Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Was ist Mediation? 3
3. Das Harvard-Konzept 4
4. Der Transformationsansatz 8
5. Vergleich. 12
6. Fazit. 14
Literaturverzeichnis : 15
2
1. Einleitung
In der heutigen Welt gibt es immer mehr Konflikte, die ohne Hilfe von außen nicht mehr lösbar erscheinen. Ein Verfahren, das sich darauf spezialisiert hat, außergerichtliche Einigungen durch die Einschaltung eines Vermittlers zu erzielen, ist die Mediation.
Innerhalb dieser Disziplin gibt es zwei gegensätzliche, sich zum Teil aber auch ergänzende Ansätze: das Harvard-Konzept und den Transformationsansatz. In dieser Ausarbeitung sollen zunächst die Grundprinzipien jeder Mediation dargestellt werden. Danach werden beide Modelle näher erläutert, bevor sie abschließend miteinander verglichen werden.
2. Was ist Mediation?
Mediation bedeutet wörtlich „Vermittlung“ 1 und ist ein Streitbeilegungsverfahren, bei dem ein Mediator eine Verhandlung zwischen Parteien unterstützt. Anders als etwa vor Gericht, ist der Mediator nicht dazu berechtigt, Entscheidungen aufzuerlegen. Er leitet ausschließlich das Vermittlungsverfahren und legt die Regeln fest. Die Parteien handeln also in gewissem Sinne eigenverantwortlich und freiwillig. Am Ende eines Mediationsprozesses muss daher nicht zwangsläufig ein Ergebnis oder eine Konfliktlösung feststehen.
Grob betrachtet lässt sich der Ablauf jeder Mediation in fünf Phasen einteilen. Die erste Phase, die „Einleitungsphase“ 2 , beginnt auf der Grundlage einer schriftlichen Vereinbarung, in der bestätigt wird, dass die vertrauliche Behandlung von Informationen der Parteien vom Mediator gewährleistet wird und die Kosten für ihn gemeinsam getragen werden. Hierbei erklärt der Mediator zunächst seine Rolle in dem Prozess und den Ablauf des Verfahrens. Danach haben die Parteien die Möglichkeit, Fragen zu stellen und die „Spielregeln der Sitzung“ 3 werden festgelegt. Die darauf folgende Phase ist die „Informationsphase“ 4 . In ihr geht es um die Klärung des Sachverhaltes sowie die Darstellung der Rechtslage. Beide Parteien bekommen das Wort und damit die Chance, ihre Positionen und Ansichten darzustellen. Da bei einem Konflikt meist gegensätzliche Positionen vorherrschen, versucht der Mediator
1 Breidenbach: Mediation. S. 244, Z. 3
2 ebd. S. 246, Z1
3 Breidenbach: Mediation. Vgl. S. 246
4 ebd. S. 246, Z. 10
3
das Augenmerk auf die hinter diesen Standpunkten verborgenen Interessen zu lenken
Damit beginnt die dritte Phase der Mediation, die „Interessenphase“. Hierbei bemüht sich der Mediator, die Parteien von der Darstellung der eigenen Positionen zur Darstellung der eigenen Interessen zu lenken. Anhand dieser Interessen sind gegensätzliche oder gleiche Ansatzpunkte für eine Problemlösung um einiges einfacher zu finden.
In der vierten Phase, dem „Brainstorming“ 5 , versucht der Mediator den Parteien zu vermitteln, dass das bestehende Problem ein gemeinsames ist. Dadurch soll ein konstruktiver Kontext geschaffen werden, bei dem die gemeinsame Problemlösung im Vordergrund steht. Dafür werden jetzt Ideen und Lösungsvorschläge gesammelt, allerdings noch ohne sie zu bewerten. Es geht also, wie beim klassischen Brainstorming, um Möglichkeiten und Denkanstöße, zur Veränderung oder Lösung eines bestehenden Problems, zunächst noch ohne Überprüfung der Realisierbarkeit. Ziel ist es, eine Problemlösung hervorzubringen, die beiden Parteien „möglichst viel gibt und möglichst wenig nimmt, also um eine Win-Win-Negotiation“ 6 . Am Ende dieser Phase und nach dem Sammeln möglichst vieler Vorschläge, werden diese auf ihre Umsetzbarkeit und zufriedenstellende Wirkung für beide Parteien untersucht. Im Erfolgsfall schließt sich danach die „Einigungsphase“ 7 an. In dieser wird ein Vertrag formuliert und, mit der Unterzeichnung durch beide Parteien, auch die Durchsetzbarkeit des beschlossenen Lösungsweges abgesichert. Diesem Grundmuster folgt jede Form der professionellen Mediation, sei es in Schulen, Büros oder bei Familienstreitigkeiten. Worauf der Schwerpunkt bei der Interaktion mit den Parteien gelegt wird, soll im Folgenden erläutert werden. Hierbei wird auch genauer auf die Rolle des Mediators und auf seine Verhaltensgrundsätze eingegangen.
3. Das Harvard-Konzept
Das Harvard-Konzept wurde an der gleichnamigen Universität entwickelt. Im Rahmen von Konfliktforschung wurde hier ein Model erarbeitet, das an jede erfolgreiche Verhandlung drei Kriterien anlegt. Erstens sollte eine „vernünftige Übereinkunft zustande kommen, zweitens muss die Art der Verhandlungsführung
5 Breidenbach: Mediation. S. 247, Z. 17
6 ebd. Vgl. S. 248, Z.1-4
7 ebd. S. 248, Z. 5
4
Effizienz aufweisen und drittens sollten während der Mediation keine persönlichen Beziehungen geschädigt werden“ 8 .
Um diesen Kriterien zu entsprechen, ist der Verhandlungsstil beim Harvard-Konzept weder hart (die Teilnehmer setzen sich unter Druck, verharren stur auf ihren Positionen und sind nicht zu Kompromissen bereit), noch weich (die Teilnehmer geben schnell nach, wollen Beziehungen schützen etc.). Man könnte diese Art der Verhandlungsführung als den „dritten Weg“ 9 bezeichnen, denn sie versucht, „sachbezogen“ 10 zu agieren.
Das erste Prinzip besagt, dass „Menschen und Probleme getrennt voneinander [zu] behandeln [sind]“ 11 . Dies bedeutet konkret, dass die persönliche Beziehung zur anderen Partei von der Sachfrage getrennt gehalten werden sollte. Da die Gegenseite bei einer Mediation „aus Menschen und nicht aus abstrakten Repräsentanten besteht“ 12 , ist dies nicht immer leicht. Beim Umgang mit Menschen sind demnach drei Grundbegriffe von entscheidender Bedeutung: Vorstellung, Emotion und Kommunikation. Unter Vorstellung versteht man das Hineinversetzen in die Sichtweise der anderen Partei Emotion bedeutet, dass man der Gegenseite die Berechtigung zuspricht, Gefühle zu haben und diese auch zu artikulieren. Mit Kommunikation ist gemeint, dass man sich im Klaren darüber sein muss, dass zwischenmenschliche Verständigung von Missverständnissen geprägt sein kann und, dass man aktiv an einer Verbesserung derselben arbeitet. Ebenfalls wichtig in diesem Zusammenhang ist die Ansicht, dass die Vergangenheit nicht als Argumentationsgrundlage dienen sollte. Stattdessen soll konstruktiv an der momentanen Situation und vor allem gemeinsam an Lösungswegen für die Zukunft gearbeitet werden. Unter Berücksichtigung dieser Verhaltensregeln im Umgang mit dem Gegenüber, sollte es möglich sein, persönliche Beziehungen trotz eines bestehenden Konfliktes aufrechtzuerhalten und den Sachverhalt getrennt davon zu betrachten.
Das zweite Prinzip ist die Forderung, sich „auf Interessen [zu] konzentrieren [und] nicht auf Positionen“ 13 . Positionen sind in diesem Zusammenhang Prinzipien, die der Einzelne nicht gewillt ist aufzugeben, da der Andere auch auf die seinigen besteht.
8 Fisher et al: Das Harvard-Konzept. S. 22, Z. 14-18
9 ebd. S. 16, Z. 25
10 ebd. S. 16, Z. 28
11 ebd. S. 39, Z. 1-2
12 ebd. S. 42, Z. 8-9
13 Fisher et al: Das Harvard-Konzept. S. 68, Z. 1-2
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Arbeit zitieren:
Julian Gotthardt, 2008, Mediation - Vergleich des Harvardkonzeptes mit dem Transformationsansatz, München, GRIN Verlag GmbH
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