Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Gesellschaftsstruktur des FC St. Pauli zur NS-Zeit 5
3 Otto Wolff 6
3.1 Otto Wolffs führende Rolle in der Hamburger Kriegswirtschaft 7
3.2 Otto Wolff in der Nachkriegszeit 8
4 Wilhelm Koch 9
4.1 Gutachten über Wilhelm Kochs Nazi-Vergangenheit 10
4.1.1 Die Übernahme des Handelsunternehmens Aarensberg und Sekkel 10
4.1.2 Wilhelm Kochs Eintritt in die NSDAP 12
4.2 Wilhelm Koch in der Nachkriegszeit und Auswirkungen seiner NS-Vergangenheit
auf die Vereinspolitik in den 90er Jahren 14
5 Schlussbetrachtungen 17
Literaturverzeichnis 18
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1 Einleitung
Der FC St. Pauli fällt in der Geschichte des deutschen Fußballs weniger durch sportliche Erfolge auf denn durch mehrere finanzielle „Beinahe-Pleiten“ 1 , seine aktive, politische Fangemeinde und damit verbunden durch seine Sonderstellung auf der bundesweiten Fußballbühne.
So sind in der knapp 100 jährigen Vereinsgeschichte die größten sportlichen Erfolge in Kürze aufgezählt: „Vizemeister der Britischen Zone 1948, Halbfinalteilnahme an der Deutschen Meisterschaft 1948, Vizemeister der Oberliga Nord von 1947/48 bis 1950/51, Aufstieg in die 1. Bundesliga 1977, 1988, 1995 und 2001, Erreichen des DFB-Pokal-Halbfinales 2005/06“ 2 , Meister der Regionalliga Nord 2006/07 und der damit verbundene Aufstieg in die 2. Bundesliga.
Die Sonderstellung hingegen, die der Verein unter Fußballinteressierten genießt, lässt sich wohl am besten durch Zitate umschreiben: das englische Fußballmagazin „FourFourTwo“ titulierte den FC St. Pauli als „most Rock’n Roll club in the world“, die Berliner Zeitung nannte ihn den „populärsten erfolglosen Fußballverein im Land“ 3 und für Gerd Dembowski, ehemaliger Sprecher vom Bündnis aktiver Fußballfans, aktives Mitglied bei "football against racism“ sowie Ehrenamtlicher bei der AG “für Toleranz, gegen Diskriminierung” der DFB-Task-Force, war der FC St. Pauli „im Haifischbecken der Kommerzialisierung trotz aller Widersprüche immer noch ein Glücksfall.“ 4
Zu diesem Ruf tragen einerseits Selbstinszenierungen seitens des Vereins bei, wie die Stadionaufschrift „1966: Das Tor von Wembley. 2001: Der Aufstieg von St. Pauli!“ 5 oder der weltweite Aufruf, Retter-T-Shirts zu kaufen zur Verhinderung des Zwangsabstiegs, zeigen; den eigentlichen Mythos jedoch erschufen die Fans: 6 die Fanszene des FC St. Pauli gilt als feurig, untypisch, jung, heterogen und vor allem politisch. 7 So machten linksorientierte Fans des FC St. Pauli, die ab Mitte der 1980er Jahre die Fanszene des FC St. Pauli prägten, mit politischen Bekenntnissen auf den Verein aufmerksam und verhalfen ihm damit zu weltweiten Sympathien bei alternativ Denkenden und Linksorientierten.
1 Martens, René (2007). Wunder gibt e simmer wieder. Die Geschichte des FC St. Pauli. Göttingen, S. 293.
2 Ebd., S.10.
3 Ebd., S.11.
4 Dembowski, Gerd (2007). Fußball vs. Countrymusik. Essays, Satiren, Antifolk. Köln, S.46.
5 Martens (2007), S.23.
6 Ebd. S.11.
7 Mathar, Tom (2003)a. „Mythos »politischer Fan«“, in: Schmidt-Lauber, B. (Hrsg.): FC St. Pauli, Zur Ethnographie eines Vereins. Münster, S.52.
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Erste politische Aktionen von St. Pauli-Fans kamen aus der linken Szene und dem alternativen Umfeld der Hausbesetzer der Hafenstraße – Relikt dieser Zeit ist die Fahne mit einem Totenkopf, der mittlerweile „zweites offizielles Vereinslogo“ 8 ist, als Symbol für die Widerstandshaltung der Hausbesetzer. 9 Mit Gründung des bundesweit ersten Fanzines „Millerntor-Roar!“ im September 1989 organisierten und institutionalisierten sich politische FC St. Pauli-Fans; als Sprachrohr einer neuen Bewegung thematisierte die Redaktion neben Sportberichten vor allem auch Politik – fokussiert wurde dabei ein entschlossenes Auftreten gegen Fremdenfeindlichkeit. 10 In Chronologie dieser Entwicklung sind weitere politische Aktionen der Fans zu sehen, die bundesweit einzigartig waren: beispielsweise die Änderung der Stadionordnung, insbesondere „§ 6: Verboten ist den Besuchern: Parolen rufen, die nach Art oder Inhalt geeignet sind, Dritte aufgrund ihrer Hautfarbe, Religion oder sexuellen Orientierung zu diffamieren“ 11 oder politische Slogans und Fangesänge wie „Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus! Nie wieder dritte Liga!“ 12 . Das Selbstbild des Vereins als toleranter, antirassistischer und antisexistischer Fußballclub wurde jedoch 1997 erschüttert, als René Martens in seinem Buch „You’ll never walk alone“ darauf hinwies, dass Wilhelm Koch, Vereinspräsident in den Jahren 1933-1945 und 1947-1969 und seit 1970 Namensgeber für das Stadion am Millerntor, Mitglied der NSDAP war. Zudem verwies der Autor darauf, dass Wilhelm Kochs Firma „Koch & Scharff“, die er bis zu seinem Tod 1969 führte, bis 1933 im Besitz zweier jüdische Staatsbürger war. In Folge dessen gab der Verein auf Beschluss der Mitgliederversammlung beim renommierten Historiker Frank Bajohr ein Gutachten in Auftrag, um die Umstände seines NSDAP-Beitritts, die Geschäftsübernahme von den jüdischen Vorbesitzern und die geschäftliche Aktivität Kochs während der NS-Zeit zu untersuchen. 13
Die nun vorliegende Arbeit soll Aufschluss geben über den FC St. Pauli zur Zeit des Nationalsozialismus, besonderes Augenmerk richtet sich dabei auf die Person Wilhelm Koch, insbesondere seine Mitgliedschaft in der NSDAP und die Geschäftsübernahme der Firma Scharff & Koch. Des Weiteren steht eine Personalie des FC St. Pauli im Fokus, die während der Zeit des Nationalsozialismus durch
8 Ebd., S.55.
9 Martens, René (2008)a. Niemand siegt am Millerntor. Die Geschichte des legendären St.-Pauli-Stadions. Göttingen, S.64.
10 Vgl. Mathar (2003)a, S.55.
11 Ebd., S.56.
12 Ebd., S.56.
13 Vgl. Martens (2008)a, S.49.
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zahlreiche Schreibtischverbrechen besonders auffällt: Otto Wolff, Ligaspieler beim FC St. Pauli in den 20er und 30er Jahren auf der markanten Position des Rechtsaußen.
2 Gesellschaftsstruktur des FC St. Pauli zur NS-Zeit
Der FC St. Pauli war in seiner frühen Geschichte – im Gegensatz zum heutigen Selbstverständnis – „ein bürgerlicher und nationalistischer Verein“ 14 . Dass der FC kein linksorientierter Verein war, lässt sich auch daran erkennen, dass sportbegeisterte sozialdemokratische oder kommunistische Arbeiter aus St. Pauli vor 1933 die dem Arbeitersportbund angeschlossenen Vereine Fichte St. Pauli und Hansa 10 favorisierten 15 – die Anhänger des FC hingegen kamen vorrangig aus dem bürgerlichen und konservativen Norden des Viertels. 16 Eine Mitgliederliste aus dem Jahr 1948 – entsprechende Quellen aus der NS-Zeit sind nicht vorhanden – gibt genauer Aufschluss über das Umfeld des FC St. Pauli und bestätigt das eingangs beschriebene Bild des kleinbürgerlichen Vereins, bei dem die Mittelschicht das Gros der Mitglieder ausmacht. Zumal die Nationalsozialisten die Mehrheit ihrer Anhänger in genau solch kleinbürgerlich-mittelständischen Kreisen hatte, ist es sehr wahrscheinlich, dass NS-Anhänger zumindest nicht unterrepräsentiert waren. 17 Über die Vereinspolitik gibt auch die 1935 erschienene Festschrift zum 25-jährigen Jubiläum Aufschluss: Geleitworte von Hitler und Reichssportführer von Tschammer und Osten stellen den Sport als wehrertüchtigende Verteidigungswaffe dar und überhöhen angeblich deutsche Charakterkraft, die sich in Leibesübungen ausdrücke. Auch im redaktionellen Teil werden die Verdienste der Nazis für den Sport hervorgehoben. 18
Doch auch schon 1930, drei Jahre vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten, ist im Leitartikel der Festschrift zum 20-jährigen Jubiläum national-ideologisches Gedankengut veröffentlicht, man kann also von einer ideologischen Kontinuität sprechen, die nicht erst 1933 einsetzte.
Jedoch kann man nicht von einer einheitlichen politischen Linie des Vereins sprechen –an unterschiedlichen Beispielen zeigt sich, dass es nicht nur NSDAP- 14 Martens(2007), S.13.
15 Vgl. Ebd., S.13.
16 Mathar, Tom (2003)b. „Zur »Heimat« des FC St. Pauli: Die Geschichte des Stadtteils“, in: Schmidt-Lauber, B. (Hrsg.): FC St. Pauli, Zur Ethnographie eines Vereins. Münster, S.124.
17 Martens, René (2008)b. „FC St. Pauli: Der Schreibtischtäter auf Rechtsaußen“, in: Peiffer, L./Schulze-Marmeling, D. (Hrsg.): Hakenkreuz und rundes Leder, Fußball im Nationalsozialismus. Göttingen, S.360.
18 Vgl. Martens (2007), S.40.
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Arbeit zitieren:
Daniel Bohé, 2009, FC St. Pauli zur Zeit der NS-Diktatur, München, GRIN Verlag GmbH
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