Erziehung Heute Dozentin: Frau Heusinger Referentin: Susanne Altmann
um andere zu besiegen. Durch die Struktur der Spiele sind sie frei das Spielerlebnis zu genießen, d.h. kein Spieler braucht sich mehr auf der Ersatzbank wiederzufinden, vergeblich bemüht sein angeknackstes Selbstwertgefühl wiederzufinden. Da diese Spiele so konzipiert sind, dass die Spieler zusammenwirken müssen, um das Spielziel zu erreichen, arbeiten die Teilnehmer gemeinschaftlich statt gegeneinander, da das Ziel das selbe ist. Sie lernen so auf vergnügliche Art, rücksichtsvoller zueinander zu werden, bewußter wahrzunehmen, wie andere empfinden, und sie werden so bereitwilliger, sich im gegenseitigen Interesse zu verhalten.
Menschen jeder Größe und Gestalt können sich an diesen Spielen erfreuen und sie überall fast ohne Gerät spielen. Bei der richtigen Wahl der Spiele (für das Alter geeignet usw.) bewirken sie fast immer totales Engagement, Gefühl der Anerkennung, kooperative Beiträge von allen Spielern und viele frohe Gesichter. Es ist dabei aber notwendig, Spiele an die spezifischen Bedürfnisse und Fähigkeiten von Kindern anzupassen, um sie mit ihnen Spielen zu können.
Was wir bei den Kindern unter anderem fördern wollen, ist ihre Bereitschaft zum Teilen sowohl menschlicher als auch materieller Werte.
Kooperatives Spiel kann auch die Fähigkeit eines Kindes fördern etwas hervorzubringen oder sich auszuzeichnen, indem man ihm in einem weniger bedrohlichem Rahmen die Chance dazu gibt, außerdem kommt es dem Bedürfnis entgegen, sich um des reinen Vergnügens willen an unterhaltsamen Freizeitaktivitäten zu beteiligen, deren Tempo jeder selbst bestimmt. Viele Menschen haben bei kooperativen Spielen das Gefühl dazuzugehören.
Der ”Reiz” des kooperativen Spiels liegt in den verschiedenen Freiräumen, die Gemeinschaftlichkeit, gute Gefühle und gegenseitige Unterstützung fördern.
Kooperative Spiele sind zum ersten Frei von Konkurrenz. Wenn man Leute in Konkurrenzsituationen bringt und ihnen das Gefühl gibt, dass ihre persönliche Beliebtheit oder ihr Selbstwert davon abhängen, oben zu sein, provoziert man Probleme. Diese äußern sich in extremen Formen von emotionalem Streß, Resignation, Aggression und Depression. Wenn der Sieg als entscheiden dargestellt wird, werden die Teilnehmer betrügen, mogeln, einander verletzen oder sogar töten, um nach oben zu gelangen. Die Regeln, die sie als Kind lernen werden sie ihr ganzes Leben lang beeinflussen. Wenn ihnen das Ziel wichtig genug ist, dann sind diese Menschen bereit einander zu vernichten und sogar sich selbst und ihre Familie zu zerstören. Zum zweiten ist man bei kooperativen Spielen frei etwas zu schaffen. Kinder sind vor allem deshalb kreativ, weil sie noch nicht wissen, dass ihre Welt in enger oder vorgegebener Weise gesehen werden muß. Ihre erfrischende Sichtweise entwickelt sich weiter. Sie müssen nur den Freiraum haben, etwas zu schaffen und zu verändern. Kinder müssen bei kreativen Unternehmen ermutigt werden, damit sie ihre Kreativität frei entfalten können und so durch das Lösen von Problemen Erfahrungen machen. Wenn die Neugierde der Kinder, ihre Kreativität und ihr originelles Denken zerstört wird, kann das die Zukunft der Menschheit zerstören. Durch kreative Ideen vieler Menschen entstanden die kooperativen Spiele. Sie sollen niemals so statisch werden, daß sie unempfänglich für kreative und sensitive Beiträge der Teilnehmer sind. Keine Regel sollte als unumstößlich angesehen werden, so dass die Kinder Freiräume zum Gestalten in einer wirklich kooperativen Atmosphäre geschaffen werden. Drittens sind kooperative Spiele frei von Ausgeschlossenwerden.
Spiele, bei denen Teilnehmer ausgeschlossen oder ausgewechselt werden, sind besonders brutal, weil sie diejenigen bestrafen, die weniger erfahren oder weniger geschickt sind, und weil sie das Gefühl der
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Ablehnung und Inkompetenz fördern. Das Ausgeschlossenwerden raubt den Kindern die Chance, zusätzliche Erfahrungen zu sammeln und ihre Fertigkeiten zu verbessern. Die meisten Kinder und Erwachsenen bevorzugen selbständiges Tun, bei dem sie keine Angst vor Mißerfolg, Kritik oder Ablehnung haben müssen. Sie möchten mit Freunden zusammen sein, sich persönlichen Herausforderungen stellen und vor allem Spaß haben.
Bei kooperative Spiele ist man viertens frei zu wählen. Wenn man Kindern die Wahl läßt, und sei es nur eine kleine, erweist man ihnen Respekt und zeigt ihnen, dass man sie für fähig hält, für sich selbst verantwortlich zu sein. Wenn man sie wie verantwortungsbewußte Menschen behandelt, dann werden sie anfangen verantwortungsbewußt zu handeln. Läßt man ihnen die Freiheit, Vorschläge zu machen, Entscheidungen zu treffen und selbst zu wählen, wird ihre Motivation erheblich gesteigert. Es gibt ihnen das Gefühl der Wichtigkeit und der persönlichen Kontrolle, löst viele Probleme und lehrt sie, selbst Beschlüsse zu fassen. Wenn Kinder mit vielfältigen Aktivitäten und verschiedenartigen Möglichkeiten des konstruktiven Zusammenspiels vertraut sind, können sie besser unter kooperativen, konkurrierenden und individuellen Angeboten auswählen. Frühere Erfahrung mit Kooperation, Kreativität und Wahl werden mehr Menschen befähigen, durch Kooperation glücklicher zu werden, und sich im Wettbewerb gesünder zu verhalten. Fünftens sind kooperative Spiele frei von Mißhandlungen. Haben sie Kinder schon mal bei Spielen erlebt, bei denen geschlagen wird und sich die Mitspieler manchmal gegenseitig mit ihren Körpern, Fäusten, Oberarmen, Helmen usw. malträtieren? Diesen Kindern wird beigebracht, dass Stoßen, Schlagen, Schubsen und vielleicht anderen Verletzungen beizufügen okay ist, und dass die Gefühle der anderen nicht zählen. Schlagende ”Sportarten”, Kriegsspiele, Kriegsspielzeuge und andere Arten von roher und ritualisierender Gewalt lehren dasselbe. Durch Förderung physischer Aggression oder deren Erfordernis durch die Spielregeln bringt man Kindern bei, daß es völlig in Ordnung ist zu schlagen, zu schubsen und Menschen auf andere Arten zu mißhandeln. Es gibt nicht die geringsten Beweise dafür, dass aggressive Tendenzen in ”harmloser” Weise abgebaut werden, in dem man physische Aggressionen gegen andere auslebt. Durch körperliche Aktivitäten setzen Kinder Energie frei und werden möglicherweise müde. Falls jedoch dabei physische Aggression gefördert wird, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind später an destruktivem oder entmenschlichem Verhalten beteiligt wird. In friedlicher Gesellschaft werden Kinder nicht mit aggressiven und destruktiven Spielen aufgezogen.
Es soll nicht bedeuten, daß man total gegen Konkurrenz sein sollte. Es soll kein Kreuzzug gegen Konkurrenz überhaupt sein. Es soll helfen die Wege bei der Zusammenarbeit beim Spielen, Lernen, Arbeiten und beim täglichen Leben zu entwickeln. Gegen Konkurrenz zu sein bedeutet eine Negativhaltung, wenn man für eine Partnerschaft ist, hat das Leben einen positiven Inhalt. Es ist möglich, daß auch in der Konkurrenz ein gewisser Sinn liegt, es begünstigte die Entwicklung der Völker. Solange man in Stämmen, Kleinstaaten, relativ abgeschlossenen Nationen lebte, mußte man kämpfen, um in Sicherheit zu sein und zu überleben, aber in der modernen Welt schafft das Konkurrenzdenken nur künstliche Fronten, die gefährlich sind, weil sie letztendlich zerstörerisch wirken. Alternativen:
Es können kooperative Spiele und Aktivitäten im Freien durchgeführt werden. Konkurrenzstrukturen können in weniger belastender Weise gespielt werden. Es kann an selbstbestimmten Aktivitäten teilgenommen
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Arbeit zitieren:
Susanne Altmann, 1999, Kooperative Spiele, München, GRIN Verlag GmbH
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