Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
1.1 Stand der Forschung 3
2. Ein komischer parodistischer Roman 7
3. Fazit 14
Literaturverzeichnis 16
1. Einleitung
Versuchte Der Stricker, als er den ‚Daniel‘ schrieb, einen komischen Roman zu verfassen? Wollte er klassische Artusromane parodieren? Nach heutigen Maßstäben muten einige der Strickerschen Episoden durchaus komisch an. Ob man den ‚Daniel’ daher als Parodie oder gar als komischen Artusroman bezeichnen kann, möchte ich anhand mehrerer dieser Episoden herausfinden.
Aber der Reihe nach: Ein Ritter Daniel von dem blühenden Tal macht sich auf zum Hof von König Artus. Auf dem Weg dorthin begegnet ihm Keiî, ein Ritter aus König Artus Tafelrunde. Daniel besiegt ihn im Zweikampf und fordert Keiî auf, ihn an Artus‘ Hof zu melden. Daraufhin erscheinen andere Artusritter und fordern Daniel zum Kampf. Bis auf drei Gegner, nämlich Gawein, Iwein und Parzival, besiegt Daniel alle anderen und wird daraufhin in die Runde der Artusritter aufgenommen.
Es folgt eine Herausforderung durch König Matur von Cluse, die durch einen Riesen überbracht wird und in der Matur Artus auffordert, sich ihm zu unterwerfen. König Artus geht zum Schein auf die Herausforderung ein, beschließt aber nach reiflicher Überlegung und auf Gaweins Rat hin, einen Feldzug gegen Matur zu unternehmen. Der kühne Daniel allerdings reitet schon voraus und befreit unterwegs nicht nur eine Herzogin aus den Händen des Zwergs Juran (als Siegestrophäe erbeutet er hier das Zauberschwert des Zwerges), sondern auch eine Gräfin aus der Gewalt von bauchlosen Ungeheuern, deren Anführer das Land der Gräfin mithilfe einer Art von Medusenhaupt unterjocht. Daniel besiegt den Anführer mit einem Spiegel und den Rest der Ungeheuer mit dem neu erbeuteten Medusenhaupt, das er danach entsorgt. Am Eingang von Cluse, dem Reich Maturs, angekommen, erwartet ihn der Bruder des Boten-Riesen vom Anfang der Geschichte, den Daniel mit dem Zauberschwert des Zwerges Juran erschlägt (Daniels eigenes Schwert hilft ihm hier nicht, denn die Haut des Riesen ist gepanzert. Zum Glück hat er vorher das Zwergen-Schwert erbeutet.). Hier trifft er auf Artus und sein Heer. Gemeinsam werden in der folgenden ersten Schlacht gegen den Feind nicht nur der erste Riese, sondern auch König Matur getötet.
Die nächste âventiure verschlägt Daniel in ein Land, das von einem kranken Zauberer unrechtmäßig zu dessen Heilung missbraucht wird, indem dieser zwecks seiner Gesundung ein Jahr lang wöchentlich in Menschenblut badet und dabei die Bevölkerung des Landes nach und nach ausrottet. Daniel tötet den Zauberer mit list
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und reitet mit den nun befreiten restlichen Rittern des Landes König Artus zu Hilfe. Zufällig bekommt Daniel hier als Belohnung für die Befreiung des Landes ein unsichtbares Zaubernetz mitsamt das Netz sichtbar machender Salbe von der Tochter des Landesherren, das ihm später noch zunutze sein wird.
Drei Schlachten gegen Maturs Mannen werden nun gemeinsam von Daniel und den Artusrittern gewonnen, bevor Daniel die letzte und entscheidende Schlacht wiederum durch eine list für Artus entscheidet. Am Eingang zu Maturs Land steht ein goldenes Tier mit einer Fahne im Maul, das, zieht man die Fahne heraus, so laut zu brüllen beginnt, dass jeder Ritter ohnmächtig vom Pferd fällt. Artus‘ Heer verstopft sich also auf Daniels Rat hin die Ohren, die Fahne wird herausgezogen und mithilfe des nun folgenden Geschreis wird Maturs restliches Heer in die Knie gezwungen.
Zum Dank für seine Taten darf Daniel Maturs Witwe Danise heiraten und die Herrschaft über Maturs Reich übernehmen. Doch nicht nur Daniel heiratet. Zusätzlich werden noch alle Witwen an neue Männer vergeben, und als die Zahl der Ritter nicht ausreicht, um alle Witwen an den Mann zu bringen, werden kurzerhand noch 600 Knappen zu Rittern geschlagen und mit den übrigen Witwen verheiratet.
Doch die Hochzeitsfeier wird durch einen merkwürdig gekleideten alten Mann unterbrochen, der, wie sich herausstellt, der Vater der beiden getöteten Riesen ist und aus Rache König Artus entführt und ihn unerreichbar für alle anderen Ritter auf die Spitze eines Berges setzt. Parzival versucht daraufhin, Artus zu befreien und wird prompt ebenso von dem Alten überwältigt und neben Artus auf den Berg gesetzt. Daniel jedoch erinnert sich an das Zaubernetz, fängt den Alten mit dessen Hilfe und wendet zum Schluss alles zum Guten, indem er den Alten von den Missetaten seiner beiden Söhne überzeugt und ihm zudem noch Netz und Augensalbe schenkt. Es folgt - natürlich - ein rauschendes Fest, um die Geschichte würdig abzuschließen. Daniel lebt danach glücklich verheiratet und mit allen friedlich vereint in seinem neuen Land.
1.1 Stand der Forschung
Zunächst möchte ich einen Überblick über die gegenwärtige Forschungssituation geben. Der Übersichtlichkeit halber beschränke ich mich hierbei auf Beiträge, die Komik, Satire und Parodie im ‚Daniel’ behandeln.
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Einen kurzen Überblick über Beiträge zur Thematik findet man bei WENNERHOLD 1 . BUSCHINGER 2 findet in Bezug auf die Riesenvaterepisode „deutliche Situationskomik“ 3 sowie „parodistisch-satirische Gestaltungszüge“, was in der Gefährdung „feudalepischer Muster-Helden wie Artus oder Parzival“ 4 deutlich wird, die ohne große Mühe vom Riesenvater gefangen und auf einen Berg gesetzt werden. Ihrer Ansicht nach handelt es sich hierbei zudem „um eine deutliche Satire auf die figurelle Gestaltungspraxis des arthurischen Romans.“ 5 Betrachtet man nicht nur die Riesenvaterepisode, so fällt im Vergleich zu anderen Artusromanen auf, dass Der Stricker im ‚Daniel‘ die Gestaltungpraxis ebendieser Romane in Bezug auf das Erfinden von Phantasiefiguren und phantastischen Abenteuern derart „potenziert […], dass man deutlich einen Umschlag ins Komische empfindet“ 6 . Belege hierfür findet BUSCHINGER zum Beispiel in der Episode mit dem bauchlosen Ungeheuer oder der Massenhochzeit zum Ende des Romans. Dies lässt letztendlich den Schluss zu, dass man es beim ‚Daniel‘ mit einem „parodierenden Anti-Artusroman“ 7 zu tun hat. In Bezug auf die Riesenvaterepisode schreibt SCHRÖDER, dass Der Stricker in dieser Szene „die gesamte bisherige Artusdichtung dem Gespött preisgegeben“ habe 8 . Artus und Parzival hilflos in den Händen des ältlichen Entführers „konnte nichts anderes meinen als Verspottung jener Artusidealität, die im höfischen Roman Chrétien-Hartmannscher Observanz zum Kulturprogramm erhoben worden war.“ 9 SCHRÖDER geht also noch einen Schritt weiter und sieht den Artusroman im ‚Daniel‘ nicht nur parodiert, sondern der Lächerlichkeit preisgegeben, indem Der Stricker Elemente des Artusromans wie beispielsweise die Hochzeit des Romanhelden satirisch überhöht und aus ihr eine Massenhochzeit macht, in der sogar noch kurzerhand Knappen zu Rittern geschlagen werden, weil nicht genügend Ritter vorhanden sind, um alle Witwen an den Mann bringen zu können. 10 SCHRÖDER schreibt hierzu: „[…] Daniels Vermählung mit Danise und die Massenheirat aller übrigen Witwen als groteske Multiplizierung von Iweins Hochzeit mit der leicht getrösteten Laudine.“ 11 Ginge man von der „Komik der Entführungsszene [in der
1 Wennerhold (2005), S. 179-181.
2 Buschinger 3 Ebd., S. 19.
4 Ebd., S. 21.
5 Ebd., S. 19.
6 Buschinger, S. 19.
7 Ebd., S. 21.
8 Schröder, S. 817.
9 Ebd, S. 827.
10 Der Stricker, Verse…..
11 Schröder, S. 827.
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Arbeit zitieren:
Hermann Stelzner, 2009, 'Daniel von dem blühenden Tal' – ein komischer oder parodistischer Artusroman?, München, GRIN Verlag GmbH
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