Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Kirchliche Anschuldigungen 3
2.1 Die Ritualmorde 4
2.2 Der Wucher 6
2.2 Der Hostienfrevel 7
3. Die rechtliche Stellung der Juden 7
4. Pogrome 9
5. Schlussbemerkung 11
Literaturangabe 12
2
1. Einleitung
Diese Arbeit befasst sich mit der Darstellung der Ursachen und Motive der Judenpogrome der Jahre 1349 und 1350 in Köln. Die Rolle der religiösen Sonderstellung der Juden innerhalb der christlichen Gemeinschaft ist dabei ebenso einer besonderen Betrachtung zu unterziehen, wie auch die soziale und klerikale Ausgrenzung der Juden bis hin zum verhassten Dämon-Bild, welches als Ursache für die Pogrome möglicherweise bestimmend war. Die Stadt Köln stieg bis zum Mittelalter zu einer der größten Städte des Reichsgebietes und wichtigsten Handelsmetropole im Norden empor. 1
Aufgrund der Lage und vor allem der wirtschaftlichen Attraktivität gab es in der Diözese schon sehr früh jüdischen Niederlassungen. Auch auf Grund der Vertreibungen aus Frankreich kam es seit Anfang des 13. Jahrhunderts zu einem Zuwachs an Ansiedlungen, zur Jahrhundertwende verzeichnete die Diözese Schätzungen zufolge ca. 3000 dort lebende Juden. 2
Als Folge der vermehrten Zuwanderung (Das Judenviertel im östlichen Stadtgebiet verzeichnete 1240 etwa 55 Häuser, bis 1330 kamen etwa 130 Neuerwerbungen und Neubauten hinzu) wurde Juden im Jahr 1341 per Gesetz der Erwerb von Häusern und Gehöften verboten.
1349, im Jahr der Pogrome, war die jüdische Gemeinde in Köln mit geschätzten 450 Personen eine der größten des Reiches. Juden und Christen lebten noch im Frühmittelalter weitestgehend in friedlichem Miteinander, die Juden waren „eine religiöse Sondergemeinschaft innerhalb der christlichen Gemeinde“ 3 , die vor allem von der wohlhabenden kaufmännischen Oberschicht als zuverlässige und seriöse Handelspartner und Kaufleute geschätzt wurden.
2. Kirchliche Anschuldigungen
Seitens der Kirche herrschte ein ständiges Misstrauen der Kirche gegenüber den Juden, welches auf die Auslegung des 59. Psalms durch den Kirchenvater Augustinus zurückzuführen ist. Die im dritten Jahrhundert vom christlichen Gelehrten Origenes (185-254) entworfene Lehre vom vierfachen Schriftsinn veranlasste Augustinus den 59. Psalm als
1 Asari, Dr. Zvi (Hrsg.): Juden in Köln. Von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart Köln 1959, S. 47.
2 Trippen, Norbert (Hrsg.): Geschichte des Erzbistums Köln, Köln 2003, S. 588.
3 Eckert, Willehad Paul: Antisemitismus im Mittelalter. Angst - Verteuflung - Habgier: Das Gift, das die Juden
tötete, in: von Haim (Hrsg.): Geschichte des jüdischen Volkes (Das Mittelalter; 2), München 1979, S. 77.
3
Hinweis auf das jüdische Volk zu verstehen, welches ob seiner Verblendung den Messias nicht erkannte und demnach bis zur Bekehrung am Ende aller Tage lediglich als Zeugen geduldet seien. Daran anlehnend wurden die Juden forthin als Dämonen und Verräter verteufelt und klerikal geächtet. Das führte auch dazu, dass den Gerüchten um Brunnenvergiftungen, Kindermord oder die Unterstellung von grausamem (weil der christlichen Glaubensgemeinschaft feindselig gegenüberstehend) Kreditwucher bis weit in das 20. Jahrhundert hinein Glauben geschenkt wurde. Die von der Kirche geschürten Vorurteile schafften einen guten Nährboden für Gerüchte. Das latente Misstrauen äußerte sich größtenteils in Verleumdungen und haltlosen Anschuldigungen. Pabst Innozenz III. warnte den König Frankreichs im Jahr 1205 vor den Juden, die nur auf eine Möglichkeit warten, „um im geheimen ihre christlichen Gastgeber zu töten.“ 4 Das Jesuitenzeitschrift „Civilita Cattolica“ (unter Pius IX in Neapel gegründet und noch Heute vom Vatikan unterstützt) äußert sich noch im Jahre 1881 bezüglich jüdischer Ritualmorde und beschreibt die Juden als von Kindheit an zum Hass auf Christen erzogen und durchsetzt: „In fact, since they were children, jews are formally trained to hate mankind, especially Christians, as their conscience and devotion prescribe to them.“ 5 Im Jahr 1891 konnte man in der Civilita Cattolica lesen, dass der Talmud die Juden mahne, die Christen grausam zu hassen. 6
2.1 Die Ritualmorde
„Die Ursprünge der Ritualmordlegende liegen (…) nicht, wie lange vermutet wurde, im (…) Aberglauben (…). Die Urheber (…) des Wahns waren vielmehr Kleriker, also Theologen und Angehörige der höheren Geistlichkeit.“ 7
Waren Ritualmorde im Altertum vor allem Christen angedichtet worden, veränderte sich das Ziel der Beschuldigungen bis zum Spätmittelalter, was in vermehrten Anklagen gegen Juden resultierte. 8
Vor allem Prediger der Bettelorden verbreiteten meist sehr bildhafte und zur Veranschaulichung extrem ausgeschmückte Geschichten von grausamen Riten, in denen
4 Czermak, Gerhard: Christen gegen Juden. Geschichte einer Verfolgung, Nördlingen 1989, S. 55.
5 La Civilita Cattolica, Ausgabe vom 23.06.1881, Rom 1881 WEB:
http://www.romancatholicism.org/civilta.htm, Stand: 24.04.2009
6 Krämer-Badoni, Rudolf: Judenmord, Frauenmord, Heilige Kirche, München 1988, S. 76.
7 Benz, Wolfgang: Was ist Antisemitismus?, München 2004
8 Graus, Frantisek: Pest - Geißler - Judenmorde. Das 14. Jahrhundert als Krisenzeit, Göttingen 1988, S. 288.
4
Arbeit zitieren:
2006, Köln und die Judenpogrome des Mittelalters , München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
"The Established and the Outsiders. A Sociological Enquiry into C...
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Seminararbeit, 18 Seiten
Die Außenpolitik der Meiji-Zeit
Orientalistik / Sinologie - Japanologie
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
Zeit und Zeitrechnung im Umfeld der 'Karolingischen Renaissance...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
Der Japanisch-Chinesische Krieg (1894-1895) - 'Wie gestalteten sic...
Orientalistik / Sinologie - Japanologie
Seminararbeit, 15 Seiten
Der Ehestreit Lothars II. mit Königin Theutberga
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 28 Seiten
Das Mittelalter - Begriff und Periodisierungsprobleme
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit, 11 Seiten
Einführung in Leben und Werk von Norbert Elias
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Seminararbeit, 22 Seiten
Der Ausbruch aus der klassischen Struktur des Kriminalromans in Friedr...
Hausarbeit, 21 Seiten
Der Kniefall von 1970 - Ein symbolischer Durchbruch?
Geschichte Europa - and. Länder - Neueste Geschichte, Europäische Einigung
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
Rom-Erfahrungen im Spiegel literarischer Italien-Reisen in Rolf-Dieter...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Das Tagebuch als historische Quelle im Geschichtsunterricht
Hausarbeit (Hauptseminar), 16 Seiten
Mensch und Metropole - Die Rolle der Großstadt im Roman der Neuen Sach...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Objektive Hermeneutik mit besonderer Beachtung der Sequenzanalyse
Soziologie - Methodologie und Methoden
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
Der sozialdemokratische Burgfriedensschluss 1914
Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik
Seminararbeit, 16 Seiten
Anonym's Text Köln und die Judenpogrome des Mittelalters ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Anonym hat den Text Köln und die Judenpogrome des Mittelalters veröffentlicht
0 Kommentare