INHALT:
I. Historischer Überblick über den Kanun bei den Albanern. 3
II. Der Begriff des Kanun 5
III. Die bei den Albanern angewandten Kanune 5
III.1. Der Kanun des Lekë Dukagjini. 6
III.2 Der Kanun des Skanderbeg. 7
III.3 Der Kanun der Labëria 7
III.4. Der Kanun des Großen Berglandes 7
IV. Positive und negative Besonderheiten beI den Kanunen 8
IV.1. Positive Besonderheiten 8
IV.1.1. Das Ehrenwort, gegebenes Wort, (Waffenstillstand) (besa) 8
IV.1.2. Die Gastfreundschaft (Mikpritja) 9
IV.1.3. Der Schutz (Ndorja) 10
IV.1.4. Die Ehre (Nderi) 10
IV.1.5. Mannhaftigkeit, (Burreria) 11
IV.2. Negative Besonderheiten. 11
IV.2.1. Rache (Hakmarrja) und Blutrache, Blutfehde (Gjakmarrja) 11
IV.2.2 Ungleichheit 12
V. Fazit: 14
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I. HISTORISCHER ÜBERBLICK ÜBER DEN KANUN BEI DEN ALBANERN
Wenn wir sagen, dass das Gewohnheitsrecht oder "ius non scriptum" als ungeschriebenes albanisches Recht seine Wurzeln im Altertum hat 1 , dann finden wir Belege oder Argumente dafür in der Literatur antiker Schriftsteller, Philosophen und Historiker wie z.B.: Homer in seinen Werken “Ilias” und “Odyssee” 2 , Hesoid 3 , Herodot 4 , Thukydides 5 , die sich in ihren Studien mit den alten Pelasgern beschäftigten, und diese auf die Zeit um ca. 4000 Jahre v.u.Z. datieren 6 . Diese Regeln des Gewohnheitsrechts sind in jener Zeit entwickelt worden, von Generation zu Generation und über albanische Versammlungen bis in die heutigen Tage tradiert worden 7 .
Die Illyrer als Vorfahren der Albaner 8 , die in vorhistorischer Zeit, und zwar in der ”paläo-indoeuropäischen“ Periode 9 , auf dem Balkan gekommen sind, hatten die Sitten und Gebräuche als Hauptquelle des Rechts.
Den spärlichen Zeugnissen zufolge war das Ziel dieses Rechtes, das sich auf das Gewohnheitsrecht stützte, bei denen Illyrer der Erhalt des Sklavenhalterstaates, daher verwandelten sich die alten von Generation zu Generation überlieferten Regeln, die die Interessen des gesamten Kollektivs zum Ausdruck brachten, zu regeln, die lediglich die engere herrschende Klasse sowie deren Interessen schützte. Die alten Sitten und Gebräuche wurden von der herrschenden Klasse nicht immer toleriert und sanktioniert, sondern lediglich wenn diese Regeln nicht in Widerspruch ihren Interessen gerieten 10 .
In jedem Land oder jedem Staat gibt es Juristische Quellen, die normalerweise in schriftlicher oder auch nicht schriftlicher Form bestehen. In schriftlicher Form sind sie in entsprechenden Dokumenten kodifiziert, wie z.B: Verfassung, Gesetz, Ausführungsbestimmungen, um deren Anwendung sich der Staat mittels Kontrolle durch die Gewalt des Staatsapparates kümmert.
Die nicht-schriftlichen juristischen Quellen oder das Gewohnheitsrecht (bei den Albanern der Kanun) greifen diese Regeln auf, die in einer früheren Entwicklungsphase der Gesellschaft geschaffen und mündlich von Generation auf Generation übermittelt worden sind, die faktisch angewandt worden sind (lat. Consuetudo), sowohl aufgrund ihrer Annahme durch alle, als auch im Sinne der Überzeugung der juristischen Notwendigkeit ihrer Umsetzung (lat. opinio necessitatis ose opinio iuris).
Wann die Albaner eine auf die Regeln des Gewohnheitsrechts gestützte Organisation begannen, ist zeitlich recht schwer zu präzisieren.
Gestützt auf die Literatur albanischer und ausländischer Historiker wie z.B. Albert Dumont, der zum Ursprung und zur Geschichte der Albaner deutlich zum Ausdruck brachte, dass “die Albaner die älteste Rasse in Europa sind ” 11 , muss also auch die Schaffung oder Genesis des Gewohnheitsrechts in einer sehr frühen Zeit angesiedelt werden.
Der serbische Autor Nedeljkovič, der das serbische mit dem albanischen Gewohnheitsrecht verglichen hat, stellt fest, dass das albanische Volk wesentlich älter ist als das serbische Mittelalter 12 , aber auch die Mehrheit der Autoren, die sich mit dem Studium der Geschichte des albanischen Gewohnheitsrechts beschäftigt haben, ist der Auffassung, dass es ein von Generation zu Generation überliefertes illyrisch-dardanisch-albanisches Konglomerat ist 13 .
Bezüglich des albanischen Gewohnheitsrechts ist die Mehrheit der Verfasser, die sich mit diesem Thema auseinandergesetzt hat, der Auffassung, dass es über Jahrhunderte und Jahrtausende hinweg geschaffen worden ist, was auch die
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Authochtonie der Albaner belegt, die bis auf das mittlere Paläolitikum zurückgeht 14 , und das ist bis unserer heutigen Tage angewandt worden ist, nachdem ihre Territorien unter fremder, sei es römischer, byzantinischer, osmanischer, bulgarischer, serbisch-montenegrinischer, Besatzung gestanden haben, da er hatte sich als eine Ergänzung und gleichzeitig als ein zum staatlichen Recht der fremden Regime konkurrierendes Recht dargestellt 15 .
Das Gewohnheitsrecht der Albaner regelte während der Geschichte wie juristischen Beziehungen in zahlreichen ihrer Lebensbereiche 16 , angefangen bei der Geburt bis hin zum Tod.
Im Gewohnheitsrecht fanden sich also Normen mit verfassungsmäßigen Charakter des Familien-, Zivil-, Straf- und Prozessrechts, daher wurde es auch als "Verfassung" der Albaner bezeichnet 17 , oder wie Professor Ejup Statovci zum Ausdruck brachte war “das Gewohnheitsrecht mehr als eine Verfassung, mit der es manchmal gleichgesetzt wird, es ist mehr als jedes Gesetz. Es ist zugleich eine Verfassung, auch ein Code, auch Gesetz, es ist nahezu ein gesamtes juristisches und gesellschaftliches System, das in sich auch Normen beinhaltet, die nicht mit Recht und juristischen Institutionen zu tun haben ” 18 . Auch Karl Kaser, der sich in einer Studie mit der Untersuchung der Gesellschaftsordnung der Stammesgemeinschaften unter ethnologischen und historischen Aspekten beschäftigt hat, beschreibt das albanische Gewohnheitsrecht als ihr lyrisches Erbe, Vorläufer des Kanun als vorhergehenden Orientierungsrahmen der Stammesgesellschaft, wenn er sagt: “Die Kenntnis der ungeschriebenen Gesetze, nach denen unsere pastoralen Gesellschaften lebten, trägt viel zum Verständnis der Ursache ihrer externen Patriarchalität bei. Sie sind der aus sehr alten Zeiten ererbte kulturelle Orientierungsrahmen, den ich als illyrisches Erbe bezeichne. Dieser Rahmen bildete sich in Zeiten heraus, in denen noch kein Staat in der Lage war, das Leben und die Herden von nomadischen oder halbsesshaften Hirten zu schützen. ” 19 . Prof. Ismet Elezi definiert die Bedeutung der ungeschriebenen Normen des Gewohnheitsrechts “als nicht schriftliche Gesamtheit juristischer Normen und Verhaltensregeln, die in verschiedenen Zeiten beschlossen und in der Tradition mündlicher Überlieferung von Generation zu Generation weiter gereicht worden sind und die zur Regelung rechtlicher Beziehungen zwischen den Menschen in verschiedenen Lebensbereichen dienen und deren Anwendung entsprechend der Tradition durch die lokale Selbstverwaltungseinheit ohne staatlichen Zwang sichergestellt wird“ 20 .
Wenn wir einen historischen Überblick über die Rolle des Gewohnheitsrechts ist bei den Albanern bei der Wahrung der Identität gegenüber den fremden Besatzern und dem Leiden, die das albanische Volk während der Geschichte durchlebt hat, geben, kann daher nicht genau gesagt werden, in welcher geschichtlichen Periode das Gewohnheitsrecht eine bedeutendere Rolle gespielt hat als in einer anderen, aber trotz aller dieser Kolonisierungen und Genozide hat dieses Recht zu überleben vermocht und dabei die Sprache bewahrt, die besonders war, die Kultur, wie die bekannte englische Albanologin Edith Durham sagte:“Andere Reiche kamen und gingen, aber sie , vergingen auf der Schulter des Albaners, wie das Wasser auf dem Rücken der Rose… und er bewahrte seine Gebräuche und seine Identität” 21 .
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II. DER BEGRIFF DES KANUN
Es wird angenommen, dass der Begriff “Kanun” bei den Albanern, der das gesamte Gewohnheitsrecht umfasst, aus der symmetrischen Sprache entstammt (gi = Rohr), übergegangen in das Akkadische (qanu = Rohr), in das Hebräische (qane = Rohr), dann in das Griechische (kanna = Rohr) sowie ins Lateinische, wo wir den Ausdruck jus canonicum finden, der « kanonisches Gesetz » bedeutet, später weiter entwickelt im Türkischen „kanon“, was soviel wie Regeln, Normen bedeutet“ 22 . Diese Gewohnheitsregeln, die in Kanunen kodifiziert wurden, waren zuvor auch in der Zeit von Byzanz bekannt, von ihnen weiß man, dass sie griechischbyzantinischer Herkunft sind und als “Nomokanon“ definiert furden, dass sie “juristische Normen“ darstellten, die die Kaiser von Byzanz erließen, und später erhielten sie die Bedeutung von Normen, die durch das Volk geschaffen und in den Jahrhunderten von Generation zu Generation überliefert wurden 23 . Auf dem Territorium, auf dem die Albaner in den Gebieten des Balkan leben und besonders in den tiefen Berggegenden, in denen das alte antike Volk der Pelasger mittels der Kanune des Mittelalters (Kanun des Lek Dukagjini, Kanun des Skanderbeg und Kanun der Labëria) überlebt hat, die parallel zu den Statuten der Küstenstädte Albaniens Durrës, Shkodra, Tivari, Drisht, Budva aus den XIV. Jahrhundert bestanden, hat das ungeschriebene Gewohnheitsrecht seinem Beginn vor Jahrtausenden und bleibt ein nationaler Reichtum der Albanern. Der Wissenschaftler aus dem fernen Japan, Prof. Kazuhiko Yamamoto, der in vergleichender Weise die Probleme der Ethik des albanischen Gewohnheitscodes (Kanun), untersucht hat, ist der Auffassung: “Auch die ethische Struktur der homerischen Gesellschaft, bestehend aus Eid, Ehre, Freund, Blut, Brot und Rache, gehört offensichtlich der ethischen Kategorie einer Gesellschaft ohne staatliche Autorität an, die bestens durch die ethische Struktur des Kanun repräsentiert wird” 24 .
III. DIE BEI DEN ALBANERN ANGEWANDTEN KANUNE
Unter den zahlreichen Kanonen, die auf den albanischen Gebieten angewandt wurden, und die eine Besonderheit der Bergregionen sind und zugleich die Quelle des albanischen Gewohnheitsrechtes darstellen, sind hervorzuheben: Der Kanun von Arber oder von Skanderbeg (1405-1468) 25 , der Kanun des Hochlandes 26 , der Kanun der Labëria (von Papa Zhuli) 27 , der Kanun von Lekë Dukagjini (KLD) 28 , die als albanischen Gewohnheitsrechtes bekannt sind.
Neben diesen Kanunen mit weiteren Handlungscharakter bestanden auch weitere besondere Kanune mit partikulieren Charakter.
Sie wurden in engeren Regionen angewandt, von ungeschriebenen Quellen des Gewohnheitsrechts ist zu geschriebenen Quellen des Gewohnheitsrechts übergegangen worden, und gleichzeitig wurden diese Kanune reformiert und den neuen gesellschaftlichen Beziehungen angepasst, da die alten Normen nicht mehr den objektiven Bedingungen und Umständen der Entwicklung in jener Periode Ende sprachen; hier sind erwähnenswert: der Kanuni von Has in Dibra, der Kanun des Berglandes von Gjakova, der Kanun von Kurbin, der Kanun von Qermenika, Kanun von Lume 29 , der Kanun von Idriz Suli 30 , der Kanun von Benda 31 .
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Arbeit zitieren:
Islam Qerimi, 2010, Rolle und Herkunft des Kanun bei den Albanern, München, GRIN Verlag GmbH
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