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Zusammenfassung
Neben ihrem Status als internationales Aushängeschild, stellt die Frankfurter Buchmesse auch ein Spiegelbild der gesamten Buchindustrie dar. Dies gilt vor allem in Bezug auf grundsätzliche Prozesse und Strukturen, die netzwerktheoretisch aus zweierlei Hinsichten bemerkenswert sind: Zum einen nimmt der Informationsaustausch einen höheren Stellenwert ein als konkrete Ausstellungsobjekte, was sich auf abstrahierter Ebene ebenfalls bei einer Krabbelgruppe beobachten lässt. Zum anderen scheint beim Rechte- und Lizenzhandel das jeweilige Beziehungsgefüge häufig den Aspekt der Qualität zu übertrumpfen. Dementsprechend neigen Herausgeber dazu, Verträge mit Freunden oder Bekannten zu unterzeichnen - ganz wie Eltern, die nach der Krabbelgruppe wieder mit ihren eigenen Kindern nach Hause gehen.
Abstract
Apart from its status as international flagship the Frankfurt Book Fair is also a mirror image of the entire book industry. This applies especially to the basic processes and structures which are remarkable in two respects from the point of view of networking theory:
On the one hand, the exchange of information plays a more important role than exhibited objects. On an abstract level this can also be observed in a toddlers’ group. On the other hand, the particular structure of relationships frequently seems to outplay the aspect of quality with respect to the trade of distribution rights and licences. Accordingly, editors tend to sign contracts with friends or acquaintances - much like parents who go home again with their own children after the toddlers’ group.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Die Buchindustrie 1
2.1 Ein Überblick 1
2.2 Die herausragende Rolle des Herausgebers im editorial process 2
3. Die Frankfurter Buchmesse - internationales Aushängeschild der Buch-
industrie 5
3.1 Kurzbeschreibung 5
3.2 Informationsaustausch 5
3.3 Rechte- und Lizenzhandel 7
4. Analogienbildung zwischen der Frankfurter Buchmesse einer Krabbel-
gruppe 9
5. Kritische Betrachtung 11
6. Fazit 12
Anhang 14
Literatur 15
iii
Abkürzungsverzeichnis
FBM Frankfurter Buchmesse
1. Einleitung
„Publishing is a crazy business.“ 1 - Vor diesem Hintergrund sollte es nicht ver-wunderlich sein, dass neben der Buchindustrie an sich auch ihr internationales Aushängeschild, die Frankfurter Buchmesse, von Paradoxien und Phänomenen geprägt ist. Dennoch stellt sich die Frage, wieso ein solch enormer Ressour-cenaufwand für diese kurzzeitige physische Präsenz unternommen wird, obwohl zunehmend digitale Produkte dargeboten werden. Und warum folgt die Vergabe von Rechten und Lizenzen auf diesem Marktplatz der Extraklasse scheinbar Mustern, die so gar nicht marktwirtschaftlich geprägt sind? Im Folgenden soll zunächst ein Überblick über die Buchindustrie sowie über den editorial process und der Rolle des Herausgebers darin, gegeben werden-Auf Basis dessen wird die Frankfurter Buchmesse unter netzwerktheoretischer Perspektive analysiert und der Versuch unternommen, eine Analogie mit einer Krabbelgruppe zu bilden. Im Anschluss sollen die Grenzen dieses zugegebenermaßen überspitzten Vergleichs aufgezeigt, sowie das bis dahin dargestellte Bild des Netzwerkes rund um die Frankfurter Buchmesse und der Buchindustrie kritisch hinterfragt werden.
2. Die Buchindustrie 2.1 Ein Überblick
Etwa 250.000 Neuveröffentlichungen im Jahr 2008 allein in den USA 2 lassen die Größe und Komplexität des für den Außenstehenden im Hintergrund ablaufenden Räderwerks der Buchindustrie erahnen. Dazu gehören insbesondere Autoren, Verlagshäuser und ihre Herausgeber, aber auch Illustratoren, Übersetzer, Drucker und Buchhändler, um nur einige Beteiligte zu nennen. Die Buchindustrie ist gemäß Coser, Kadushin und Powell (1982) weitestgehend durch informelle Netzwerkbeziehungen geprägt. Obwohl diese Beschreibung
1 Powell (1985), S.75.
2 Vgl. Greco/Rodriguez/Wharton (2007), S. 49.
2
bereits einige Zeit zurückliegt, scheinen diese grundsätzlichen Strukturen auch heute noch Bestand zu haben. Dies belegen neuere Untersuchungen, wie etwa das Werk „The culture and commerce of publishing in the 21 st century“ (2007) von Greco, Rodriguez und Wharton. So ist die Buchindustrie zwar ständigem Wandel unterworfen, generelle Strukturen wie die reziproke Ressourcenabhän-
gigkeit der verschiedenen Parteien 3 , sowie die die Industrie prägenden Empfehlungs- und letztendlich Angebotsstrukturen besitzen jedoch weiterhin Aktualität. Eine Betrachtung der Buchindustrie als eine einzige Einheit scheint dagegen der Realität nicht gerecht zu werden. Vielmehr hat sich im Laufe der Zeit eine Dezentralisierung und Fragmentierung der Gesamtindustrie herauskristallisiert:
„Book publishing as an industry is [mainly characterized by] its internal diversity and
segregation into a number of distinct, separate worlds, marked by important cultural
and organizational differences. […] Each sector of the book industry operates within a
4 distinctive institutional environment, with dissimilar amounts of risk and uncertainty.”
Zusammenhängend mit diesen Unterschieden konnten zudem signifikante Abweichungen im Bezug auf Rentabilität und Wettbewerbsintensität, aber auch auf Veröffentlichungschancen und nicht zuletzt die Bedeutung und Dichte von
sektoralen (Sub-) Netzwerken festgestellt werden 5 . Als die von Powell genannten Sektoren lassen sich dabei im Wesentlichen das Verlagswesen für fiktionale Literatur, für Sachbücher und das akademische Verlagswesen nennen.
2.2 Die herausragende Rolle des Herausgebers im editorial process
Die beschriebenen sektoralen Unterschiede prägen in hohem Maße die meist spezialisierten Verlaghäuser und deren editorial process: derjenige Ablauf, der die einzelnen Schritte vom Schreiben, über die Akquise von Manuskripten und dem Editieren, bis hin zur Produktion, der Distribution und gegebenenfalls dem
3 Vgl. Powell (1985), S. 224.
4 Ebd., S. XX.
5 Vgl. Coser/Kadushin/Powell (1982), S. 78 ff.
Arbeit zitieren:
Isabella Aberle, 2009, Die Frankfurter Buchmesse – Krabbelgruppe der Buchindustrie?, München, GRIN Verlag GmbH
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