Inhaltverzeichnis
1 Einleitung 2
2 Grundlagen der Bindungstheorie 3
2.1 Die Wurzeln der Bindungstheorie. 3
2.2 Grundannahmen der Bindungstheorie. 3
2.2.1 Bindung und Bindungsverhalten. 3
2.2.2 Merkmale von Bindungsverhalten 5
2.2.3 Innere Arbeitsmodelle 5
2.2.4 Das Konzept der Sicheren Basis 6
3 Kategorien von Bindungsmustern 7
3.1 Entdeckung der Bindungskategorien in der Fremden Situation. 7
3.1.1 Vorüberlegungen. 7
3.1.2 Die fremde Situation 7
3.1.3 Die 3 Hauptbindungskategorien. 8
3.1.4 Ursachen und Folgen der Bindungskategorien 10
3.2 Desorganisation im Bindungsverhalten 11
3.3 Folgen von Desorganisation. 13
4 Bindungsstörungen. 13
4.1 Theorie der Bindungsstörung 13
4.2 Diagnostik und Typologie von Bindungsstörungen im ICD-10 14
4.3 Diagnostik und Typologie von Bindungsstörungen nach Brisch. 15
4.4 Anwendungsgebiete in der Pädagogik 18
5 Schlussbemerkungen. 20
6 Literaturverzeichnis. 21
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1 Einleitung
„Bindung kann definiert werden als das gefühlsmäßige Band, welches eine Person oder ein Tier zwischen sich selbst und einem bestimmten anderen knüpft - ein Band, das sie räumlich verbindet und das zeitlich andauert.“
(Ainsworth u.a. 1974, zit. n. Grossmann/Grossmann 2003, S. 243)
Die Bindungstheorie ist ein ebenso faszinierendes wie weit reichendes Thema. Sie findet Beachtung und Anwendung in diversen Gebieten der Pädagogik, wie zum Beispiel in der Kleinkindforschung, in der Entwicklungspsychologie, aber auch in dem Bemühen, die Ursachen und Gründe von Störungen im Sozialverhalten von Kindern und Jungendlichen zu erkennen und zu verstehen und auch diesen entgegenzuwirken. In dieser Hausarbeit werde ich zunächst die Bindungstheorie in ihren Grundlagen beschreiben. Dabei werde ich mich vorrangig auf die Beiträge von John Bowlby und Mary Ainsworth als Begründer der Bindungstheorie und der Bindungsforschung beziehen. Weiterhin werde ich besonders auf die von Mary Ainsworth entdeckten und von Mary Main erweiterten verschiedenen Bindungsmuster und deren Folgen für die Entwicklung eingehen, sowie auf die Einflussfaktoren für die Ausbildung bestimmter Bindungsmuster. Danach werde ich mich mit Bindungsstörungen befassen, diese von den unsicheren Bindungsmustern abgrenzen, die verschiedenen Arten von Bindungsstörungen beschreiben und mich anschließend zu den Möglichkeiten äußern, welche die Kenntnis über Bindungsstörungen für die Pädagogik und verwandte Gebiete eröffnet. Hierbei beziehe ich mich auf Karl Heinz Brisch, der in seinem Buch „Bindungsstörungen“ sehr ausführlich und anschaulich über Bindungsstörungen und besonders über die Anwendung der Bindungstheorie in der Psychotherapie schreibt.
Den in der Literatur sehr häufig gebrauchten Begriff der „primären Bindungsperson“ werde ich im Folgenden in den meisten Fällen durch die Mutter ersetzen, um eine bessere Lesbarkeit der Arbeit zu erreichen. Ich möchte aber dennoch darauf hinweisen, dass die primäre Bindungsperson eines Kindes keinesfalls unbedingt die Mutter sein muss, sondern dass durchaus auch der Vater, eine Tagesmutter oder auch eine andere Person, die viel Kontakt zu dem Kind hat die Rolle der primären Bindungsperson einnehmen kann.
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2 Grundlagen der Bindungstheorie
2.1 Die Wurzeln der Bindungstheorie
Die Bindungstheorie wurde Mitte des 20.Jahrhunderts von John Bowlby und Mary Ainsworth entwickelt, wobei Bowlbys Beiträge dazu eher die tatsächliche Theorie betrafen und Ainsworth, die erst später seinem Team betrat, mit ihren Forschungen versuchte, Bowlbys Theorie zu belegen und zu beweisen.
Als Kinderpsychiater und Psychoanalytiker entwickelte Bowlby während des Krieges ein zunehmendes Interesse an den nachteiligen Auswirkungen von unterbrochenen und fehlerhaften Eltern-Kind-Beziehungen und begann nach Kriegsende damit, Störungen zu erforschen, die aus einer längeren Mutter-Kind-Trennung resultierten. Mit seinem ersten Forschungsassistenten James Robertson begann er 1948 Kinder zu beobachten, die einen längeren Krankenhausaufenthalt vor sich hatten. Die Reaktionen auf die Trennung von den Eltern, die er bei den Kindern beobachtete gingen über Protest, Verzweiflung, Depression bis hin zur emotionalen Ablösung und starker Trennungsangst der Kinder (vgl. Grossmann/Grossmann 2003, S.38/39).
Bowlby konnte sich diese Verhaltensweisen auf Grundlage der Psychoanalyse nicht zu seiner Zufriedenheit erklären. Daher versuchte er die Psychoanalyse durch die Verhaltensbiologie und ihre Erkenntnisse zu ergänzen, die zu dieser Zeit durch Charles Darwin, Konrad Lorenz und H. F. Harlow große Popularität erreicht hatten. Aus der Psychoanalyse übernahm Bowlby die große Bedeutung von frühkindlichen Erfahrungen für seine Bindungstheorie. Durch die Arbeiten der Verhaltensbiologen inspiriert war er aber der Ansicht, dass die Verhaltenssysteme, die ein Mensch ausbildet, sich evolutionsgeschichtlich entwickelt haben und daher in ihrer Funktion phylogenetisch verstanden werden müssen. Es ging also vor allem um den Überlebenswert, den bestimmte Verhaltenssysteme wie das von ihm formulierte Bindungsverhaltenssystem haben, indem zum Beispiel die dadurch erreichte Nähe zur Mutter gleichzeitig Schutz vor Gefahren bot. Bowlbys Bindungstheorie hat daher also ihre Wurzeln sowohl in der Psychoanalyse, als auch in der Beobachtung von Kindern und Praktiken der Kindererziehung und in der Verhaltensbiologie (vgl. ebd., S.30f).
2.2 Grundannahmen der Bindungstheorie
2.2.1 Bindung und Bindungsverhalten
Bowlbys Absicht war es, mit seiner Bindungstheorie die starke gefühlsmäßige Verbindung zwischen Mutter und Kind zu untersuchen und zu erklären, die zwar auch schon die
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Psychoanalyse erkannt hatte, die sie aber seiner Ansicht nach durch die Triebtheorie nicht ausreichend erklären konnte. Er entwickelte daher ein komplexes bindungstheoretisches Konzept, welches er sowohl auf seinen Kenntnissen aus der Psychoanalyse, wie auch auf eigenen Beobachtungen und auf den Erkenntnissen der Verhaltensbiologie aufbaute. Nach Bowlbys Konzept sind Mutter und Kind „Teilnehmer in einem sich wechselseitig bedingenden und selbstregulierenden System“ (Brisch 2003, S.35), wobei er die Bindung zwischen Mutter und Kind als einen Teil dieses Systems der Beziehung darstellt. Dabei betrachtet er Bindung als „ein hypothetisches Konstrukt […], das nicht unmittelbar beobachtet werden kann“ (Grossmann/Grossmann 2003, S.33), sondern das „die innere Organisation des Bindungsverhaltenssystems und der zugehörigen Gefühle“ (ebd.) darstellt. Kennzeichnend für die Bindung des Säuglings an seine Mutter ist das Bindungsverhalten, welches vielfältige Verhaltensweisen und/oder Signale umfasst, die das Kind mit seiner Mutter in Verbindung bringen oder halten sollen. Diese umfassen sowohl „aktive nähe- und kontaktsuchende Verhaltensweisen wie Annäherung, Nachfolgen und Anklammern sowie Signalverhalten wie Lächeln, Weinen und Rufen“ (Ainsworth u.a. 1974, zit. n. Grossmann/Grossmann 2003, S. 243). Wichtig ist dabei aber, dass das Kind nicht ununterbrochen Bindungsverhalten zeigt, sondern dass das Bindungsverhalten nur dann aktiviert wird, wenn das Kind allein gelassen wird oder wenn es sich in einer Gefahrensituation befindet (vgl. Grossmann/Grossmann 2003, S.23). Auch wenn es sich dabei nicht unbedingt um eine reale Gefahr für das Kind handeln muss, sondern entscheidend ist, dass eine Situation von Kind als bedrohlich oder beängstigend wahrgenommen wird. Bowlby postuliert weiterhin, dass es nicht nur das Bindungsverhaltenssystem gibt, sondern dass der Mensch eine Vielzahl von Verhaltenssystemen ausbildet, die zum Teil miteinander interagieren. So ist zum Beispiel das mütterliche Fürsorgesystem prä-adaptiv an das kindliche Bindungsverhaltenssystem angepasst, während das Explorationsverhalten des Kindes sich in der Regel mit seinem Bindungsverhalten ablöst, da die beiden Systeme eine gleichzeitige Aktivierung ausschließen (vgl. ebd., S.85). Die Gründe dafür liegen in der Funktion dieser Verhaltenssysteme, die evolutionsbiologisch gesehen einen bestimmten Überlebenswert für das Individuum haben müssen. So war es zum Beispiel zur Zeit der menschlichen Evolution die größte Gefahr für den Menschen zur Beute zu werden. Die unmittelbare Nähe des Kindes zur Mutter, welche durch das Zusammenspiel von mütterlichem Fürsorgeverhalten und kindlichem Bindungsverhalten erreicht wurde, stellte damit für das Kind den optimalen Schutz vor den meisten Gefahren der Umwelt dar. Gleichzeitig führt aber das Explorationsverhalten das Kind zunehmen von der Mutter weg, so dass es nötig ist, dass das
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Bindungsverhalten bei drohender Gefahr jederzeit das Explorationsverhalten deaktivieren und ablösen kann, um wieder die schützende Nähe zur Mutter herzustellen.
2.2.2 Merkmale von Bindungsverhalten
Bowlby ordnet dem Bindungsverhalten verschiedene Merkmale zu, um damit die Besonderheiten seiner Bindungstheorie hervorzuheben und um sie von der Abhängigkeitstheorie der Psychoanalyse abzugrenzen. Die Merkmale, die ich bisher noch nicht genannt und erklärt habe, möchte ich hier kurz zusammenfassen. Bindungsverhalten ist in der Regel auf eine oder einige wenige Personen gerichtet. Unter diesen Personen besteht eine klar definierte Rangfolge. Bindungen sind meist lang andauernd. Frühe Bindungen können bis ins Erwachsenenalter erhalten bleiben, oder aber sie können sich ändern oder ersetzt werden. Prozesse, die mit Bindung zusammenhängen, wie Trennung oder Wiedervereinigung sind meist mit starken Gefühlen wie Trauer, Wut oder Freude verbunden. Bindungen können in allen möglichen Umgebungen ausgebildet werden und sie sind relativ unabhängig von Belohnung oder Bestrafung. Im Laufe des Lebens verändert sich das Bindungsverhalten einer Person vom einfachen Antwortsystem zu Beginn des Lebens bis hin zu einem komplexen Verhaltenssystem mit zunehmendem Alter, welches bestimmte Arbeitsmodelle der eigenen Person und auch der Bindungsperson(en) beinhaltet. Bindungsverhaltenssysteme werden durch bestimmte Umweltbedingungen, wie Hunger, Angst oder Müdigkeit aktiviert und können durch Kontakt zur Mutter und/oder durch Interaktion mit ihr wieder beendet werden (vgl. Grossmann/Grossmann 2003, S. 23ff).
2.2.3 Innere Arbeitsmodelle
Bowlby geht in seiner Theorie davon aus, dass das Kind mit der genetischen Veranlagung auf die Welt kommt, Bindungsverhalten zu entwickeln und diese Verhaltensweisen in einem Bindungsverhaltenssystem zu organisieren. Zu diesem Verhaltenssystem gehört weiterhin das Vorhandensein von „Inneren Arbeitsmodellen“ (Ainsworth/Bowlby 1991, zit. n. Grossmann/Grossmann 2003, S.88), die das Kind sowohl von sich selbst entwickelt, als auch von den Personen, zu denen es eine Bindung aufgebaut hat. Diese inneren Arbeitsmodelle des Kindes enthalten zum Beispiel Informationen über die Fähigkeiten und den Aufenthaltsort der Bindungsperson, sowie über die wahrscheinliche Reaktion der Bindungsperson bei sich ändernden Umweltbedingungen. Auch über sich selbst hat das Kind ein Arbeitsmodell mit Informationen darüber, was es selbst für Fähigkeiten hat und wie es durch bestimmte Verhaltensweisen seine Umwelt verändern und beeinflussen kann. Diese Arbeitsmodelle sind von entscheidender Bedeutung für die effektive Nutzung von Bindung, denn sie ermöglichen
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Arbeit zitieren:
Diplom Pädagogin Mirjam Günther, 2006, Bindungstheorie und Bindungsstörung, München, GRIN Verlag GmbH
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