Tier - und Naturbilder in Ted Hughes
Birthday Letters
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG UND FRAGESTELLUNG. 3
2. TED HUGHES. 5
3.BIRTHDAY LETTERS. 7
4. HUGHES’ NATURKONZEPTION
UND IHRE ENTWICKLUNG. 8
a. Die kontrastive Phase. 9
b. Die projektive Phase. 10
c. Die synthetisierende Phase. 11
d. Birthday Letters. 12
5. GEDICHTINTERPRETATIONEN. 14
a. “You Hated Spain 14
b. “Wuthering Heights 15
c. “Karlsbad Caverns 17
6. FAZIT. 18
7. BIBLIOGRAFIE. 20
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1. EINLEITUNG UND FRAGESTELLUNG
Ted Hughes ist von der Kritik als einer der wichtigsten Naturdichter unserer Zeit anerkannt worden. Die Natur ist, trotz seiner poetischen Entwicklung und der Betrachtung verschiedener Themen, in seinen Werken immer im Mittelpunkt geblieben. Wie ich in der Biografie zum Ausdruck bringen werde, ist dieses große Interesse an der Natur und an ihren Phänomenen eng mit seiner Herkunft verbunden. Mit ihrer „gewaltigen“ Landschaft, ihrem harten Klima und ihrem keltischen Vermächtnis hat seine Heimatregion Yorkshire seine Naturkonzeption, schon in seiner Jugend, sehr stark geprägt: Die Naturbilder seiner Gedichte stammen direkt odere indirekt aus der eigenen Erfahrung. Besonders in seinen früheren Bänden lehnt Hughes jede romantische Verklärung der Natur ab und stellt stattdessen ihre härtesten und erbarmungslosesten Aspekte dar. In Hawk in the Rain 1 oder Crow 2 , zwei seiner bekanntesten Sammlungen, ist die Natur eine magische und irrationale Kraft, die sich der Kontrolle des Menschen entzieht und zu seiner Antagonistin wird. Aufgrund dieser Bilder und seiner “explosiven Diktion“ 3 ist seine Dichtung oft als „poetry of violence“ 4 bezeichnet worden, was auf die Verbindung zwischen Natur und Gewalt in seinen Gedichten hindeutet. Ein extremes Beispiel dafür ist das Gedicht „Hawk Roosting“ aus Lupercal 5 , das nicht nur als „celebration of violence“ 6 interpretiert wird, sondern oft sogar zur Apologie eines pseudofaschistischen totalitaristischen Diktators gemacht wird.
Eine Konstante seiner Lyrik ist der Konflikt zwischen Mensch und Natur: Diese zwei Welten haben sich, seiner Auffassung nach, im Laufe des Zivilisationsprozesses mehr und mehr voneinander entfernt und sind zu Gegenpolen geworden. Durch seine Gedichte ist der Poet der einzige, der diesen Bruch zwischen Mensch und Natur überbrücken kann; er ist, und das ist ein weiteres Merkmal seiner Lyrik, eine Art Schamane. Die Dichtung übernimmt in
1 Hughes, Ted (1957), The Hawk in the Rain. London: Faber and Faber.
2 Ebd. (1970), Crow: From the Life and Songs of the Crow. London: Faber and Faber.
3 Erzgräber, Willi (1984), Moderne englische Lyrik. Stuttgart: Reclam, S.73.
4 Faas, Ekbert (1980), The Unaccommodated Universe. London: Black Sparrow Press, S. 197.
5 Hughes, Ted (1960), Lupercal. London: Faber and Faber
6 Siehe Anm. 4, S. 199.
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diesem Kontext die Funktion eines Rituals, in dem der Leser zu seinem Unterbewusstsein und seinen Instinkten zurückgebracht wird. Hughes selbst äußert sich so über dieses Thema:
Basically, it’s the whole procedure and practice of becoming and performing as a which-doctor, a medicine man, among primitive peoples. The individual is summonded by certain dreams. …Once fully-fledged he can enter trance at will and go to the spirit world… most narrative poems recount only those other dreams… 7
Das zentrale sprachliche Mittel, wodurch der Dichter-Schamane die zwei Gegenpole von Mensch und Natur einander näher bringen kann, ist die Metapher: Die Fähigkeit dieser Gedankenfigur, konträre Begriffe wie diese in einem Bild zu vereinen, macht sie zu einem der stylistischen Kennzeichen Ted Hughes’. Diese Merkmale kann man generell auf die gesamte Dichtung Hughes übertragen und die Aspekte der Gewalt und des Schamanismus haben sich in Beziehung auf seine Werke in der Kritik etabliert. Es muss hier jedoch betont werden, dass sie nur eine der verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten darstellen und dass sich diese hermetische Dichtung nicht nur in diesen Aspekten erschöpft. Sein letztes Werk, Birthday Letters, scheint sich, wenigstens auf den ersten Blick, von dieser frühere Linie seiner Lyrik zu distanzieren: Es handelt sich hier um eine sehr intime Sammlung autobiografischer Gedichte, in der die Geschichte von Sylvia Plath zur Hauptthema gemacht wird.
Ich bin der Meinung, dass trotz der großen Unterschiede eine gewisse Kontinuität zwischen diesem Band und den früheren Werken bewiesen werden kann. In dieser Arbeit werde ich versuchen festzustellen, wie sich Hughes’ Naturkonzeption in seinem Gesamtwerk entwickelt hat und insbesondere welche Rolle Birthday Letters in dieser Entwicklung spielt. Dabei werde ich einige der zentralen Tier- und Naturbilder in Birthday Letters analysieren und versuchen diese in einen einheitlichen Kontext einzuordnen. Um dies zu erreichen, werde ich mich teilweise auf Birgit Strotmanns Arbeit 8 beziehen und dazu noch einige Gedichte im Einzelnen selbst interpretieren.
7 Siehe Anm. 4, S. 206.
8 Strotmann, Birgit, (1994), Natur- und Dichtungskonzeption im lyrischen Gesamtwerk von Ted Hughes. Trier: Wissenschaftlicher Verlag Trier.
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2. TED HUGHES
Wenn man sich mit einem Autor beschäftigt, ist es immer notwendig einige Elemente seiner Biografie zu kennen, um seine Werke, seien sie autobiografisch oder nicht, richtig zu verstehen. Das gilt allgemein für jeden Autor, aber in Ted Hughes’ Gesamtwerk spielt seine eigene Biografie eine sehr wichtige Rolle. In einigen Bänden und Gedichtsammlungen sind die biografischen Elemente so zentral, dass das lyrisches Ich direkt mit dem Dichter identifiziert werden kann; so zum Beispiel in einigen späteren Werken wie River 9 , in dem Hughes’ Erfahrungen als Angler thematisiert werden, oder Wolfwatching 10 , in dem das erzählende Ich mit dem jugendlichen Hughes zu identifizieren ist und die Kriegserfahrungen einiger Familienglieder erzählt werden. Andere frühere Bände wie Crow 11 oder Gaudete 12 enthalten weniger persönliche Gedichte und können eher als mythologische Bände bezeichnet werden, aber auch hier sind einzelne Episoden seines Lebens erkennbar. Die Kenntnis biografischer Elemente bietet in vielen Fällen eine erste Entschlüsselungsmöglichkeit in den oft hermetischen, für den Leser schwer zu dechiffrierenden Gedichten Hughes’.
Da ich mich in meiner Analyse auf Birthday Letters 13 konzentrieren werde, werde ich nur auf die Jahre zwischen 1955 und 1963 detailliert eingehen, denn in dieser Zeit entwickelte sich Hughes’ Beziehung zu Sylvia Plath, die sich wie ein roter Faden durch den Gedichtband zieht. 14 Als erste Annäherung zu Birthday Letters werde ich dabei versuchen die Bibliografie in Verbindungen mit einigen, zentralen Gedichten dieses Bandes zu bringen.
Ted Hughes wurde am 17. August 1930 in Mytholmroyd in West-Yorkshire als jüngster Sohn von William Henry und Edith Hughes geboren. Mytholmroyd ist eine kleine Stadt, die zwischen den eindrucksvollen Bergen der Yorkshire Moors
9 Ebd. (1983), River. London: Faber and Faber.
10 Ebd. (1989), Wolfwatching. London: Faber and Faber.
11 Siehe Anm. 2.
12 Ebd. (1977), Gaudete. London: Faber and Faber.
13 Ebd. (1998), Birthday Letters. New York: Farrar Straus Giroux.
14 Eine ausführliche Biographie Ted Hughes’s befindet sich im Netz unter der Adresse: http://www.ann.skea.com/timeline.htm, 3.3.2003. In Ihrem Werk Ariel’s Gift: Ted Hughes, Sylvia Plath and the story of BIRTHDAY LETTERS (London: Faber and Faber, 2001) zieht Erica Wagner interessante Parallelen zwischen die Entstehung von Birthday Letters und Hughes’ Biographie.
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Arbeit zitieren:
MA Davide Bonmassar, 2003, Tier und Naturbilder in Ted Hughes Birthday Letters, München, GRIN Verlag GmbH
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