Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Historischer Abriss. 4
2.1. Das Altertum 4
2.2. Vom Mittelalter bis zum ersten Weltkrieg. 5
3. Der Warenumsatzstempel als Vorläufer der Umsatzsteuer. 7
3.1 Entstehung und Wesen des Warenumsatzstempels. 7
3.2 Finanzpolitische Ziele und zukunftsweisende Eigenschaften. 9
4. Das Umsatzsteuergesetz, seine Entwicklung in der Weimarer Republik und unter dem
Nationalsozialismus 10
5. Entstehung der Nettoumsatzsteuer mit Vorsteuerabzugsrecht. 13
6. Fazit. 15
Literaturverzeichnis. 17
2
1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit setzt sich mit den Entwicklungsstadien der deutschen Umsatzsteuer von den historischen Anfängen bis zur heutigen Ausgestaltung auseinander. Dabei sollen die Entstehung, die Etablierung und der Aufstieg der Umsatzsteuer im Zusammenhang gesellschaftlicher Verhältnisse behandelt werden. In diesem Kontext ist unter anderem von Interesse welchen geschichtlichen Umständen es zu verdanken ist, dass die Umsatzsteuer nach einem Jahrtausende andauernden Prozess, die heutige Form angenommen hat. Dabei ist es unumgänglich sich auch mit anderen Kulturen zu beschäftigen um die Wurzeln der Umsatzsteuer verfolgen zu können.
Am Anfang werde ich hierzu auf die Ursprünge der Umsatzsteuer im antiken Griechenland eingehen und beschreiben welche Formen sie im Anfangsstadium ihrer Entwicklung angenommen hatte, wobei das Augenmerk insbesondere auf die wirtschaftlichen Voraussetzungen der Entstehung gerichtet ist. Weiterhin wird die Akzise genauerer Gegenstand der Untersuchung sein, da sie als mittelbarer Vorläufer der heutigen Umsatzsteuer betrachtet wird und der, unter Finanzwissenschaftlern entstandene, Akzisenstreit, die theoretische Basis und ein normatives Vorspiel der Argumente Für und Gegen die Umsatzsteuer darstellt. Nach einer kurzen Betrachtung der Einführung einer „Umsatzsteuer“ in Bremen, wird im darauf folgenden Abschnitt, die Entstehung und das Wesen des Warenumsatzstempels durchleuchtet, um anhand ihrer Vorzüge und zukunftsweisenden Eigenschaften die Etablierung der Umsatzsteuer auszumachen. Des Weiteren wird die erste moderne Form des Umsatzsteuergesetzes analysiert, um sie durch die Katalysatorwirkung des 1. Weltkrieges, als Ausgeburt einer Krise zu beschreiben, wobei anschließend ihre Entwicklung zum festen Bestandteil der Steuergesetze hervorgehoben wird. Die weitere, auch technische, Entwicklung in der Weimarer Republik und unter dem Nationalsozialismus, soll im Kontext ihrer Anpassungsfähigkeit und Instrumentalisierung und der damit zusammenhängenden „Achterbahnfahrt der Steuersätze“ aufzeigen, wie der Aufstieg der Umsatzsteuer, als eine nicht-mehr-wegzudenkende Form der Besteuerung, entstanden ist. Zum Schluss wird die Entstehung der heutigen Mehrwertsteuer, als vorerst letzte Entwicklungsstufe kurz dargestellt um den Prozess der Entwicklung abzurunden.
3
2. Historischer Abriss
2.1. Das Altertum
Die geschichtliche Entwicklung der Umsatzsteuer lässt sich bis in die Antike zurückverfolgen, wobei ein noch weiteres Eindringen in die historischen Tiefen, mangels zeitgenössischer Überlieferungen, dazu führt, dass „vermutlich vieles unklar, strittig und lückenhaft“ 1 bleiben würde.
Die ersten Belege der Existenz einer „Umsatzsteuer“ 2 stammen aus dem alten Griechenland des 5. Jahrhunderts v. Chr. 3 . Hierbei wurde sie in drei Kategorien unterteilt. Zum einen in die Grundstücksumsatzsteuer, bei der die Steuerlast höchstwahrscheinlich vom Käufer getragen wurde, während der Steuerertrag dem Staat zugeflossen sein dürfte. Sichere Erkenntnisse gibt es jedoch dafür bis heute nicht. 4
Des Weiteren ist die Marktumsatzsteuer zu nennen, welche in Städten wie Athen und Ilion eingeführt wurde und verschiedene Steuerobjekte, wie z.B. Fisch, Honig oder Getreide, unterschiedlich hoch besteuerte 5 . Unter diese Steuer fiel auch das Recht des Verkaufs von Waren an einem Marktstand. Die Erhebung erfolgte entweder direkt am Markt oder an den Toren der Stadt und setzte voraus, dass ein entwickelter Warenverkehr zwischen Stadt und Land vorherrschte 6 .
Als letztes ist noch die allgemeine Umsatzsteuer aufzuzählen, der auch Umsätze unterlagen, die außerhalb eines Marktes von Großhändlern erwirtschaftet wurden 7 . Die Umsatzsteuern des vom Hellenismus geprägten Ägypten und des antiken Rom, sind im Kern mit denen des alten Griechenland zu vergleichen, bis auf die Tatsache, dass andere Steuerobjekte unter einem anderen Steueroberbegriff zusammengefasst wurden. In Ägypten z.B. der Enkyklion, welcher den Umsatz von Grundstücksverkäufen und den Verkauf von beweglichen Waren steuerlich belastete. 8 In Rom wiederum die Centesima, die seit der Machtübernahme von Kaiser Augustus 31 v. Chr., die Umsätze der Auktionen erfasste,
1 Vgl. Wagner, A. (1910) S. 17
2 Anmerkung: Wagner (1910, S.18) bezeichnet diese als „indirekte Verbrauchsabgabe in Form von …
Marktabgaben“, während Grabower (1962, S.11) den Terminus technicus Umsatzsteuer benutzt.
3 Vgl. Grabower, R. / Herting, D. / Schwarz, G. (1962) S. 11
4 Vgl. ebenda, S. 13
5 Vgl., ebenda, S. 19, zitiert nach Böckh (1875) Staatshaltung der Athener, 2. Auflage Berlin.S. 394
6 Vgl. Wagner, A.(1910) S. 19
7 Vgl. Grabower, R. / Herting, D. / Schwarz, G. (1962) S. 20
8 Vgl. ebenda S.32
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welche „im Mittelpunkt des wirtschaftlichen Lebens“ standen und ziemlich alle Verkäufe umfasste. 9
Um aus der Antike eine Möglichkeit der Antizipation der zukünftigen Entwicklung der Umsatzsteuer herleiten zu können, ist es wichtig die Wegbereiter der Umsatzsteuer etwas genauer zu betrachten. Die Existenz indirekter Steuern stützt sich auf einen relativ hohen Stand der Arbeitsteilung, eines fortgeschrittenen Entwicklungsstadiums der Naturwirtschaft hin zur Geldwirtschaft und einem großem Umfang an Massenkonsumartikeln. Da diese Voraussetzungen in der Antike generell noch sehr unterentwickelt oder gar nicht gegeben waren, musste die Umsatzsteuer von der Bedeutung her, eine allgemein weniger wichtige Stellung als die direkten Steuern einnehmen. 10 Daher kann auch das Ende der Umsatzsteuern in Griechenland am, durch Krieg und Zerstörung bedingten, Rückgang des Handelsverkehrs veranschaulicht werden. Es bestand die Notwendigkeit, die Verkehrsabgaben nicht zu überspannen und den Finanzmittelbedarf eher mit anderen Steuern zu decken. 11 Hierbei kann beobachtet werden, dass eine Analogie zwischen den wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen eines Landes und der Wahl der am besten geeigneten Steuer besteht 12 .
2.2. Vom Mittelalter bis zum ersten Weltkrieg
Die Steuerkultur des Mittelalters ist stark von der der römischen geprägt 13 , die durch einen enormen Wachstum der Staatsverwaltung und den dadurch entstandenen hohen finanziellen Bedarf charakterisiert ist 14 . Der Gedanke der Umsatzsteuer trat zwar immer weiter zurück, jedoch sollte es nicht an einem Mangel an Kreativität des Fiskus liegen, die Staatseinnahmen doch noch in gewünschter Menge einfließen zu lassen 29 , wie man im Folgenden sehen kann. Eine, das gesamte späte Mittelalter bis ins frühe 19. Jahrhundert durchlaufende, wichtige Steuerart ist die Akzise 16 . Das Wort kommt von accidere, welches soviel wie abhauen oder abschneiden bedeutet und als „Sammelbezeichnung für eine Anzahl der verschiedensten Abgaben, die den Verbrauch oder den Verkehr treffen sollen“ 17 bezeichnet werden kann 18 .
9 Vgl. ebenda, S.68 ff.
10 Vgl. Wagner, A. (1910) S. 29
11 Vgl. Grabower, R. / Herting, D. / Schwarz, G. (1962) S. 30
12 Vgl. Wagner, A. (1910)S. 19
13 Vgl. Grabower, R. / Herting, D. / Schwarz, G. (1962, S.99 ff.; siehe dazu auch Homburg, S. (2007) S.28
14 Vgl. Wagner, A. (1910) S. 31
29 Vgl. Grabower, R. / Herting, D. / Schwarz, G. (1962) S. 174
16 Vgl. Homburg, S. (2007) S. 33
17 Förster, J. (1989) S. 4, zitiert nach Nathan (1927) Handwörterbuch der Staatswissenschaften, S.205
18 Vgl. ebenda
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Arbeit zitieren:
Hamid Reza Noshadi, 2009, Die Deutsche Umsatzsteuer , München, GRIN Verlag GmbH
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