen sich durch das Ablesen eines Schattens, andere durch das Wandern eines Lichtstrichs lesen. Der Typ Sonnenuhr, der in der Lage ist, auf die Minute genau und jahreszeitunabh¨ angig die Zeit zu messen, ist eine relative junge Entwicklung. Dieser wurde bis ins 19. Jahrhundert
verwendet, um mechanische Uhren zu ¨ Best¨ atigt ist das Wissen ¨ uber den Gebrauch von Sonnenuhren vor mehr als 4.000 Jahren - dass Menschen die Sonnenuhren zum ersten Mal benutzten, kann weiter zur¨ uckliegen
5 Die alten Temporalstunden (auch ungleiche Stunden genannt) teilten Nacht und Tag in immer 12 Teile - weil Tag und Nacht aber nicht immer gleich lang sind ver¨ andern sich auch die Temporalstunden.
6 Durch die Kanoniale Zeitmessung verloren die Temporalstunden weitgehend an Bedeutung und wurden durch die f¨ unf Gebetszeiten Prima, Tertia, Sexta, Nona, Vespera und die zwei Nachtgebetszeiten ersetzt. Diese Gebetsstunden wurden auch Horen genannt. Die Horen wurden mit der Kanonialen Sonnenuhr gemessen. Ihr genauer Abstand zueinander bedurfte oft der Festlegung durch Feuer-, Wasser- oder Eieruhr. Weil die Bibel h¨ aufig von Stunden spricht versuchte man diese Ordnung beizubehalten - so lagen die Horen immer ungef¨ ahr drei Stunden ausein-ander. Zwischen dem 8. und 15. Jahrhundert wurden die Kanoniale Sonnenuhren an Kirchen angebracht und halfen, den Tag mit Gebetszeitpunkten zu markieren - sie waren der Taktgeber der Temporalstruktur. ” Von jetzt an ist es die Kirche, die selbst im Besitz eigentlicher Uhren durch die Glockensignale, die sie gibt, nicht nur zur Teilnahme am Gottesdienst auffordert, sondern auch das ganze b¨ urgerliche Leben regelt und ordnet “ (Bilfinger 1992, S. 3). Zuerst nur im religi¨ osen Leben benutzt, breitete sich die kanoniale Zeiteinteilung schnell auf die gesamte christliche Welt aus - im Klerus, ebenso in der Wirtschaft und dem Privaten.
10
Mit dem Aufkommen der mechanischen Uhr 7 und den ersten Uhren mit mechanischer Hemmung 8 war es leichter m¨ oglich, gleichlange Stunden zu messen. Diese Erfindung fand schnell Verbreitung, denn die ” (. . . ) Losl¨ osung der Zeit von ihrem
nat¨ urlichen Takt (Lichttag) macht sie quantifizierbar, berechenbar und damit auch bewirtschaftbar“ (Achtner 1998, S. 90); - scheinbar genau das, wonach die Menschheit suchte. Schon Mitte des 13. Jahrhunderts hatten die Horen zu Gunsten des neuen Zeitens 9 an Bedeutung verloren. Nun galten wieder die antiken Temporal-stunden, mit einer Einteilung in zweimal 12 Stunden; allerdings waren alle Stunden gleich lang. Diese k¨ onnen als Rahmenbedingung f¨ ur eine homogene und lineare Zeiteinteilung begriffen werden (vgl. Achtner 1998, S. 89). Unsere moderne, homogene und lineare Zeiteinteilung vereint nun die drei Elemente: Gregorianischen Kalender, Uhrzeit und christliche Zeitrechnung (vgl. Zerubavel 1981, S. 23).
7 Bis heute ist nicht gekl¨ art, wer als Erfinder der mechanischen Uhr zu gelten hat. Man geht davon aus, dass diese Errungenschaft nicht einer Person zugeschrieben werden kann und sich in Einzelschritten vollzog (vgl. Bilfinger 1992, S. 145).
8 Die mechanische Hemmung wurde zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert entdeckt. Durch konstantes Aus- und Einhaken des Uhrenrads wird ein gleichf¨ ormiges Laufen erm¨ oglicht. Die Hemmung machte eine kontrollierte Beschleunigung m¨ oglich und somit die Einteilung in gleich lange Stunden.
9 Anfangs waren im Mittelalter drei Arten zu zeiten popul¨ ar: Die 24-Stunden-Z¨ ahlweise begann jeweils eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang und verschob sich deshalb von Tag zu Tagsie z¨ ahlte noch in ungleich langen Stunden.
Die N¨ urnberger Uhr (die erste popul¨ are Taschenuhr) unterschied eine Trennung von Tag und Nacht (auch sie hatte keine gleichen zweimal 12 Stunden, sondern jeweils immer 12 Unterteilungen).
Die halbe Uhr z¨ ahlte ebenfalls zweimal 12 Stunden, diese waren jedoch wie bei der modernen Zeitrechnung, immer gleich lang.
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3 Die mechanische Uhr und die mittelalterliche Stadt
Da dieser Teil zentral f¨ ur die sp¨ atere Analyse ist, wird ihm durch neun Untergliederungen die notwendige Tiefe einger¨ aumt. Es ist wichtig, zuerst eine generelle Idee von der Entwicklung der Uhr, der mechanischen Uhr und der Glocke zu bekommen. Darauf wird der Charakter der mittelalterlichen Stadt dargestellt, um einen Rahmen f¨ ur sp¨ atere Untersuchungen zu schaffen. Im dritten Teil werden wichtige Ver¨ anderungen in dieser Epoche aufgelistet, um den Kontext des Einf¨ uhrungsprozesses zu verdeutlichen. Darauf folgt im vierten Teil die Darstellung des Temporalsystems der mittelalterlichen Stadt, explizit vor der Einf¨ uhrung der mechanischen Uhr. Teil F¨ unf behandelt den Einf¨ uhrungsprozess an sich. Im sechsten Teil wird die Einstellung der verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen zu dieser Neuerung dargestellt. Die durch die mechanische Uhr bedingten Ver¨ anderungen des t¨ aglichen, ¨ offentlichen Lebens werden im siebten Teil behandelt. Im abschließenden achten und neunten Teil wird sich dem Verh¨ altnis mechanische Uhr- Religion und mechanische Uhr- Wirtschaft gewidmet. Im letzten Teil folgt eine Zusammenfassung.
3.1 Uhr, mechanische Uhr und Glocke
Es ist angebracht, das Auftauchen der mechanischen Uhr gemeinsam mit der Rolle der Glocke zu beschreiben, weil eine große gegenseitige Beeinflussung bestand. Nur durch diese Kombination gelang der Durchbruch der mechanischen Uhr im mittelalterlichen Europa.
Die Entwicklungsstufen der Uhrzeitmessung lassen sich weit zur¨ uckverfolgen. Von
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Arbeit zitieren:
Peter Behr, 2009, Auswirkung der Einführung der mechanischen Uhr im Mittelalter, München, GRIN Verlag GmbH
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