Gliederung:
I.) Einleitung: 3
1.) Lateinamerika als geografischer Begriff 3
2.) Zur Einführung: Armut und Reichtum in Lateinamerika 4
II.) Hauptteil: 6
1.) Meßmethoden und Darstellungsmöglichkeiten
sozialer Ungleichheit 6
a.) Der Gini-Koeffizient 6
b.) Die Lorenzkurve 7
c.) Der Human Development-Index (HDI) 8
2.) Definition von Armut 10
a.) Soziologisch definierte Armut 11
b.) Armut nach ökonomischen Kriterien 12
3.) Befunde sozialer Ungleichheit in Lateinamerika 14
a.) Tabellarische Zusammenstellung wichtiger Befunde 15
b.) Lateinamerika im internationalen Vergleich
( Tabelle) 18
c.) Erklärung der Befunde anhand eines
ausgew ählten Landes: Brasilien 22
- Historische Grundlagen 22
- Die Sozialpolitik als Chance 24
- Wirtschaftspolitische Einflüsse auf die brasilianische
Gesellschaft (30er - 80er Jahre, Plano Real, Reformen der 2.
Generation ) 27
III.) Schlussbetrachtung: 32
1.) Häufige Ursachen der sozialen Ungleichheit
in Lateinamerika: 32
a.) Allgemeine Ursachen 32
b.) Klientelismus, Patrimonialismus und Patronage 35
2.) Ökologie und das Problem der
nachhaltigen Entwicklung 37
Literatur : 38
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I.) Einleitung:
1.) Lateinamerika als geografischer Begriff
Lateinamerika ist zuallererst als geografischer Begriff zu betrachten. Landläufig wird Lateinamerika nämlich als „Südamerika“ verstanden. Dies ist so nicht ganz richtig, denn Lateinamerika als geografischer Begriff umfasst Mexiko, die kleineren mittelamerikanischen Staaten, Südamerika und - nicht zu vergessen - die karibischen Inselstaaten. Verwirrend daran ist, dass z.B. die kleinen Inselstaaten tatsächlich häufig auf Karten ganz Lateinamerikas weggelassen werden (wie auch in der obigen Karte 1 ).
1 Quelle: Homepage des Instituts für Politikwissenschaft, Tübingen (IfP-Homepage), Fachbereich Region Lateinamerika; http://www.uni-tuebingen.de/uni/spi/latino.html.
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Den Anschluss an den Nordamerikanischen Kontinent und damit natürlich an die USA bildet das ganz im Norden gelegene Mexiko. Eine detaillierte Auflistung aller lateinamerikanischen Staaten findet sich in der Tabelle im Abschnitt 3.) a.) dieser Arbeit.
2.) Zur Einführung: Armut und Reichtum in Lateinamerika
Viele Länder Lateinamerikas gelten (immer noch) als so genannte „Schwellenländer“. Das heißt sie sind auf dem Sprung zur Industrienation. In diesen Ländern gibt es viele moderne Sektoren bezüglich Technologie, Produktion, Konsum, Infrastruktur, Industrie und ähnliches. Trotzdem gelten sie vielfach noch als Entwicklungsländer, was mit den sozialen Problemen und der Armut großer Bevölkerungsteile begründet ist. Es gibt eine Spannung zwischen Modernität und Technisierung und den allgemeinen sozialen Verhältnissen. Die ökonomische und die technische Entwicklung auf der einen Seite und die soziale Entwicklung auf der anderen Seite klaffen auseinander.
Man spricht in diesem Zusammenhang auch vom Problem der „nachhaltigen Entwicklung“. Entwicklung bezeichnet im Grunde einen umfassenden Prozess gesellschaftlichen Wandels, der anhand einer Vielzahl von wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen, politischen und ökologischen Indikatoren dargestellt und als „Momentaufnahme“ in einem spezifischen Entwicklungsprofil abgebildet werden kann. Das entscheidende Kriterium der Entwicklung ist letztlich die Verbesserung der kollektiven Lebensqualität. Dies entspricht dem Kernproblem der
lateinamerikanischen Entwicklung. Und zwar deshalb, weil in Lateinamerika weniger von einer kollektiven Lebensqualität als von einer „bipolaren“ Verteilung der Lebensqualität zu sprechen ist. Das heißt der eine Pol der Bevölkerung hat eine sehr hohe Lebensqualität, der andere verfügt über so gut wie gar keine Lebensqualität. Das hat natürlich eine sehr starke Polarisierung und ein hohes Ausmaß an sozialer Ungleichheit zur Folge.
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Die Fragestellungen dieser Arbeit:
Zunächst stellt sich die Frage anhand welcher Indikatoren die hochgradige Polarisierung Lateinamerikas (wenige Reiche/ Besitzende und sehr viele Arme/ Mittellose) erkennbar ist. Dies lässt sich am besten an der Einkommens-Ungleichheit - mittels dem Human-Development-Index (HDI), dem Gini-Koeffizienten und der Lorenzkurve - und der Frage: „Was bedeutet eigentlich arm?“ veranschaulichen. Dabei müssen regionale Unterschiede und die Entwicklung über die Jahre mit berücksichtigt werden. Hierzu soll die Entwicklung eines ausgewählten Landes, nämlich Brasilien, kurz skizziert werden um die Befunde zu veranschaulichen. Zudem stellt sich die Frage: Wie versuchen die Armen ihrer Armut zu entkommen? Dies soll kurz durch das Thema des informellen Sektors deutlich gemacht werden.
Außer der Vorstellung und Erklärung der Befunde sozialer Ungleichheit wird es aber auch um die Frage gehen:
„Was sind eigentlich die konkreten Ursachen der anhaltenden sozialen Ungleichheit in Lateinamerika?“
Diese Frage drängt sich nach der Betrachtung und dem Vergleich der Befunde sozialer Ungleichheit Lateinamerikas mit denen anderer Länder gerade zu auf. Lateinamerika gilt als reich gesegnetes Land bezüglich ökonomisch verwertbarer Ressourcen (Bodenschätze, fruchtbare Böden etc.), trotzdem leben seit Jahrzehnten weite Teile der Bevölkerung in großer Armut. Im krassen Gegensatz zum luxuriösen Leben einiger weniger Privilegierter aus den wirtschaftlichen und politischen Eliten.
Warum dies so ist und warum dieser Zustand nur sehr schwer zu ändern ist, soll ebenfalls Gegenstand dieser Arbeit sein und anhand einiger für (ganz) Lateinamerika typischen Aspekte erklärt werden.
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II.) Hauptteil:
1.) Meßmethoden und Darstellungsmöglichkeiten sozialer Ungleichheit
a.) Der Gini-Koeffizient
Der Gini-Koeffizient 2 ist ein mathematisches Konzentrationsmaß und gibt die Stärke der Gleichheit bzw. Ungleichheit einer Verteilung an. Der Gini-Koeffizient ist immer zwischen 0 und 1. 0 bedeutet eine perfekte Gleichverteilung. 1 entspricht einer perfekten Ungleichverteilung. Auf die Lorenzkurve bezogen wäre diese bei einer perfekten Gleichverteilung eine Gerade.
Beispiel Brasilien: 3
Brasilien ist unter 179 Ländern das Land mit der höchsten Konzentration des Einkommens; das heißt es ist das Land mit den weltweit größten sozialen Ungleichheiten. Gemessen wird diese Konzentration wie gesagt mit dem Gini-Koeffizienten, benannt nach dem italienischen Demographen Corrado Gini (1884-1965). Dieser Konzentrationsmesser ermöglicht es, die Konzentration des Einkommens oder der Landverteilung in einer bestimmten Gesellschaft zu bestimmen. Bei völliger Gleichverteilung ist der Gini-Koeffizient Null, bei vollkommener Konzentration Eins. Man geht davon aus, dass bis zu einem Konzentrationsgrad von 0,45 eine akzeptable Verteilungsstruktur in einer Gesellschaft vorliegt. Jenseits dieser Grenze beginnt die „soziale Perversion des ökonomischen Systems.“ 4 In der Rangordnung der Weltbank, der die Daten des
2 Der Gini-Koeffizient ist ein sozialwissenschaftliches Forschungsinstrument (Statistik) und findet heute immer häufiger in der politikwissenschaftlichen Forschung Anwendung. Zur Einführung und Vertiefung der von SPSS (Statistical Package for Social Scientists) gestützten Datenanalyse sind folgende Bücher hilfreich: Benninghaus, Hans 1998: Deskriptive Statistik, 8. Aufl., Stuttgart: Teubner.
Benninghaus, Hans 2001: Einführung in die sozialwissenschaftliche Datenanalyse, 6. Aufl., München / Wien. Bühl, Achim und Peter Zöfel 2000: SPSS Version 9. Einführung in die moderne Datenanalyse unter Windows, 6. Aufl., München u.a.: Addison-Wesley.
Für eine weitergehende Einführung in die empirische Sozialforschung sind folgende Bücher zu empfehlen: Atteslander, P. 1993: Methoden der empirischen Sozialforschung, Berlin / New York. Schnell / Hill / Esser 1999: Methoden der empirischen Sozialforschung, München / Wien.
3 Vergleiche: Maluschke, Günter, Einkommensverteilung in Brasilien: soziale und politische Perspektiven; in: Mols, Manfred / Öhlschläger, Rainer (Hrsg.) 1997: Lateinamerika: Die ungerechte Gesellschaft, Stuttgart.
4 Vergleiche: Wöhlcke, Manfred 1994: Brasilien. Diagnose einer Krise, München, Seite 44.
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Jahres 1993 zugrunde liegen, wird für Brasilien der Gini-Koeffizient von 0,60 ermittelt, gefolgt von Südafrika mit einem Wert von 0,58. Als Referenzwert kann für die modernen, westlichen Industriegesellschaften ein Wert von 0,30 (z.B. Deutschland) angegeben werden.
Für eine exakte Darstellung und Vergleich der neueren Daten steht das Kapitel 3.) a) und b). Jedenfalls hat sich an dem Wert von 0,60 für Brasilien in der letzten Dekade nichts entscheidend geändert und in den meisten Studien findet sich für die letzten drei Jahrzehnte ein vergleichbarer Wert. Dies ist gleichwohl schockierend, da die Volkswirtschaft Brasiliens gewöhnlich als achtgrößte der Welt eingestuft wird. Und trotzdem ist Brasilien seit langem der Spitzenreiter der Einkommenskonzentration. Noch fataler ist die Konzentration der Landverteilung; hier erreicht Brasilien einen Gini-Koeffizienten von über 0,80. Obwohl Brasilien in Lateinamerika als Negativ-Beispiel der sozialen Ungleichheit vorangeht, steht dieses Land - und das ist das Entscheidende - als Beispiel für die soziale Situation aller lateinamerikanischer Staaten.
b.) Die Lorenzkurve
Üblicherweise wird die Ungleichheit der Einkommensverteilung mit Hilfe der Lorenzkurve veranschaulicht. Sie gibt an, wie viel Prozent der Bevölkerung wie viel Prozent des Einkommens erhalten.
Beispiel: Abbildung 1 (Seite 8) zeigt, dass die fettgezeichnete Lorenzkurve Brasiliens weiter von der gestrichelt gezeichneten Gleichverteilungsgeraden abweicht als diejenige Costa Ricas. Das heißt Brasilien weist eine höhere Ungleichheit der Einkommensverteilung auf als Costa Rica. Da man dies in wissenschaftlichen Arbeiten anstatt mit Tabellen mit einem griffigen Wert ausdrücken möchte verwendet man den Gini-Koeffizienten um einen Wert der Ungleichheit der Einkommensverteilung zu erhalten (vergl. oben). Er ergibt sich als prozentualer
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Anteil der Fläche zwischen der Gleichverteilungsgeraden und der Lorenzkurve (A) und der gesamten Fläche unter der Gleichverteilungsgeraden (A + B). Im vorliegenden Fall weist Costa Rica einen Gini-Koeffizienten von 42 % (bzw. 0,42) und Brasilien einen von 57 % (bzw. 0,57) auf. Diese beiden Werte spiegeln also genau das wieder, was oben schon bezüglich der Betrachtung der Lorenzkurven beider Länder gesagt wurde: Die Einkommensverteilung Costa Ricas ist weniger ungleich als diejenige Brasiliens. 5
Abbildung 1: Einkommens-Ungleichheit in Brasilien und Costa Rica im Vergleich
Lorenzkurven: 6
5 Vergleiche: Schinke, Rolf, Die Ungleichheit der Einkommensverteilung Lateinamerikas aus ökonomischer Sicht, S. 76, Fußnote 1; in: Mols, Manfred / Öhlschläger, Rainer (Hrsg.) 1997: Lateinamerika: Die ungerechte Gesellschaft, Stuttgart.
6 Quelle: Schinke, Rolf, Die Ungleichheit der Einkommensverteilung Lateinamerikas aus ökonomischer Sicht, S. 92, Abbildung A1 (Anhang); in: Mols, Manfred / Öhlschläger, Rainer (Hrsg.) 1997: Lateinamerika: Die ungerechte Gesellschaft, Stuttgart.
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Arbeit zitieren:
Mag. Dominic Vaas, 2002, Entwicklungsprobleme Brasiliens und lateinamerikanischer Staaten - Befunde und Ursachen sozialer Ungleichhheiten in Lateinamerika, München, GRIN Verlag GmbH
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