Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2.1 Was ist Intermedialität? 5
2.2 Intermediale Strategien in
The Far Side of theMoon. 8
2.3 Intermedialität als Metapher. 15
3. Schlußbemerkung. 17
Bibliographie. S. 18
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1. Einleitung
Der kanadische Schauspieler und Regisseur Robert Lepage vollzieht in seinen Stücken bewußte Gratwanderungen zwischen unterschiedlichen Kulturen und den Ausdrucksformen verschiedener Medien. Tatsächlich bezeichnet Lepage Theater als "Journey of Discovery". Seine Produktionen nennt er "Travel Narratives", denn, so Lepage "A successfull production communicates a traveler's experience." 1
Das dem Thema des Reisens inhärente Prinzip der Grenzüberschreitung wird zu einem Grundprinzip von Lepages Werk und findet seinen Ausdruck unter anderem in Lepages Umgang mit unterschiedlichen Medien, die er miteinander in Verbindung bringt, um so deren Grenzen und Möglichkeiten gegenseitiger Befruchtung auszuloten.
Aus der immer größeren Bedeutung, die Kino und Fernsehen, bei der Bildung von Rezeptionsgewohnheiten des Publikums erhalten, macht es sich Lepage zur Herausforderung, Konsequenzen für Darstellungsformen des Theaters zu ziehen:
"Mich interessiert es einfach, wie das Theater der Zukunft aussehen kann. Und dabei darf man das Vokabular des Kinos nicht ignorieren - etwa wie man mit den Mitteln des Kinos erzählt: Das Publikum hat dieses Wissen schließlich auch, hat sich durch Musikvideos daran gewöhnt, daß Geschichten sprunghaft erzählt werden. Dieser Stakkato-Rhythmus wird auch das Theater erreichen" 2
Lepage stellt sich damit in die Tradition Brechts, der die Herausforderung, die die Entwicklung anderer Medien (in seinem Fall des Films) für die Literatur (bzw. das Theater) bedeutet, bereits 1931 in seinen theoretischen Schriften, erkannte: "Der Filmsehende liest Erzählungen anders. Aber auch der Erzählungen schreibt, ist seinerseits ein Filmsehender. Die Technifizierung der literarischen Produktion ist nicht mehr rückgängig zu machen." Lepage,
1 Lepage, Robert, Connecting Flights. In Conversation with Remy Charest, 1998, S. 33.
2 Balme, Christopher, Robert Lepage und die Zukunft des Theaters im Medienzeitalter, in: Erika Fischer-Lichte, Doris Kolesch, Christel Weiler (Hrsg.), Transformationen - Theater der Neunziger Jahre, in der Reihe Theater der Zeit 1999, Recherchen 2 (Berlin: 1999), S. 136.
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der sich selbst intensiv mit Bertolt Brecht auseinandersetzte, baut auf dieser Beobachtung auf und appeliert an die plurale Medienkompetenz seiner Zuschauer, deren Sehgewohnheiten unabwendbar von Fernsehen, Film, Video, Internet etc. geprägt sind.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich ausschließlich mit dem im Februar 2000 im Théatre du Trident, Québec uraufgeführten Stück The Far Side of the Moon, in dem Lepage das Verhältnis zweier ungleicher Brüder und parallel dazu den Konkurrenzkampf zwischen den Weltmächten Amerika und Rußland um die erste Mondlandung zum Thema nimmt und auf vielfältige Weise die Kunstformen Theater und Film durch Techniken der Verknüpfung, Überlagerung und Koppelung miteinander in Beziehung setzt.
Am Anfang der Analyse steht zunächst der Versuch der Eingrenzung des Begriffes Intermedialität. Im Folgenden werden Strategien der Intermedialität in The Far Side of the Moon einer genaueren Betrachtung unterzogen. Hierbei sollen die unterschiedlichen Verknüpfungs-, Koppelungs-und
Überlagerunsprinzipien an den Schnittstellen zwischen Film und Theater, mit denen Lepage in seinem Werk bevorzugt spielt, herausgearbeitet werden. Inwieweit die intermediale Vermischung theatraler und filmischer Formen bei Lepage ein grundsätzliches Prinzip der Grenzüberschreitung und Vereinigung scheinbar unvereinbarer Gegensätze, das sich auf allen Ebenen seines Werkes widerspiegelt, darstellt wird im Anschluß daran diskutiert.
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2.1 Was ist 'Intermedialität'?
Bevor Robert Lepages Werk The Far Side of the Moon unter dem Aspekt der Intermedialität eingehender beleuchtet werden kann, tut es Not den Begriff der Intermedialität, der der folgenden Analyse zugrunde liegt, genauer einzugrenzen.
Seit den achziger Jahren rückt der Begriff der Intermedialität immer mehr ins Zentrum literatur-, kunst- und kulturwissenschaftlicher Diskussionen. Mangels einer bereits bestehenden Systematik ringen unterschiedliche Theoretiker auf diesem Gebiet um die Entwicklung eines analytischen Instrumentariums, mit dessen Hilfe die Phänomene der Intermedialität für die wissenschaftliche Diskurspraxis greifbar gemacht werden können. Der Begriff Intermedialität steht zunächst im Kontrast zum Begriff der medialen Spezifität, die unter anderem in Deutschland von konservativen Theaterkritikern propagiert wird. Mediale Spezifität stellt die Forderung, jedes Medium auf die ihm eigenen Besonderheiten zu beschränken, diese auszunutzen und innerhalb der ihm eigenen Grenzen auszudehnen, ohne jedoch die Grenzen zwischen verschiedenen Medien zu überschreiten. Diese Art des Medienpurismus bildet einen extremen Gegenpol zum wissenschaftlichen Konzept der Intermedialität, das die Vorstellung von der Reinheit und Abgrenzbarkeit der Medien, die dem Begriff der medialen Spezifität zugrundeliegt, in Frage stellt. Geht man davon aus, daß alle Medien, sich durch Einflüsse aus anderen Medien formieren und die Trennlinien zwischen einzelnen Medien mehr als Denkkonstrukte als als tatsächliche hermetische Abgrenzungen existieren, stellt sich die Definition medialer Grenzen als Schwierigkeit dar.
Seit den achziger Jahren setzen sich jedoch immer mehr Theoretiker mit einer Theoriebildung der Intermedialität auseinander, die durch eine verstärkte Tendenz zunehmender Verflechtung unterschiedlicher Medien und Kunstgattungen notwendig erscheint. Die unterschiedlichen Ansätze stehen immer vor der Frage: Was macht ein Medium aus und wo beginnt
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Arbeit zitieren:
Ulrike Decker, 2001, Strategien des Intermedialen in The Far Side of the Moon von Robert Lepage, München, GRIN Verlag GmbH
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