Inhaltsverzeichnis II
Inhaltsverzeichnis
INHALTSVERZEICHNIS II
ABBILDUNGSVERZEICHNIS. IV
1 EINLEITUNG 1
2 BELASTUNGEN IM LEHRERBERUF 2
2.1 Zur Lehrertätigkeit und den Anforderungen an Lehrerinnen und
Lehrer 2
2.2 Theoretische Grundlagen zur Belastung 6
2.2.1 Zum Begriff der Belastung 6
2.2.2 Rahmenmodell der Belastung und Beanspruchung (nach Rudow) 8
2.2.3 Belastungsmodelle 10
2.2.3.1 Reiz- oder situationsbezogene Modelle 11
2.2.3.2 Reaktionsbezogene Modelle 11
2.2.3.3 Relationale Modelle 11
2.2.3.4 Modell der Mehrfachbelastung 12
2.3 Belastungsfaktoren im Lehrerberuf. 12
2.3.1 Belastungen auf der Organisationsebene 14
2.3.2 Belastungen auf der Individuumsebene 17
2.3.3 Belastungen auf der Systemebene 20
2.4 Belastungsreaktionen und -folgen. 24
2.4.1 Stress und Angst 24
2.4.2 Burnout 25
2.4.3 Arbeitszufriedenheit. 27
3 ASPEKTE DER BELASTUNGSBEWÄLTIGUNG. 28
3.1 Wege der Belastungsbewältigung auf der Organisationsebene 30
Inhaltsverzeichnis III
3.1.1 Hilfe durch Professionalisierung der Lehreraus- und fortbildung 30
3.2 Wege der Belastungsbewältigung auf der Individuumsebene 34
3.2.1 Hilfe durch Entspannungstechniken 34
3.2.1.1 Autogenes Training. 35
3.2.1.2 Yoga 36
3.2.1.3 Progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen. 36
3.2.1.4 Meditation. 36
3.2.2 Hilfe durch Belastungsreflexion 37
3.2.3 Hilfe durch positive Selbstinstruktion 40
3.2.4 Trainings zur Stressbewältigung (z.B. BMT-L) 40
3.2.5 Erweiterung der Kompetenzen. 42
3.3 Wege der Belastungsbewältigung auf der Systemebene 43
3.3.1 Hilfe durch materielle Verbesserungen im Schulsystem. 43
3.3.2 Hilfe durch bildungspolitische Maßnahmen. 44
4 DIE BEFRAGUNG. 47
4.1 Fragestellungen zur Belastung und Belastungsbewältigung 48
4.2 Der Fragebogen. 49
4.3 Die Durchführung der Befragung 50
4.4 Auswertung der Daten. 50
4.4.1 Personendaten 52
4.4.2 Belastungssituation 53
4.4.3 Belastungsbewältigung 59
4.5 Kritische Betrachtung der Befragung 64
5 SCHLUSS. 65
ANHANG. 67
LITERATURVERZEICHNIS 69
Abbildungsverzeichnis IV
Bild 1: Aufgabenkatalog ................................................................................................. 3 Bild 2: Belastungs-Beanspruchungs-Modell .................................................................. 9 Bild 3: Die Berufsbelastungen der Lehrpersonen nach Kramis-Aebischer
(Selbsteinschätzung).............................................................................................. 13 Bild 4: Die Berufsbelastung von Lehrpersonen nach Elbing/Dietrich
(Selbsteinschätzung).............................................................................................. 13 Bild 5: Die wichtigsten Berufsbelastungen der Lehrpersonen (Auszug) ...................... 18 Bild 6: Grundformen der Bewältigung ......................................................................... 30 Bild 7: Reaktionen der Lehrkräfte auf schulische Probleme (Auszug) ......................... 46 Bild 8: Aufteilung der Stichprobe ................................................................................. 51 Bild 9: Altersstruktur .................................................................................................... 52 Bild 10: Familienstand ................................................................................................. 53 Bild 11: Selbsteinschätzung der Berufsbelastung......................................................... 53 Bild 12: Belastung der Lehrer und Lehrerinnen nach Schulform ................................ 54 Bild 13: Belastungsfaktoren.......................................................................................... 55 Bild 14: Unterschiede bei den Belastungsfaktoren in Bezug auf Geschlecht und Alter57 Bild 15: Selbsteinschätzung der Belastungsverarbeitung............................................. 59 Bild 16: Belastung und Belastungsverarbeitung .......................................................... 60 Bild 17: Belastungsbewältigungsstrategien von Lehrerinnen und Lehrern ................. 61
Einleitung 1
1 Einleitung
Vorstellungen, die mit dem Beruf des Lehrers und der Lehrerin verbunden werden, sind sehr vielfältig und häufig völlig gegensätzlich. Da gibt es die Vorstellung von halbtags arbeitenden Lehrkräften, die den halben Tag Zeit zum Faulenzen, für Hobbies und die Familie haben, es existiert aber auch genauso die Vorstellung vom Le hrerberuf als schwerer, verantwortungsvoller Beruf, der äußerst belastend wirken kann. Die letztere Vorstellung spiegelt sich auch in Zeitschriftenartikeln wie z.B. „Höllenjob Le hrer“ 1 oder „Horrorjob Lehrer“ 2 wider, die auf die hohen Belastungen im Lehrerberuf aufmerksam machen. Auch der Begriff des Burnouts taucht immer häufiger im Zusammenhang mit Lehrerinnen und Lehrern auf.
Die Folgen der Belastungen sind sehr häufig gesundheitliche Beeinträchtigungen, die nicht selten zu Frühpensionierungen führen. So scheidet beispielsweise ca. jede zweite Lehrkraft in Hamburg aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus dem Schuldienst. 3 Solche Forschungsergebnisse sind keine Einzelfälle.
Die dargestellte Situation macht die Notwendigkeit, sich mit den Belastungen im Lehrerberuf und deren Bewältigungsmöglichkeiten zu befassen, deutlich. Deshalb soll der erste Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit darin liegen, den bisher erfassten Stand der Belastungsforschung im Lehrerberuf und mögliche Aspekte der Belastungsbewältigung darzustellen. Dabei soll die zusammenfassende Darstellung des Problembereichs um die Lehrer- und Lehrerinnenbela stung und die Möglichkeiten zur Entlastung auch auf Forschungsdefizite und -probleme aufmerksam machen und zum Nachdenken über Verbesserungen in diesem Bereich anregen. Um die vorliegenden Untersuchungsergebnisse und Erkenntnisse über Belastungen im Lehrerberuf darstellen zu können, sollen zuvor allgemein die Lehrertätigkeit umrissen und die theoretischen Grundlagen zur Belastung dargestellt werden. Anschließend werden häufige Reaktionen auf die vorgestellten Belastungsfaktoren thematisiert. Das folgende Kapitel hat die Aspekte der Belastungsbewältigung zum Inhalt, da es angesichts der derzeitigen Belastungssituation der Lehrkräfte unumgänglich ist, über mögliche Maßnahmen zur Verbesserung der Situation nachzudenken. In dem letzten Kapitel geht es um den zweiten Schwerpunkt der Arbeit, nämlich um eine von mir durchgeführte Befragung von Lehrkräften in Bezug auf die Belastungssituation und ihre Bewältigung. Sie soll eine Ergänzung zu den bestehenden Studien darstellen, indem sie vergleichend zu den bestehenden Studien ausgewertet wird und zusätzlich auf Probleme in der Erforschung dieses Themenbereichs aufmerksam macht.
Der Schluss soll die aufgezeigten Probleme des Forschungsbereichs kurz zusammenfassen und auf notwendige Konsequenzen aufmerksam machen. Im fo lgenden Anhang ist der Fragebogen, der dieser Befragung zugrunde lag, zu finden. Das Literaturverzeichnis enthält außer der von mir verwendeten Literatur auch Internet-Adressen, auf die ich innerhalb der vorliegenden Arbeit zurückgegriffen habe.
An dieser Stelle möchte ich noch anmerken, dass ich in einigen Graphiken innerhalb der Arbeit aus Gründen der Platzersparnis Begriffe wie „Lehrer“ und „Schüler“ geschlechtsneutral verwendet habe und somit beide Geschlechter mit einschließe.
1 Focus (2001).
2 Der Spiegel (1993).
3 Vgl. Wegner, R.; Ladendorf, B.; Mindt-Prüfert, S. Poschadel, B. (1998), S. 249.
Belastungen im Lehrerberuf 2
2 Belastungen im Lehrerberuf
Dieses Kapitel soll einen Überblick über die Belastungsforschung im Lehrerberuf geben. Dabei soll zuerst allgemein auf die Lehrertätigkeit eingegangen werden, um die Vielfalt der beruflichen Tätigkeiten zu zeigen, die sich zu Belastungssituationen entwickeln können. Danach sollen die unterschiedlichen Forschungsansätze gezeigt werden, um schließlich die durch Forschungen ermittelten Belastungssituationen und die daraus resultierenden Folgen darzustellen. Aufgrund der verschiedenen Forschungsansätze gestaltet sich ein Vergleich der Studien als sehr schwierig, erschwerend kommt die Vielzahl der Untersuchungen hinzu, so dass es nicht ganz einfach ist, sich einen umfassenden Überblick über die bisherige Forschung zu verscha ffen.
2.1 Zur Lehrertätigkeit und den A nforderungen an
Lehrerinnen und Lehrer
Der Lehrberuf stellt aufgrund seiner Vielseitigkeit komplexe Anforderungen an Lehrerinnen und Lehrer, die sowohl innerhalb als auch außerhalb der Schule von ihnen zu erfüllen sind. Im folgenden sollen diese dargestellt werden, um zu zeigen, woraus die Belastungen im Lehrerberuf überhaupt erwachsen können. Wirft man einen Blick in die Literatur, die sich mit den Aufgaben und Rollen im Lehrberuf befasst, erkennt man, dass es sich bei den an die Lehrkräfte gestellten Anfo rderungen um eine ungeheure Fülle von Kriterien handelt, die den Lehrberuf ausmacht. Dies resultiert unter anderem daraus, dass die Berufsausübung und das Lehrer- und Lehrerinnenverhalten von besonderem öffentlichen Interesse sind und jeder (z.B. Schüler, Eltern, Staat oder aber die Wirtschaft) andere Ansprüche an die Lehrer und Lehrerinnen stellt, außerdem sind „die Grenzen zwischen dem Anspruch an Schule als Institution und den explizit formulierten Erwartungen an den Lehrer fließend.“ 4 Den Versuch, einen den Lehrerberuf umfassenden Aufgabenkatalog zu erstellen, unternimmt Elfriede Maria Jung-Strauß in ihrem Buch „Widersprüchlichkeiten im Lehrerberuf.“ Dabei unterscheidet sie zwischen gesetzlich und außergesetzlich definierten Aufgaben, außerdem weist sie darauf hin, dass es keine begriffliche Eindeutigkeit bei der Definition der Aufgaben gibt, auch in Gesetzestexten nicht. Die außergesetzlich definierten Aufgaben untergliedert sie zudem noch in Aufgaben, die aus den Vorstellungen der Erziehungswissenschaft en und verwandten Wissenscha ften, aus politischen und gesellschaftlichen Vorstellungen, aus sittlichen und religiösen Vorstellungen und aus Vorstellungen seitens der Schüler resultieren. In dem Aufgabenkatalog, den sie anhand dieser Ergebnisse erstellt hat, unterscheidet sie überdies, welche Aufgaben für welche Gruppen (z.B. Schüler, Eltern, Schule, Gesellschaft,..) von Bedeutung sind (Bild 1). 5
4 Grimm, M.A. (1993), S. 12.
5 Jung-Strauss, E.M. (2000), S. 70-78.
Belastungen im Lehrerberuf 3
Bild 1: Aufgabenkatalog
Zur näheren Erläuterung der genannten Aufgaben verweise ich auf die Literatur. Dieser Aufgabenkatalog stellt ein Beispiel für eine recht differenzierte Betrachtungsweise der Arbeitsaufgaben im Lehrberuf dar,
Eine ebenfalls recht eingehende Betrachtung der Arbeitsaufgaben eines Le hrers/einer Lehrerin liefern K.O. Bauer, A. Kopka und S. Brindt in ihrer Arbeit „Pädagogische Professionalität und Lehrerarbeit“. 7 Allerdings werden hier die Arbeitsaufgaben zuerst mit sechs umfassenderen Aufgaben beschrieben, nämlich: Unterrichten, Erziehen, Beraten, Betreuen, Entwickeln von Schule, und nur der Bereich des Unterrichten wird
6 Ebenda, S. 77.
7 Bauer, K.O.; Kopka, A.; Brindt, S. (1999)
Belastungen im Lehrerberuf 4
daraufhin wesentlich detaillierter beschrieben, da er den größten Zeitanteil der Lehrerarbeit in Anspruch nehme und damit gleichzeitig die wichtigste Aufgabe der Lehrer und Lehrerinnen sei. Auf der Ebene des Unterricht werden fünf verschiedene Aufgabenbereiche unterschieden und es wird ausführlich erläutert, welche Aspekte diese Aufgabenbereiche beinhalten, die von Lehrern und Lehrerinnen gefordert werden. An dieser Stelle sollen die fünf Bereiche nur genannt und kurz erläutert werden.
§ Lehrer müssen soziale Strukturen hervorbringen und für geordnete Arbeitsabläufe sorgen, d.h. dass Kontakte und soziale Bindungen hergestellt werden sollten, den Schülern die Möglichkeit zur Selbstorganisation ermöglicht und diese gefördert wird, bei Bedarf aber auch der Lehrer Leitung und Führung übernehmen sollte, um z.B. Gruppen zu bilden und sie unterrichten zu können.
§ Lehrer und Lehrerinnen müssen lebendig mit den Schülern interagieren, d.h. sie sollten Regeln für den Umgang miteinander einführen und einüben, Feedback geben und auch empfangen, Gefühle der Schüler wahrnehmen und selber zeigen und ein positives Gruppenklima als Basis für die Interaktion schaffen.
§ Lehrer und Lehrerinnen müssen die Informationsprozesse lenken und steuern und unterrichtsinterne Kommunikation optimieren, d.h. sie müssen Fragen verständlich stellen, Anweisungen geben, Diskussionen leiten, zuhören, Streitgespräche moderieren, Vorträge halten und vieles mehr.
§ Lehrer und Lehrerinnen müssen die Lernumgebung für alle Betroffenen adäquat gestalten, d.h. ihren eigenen Körper wirksam im Unterrichtsgeschehen einsetzen, etwas vorführen, interessante Unterrichtsmaterialien einsetzen, Ereignisse und Störungen zu Lernanlässen machen, Rituale zur Unterrichtsorganisation einsetzen, Materialien und Räume anspreche nd und anregend gestalten, für Entspannung und Konzentration sorgen.
§ Lehrer und Lehrerinnen müssen verborgene Arbeiten erledigen, die den Hintergrund professionellen pädagogischen Handelns bilden, d.h. den Unterricht vorbereiten und planen, die Arbeit der Schüler dokumentieren, Unterrichtserfahrungen dokumentieren und archivieren, häusliche Arbeit organisieren, Unterrichtsmaterial archivieren. 8
8 Vgl. Bauer K.O.; Kopka A.; Brindt S. (1999), S. 113-160.
Belastungen im Lehrerberuf 5
Auch hier werden sehr viele Arbeitsaufgaben des Lehrerberufs beschrieben, die überhaupt erst einen Eindruck von der Vielschichtigkeit des Beruf und der damit zwangsläufig verbundenen Belastungsmöglichkeiten geben. Die bisherigen Ausführungen über die Lehrertätigkeit lassen sich wie folgt zusammenfassen: Lehrer und Lehrerinnen haben eine Vielzahl von Aufgaben zu bewältigen, die von verschiedenen Erwartungsträgern an sie gestellt werden. Unbestreitbar gibt es viele andere Berufe, in denen ebenfalls eine Vielzahl von Aufgaben erledigt werden müssen; was sind also die besonderen Anforderungen, die den Le hrerberuf ausmachen?
Zum einen müssen Lehrer und Lehrerinnen die Fülle der Aufgaben zeitlich parallel bewältigen. „Der Unterrichtsstoff muss dargestellt und die Schülerbeiträge müssen dazu genutzt werden. Der Zeitrahmen muss eingehalten werden. Gleichzeitig müssen Beobachtungen über Schüler gemacht werden, die für die Bewertung notwenig sind (...) und solche, die für die Förderung einzelner Schüler notwendig sind. Wiederum gleichzeitig muss möglichst „glatt“ das Interesse und die Mitarbeit der Schüler aufrechterhalten werden. “ 9 Außerdem müssen Lehrer und Lehrerinnen bei ihrer Arbeit vielen verschiedenen Erwartungen gerecht werden, z.B. denen der Schüler, der Eltern, des Kollegiums, der Vorgesetzten und der Öffentlichkeit 10 , die häufig unvereinbar miteinander sind. Entspricht der Lehrer oder die Lehrerin beispielsweise mit offenen Unterrichtsmethoden den Erwartungen von Eltern und Schülern, kann dies schon wieder in Bezug auf die Erwartungen der Öffentlichkeit das falsche Verhalten sein, da diese der Meinung ist, die Schüler würden mit dieser Methode weniger lernen. Eine weitere Besonderheit ist, dass Lehrer und Lehrerinnen wenig Kontrolle über die Wirkung ihrer eigenen Arbeit haben, da der Erfolg nicht unbedingt von ihren Bemühungen abhängt. Zudem bleibt häufig offen, wann eine Arbeitsaufgabe abgeschlossen ist, was für sehr engagierte Lehrerinnen und Lehrer bedeutet, das Gefühl zu haben, nie mit ihrer Arbeit fertig zu sein, denn: kann man beispielsweise die Förderung von Schülern in bestimmten Bereichen wirklich abschließen? Dies hat auch zur Folge, dass der Erfolg der Arbeit sehr schwer messbar ist. Schwierig gestaltet sich die Tätigkeit auch durch das öffentliche Interesse an dem Beruf. Dies hat natürlich die Ursache darin, „dass in der Arbeit der Lehrer die Hoffnung und die Zukunft der ganzen nachfolgenden Generation begründet liegt.“ 11 Außerdem meint jeder, sich qualifiziert zu dem Thema äußern zu können, denn er hat schließlich einmal die Schule besucht und weiß, was die Arbeit von Lehrern und Lehrerinnen ausmacht.
Hohe Anforderungen ergeben sich auch aus der Tatsache, dass Lehrkräfte während des Unterrichts sich selbst überlassen sind und in dieser Zeit inhaltliche, methodische und disziplinarische Probleme allein lösen müssen, denn im Regelfall arbeiten Lehrerinnen und Lehrer alleine mit einer Lerngruppe und müssen völlig eigenverantwortliche Entscheidungen häufig unter Zeitdruck und in komplexen Situation treffen. 12 Hinzu kommt, dass sich die Aufgaben weitgehend der Routinisierung entziehen, da die Klassen und somit die Schüler und Schülerinnen sowie die Situationen ständig wechseln. 13
9 Bromme, R.: Zur empiris chen Analyse beruflichen Wissens von Lehrer - Fachwissen ist mehr als Stoff und Menschenkenntnis. In: Schönwälder, H.-G. (Hrsg.) Lehrerarbeit, Freiburg 1987, S. 52, zit. nach: Ulich K. (1996), S. 24.
10 Vgl. Barth A.-R. (1992), S. 93-96.
11 Ebenda S. 89.
12 Vgl. Grunder, H.-U.; Bieri, T. (1995), S. 92.
13 Ulich, K. (1996), S. 27.
Belastungen im Lehrerberuf 6
Artikel in Zeitschriften mit den Titeln „Horrorjob Lehrer“ 14 , „Tollhaus Schule“ 15 oder „Höllenjob Lehrer“ 16 machen außerdem auf Anforderungen im Lehrberuf aufmerksam, die einen wachsenden Druck zeigen, soziale Probleme zu bekämpfen. Damit nimmt die Aufgabe des Unterrichtens für Lehrer zwar immer noch den größten Zeitanteil in Anspruch, allerdings scheint der erzieherische Anteil durch die Bewältigung der gesellschaftlichen Schwierigkeiten immer mehr an Bedeutung zu gewinnen. „Wo immer eine Gesellschaft mit einer Schwierigkeit (Aids, Gesundheitsprophylaxe, Aufklärung, Rassismus, Gewalt, Umgang mit Medien) nicht zurechtkommt, richtet sich der Anspruch an die Schule, korrigierend oder präventiv in gesellschaftliche (Fehl-) Entwicklungen einzugreifen.“ 17 In diesen Bereich gehören auch die häufig zitierten zunehmenden Verhaltensauffälligkeiten und Probleme der Schüler und Schülerinnen, die die Lehrerschaft vor neue Anforderungen stellen. „Verspottet von Politikern und allein gelassen von vielen Eltern, müssen Pädagogen unter verschlechterten Bedingungen immer mehr Aufgaben bewältigen und immer schwierigere Kinder bändigen.“ 18
Die Anforderungen sind hoch, in diesem Punkt sind sich alle einig und auch darin, dass diese sich in der jüngeren Zeit gewandelt haben. Allerdings dürfen meines Erachtens nach bei der Betrachtung der Lehrertätigkeit und der sich daraus ergebenden Anforderungen auch nicht die Vorzüge (z.B. keine direkte Kontrolle durch Vorgesetzte, relativ freie Zeiteinteilung für die Arbeit, Arbeit mit Menschen, verhältnismäßig viele Ferien, gute Möglichkeiten der Teilzeitbeschäftigung...) vergessen werden, die zweifelsohne immer noch vorhanden sind und die die dargestellten Ansprüche an Lehrkräfte durchaus mildern. Häufig wird aber genau dieser Aspekt gerade in der Literatur, die sich mit der Belastungsthematik beschäftigt, vernachlässigt, was im Endeffekt das Belastungsempfinden verstärken könnte. Des weiteren fällt bei der Analyse der Lehrertätigkeit in der Literatur auf, dass fast gar nicht zwischen den verschiedenen Schularten differenziert wird. Unbestreitbar ist zwar, dass Lehrer aller Schularten mit den dargestellten Aufgaben konfrontiert werden, allerdings sind die Ausmaße doch recht unterschiedlich. Während für eine Gymnasiallehrkraft der Erziehungsaspekt eher in den Hintergrund tritt, ist dies für eine Grundschullehrkraft eine Aufgabe von großer Bedeutung. Dies zu berücksicht igen wäre vielleicht sinnvoll, um in der Forschung die Belastungen im Lehrerberuf nach allgemeineren Analysen noch schulformspezifischer analysieren zu können und so auch Belastungsbewältigungsstrategien entwickeln zu können, die stärker auf die jeweiligen Probleme der unterschiedlichen Schulformen zugeschnitten sind.
2.2 Theoretische Grundlagen zur Belastung
2.2.1 Zum Begriff der Belastung
Wenn über Belastungen geschrieben und gesprochen wird, wird häufig vernachlässigt, den Begriff vorher überhaupt zu definieren.
Belastung ist laut Medizin, Psychologie: „starke körperliche und seelische Beanspruchung durch anhaltende äußere oder innere Aktivität oder Reizeinwirkung.“ 19
14 Der Spiegel (1993).
15 Der Spiegel (1991).
16 Focus (2001)
17 Ebenda, S. 93.
18 Focus (2001), S. 64.
Belastungen im Lehrerberuf 7
An eine solche oder ähnliche Definition aus dem Brockhaus denkt wahrscheinlich der überwiegende Teil der Menschen, wenn von Belastung die Rede ist. Tatsächlich wird in der Literatur häufig unter Belastung nicht wie in o.g. Definition die körperliche und seelische Beanspruchung verstanden, sondern bevorzugt werden Definitionen wie z.B. folgende von Schönwälder:
Er orientiert sich bei der Beschreibung von Belastungen an den Arbeitswissenscha ften und folgert, „dass alle aus Arbeitsaufgaben folgenden Anforderungen an einen Menschen, die geeignet sind, bei ihm physische und psychische Reaktionen hervorzurufen, als Belastungen zu bezeichnen sind; deren Folgen werden als Beanspruchungen benannt.“ 20
Rudow unterscheidet bei einer sehr ähnlichen Definition darüber hinaus körperliche (Anforderungen an Muskelkraft und physiologische Regulationsysteme), psychische (geistige Anforderungen) und soziale (sozial- interaktive Anforderungen) Belastungen 21 . Für die psychische Belastung und Beanspruchung hat sich folgende normierte Definition durchgesetzt:
„Psychische Belastung: Die Gesamtheit aller erfassbaren Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und psychisch auf ihn wirken. Psychische Beanspruchung: Die zeitlich unmittelbare und nicht langfristige Auswirkung der psychischen Belastung auf die Einzelperson in Abhängigkeit von ihren eigenen habituellen und augenblicklichen Voraussetzungen einschließlich der individuellen Auseinandersetzungsstrategie.“ 22
Statt der Begriffe „Belastung“ und „Beanspruchung“ findet man auch wiederholt den Begriff „Stress“ für berufliche Belastungen. Leider wird dieser Begriff häufig sehr unterschiedlich verwendet. So merkt Ulich beispielsweise an, dass sich Stress und psychische Belastungen nur schwer unterscheiden lassen. In seinen weiteren Ausführungen wird deutlich, dass die Belastung, z.B. Korrekturarbeiten unter bestimmten Bedingungen, wie Zeitdruck o.ä., zu Stress werden kann, der sich beispielsweise in dem Gefühl, der Anstrengung nicht gewachsen zu sein, äußert. 23 Der Übergang ist also fließend.
Vergleicht man diese Ausführungen nun beispielshalber mit der o.g. Definition Schönwälders, wird deutlich, dass Ulich Stress sowohl anstelle von Belastung als auch vo n Beanspruchung verwendet. Bevorzugt wird von vielen Autoren allerdings die Verwendung der Begriffe „Stress“ und „Stressor“. Auf Ulichs Ausführungen bezogen würden bei Verwendung dieser beiden Termini die Korrekturarbeiten als Stressor bezeichnet, die dann aber nicht unbedingt zum Stress führen müssen, der hier das Gefühl der Anstrengung darstellt.
Letztlich ist zu sagen, dass die Begriffe „Belastung“, „Beanspruchung“ und „Stress“ von vielen Autoren nicht einheitlich verwendet werden. Dies ist ein Hinweis darauf, dass die Belastungsforschung mit unterschiedlichen theoretischen Ansätzen vollzogen wird. Aus diesem Grund hat Rudow das Rahmenmodell der Belastung und Beanspruchung entwickelt.
19 Brockhaus 2000.
20 Schönwälder, H.-G. (1989), S. 11.
21 Vgl. Rudow, B. (2000), S. 36.
22 ISO 10075. Ergonomic principles related to mental work-load - General terms and definitions, 1991, zit. nach: Rudow, B. (2000), S. 36.
23 Vgl. Ulich, K. (1996), S. 65.
Belastungen im Lehrerberuf 8
2.2.2 Rahmenmodell der Belastung und Beanspruchung (nach Rudow)
Das Rahmenmodell stellt Belastungen, Beanspruchungsreaktionen und -folgen sowie die möglichen Beziehungen zwischen den einzelnen Komponenten dar. Damit soll es zu einem besseren Verständnis über Zusammenhänge zwischen Tätigkeitsanforderungen, Belastung, Beanspruchung und arbeitsbedingten Erkrankungen in der Lehrerarbeit dienen. 24
24 Vgl. Rudow (2000), S. 38.
Belastungen im Lehrerberuf 9
Bild 2: Belastungs-Beanspruchungs-Modell
Rudow unterscheidet objektive und subjektive oder psychische Belastungen. Unter der objektiven Belastung versteht er alle vom Lehrer oder der Lehrerin unabhängigen Faktoren in der Tätigkeit, also den Arbeitsauftrag, womit die unter 2.1 beschriebenen Arbeitsaufgaben geme int sind; außerdem die Arbeitsbedingungen, also die Bedingungen unter denen sie zu erfüllen sind, so z.B. die räumliche und materielle Ausstattung der Schule, die Schülerzahlen. Die objektive Belastung besteht für ihn aus drei Komponenten, den körperlichen, den geistigen und den sozialen Anforderungen, und ist als wertneutrales Phänomen zu sehen. Die subjektive oder psychische Belastung dagegen entwickelt sich erst durch die Bewertung der objektiven Belastungen. Rudow bezeic hnet dies als „Widerspiegelung“ objektiver Belastungen. Vorerfahrungen sind für die Qualität der subjektiven Belastung von entscheidender Bedeutung. Wie eine Situation erlebt und bewertet wird, hängt außerdem stark von den jeweiligen Attributionsstrukturen ab. Dabei geht es um die Zuschreibung ve rmuteter Ursachen zu Erfolgen und Misserfolgen. Internal attribuierende Menschen schreiben den Erfolg eigenem Können und Wollen zu, external attribuierende schreiben ihn z.B. dem Zufall oder auch der Leichtigkeit einer Aufgabe zu. Diese Zuschreibungen haben großen Einfluss auf die Wahrnehmung künftiger objektiver Belastungssituationen. 26 Wesentlichen Einfluss auf den Prozess und das Ergebnis der Widerspiegelung haben körperliche und psychische Handlungsvoraussetzungen. Komponenten psychischer Handlungsvoraussetzungen sind Kognitionen, Emotionen, Einstellungen und Motive. Von besonderer Bedeutung sind hier „Motive und Einstellungen zur Berufstätigkeit, die soziale Handlungskompetenz, die pädagogische Qualifikation, die Berufserfahrungen, die psychovege tative Stabilität und die körperliche Leistungsfähigkeit.“ Die subjektive Belastung kann sich als kognitive oder emotionale Bela stung äußern, d.h. entweder ist die Schwierigkeit der Aufgaben belastend oder
25 Rudow (1990), S. 6
26 Vgl. Grunder, H.-U.; Bieri, T. (1995), S. 97.
Belastungen im Lehrerberuf 10
aber die Gefühle bei der Aufgabenerfüllung. 27 In der konkreten Tätigkeit werden nun die psychischen und physischen Handlungsvoraussetzungen des Lehrers und der Lehrerin gefordert und es tritt eine psychophysische Beanspruchung auf. Die Beanspruchungsreaktionen lassen sich in zwei Bereiche gliedern, die psychische Anspannung einerseits und die somatischen Veränderungen in verschiedenen Organen und Organsystemen andererseits. Ob und welche Beanspruchungsreaktionen auftreten, hängt also von der Bewertung der objektiven Belastung und von der Wirksamkeit der Belastungsbewältigung ab. Unter Beanspruchungsreaktionen versteht Rudow zeitlich begrenzte, reversible psychophys ische Phänomene, unter Belastungsfolgen dagegen überdauernde, chronische, bedingt reversible psychophys ische Erscheinungen. Grundsätzlich werden außerdem positive und negative Beanspruchungsreaktionen und -folgen unterschieden. Positive Beanspruchungsreaktionen äußern sich beispielsweise in geistiger Aktivität und Wohlbefinden, Belastungen werden in diesem Fall positiv bewertet und fordern die Lehrkräfte heraus. Solche Reaktionen führen zu emotionaler Stabilität und tragen zur Aneignung wirksamer Handlungsmuster bei, die rückwirkend wieder positive Beanspruchungsreaktionen bedingen.
Zu den negativen Beanspruchungsreaktionen zählen sowohl die psychische Ermüdung, also eine Beeinträchtigung der psychischen Leistungsfähigkeit, deren Erscheinungsformen sehr vielfältig sein können, als auch die psychische Sättigung. Diese meint einen „Zustand der nervös- unruhevollen, affektbetonten Ablehnung sich wiederholender Tätigkeiten oder Situationen“. Die Monotonie als „Zustand herabgesetzter psychophysischer Aktiviertheit, der durch Unterforderung entstehen kann und der Stress, der durch das Erleben einer Gefährdung oder Bedrohung hervorgerufen wird“ zählen ebenfalls zu den negativen Beanspruchungsreaktionen. Psychische Ermüdung kann zu psychischer Übermüdung führen, Stress zu chronischem Stress und diese Folgen möglicherweise zum Burnout. Bei solchen Überbelastungen droht eingeschränkte pädagogische Handlungskompetenz, die dann wiederum die Beanspruchungsreaktionen verstärkt. 28 Auf die Belastungsreaktionen und -folgen werde ich in Kapitel 2.4 ausführlicher eingehen. Das Modell zeigt, dass zwar objektive Belastungsfaktoren im Lehrberuf durchaus zu ermitteln sind, z.B. Arbeitszeit, Schülerzahlen o.ä., diese aber noch nichts über die wirkliche psychische Belastung der Lehrkräfte aussagen, da sie von jeder Lehrkraft unterschiedlich bewertet werden. Ebenso kann von Beanspruchungsreaktionen undfolgen auch nicht auf die objektiven Arbeitsbelastungen geschlossen werden, da die Lehrkräfte aufgrund unterschiedlicher Persönlichkeitsstrukturen diese unterschiedlich bewerten und mit unterschiedlichen Bewältigungsstrategien auf die Belastungen reagieren. Damit widerspricht dieses Modell auch vielen Studien, die Belastungsfaktoren und Belastungsreaktionen und -folgen erheben und diese dann miteinander in Verbindung bringen, denn Belastungsfaktoren können zwar subjektiv belastend wahrgenommen werden, jedoch müssen aufgrund geeigneter Bewältigungsstrategien nicht unbedingt negative Beanspruchungsreaktionen auftreten.
2.2.3 Belastungsmodelle
In der bisherigen Belastungsforschung gibt es verschiedene Ansätze, nach denen die Belastungsanalysen im Lehrberuf vorgenommen wurden. Vier von ihnen sollen im folgenden kurz vorgestellt werden.
27 Vgl. Rudow, B. (2000), S. 36.
28 Vgl. Rudow, B. (2000), S. 38-43.
Belastungen im Lehrerberuf 11
2.2.3.1 Reiz- oder situationsbezogene Modelle
Bei diesem Modell gelten Situations- oder Reizmerkmale als objektive Belastungsfaktoren, die mit hoher Wahrscheinlichkeit bestimmte Funktionsstörungen des Organismus bewirken. Für eine Studie bedeutet dies, dass Lehrkräften bestimmte Belastungsfaktoren vorgegeben werden, die dann nach dem Belastungsgrad einzuschätzen sind und in eine Reihenfolge gebracht werden können. Dieses Modell liegt den meisten Untersuchungen zugrunde. Auch die Prüfliste zur vorwiegend psychischen Belastung in der Lehrerarbeit (PBL), die zur Gefährdungsbeurteilung in Schulen eingesetzt werden kann, basiert auf diesem Konzept. 29 Kritisch zu betrachten ist bei diesem Konzept die eingeschränkte Vergleichbarkeit aufgrund unterschiedlicher Termini für gleiche Faktoren, verschiedenen Umfanges oder verschiedener Sachverhalte und eine gewisse Willkür bei der Auswahl der einzuschätzenden Belastungsfaktoren. Rudow kritisiert zudem, dass Konzepte, mit denen versucht wird, nur einzelne Belastungen unsystematisch zu erfassen, einen begrenzten Beschreibungs- und Operationalisierungswert haben. 30
2.2.3.2 Reaktionsbezogene Modelle
Bei diesem Modell stellt ein bestimmtes Reaktionsmuster des Organismus einen Indikator für Beanspruchungsreaktionen, z.B. Stress dar, das unabhängig von der Art des auslösenden Reizes auftritt. 31 Es handelt sich hierbei also um ein situations- und personenunabhängiges Reizmuster, welches Rückschlüsse auf Belastungsfaktoren zulassen soll. Kritisch anzumerken ist hier die Annahme der Unspezifität des Reizmusters 32 . Da sich Beanspruchungsreaktionen außerdem als Summe aus Bewertungen unterschiedlicher Belastungsfaktoren darstellen, können solche Reaktionsmuster bei der Bestimmung von Belastungsfaktoren wenig helfen.
2.2.3.3 Relationale Modelle
Relationale Modelle basieren auf der kognitiv- transaktionalen Stresstheorie von Lazarus der sechziger Jahre. 33 Im Gegensatz zu den reiz- oder situationsbezogenen Modellen, die nur die objektiven Belastungsfaktoren berücksichtigen und den reaktionsbezogenen Modellen, die nur die Reaktionen des Organismus interpretieren, steht bei den relationalen Modellen die Person-Umwelt-Interaktion im Mittelpunkt. Wahrnehmung und Bewertung der Situation durch die Person ist hier von Bedeutung und wird als wichtige Komponente des Belastungserlebens aufgefasst. Mit Hilfe dieses Modells lässt sich auch im Gegensatz zu den anderen beiden eine Antwort auf die Frage finden, warum verschiedene Personen auf denselben Reiz unterschiedlich reagieren. „Psychischer Stress...gründet sich weder in der Situation noch in der Person, sondern entsteht aus der Art, wie die Person die adaptive Beziehung einschätzt.“ 34 Dies bedeutet auch, dass eine Situation umso bedrohlicher erlebt wird, je geringer die persönlichen Handlungsmöglichkeiten sind, da die Situation dann als schwierig bewertet wird.
29 Vgl. Rudow, B. (2000), S. 129-133.
30 Vgl. Rudow, B. (1994), S. 76.
31 Vgl. Grimm, M.A. (1993), S. 25.
32 Vgl. Kramis -Aebischer (1995), S. 30.
33 Lazarus, R.S. (1966).
34 Lazarus, R.S.: Stress und Stressbewältigung - ein Paradigma, in: Filipp, S.-H. (Hrsg.): Kritische Lebensereignisse, München 1990, zit. nach: Grimm, M.A. (1993), S. 26.
Belastungen im Lehrerberuf 12
Dieses Modell stimmt im wesentlichen mit dem Rahmenmodell der Belastung und Beanspruchung Rudows überein, denn auch hier wird die Bedeutung der Widerspiegelung der objektiven Faktoren, also der Bewertung der Situation und der Einschätzung eigener Bewältigungsmöglichkeiten in den Vordergrund gestellt.
2.2.3.4 Modell der Mehrfachbelastung
Da auf Lehrer und Lehrerinnen immer mehrere verschiedene Belastungsfaktoren einwirken, kann man hier auch von einer Mehrfachbelastung sprechen. Mehrfachbelastung bedeutet: „Auf den Lehrer wirken gleichzeitig und dauerhaft mehrere, verschiedenartige Belastungsfaktoren ein. Dauerhaft bedeutet jedoch nicht, dass die Kombination unbedingt ständig bestehen muss, sie muss jedoch wiederholt mit entsprechender Intensität und Zeitdauer auftreten.“ 35 Zu unterscheiden ist eine additive und eine multiplikative Verknüpfung der Belastungsfaktoren. Multiplikativ bedeutet, dass sich die einzelnen Faktoren in ihrer Wirkung gegenseitig verstärken bzw. sich jeweils bedingen. Dunckel betrachtet Mehrfachbelastungen als Kombination aus Handlungsanforderungen, also Arbeitsaufgaben, Regulationshindernissen wie Probleme bei der Aufgabenerfüllung (z.B. kleine Klassen, schwierige Schüler) und dem Handlungsspielraum. Bestimmte Merkmalskombinationen seien hier hinsichtlich der psychosozialen Gesundheit problematisch, so seine Annahme. 36 Empirische Befunde über Kombinationen von Belastungsfaktoren, die eine Mehrfachbelastung ergeben, existieren jedoch noch nicht.
Die dargestellten Modelle zeigen nur einen Ausschnitt aus den für Belastungs- und Beanspruchungsanalysen verwendeten Modellen, die die Belastungssituation von unterschiedlichen Seiten betrachten. Aufgrund der vielfältigen Analysemethoden ist es schwierig, Schlüsse im Hinblick auf die Belastungssituation zu ziehen, andererseits ist es notwendig, die verschiedenen Methoden anzuwenden, um die Komplexität der Lehrerarbeit und somit der Belastungssituation zu erfassen. Weitere Modelle zur Belastungsanalyse sind z.B. das Handlungsmodell oder das Modell der belastenden Lebens- und Tagesereignisse (hier geht es um außerberufliche Ereignisse).
2.3 Belastungsfaktoren im Lehrerberuf
Um die vorliegenden Untersuchungsergebnisse und Erkenntnisse über die Belastungen im Lehrerberuf strukturieren zu können, sollen sie, dem Beispiel Kramis-Aebischers folgend, drei Ebenen zugeordnet werden, der Organisationsebene, der Individuumsebene und der Systemebene. Dabei lassen sich Belastungen, die sich aus Problemen innerhalb des Kollegiums und der Schulgemeinschaft ergeben, auf der Organisationsebene ansiedeln; Belastungsfaktoren, die sich aus Persönlichkeitsmerkmalen und demographischen Merkmalen der Lehrerinnen und Lehrer ergeben, lassen sich auf der Individuumsebene lokalisieren, und die Belastungen, die sich aus den Berufsanforderungen, der Berufsrolle, der Berufssituation und den Anstellungsbedingungen, also aus objektiven Belastungen ergeben, lassen sich schließlich der Systemebene zuordnen. 37
35 Rudow, B. (1994), S. 86.
36 Vgl. Dunckel, H.: Mehrfachbelastung und psychosoziale Gesundheit, in: Greif, S.; Bamberg, E.; Semmer, N. (Hrsg.): Psychischer Stress am Arbeitsplatz, Göttingen 1991, S. 154-167, zit. nach: Stähling, R. (1998), S. 16-17.
37 Vgl. Kramis -Aebischer, K. (1995), S. 98.
Arbeit zitieren:
Anne Urbutt, 2001, Belastungen im Lehrerberuf und Aspekte der Bewältigung, München, GRIN Verlag GmbH
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