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Bourdieu und das Kapital der Zukunft

Seminararbeit, 2001, 22 Seiten
Autor: Michael Seemann
Fach: Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts / Gegenwart

Details

Veranstaltung: Einführung in die Kulturphilophie
Institution/Hochschule: Universität Lüneburg (Sprache und Kommunikation)
Tags: Bourdieu, Kapital, Zukunft, Einführung, Kulturphilophie
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2001
Seiten: 22
Note: 2,0
Sprache: Deutsch

Archivnummer: V13451
ISBN (E-Book): 978-3-638-19114-2

Dateigröße: 204 KB
Anmerkungen :
Eine gute Arbeit zur Einführung in Bourdieus Kulturphilosophie + optimistischer Essay zum Klassenkampf der Kapitalarten.



Textauszug (computergeneriert)


Bourdieu und das Kapital der Zukunft

 

 



von Michael Seemann


Teil I Bourdieu’s Kapital

1.1 Einleitung S.1-2
1.2 Der Kapitalbegriff S.2-3
1.3 Das Kulturelle Kapital S.3-4

1.3.1: Inkorporiertes Kulturkapital S.4
1.3.2: Objektiviertes Kulturkapital S.5
1.3.3: Institutionalisiertes Kulturkapital S.6

1.4 Das Soziale Kapital S.6-8
1.5 Der Kapitaltransfer S.8-9

Teil II Die Hierarchien

2.1 Die dominante Kapitalform S.9-10
2.2 Die Kapitalarten in der Vorindustriellen Zeit S.10-12
2.3 Die Umkehrung durch die Industrielle Revolution S.12-14
2.4 Die Kaderkräfte S.14-15
2.5 Die IT Branche als Markt für inkorporiertes Kulturkapital S.15-16
2.6 Die Wissens- und Informationsgesellschaft S.16-17
2.7 Die Entmachtung des ökonomischen Kapitals durch die Digitalisierung S.17-18
2.8 Die Informationsgesellschaft als Wiederkehr der Moderne? S.18-19


 

 

 

Teil I Bourdieu’s Kapital

1.1 Einleitung

Als ich mich für den Text „Ökonomisches Kapital – Kulturelles Kapital – Soziales Kapital“ als Grundlage meiner Hausarbeit entschied, war der Grund meiner Entscheidung vor allem das Interesse an neuen Blickwinkeln für die Intentionen hinter den menschlichen Handlungen. Schließlich sind es das alltägliche Leben und die alltäglichen Erfahrungen, die unser Weltbild nachhaltig beeinflussen. Zum anderen begeisterte mich der metaphysische Aspekt des Modells. Manche Theorien und Modelle aus Physik, Chemie oder gar der Wirtschaftswissenschaften finden unverhofft auch bei fachfremden Phänomenen eine sinnvolle Anwendung. Es sind immer die allgegenwärtigen, universal einsetzbaren Erkenntnisse, welche die abstrakte und teilweise bizarre Welt der Wissenschaft auf ein übersichtliches Maß an systematischen Zusammenhängen strukturieren.

So auch die Theorie der drei Kapitalarten von Bourdieu. Sie scheint die sozialen Machtstrukturen in der Gesellschaft zu entlarven. Die Grundlage meiner Hausarbeit soll deshalb der Aufsatz:

„Ökonomisches Kapital – Kulturelles Kapital – Soziales Kapital“ sein. Ich werde zunächst die Aussage der Theorie zusammengefasst wiedergeben. Darüber hinaus werde ich Bourdieu’s weitergehende Überlegung aufnehmen, die Machtverhältnisse der Kapitalarten in unserer Zeit zu analysieren. Aufgrund dessen werde ich dann dazu übergehen die Frage nach einer gesellschaftlichen Entwicklung bezüglich der Kapitalarten aufzuwerfen. Dieses soll im besonderen auf unsere heutige Zeit, die charakterisiert werden kann, als den Umbruch zur Informationsgesellschaft, bezogen werden. Hier werde ich ausschließlich meine eigenen Gedanken ausführen. Zuletzt gehe ich auch noch in Bezug auf meine Überlegungen auf den Wiederstreit Modern - Postmodern ein und werde die Schwierigkeiten erörtern, diese Begriffe auf unsere heutige Zeit anzuwenden.

1.2.1 Der Kapitalbegriff

Zunächst stellt Bourdieu fest, dass die gesellschaftliche Welt akkumulierte Geschichte ist.1 Alle Handlungen des Menschen haben also Konsequenzen nach sich gezogen, die unwiderrufbar dessen weitere Handlungen von vornherein determinieren. Das entzaubert die Welt von der „Welt der unbegrenzten Möglichkeiten „ in die „Welt der eng begrenzten Möglichkeiten“, denn nichts entsteht einfach aus dem Nichts, alles braucht seine Vorarbeit. Diese Vorarbeit ist als wertmäßiger Bestand vorauszusetzen. Bourdieu hält es deshalb für unbedingt notwendig den Kapitalbegriff in die Sozialwissenschaft einzuführen.2 Gäbe es das Kapital nicht, so würde das Leben sich dem Roulett gleich verhalten und alles wäre zu jederzeit möglich. In der Ökonomie scheinen wir dieses Naturgesetz bereits verinnerlicht zu haben. Dort arbeitet man seit jeher mit diesem Begriff. Bourdieu erkennt als Soziologe somit die Eigennützigkeit des handelnden Homoökonomikus an, der aus reiner Profitmaximierung geleitet mit dem akkumulierten Kapital weitere Profite erwirtschaften will. Doch Bourdieu verändert nicht nur die Soziologie in dem er den Kapitalbegriff in ihr einführt, er verändert auch die bisher eingeschränkte Definition von Kapital. Er führt sie zurück in ihren Ursprung als Akkumulierte Arbeit und verweist darauf, das auch in nicht wirtschaftliche, also nicht eindeutig wertmäßig erfassbare Lebensbereiche, der Begriff des Kapitals sinnvoll ist. Denn die alleinige Nutzung des Kapitalbegriffs in der Wirtschaftstheorie würde bedeuten, dass sie die einzige Eigennützigkeit verkörpere und die restlichen sozialen Austauschverhältnisse in der Gesellschaft auf reine Uneigennützigkeit basieren.3 Aus diesem Grund wirft er der Wirtschaftswissenschaft vor, ihren Rahmen zu eng gesteckt zu haben und somit das Entstehen einer allgemeinen Praxis der Ökonomie verhindert zu haben.4

Alles hat also seinen Preis. Und alles hat seinen Profit. Auch wenn diese sich nicht immer in Geldbeträgen eindeutig aufschlüsseln lassen. Neben dem bisher bekannten ökonomischen Kapital gibt es nach Bourdieu noch das kulturelle- und das soziale Kapital.5

Sie scheinen den ähnlichen Gesetzten zu gehorchen wie die Ökonomen es für den wirtschaftlichen Warenaustausch und dem ökonomischen Kapital schon festgelegt haben. Sie sind Akkumulationen von Arbeit und erwirtschaften so Profite in verschiedenster Ausprägung. Diese Profite sind dann je nach Gegebenheit sozialer, kultureller oder auch ökonomischer Art.

Wichtig ist, daß die verschiedenen Kapitalarten sich untereinander transferieren und ineinander umwandeln lassen. In Analogie zum physikalischen Energieerhaltungssatzes kann man durchaus von einem Kapitalerhaltungssatz sprechen.

1.2.2 Das Kulturelle Kapital

[...]


1 Vgl.: Die verborgenen Mechanismen der Macht; S. 49
2 ebd.
3 Vgl.: Die verborgenen Mechanismen der Macht; S. 50 f
4 Vgl.: Die verborgenen Mechanismen der Macht; S. 51
5 Vgl.: Die verborgenen Mechanismen der Macht; S. 52


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