Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort 3
2. Einleitung 4
2.1 Einführung in die Suizidologie 4
2.1.1 Definitionen 4
2.1.2 Suizid und Suizidversuch 4
2.1.3 Kurzer Einblick in die Suizidologie 5
3. Die Betroffenen 6
3.1 Wer ist betroffen 6
3.1.1 Risikogruppen 8
3.2 Motive und Ursachen einer Selbstmordhandlung 10
3.2.1 Das präsuizidale Syndrom 13
3.3 Methoden des Selbstmords 13
4. Die Umgebung 14
4.1 Soziologische Untersuchungen 14
4.2 Gesellschaftliche Einstellung zum suizidalen Verhalten 14
5. Die Helfer 16
5.1 Wer kann Selbstmordhandlungen verhindern 16
5.2 Die medizinische Klinik 16
6. Grundlagen der Selbstmordverhütung 17
6.1 Rechtfertigung von Selbstmordverhütung 18
6.1.1 Moralische Bewertung 18
6.1.2 Rechtliche Bewertung 19
6.2 Suizidprävention 20
6.2.1 Möglichkeiten der Suizidprävention 21
6.2.1.1 Institutionelle Suizidprävention 21
6.2.1.1 Krisenintervention 22
7. Zusammenfassung 24
8. Anmerkung 26
8.1 Literaturverzeichnis
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1. Vorwort
Auf die Frage, warum ich ausgerechnet über das Thema Suizidologie eine Arbeit schreibe, gibt es folgende Erklärung. Zunächst fühlte ich mich als Student des Studiengangs Sozialarbeit herausgefordert mich mit dem Thema Suizidalität auseinanderzusetzen, weil ich durch meine langjährige Arbeit im Altenpflegebereich häufig mit dem Thema Alterssuizidalität konfrontiert wurde.
Da ich in meiner Arbeit nicht nur ein Teilaspekt der Suizidologie bearbeitet habe, wie z.B Suizidaität bei Frauen oder Suizidalität im Alter, sondern versucht habe den ganzen Bereich der Suizidologie einzugrenzen könnte es sein, daß meine Arbeit etwas zu oberflächlich wirkt. Mir ging es in meiner Arbeit, um eine abgerundete Darstellung der Suizidologie.
Wärend meines Literaturstudiums stellte ich fest, wenn man sich mit dem Problem der Selbsttötung befaßt, wird man mit nahezu allen gesellschaftspolitischen Fragen konfrontiert, wie mit der Situation der Frau ebenso wie mit der Lebenslage von alten und sozial schwachen Menschen.
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2. Einleitung
2.1 Einführung in die Suizidologie
2.1.1 Definitionen
Da es bei der Definition von Suizidalität keine evidente Begriffsfestlegung gibt, versuche ich mit der Darstellung verschiedener Erklärungen eine annähernde plausible Definition geben zu können.
Suizidalität:
Unter Suizidalität verstehen wir das Potential aller seelischen Kräfte und Funktionen, das auf Selbstvernichtung tendiert. Dazu gehören alle Arten von Selbstzerstörung und auch viele Arten der Selbstbeschädigung. (Haenel/Pöldinger, 1986, S. 107)
Suizid: (Selbstmord, Freitod, Selbsttötung)
meint den durch gewollte und gezielte Handlung herbeigeführten eigenen Tod. Der Begriff wird heute vorgezogen, weil „Selbstmord“ und Freitod als Begriffe Wertungen beinhalten und „Selbsttötung“ zu ungenau ist. (Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge, 1993, S. 941)
Selbstmord: gewaltsame und überlegte Vernichtung des eigenen Lebens, oft aufgrund von Normen- oder Orientierungskonflikten des Individuums. (Meyers-Großes-Hand-Lexikon, 1997, S. 802)
Im nächsten Punkt wird die Definition, gleich unter der Berücksichtigung der Unterscheidung von Suizid und Suizidversuch, fortgesetzt.
2.1.2 Suizid und Suizidversuch
Es ist eine große Frage, die weltweit diskutiert wird, ob Selbstmorde und Selbstmordversuche die gleiche Wurzel und die gleiche Entwicklung haben oder ob es unterschiedliche Entwicklungen hinsichtlich Selbstmordversuch und Selbstmord gibt.
Suizidhandlung wird als Oberbegriff verstanden und meint jede gegen das eigene Leben gerichtete Handlung, unabhängig davon, ob der Tod intendiert wird oder nicht und unabhängig davon, ob sie zum Tod führt oder nicht. (Reiner, 1974, S. 17)
In dieser Definition sind jedoch alle Arten selbstschädigender Verhaltensweisen enthalten, die auch als Selbstmord auf Zeit bezeichnet werden - wie z.B. exzessiver Alkohol- oder Nikotingenuß -, die aber auch extremes Risikoverhalten, wie z.B. Stierkampf, extremes Bergsteigen, beinhalten. (Lindner-Braun, 1990, S. 29)
Suizid ist eine gegen das eigene Leben gerichtete Handlung mit tödlichem Ausgang, unabhängig davon, ob der Tod intendiert wurde oder nicht. Suizidversuch ist eine gegen das eigene Leben gerichtete Handlung, die nicht zum Tode geführt hat, unabhängig davon, ob der Tod intendiert wurde oder nicht. (Reiner, 1974, S. 17)
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Wenn von Selbstmordhandlungen gesprochen wird, wird sowohl der vollendete Suizid wie auch der Suizidversuch verstanden. Gegen diese Gleichsetzung spricht zunächst, dass Suizid und Suizidversuch sich hinsichtlich der Folgen der Handlung eindeutig unterscheide. (Stengel 1969).
In der Literatur wird diese Unterscheidung zusätzlich noch durch das Argument verstärkt, dass zwischen beiden Gruppen ein struktureller Unterschied feststellbar ist. Selbstmorde finden sich häufiger bei Männern und bei älteren Menschen; Selbstmordversuche hingegen sind häufig bei Frauen, bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. (Welz, 1983, S. 10)
Suizidversuche wurden lange Zeit einfach nur als missglückte bzw. überlebte Suizide betrachtet. Stillschweigend wurde angenommen, dass für beide dieselben Charakteristika zuträfen. Im Laufe der Zeit hat sich in der Suizidforschung weitgehend die Ansicht durchgesetzt, dass der Suizidversuch als eigenständige Verhaltensweise neben dem Suizid steht. (Wolter, 1983, S. 21-22)
2.1.3 Kurzer Einblick in die Suizidologie
Noch bis in die zweite Hälfte des 20. Jh. unterlag der Suizid als „Selbstmord“ im christlich geprägten „Abendland“ erheblichen Sanktionen (Verweigerung von kirchlichen Begräbnissen, Bestrafung nach Suizidversuchen), erst dann setzte sich die Erkenntnis durch, dass der größte Teil aller Suizidhandlungen auf psychische Störungen zurückgeht. Allerdings wird diese Sicht von solchen Autoren kritisiert, die den Suizid als einen vernünftigen Abschluss eines nicht mehr sinnerfüllten Lebens und damit als „Freitod“ bewerten.
Suizid ist immer die Folge von individuellen Handlungen in je eigenen individuellen Situationen. Dennoch unterliegt die Zahl von Suizid in einer Gesellschaft einer Fülle von soziologischen Faktoren, z.B. dem Grad der Industrialisierung, der Bevölkerungsgruppen stärker suizidgefährdet als andere, z.B. alte Menschen, Geschiedene, Verwitwete, Arbeitslose, Behinderte, psychisch Kranke. In der Bundesrepublik steigt die Zahl der Suizide seit den 50er Jahren an (derzeit ca. 14 000 pro Jahr bzw. ca. 22 pro 100 000). Die Zahl überlebter Suizidversuche wird auf das 8-10fache geschätzt (mindestens 100 000 pro Jahr).
Suizid und Suizidversuche sind nicht in allen Einzelheiten vergleichbar. Der Ausgang einer Suizidhandlung hängt ab von der gewählten Suizidmethode (gefährlich sind Strangulationen, Anwendungen von Schusswaffen, Springen aus großer Höhe, Ertränken; mehrheitlich überlebt werden Vergiftungen und Schnittverletzungen), dem Arrangement, der Art und Ausprägung der zugrunde liegenden psychischen Störungen und dem Wollen des einzelnen. Die meisten Suizidhandlungen sind gemeint als Appell, als Hinweis auf eine ausweglos erscheinende Situation und damit als verzweifelter Ruf um Hilfe, der auch dann nicht überhört werden darf, wenn die Suizidhandlung unernst und ausgesprochen demonstrativ wirkte. Besonders suizidgefährdet sind Patienten, die an psychischen Erkrankungen leiden, Suchtkranke und Menschen, deren Selbstwerterleben nur gering entwickelt ist und die damit für „narzisstische Krisen“ besonders anfällig sind. Vielfach kündigen sich Siuzidtendenzen durch ein präsuizidales Syndrom an, gekennzeichnet durch Einengung, gehemmte und auf die eigene Person gerichtete Aggressionen und durch Suizidphantasien. Die meisten Suizidgefährdeten kündigen die Suizidhandlung direkt oder indirekt an. Wird das Signal nicht verstanden oder wird daraufhin nicht reagiert, folgt später ein Suizidversuch. Da Menschen, die Suizidversuche überlebt
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haben, zu etwa 25 % später Suizidhandlungen wiederholen und da die Menschen, die durch Suizid gestorben sind, zu 50 % zuvor Suizidversuche überlebten, ist die Betreuung nach Suizidversuchen von eminenter Bedeutung. Die alleinige körperliche Behandlung der Vergiftungsfolgen oder einer Verzweiflung zugrunde liegende Störung und die beteiligten Konflikte nicht beseitigen. Vielmehr muss eine ausreichende Behandlung aufbauen auf einer klaren diagnostischen Zuordnung der ursächlichen psychischen Krankheit oder Störung und auf einer genauen Aufklärung über die Konflikte (meist zwischenmenschliche), die zum Suizidversuch Anlass geben. Die Behandlung muss unverzüglich folgen, da Patienten und Angehörige unmittelbar unter dem Eindruck der Suizidhandlung für eine Therapie zugänglich sind, wenige Tage später aber nicht mehr. Da bei Suizidhandlungen im allgemeinen psychiatrische, psychologische, soziale und weltanschauliche Faktoren miteinander verknüpft sind, müssen in der Behandlung alle Beteiligten Berufsgruppen eng zusammenarbeiten. Diese Notwendigkeit hat in zahlreichen Zentren zur Bildung von fachübergreifenden Diensten geführt. Suizidpräventionszentren und Kriseninterventionszentren bemühen sich um Suizidprophylaxe. (Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge, 1993, S. 941-942)
3. Die Betroffenen
3.1 Wer ist betroffen?
„Wer ist vom Selbstmord betroffen oder wer ist Selbstmord gefährdet“ ? Pohlmeier fragt nicht direkt „Wer macht Selbstmord, sondern betrachtet das Vorfeld und fragt, bei wem entstehen Selbstmordgedanken. Er stellt die Behauptung auf, dass diejenigen, die an Selbstmord denken und davon sprechen selbstmordgefährdet sind.
„Die häufig geäußerte Ansicht, wer an Selbstmord denke und von Selbstmord spreche, sei nicht gefährdet, kann nicht oft genug als falsch zurückgewiesen werden“.
Immer wieder beweisen Untersuchungen, dass der Selbstmord sich durch Gedanken und Worte ankündigt. Etwa 80 % aller Selbstmordhandlungen werden vorher in irgendwelcher Weise bekannt gemacht. Selbstmordgedanken sind ebenso gefährlich und müssen genauso ernst genommen werden wie direkte Ankündigungen.
Selbstmordgedanken gelten als Syndrom der Depression. Es ist vernünftig, von einem Symptom der Depression zu sprechen oder allgemeiner von einem Ausdruck der Depression.
Die medizinisch orientierte Psychologie hat schon früh darüber diskutiert, dass Depression ein Affektzustand ist, der nicht ohne weiteres mit bestimmten Krankheitsbildern gleichzusetzen sei. Diesen Gesichtspunkt greift heute die experimentell und lerntheoretisch orientierte klinische Psychologie entschieden wieder auf, indem sie „depressives Verhalten“ untersucht und nicht über eine dahinter liegende, unsichtbare Krankheit spekuliert. (Pohlmeier, 1978, S. 51-52)
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Exkurs: Definition von Depression:
Depression ist die Bezeichnung für eine jedem Menschen vertraute Stimmungslage: traurig, niedergedrückt, pessimistisch, verzagt, hoffnungslos, antriebsgemindert. Dazu Rückgang des Interesses für die Außenwelt, Einschränkung der Liebesfähigkeit und Minderung des Selbstwertgefühles; Begleiterscheinungen häufig vegetative Beschwerden wie Schlafstörungen, Schwindel oder ähnliches; Zuspitzung mit Suizidgefährdung.
In der Psychiatrie werden nach Verlauf und Ursache verschiedene Depressionsformen unterschieden:
a) Reaktive Depression: eine (für einen Beobachter) in Zusammenhang mit einem adäquaten Erlebnis auftretende und dadurch begründbare traurige Verstimmung, die nach Fortfall der Ursache wieder abklingt. (z.B. Enttäuschung einer Liebesbeziehung).
b) Neurotische Depression: nach psychoanalytischer Auffassung durch die Aktualisierung einer biographischen frühen Störung - Mangel an liebevoller Zuwendung, Pflege und Versorgung während des 1. Lebensjahres - hervorgerufen. Meist typische Persönlichkeitsstruktur mit „oraler“ Gehemmtheit im Nehmen, Zupacken und Durchsetzen sowie Ängsten vor Alleinsein, Trennung oder Verlust.
c) Endogene Depression: unspezifische, jedoch typische zusätzliche Symptome: Tagesschwankungen (morgendliches Tief mit abendlicher Besserung), Gefühl der Gefühllosigkeit, Vitale Traurigkeit, gekennzeichnet durch besondere Leibempfindungen sowie wahnhafte Zuspitzung menschlicher Urängste, Schuld, Armut, Krankheit und Versagen. Verlauf in Phasen mit unterschiedlicher Dauer und Häufigkeit mit völliger Wiederherstellung der ursprünglichen Persönlichkeit.
d) Exogene Depression: als Folge einer Körperkrankheit auftretend, mit rascher psychischer und physischer Erschöpfbarkeit z.B. bei Hirntumoren, Schilddrüsenunterfunktion, nach Operationen oder Infektionskrankheiten. (Verein für öffentliche und private Fürsorge, 1993, S. 216) Wir bringen also vernünftigerweise den Selbstmordgedanken mit „Depression“ in Zusammenhang.
Beck und Lester untersuchten 254 Suizidale. Aus den gesammelten Daten ergab sich, dass den Faktoren Pessimismus, Verlustgefühl und Hoffnungslosigkeit eine kennzeichnende Bedeutung zukam. Eine andere Untersuchung von Beck, der seit 15 Jahren intensive Depressionsforschung betreibt und unter anderem die Entwicklung eines Fragebogens zur Messung von Depression hervorgetreten ist, ergab einen engen Zusammenhang zwischen Depression und Selbstmordabsicht. Mit derart nachgewiesenen Zusammenhängen ist keine Aussage darüber möglich, dass „Depression“ etwas Krankhaftes sei, und schon gar nicht darüber, wie es mit den Ursachen dazu steht. Sobald wir fragen, bei wem Selbstmordgedanken auftreten, ist es am vernünftigsten, ebenso einfach zu fragen, wer ist depressiv, und festzustellen, dass Selbstmordgedanken damit verbunden sind. (Pohlmeier, 1978, S. 52)
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Dipl. Sozialarbeiter Michael Rapp, 2000, Suizidologie im Überblick, München, GRIN Verlag GmbH
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