1. Bemerkungen zur Lerngruppe und Einordnung in die Unterrichtseinheit Bemerkungen zur Lerngruppe
Bei der Lerngruppe handelt es sich um einen Grundkurs 11, der sich aus insgesamt 28 SuS, davon zehn weibliche und 18 männliche, zusammensetzt. Diese Klasse unterrichte ich im Rahmen meines Ausbildungsunterrichts seit Anfang September drei Stunden in der Woche. Soweit ich es bisher beobachtet habe, bildet der Kurs eine heterogene Lerngemeinschaft: die Leistungen reichen von gut bis mangelhaft. Die freiwillige mündliche Mitarbeit beschränkt sich häufig auf die männlichen Kursteilnehmer. Die Weiblichen sind redescheu und zeigen sich zurückhaltend, arbeiten aber während der verschiedenen Sozialformen (Einzel-, Partner-oder Gruppenarbeit) bereitwillig und konzentriert. Die Methodenkompetenz der SuS wird gefördert, ist aber momentan hinsichtlich kooperativer Lernformen und den Umgang mit Quellen noch im Aufbau und daher als eher gering zu bewerten. Einige der SuS haben Schwierigkeiten sich zu konzentrieren. Dies zeigt sich darin, dass sie einander nicht zu hören und in Privatgespräche zu verfallen.
Einordnung in die Unterrichtsreihe
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2. Sachanalyse
Die Reformen und die Verfassung des Kleisthenes um 500 v. Chr. weist als erste ihrer Art einen wirklichen demokratischen Charakter auf und stellt damit einen Meilenstein in der Entwicklung der attischen Demokratie dar. Die neue kommunale Ordnung bewirkt, dass die bei der Solonischen Verfassung noch wirksamen Machtstrukturen des Adels durchbrochen werden. Außerdem lösen seine Reformen die timokratische Struktur der Verfassung Solons auf, indem beispielsweise alle Klassen in den Rat der 500 gewählt werden konnten. Kleisthenes schafft eine weitaus größere und vorbehaltslosere Partizipation der Bürger Athens am politischen Willensbildungsprozess und verfestigt die politische Macht der Volksversammlung. Diese Verfassung bildet die Grundlage für alle weiteren demokratischen Entwicklungen in Athen und ist deshalb als Gegenstand in dieser Unterrichtsreihe unverzichtbar.
3. Begründung der didaktisch-methodischen Entscheidungen
Im Zentrum der heutigen Stunde steht die Phylenreform des Kleisthenes, die einen wichtigen Schritt für die Demokratieentwicklung darstellt. Legitimiert wird dieses Vorhaben zum einen durch den Lehrplan, der angibt, dass die Unterrichtsreihe im Inhaltsbereich dem Zeitfeld 3 „Alte Geschichte“ 2 zuzuordnen ist. Die Unterrichtsstunde ist in ihrer politischen Dimension 3 von einem gesellschafts-politischen Erkenntnisziel, nämlich dem Wissen um die historische Entstehung einer Demokratie geleitet, die unverzichtbar für die Entwicklung unserer heutigen demokratischen Gesellschaftsform ist. Zum anderen begründet sich dieses Unterrichtsvorhaben durch das schulinterne Curriculum, das als obligatorischen Bestandteil des ersten Halbjahres „Die Entwicklung des Demokratieverständnisses am Beispiel der attischen Demokratie“ 4 vorsieht.
2 Vgl. Ministerium für die Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung des Landes NRW (Hrsg.):
Richtlinien und Lehrpläne Geschichte für die Sekundarstufe II - Gymnasium/Gesamtschule in NRW,
Frechen: Ritterbach Verlag, 1999, S. 26.
3 Vgl. ebd. S. 17.
4 Vgl. Schulinternes Curriculum Geschichte des Bertha-von-Suttner-Gymnasiums.
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Den Einstieg in die Stunde bildet das Verfassungsschema von Solon, das die SuS bereits
kennen und besprochen haben. Durch dieses Vorgehen werden auch leistungsschwächer SuS angesprochen. Die SuS sollen das Schema kommentieren, indem sie besonders die undemokratischen Aspekte von Solons Verfassung (z.B. Einteilung der Gesellschaft nach Steuerklassen und der Ausschluss von Sklaven/Metöken/Frauen aus der Volksversammlung) nennen. Dies dient der Wiederholung und der Aktivierung des Vorwissens der SuS. Im Anschluss daran werde ich den SuS kurz berichten, dass die Missstände in Athen sowohl durch Solon als auch durch Peisistratos und seine Söhne nicht aufgehoben werden konnte und dass ein Adeliger namens Kleisthenes nun ein neues Herrschaftsmodell für Athen entwarf. Daraus sollen die SuS die Fragestellung entwickeln: Was hat Kleisthenes nun verändert, um die politische Ordnung demokratischer zu gestalten? Die SuS stellen dazu Hypothesen auf, die an der Tafel festgehalten werden. Durch das gemeinsame Entwickeln der Fragestellung und dem Aufstellen von Hypothesen soll der historische Lernprozess der SuS angeregt und gesteuert werden. Sie vermuten, was zu dieser Zeit einen Fortschritt für die politische Ordnung Athens und die Menschen dargestellt hätte. Dabei zeigen sie ihr eigenes demokratisches Verständnis. Durch das Aufstellen von Hypothesen wird ebenfalls die Motivation der SuS geweckt, diese zu überprüfen. Eine Motivation durch eine Zeichnung oder ein Zitat wäre wünschenswert gewesen. Das Finden stellte sich leider als schwierig heraus. Angedacht waren Zitate von Historikern (z.B. Christian Meier: „Erstmals wurden im Politischen damit eine Ordnung geschaffen, die nicht mehr der gesellschaftlichen entsprach.“). Ich entschied mich aber dagegen, weil viele dieser Zitate zu viel von dem Stundenziel vorweg genommen hätten.
Die Erarbeitungsphase dient dazu, dass sich die SuS sowohl Merkmale der Kleisthenischen Reformen aneignen als auch Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu den Solonischen Reformen benennen können. Ich habe mich entschieden als Textgrundlage einen darstellenden Text aus einem Schulbuch und das Verfassungsschema der Kleisthenischen Reformen zu nehmen, weil der Text das Verfassungsschema erläutert und dies ohne Text nicht vollständig verstanden werden kann. Diesen Text aus dem Lehrbuch „Zeiten und Menschen 1“ für die gymnasiale Oberstufe habe ich allerdings auch an einigen Stellen gekürzt, da er wichtige Erkenntnisse, die die SuS selbst erarbeiten sollen, vorwegnimmt (z.B. „Die Reformen des Kleisthenes bedeuteten faktisch die Aufhebung der Timokratie.“). Sicherlich hätte auch die Möglichkeit bestanden, eine Primärquelle (z.B. Aristoteles über Kleisthenes) für die Erarbeitung zu wählen, jedoch wird hier nur die Kommunalreform im
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Arbeit zitieren:
Janine Diedrich, 2009, Unterrichtsstunde: Die Phylenreform des Kleisthenes – (k)ein Schritt zur Demokratie?!, München, GRIN Verlag GmbH
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