„ein Mann, auf den Sie sich verlaßen können, daß er hält was er verspricht. Er ist wenigstens der vernünfftigste Buchführer den ich noch gesehen.“ (LEHMSTEDT, 1988, S. 8)
„Es war bekannt, daß Reich der Dictator der Buchhändler sein und in allem, was dieselben anging, den Ton angeben wollte.“(ebd, S. 7)
Herausragende Reformer des deutschen Buchhandels
Philipp Erasmus Reich (1717 - 1787)
1. Literatur zu Philipp Erasmus Reich 2
2. Gesellschaft und Buchhandel 2
2.1. Gesellschaftliche Situation im 18. Jahrhundert 2
2.2. Allgemeine Lage des Buchwesens 4
3. Leben und Wirken 5
3.1. Darstellung seines Lebens 5
3.2. Reichs Innovation und die Bedeutung für den Buchhandel 9
4. Reformer oder Karrierist ? 13
Bibliographie 16 Anhang 18
1
1. Literatur zu Philipp Erasmus Reich
„Fürst der Buchhändler“ - so lautet der Tenor über Philipp Erasmus Reich und über sein Wirken im Buchhandel. Er wird mehrheitlich positiv gesehen und immer mit dem Kampf gegen den Nachdruck, für den Nettohandel und somit weg vom bis dato üblichen Tauschhandel verbunden.
Löffler und viele andere bewerten seine Rolle, die die Organisation und Reformierung des Buchhandels betrifft, als „hervorragend“ (LÖFFLER, 1936, S. 97). Lediglich Reinhard Wittmann (Geschichte des deutschen Buchhandels, 1991) geht kritisch mit seinen Geschäftsgebaren und seiner Umgangsweise um. Die Quellenlage ist insofern gut, als daß es sowohl im 19., als auch im 20. Jahr-hundert einige Biographien, Schriften zu seinem Jubiläum oder Aufsätze gegeben hat, wobei in älteren Schriften häufig verklärte oder preisende Aussagen über ihn zu finden sind:
„Nehmen wir hier von ihm Abschied mit einer Beobachtung, die unter allen Buchhändlern seiner Zeit nur von ihm gilt und die einzigartige Stellung, die er in seiner Zeit einnahm, ...“ (GOLDFRIEDRICH, 1909, S. 474)
2. Gesellschaft und Buchhandel
2.1. Gesellschaftliche Situation im 18. Jahrhundert
Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation war im 18. Jahrhundert v.a. durch religiöse Konflikte und dem Ringen der Österreicher und Preußen um die Vorherrschaft in Deutschland geprägt. Mit dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763) konnte sich Friedrich II. jedoch gegen die antipreußische Übermacht durchsetzen und durch seinen Sieg stieg Preußen zur europäischen Großmacht auf. Dieser Gegensatz zwischen Österreich und Preußen verschärfte sich und bestimmte bis zur Gründung des Deutschen Kaiserreiches 1871 in hohem Maße die deutsche Geschichte.
Das geistige Leben war im 18. Jahrhundert von den Ideen der Aufklärung geprägt, die - in den einzelnen deutschen Staaten unterschiedlich - auch auf Gesellschaft
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und Politik wirkten. In einigen Staaten verbanden sich die Gedanken der Aufklärung mit dem Absolutismus, so etwa im Habsburgerreich Josephs II. (1765-1790) und im Preußen Friedrichs des Großen, die beide als die herausragendsten Vertreter des aufgeklärten Absolutismus im Reich gelten. Die aufgeklärt absolutistischen Staaten zeichneten sich u. a. durch eine Vielzahl innerer, in hohem Maß dem Gemeinwohl verpflichteter Reformen aus, durch den Aufstieg des Bürgertums in der nach wie vor ständisch strukturierten Gesellschaft, durch erste Schritte auf dem Weg zur modernen Rechtsstaatlichkeit sowie durch das allmähliche Verschwinden der konfessionellen Auseinandersetzungen, weshalb das 18. Jahrhundert den Übergang vom Altreich zur Moderne darstellt.
Zum Zentrum der deutschen Aufklärung wurde Leipzig und entwickelte sich darüber hinaus zu einem Magneten für viele Verleger, wie z.B. Moritz Georg WEIDMANN (17. Jahrhundert) oder Johann Gottlieb Immanuel BREITKOPF (18. Jahrhundert), da es nirgendwo so viele Autoren und Verlage sowie so viele gefragte Neuerscheinungen gab wie in Leipzig.
Deshalb verlagerte sich die Buchmesse von Frankfurt immer mehr nach Leipzig; so wurden im Jahre 1764 in Frankfurt nur noch 34 Firmen, davon elf (32,4 %) heimische gezählt, wogegen in Leipzig 175 Unternehmen präsent waren, von denen lediglich 34 ortsansässige Firmen (19,4 %) vertreten waren.
Gründe kann man darin sehen, daß sich Sachsen im Aufschwung befand, liberal eingestellt war und weitestgehend auf Zensur verzichtete, indem es sich an Preußen orientierte:
„Zum katholischen Absolutismus Österreichs gehörte eine scharfe Zensur, vor deren Hinter-grund sich Brandenburg-Preußen als ein Hort geistiger Freiheit ausnahm. Unter Maria Theresia (1740 - 1780) wurde die Zensur zwar entklerikalisiert, aber zugleich systematisiert und bürokratisiert. Der Geist der Aufklärung, der an preußischen Universitäten eine Heimstatt fand, stieß in Österreich auf eine Mauer der Abwehr.“ (WINKLER, 2000, S. 30)
Zudem wirkte in Frankfurt (Main) die „Kaiserliche Bücherkommission“, eine von Maximilian II. eingesetzte, katholische Zensurbehörde, die ihre Aufgabe, gegen „ketzerische“ Schriften zu wirken, sehr ernst nahm und in die Freiheit des Schreibens eingriff.
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2.2. Allgemeine Lage des Buchwesens
In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts herrschte der Tausch- (oder Change-) Handel vor (auch „Stechen“ genannt), bei dem gleiche Mengen von Druckbogen gegen-einander getauscht wurden. Das war vor allem dadurch bedingt und sehr beliebt, weil es im deutschsprachigen Gebiet unterschiedliche Münzeinheiten gab, die einen Geldhandel erschwert hätten. Vereinzelt wurde der Konditionshandel praktiziert, der vorsah, daß Bücher bei Nicht-Verkauf an den Verleger zurückgehen (Remission), ohne daß der Sortimenter dadurch Nachteile erhielt.
Im Laufe der zweiten Jahrhunderthälfte setzte sich im Norden der Netto- (oder Contant-) Handel durch. Philipp Erasmus Reich, der der Initiator dafür war, gab Bücher nur gegen bares Geld ab oder maximal gegen einen halbjährlichen Kredit, wobei er ihnen nur 16 bis 25 % Rabatt gewährte. Da die Bücher aus Leipzig und Sachsen sehr beliebt waren, wollten die sächsischen Buchhändler keinen unverkäuflichen Ballast eintauschen und auch nicht das Risiko der Remission eingehen, weshalb sie statt des Tausch- und Konditionshandels den Nettohandel präferierten. Die nicht-sächsischen Firmen jedoch mußten, um ihre Kunden zu halten, die teuren Bücher aus Sachsen einkaufen und büßten dadurch z.T. Kunden ein oder gingen sogar bankrott. Viele der nicht-sächsischen Händler wollten aber am Tauschhandel festhalten und nicht akzeptieren, daß Sachsen eine Vorreiterrolle einnimmt. Aus dieser Konkurrenzsituation heraus war der Nachdruck deshalb weit verbreitet, gegen den Reich und viele andere verbissen kämpften. So wurden Nachdrucker z.B. von den Messen ausgeschlossen und mußten ihre Bücher im Umherziehen verkaufen. Ein bekannter Nachdrucker ist der österreichische Buchdrucker und Buchhändler Johann Thomas Edler von TRATTNER, der deshalb mit dem Nachdruck begann, weil ihm statt der von ihm gewünschten 33 % Rabatt nur 16 % Rabatt angeboten wurden. In seiner Rechtfertigung für den Nachdruck erhielt er u.a. Unterstützung von Kaiserin Maria Theresia, die den in einem desolaten Zustand befindlichen österreichischen Buchmarkt retten wollte und den Nachdruck förderte, indem der heimische Buchmarkt geschützt und auswärtiges Monopol nicht geduldet werden sollte. Dieser weit verbreitete und beliebte Nachdruck bewirkte u.a., daß sich der konsequente Nettohandel mit Barzahlung ohne Rückgaberecht bei geringem Rabatt auf die Dauer nicht halten konnte.
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Einige versuchten sich sogar mit einem Selbstverlag, z.B. Klopstock, Lessing, indem sie die „Dessauer Gelehrtenbuchhandlung“ im Jahre 1781 gründeten. Das schlug jedoch fehl, u.a. deshalb, weil Reich gegen sie kämpfte und mittels zweier anonym erschienener Schriften gewann.
Der Streit zwischen den Tauschhändlern im Süden und den Nettohändlern im Norden gipfelte 1788 in der „Nürnberger Schlußnahme“, in der ein festgelegter Umrechnungskurs, das Remissionsrecht und der Aufbau eines Kommissionshandels festgelegt wurde. Der Konditionshandel (ein Bedingthandel mit Remissionsrecht) stellte sich als der beste Kompromiß dar.
3. Leben und Wirken
3.1. Darstellung seines Lebens
Am 1.12.1717 in Laubach in der Wetterau (Hessen) geboren, wächst Philipp Erasmus Reich als Sohn eines Arztes und als siebtes von acht Kindern in einer bürgerlichen Welt auf. Er stammt aus keiner Verleger-Familie, da die Vorfahren bis auf seinen Vater alle Theologen waren. Der Vater Johann Jakob Reich schlug ebenso wie Philipp Erasmus nicht den beruflichen Weg der Väter ein.
Johann Jakob Reich gehörte als einziger studierter Arzt im 1000-Seelen-Ort Laubach zu der bürgerlichen Schicht, was wiederum auf seinen Sohn wirkte, der sein ganzes Leben lang ein ausgeprägtes bürgerliches Bewußtsein und ein hohes moralisches Selbstwertgefühl besaß.
„Ausgerüstet mit guten Schulkenntnissen und einem durchdringenden Verstande“ (SCHMIDT, 1908, S. 7) waren ihm die drei Tugenden Ehrlichkeit, Rechtschaffenheit und Freundschaft die wichtigsten.
Seine Mutter, eine Professorentochter, starb bereits 1719, so daß er und seine Geschwister mit einer Stiefmutter aufwuchsen.
1732 begann er auf eigenen Wunsch eine Buchhandelslehre. Obwohl er kein gutes Verhältnis zu seinem Lehrmeister Johann Benjamin Andreae hatte, begeisterte er sich für das Buchwesen und übte kurze Tätigkeiten in London und Stockholm aus. Mit Fleiß und Engagement wird Reich ab 1747 Geschäftsführer der Weidmann`schen Buchhandlung in Leipzig, die 1680 gegründet wurde, und ab 1762 Teil-
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Arbeit zitieren:
Cornelia Weinreich, 2001, Philipp Erasmus Reich - Reformer im deutschen Buchhandel, München, GRIN Verlag GmbH
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