Inhaltsangabe:
1
1. Sachanalyse Seite 2 - 5
1.1. Der Begriff des Propheten
1.2. Der Prophet Amos
2. Didaktische Analyse Seite 6
2.1. Begründung der Lehraufgabe
2.2. Didaktische Reduktion
2.3. Einordnung in die Unterrichtseinheit
3. Voraussetzungen für den Unterricht Seite 8
3.1. Voraussetzungen bei den Schülern
3.2. Äußere Voraussetzungen
4. Stundeninhalt und Lernziele Seite 9
5. Methodische Überlegungen Seite 10
5.1. Artikulation
5.2. Mögliche Schwierigkeiten
5.3. Unterrichtsprinzipien
6. Tabellarischer Unterrichtsverlauf Seite 13
7. Literaturverzeichnis Seite 21
1. Sachanalyse
2
1.1 Zum Begriff des Propheten:
Der deutsche Begriff Prophet geht auf das griechische ! ! (Hervorsager) zurück, mit dem in der Septuaginta das hebräische nabî, also Sprecher oder Berufener, übersetzt wurde. Es bezeichnet im Alten Testament Männer, „die unter dem Einfluss Gottes in ekstatische Verzückung fallen, Visionen und Auditionen empfangen und den ihnen zuteil gewordenen Auftrag mittels symbolischer Handlungen und vor allem auf dem Wege mündlicher Übermittlung ausrichten“ 1 .
Dabei bleibt das Prophetentum als religionsgeschichtliche Erscheinung nicht auf das Alte Testament begrenzt; so finden sich beispielsweise im Alten Testament selbst Zeugnisse für kanaanäisches Prophetentum 2 , das Kaiser neben dem nomadischen Sehertum zu den Wurzeln der alttestamentlichen Prophetie rechnet 3 .
Ursprünglich unterschied man zwischen Sehern, die als Zeichendeuter in alltäglichen Dingen und bei wichtigen Entscheidungen Hilfestellung geben konnten 4 (vgl. 1 Sam 9,9) und Propheten, die in Gruppen auftraten und ihren Sitz an Kultorten hatten (Kultpropheten). Mit Amos beginnt, historisch gesehen, die Reihe der „klassischen Schriftpropheten“ 5 , deren Wirken in den Prophetenbüchern des christlichen Kanons festgehalten wird.
Ein Prophet muss verstanden werden als ein Mensch mit der Gabe, Gottes Botschaften und Offenbarungen zu empfangen und weiterzugeben 6 . Dieses Verständnis von Prophetie war eng verbunden mit einem magischen Weltverständnis: Das prophetische Sprechen war nicht nur zu verstehen als das reine An- oder Verkünden des Gotteswillen, sondern zugleich „als eine wirkende, das Angesagte selbst heraufführende Macht“ 7 . Es beinhaltet ein Moment des Außer-sich-Seins (’ ): die „Gott- oder Geisteserfülltheit“ anstelle der „menschlichen Individualität“ „beim Vollzug des prophetischen Aktes“ 8 . Die „prophetische Existenz“ ist damit, in Unterscheidung beispielsweise zum Schamanentum, von einem „spezifischen Gotteserlebnis gekennzeichnet“ 9 . So markiert und legitimiert die Botenformel „So spricht Jahwe“ das Selbstverständnis des Propheten als Boten Jahwes und macht den
1 Kaiser. Einleitung ins Alte Testament. S.212
2 siehe Lexikon Theologie und Kirche, 795 (im folgenden LThK)
3 Kaiser, 212
4 LThK 796, Kaiser 216
5 Jerusalemer Bibellexikon, 709 (im folgenden JB)
6 JB, 709
7 Kaiser, 213
8 LThK, 794
9 LThK, 795
Herrschaftsanspruch Jahwes geltend 10 Oft erfolgte die Berufung gegen den Willen des 3
Auserw ählten 11 (siehe Jes 6,5 Jer 1,6 Jona 1,1-3)
Inhaltlich handelte es sich bei prophetischen Verkündigung nicht um Wahrsagerei im Sinne
einer Zukunftsvoraussage, sondern um die „Ansage der Zukunft des Volkes oder des
einzelnen als der Zukunft Gottes“ 12 Die Propheten erkennen den Heilsplan in ihrem
konkreten geschichtlichen Kontext und treten für die Belange Gottes ein 13 In diesem Kontext
sind auch die typischen Bereiche prophetischer Kritik zu verstehen: Kritik an sozialen und
gerichtlichen Umständen sind genauso wie Kultkritik nur in der Spannung von Jahwes Willen
und Jahwes Wort, nicht aber als reine Sozialkritik zu verstehen. Neben Droh- finden sich
auch Verheißungsworte, also Mahnungen, dass das Volk Gottes sich noch besinnen und so
das drohende Strafgericht abwenden kann 14 (siehe Jer 18,7-8 Joel 2,13 Am 5,15)
Neutestamentlich gelten sowohl Johannes der Täufer als auch Jesus als Propheten 15 (Mt 21,
25-26; Mt 21, 11.46 Mk 6, 15 8, 28) Darüber hinaus ist Jesus auch die Erfüllung von
alttestamentarischer Messiasprophezeiungen 16 (bspweise Mt 27,9.10/Jer 32,9)
Eine weitere Aktualisierung erlebte die Prophetie in der Urkirche, die sie als Zeichen des
eschatologischen Geistbesitzes verstand 17 (vgl. Apg 2, 17-21) Für die Neuzeit formulierte
Johannes Paul II in der Enzyklika „Sollicitudo rei socialis“ die Sozialverkündigung der Kirche
und die christliche Sozialethik als prophetische Aufgaben 18
1.2. Der Prophet Amos:
Amos , der historisch erste der Schriftpropheten, lebte vermutlich im achten Jahrhundert vor
Christus. Laut Am 1,1 stammt er aus Tekoa im Südreich, einer Stadt am Rande der Wüste
Juda und war Schafzüchter (Am 1, 1) und Maulbeerfeigenzüchter (Am 7, 14) Sein Wirken ist
in die Zeit der Könige Ussia von Juda und Jerobeam II von Israel zu datieren (s. Am 1, 1 Am
7, 10) und kann auf die Zeit zwischen 760 und 750 vor Christus eingeengt werden.
Vermutlich dauerte seine prophetische Tätigkeit nicht länger als ein paar Monate 19 Einer
Prophetenschule gehörte er nicht an 20
10 Kaiser, 213
11 Wörterbuch des Christentums, 1004 (im folgenden WBChr) JB, 709
12 Kaiser, 219
13 LTh,K 797
14 LThK 797f, WBChr1005f, JB 711
15 JB, 711
16 JB, 711f
17 LTh,K 798
18 Heimbach-Steins, „Einmischung und Anwaltschaft: Gesellschaftskritik aus dem Geist der Prophetie“,
7
19 Kaiser, 221
20 Deissler, Zwölf Propheten: Hosea, Joel, Amos S 89
Seine Berufung führte ihn als Gerichtsprediger ins damalige Nordreich, vermutlich nach 4
Samaria als Hauptstadt Israels 21 (s. Am 3,9ff. 4,1ff. 6,1ff).
Israel befand sich zu dieser Zeit in einer wirtschaftlichen Blüte. König Jerobeam war es gelungen, den Niedergang der Feinde von Assyrien und Damaskus auszunutzen, um sein eigenes Reich zu stabilisieren 22 . Zumindest die Oberschicht des Landes genoss ein Dasein in Wohlstand und Sicherheit. Deissler führt diese Blüte auf den Einfluss kanaanäischer Staats-, Gesellschafts- und Rechtsordnung zurück 23 . Die Schattenseite dieser Entwicklung aber bestand in einer teilweisen Abwendung von der jahwistischen Rechts- und Besitzordnung Altisraels und in einem „Abfall Israels von seinem Gott“ 24 . Diesen sozialen Umbruch charakterisiert Amos als „Herrschaft der Gewalt“ (Am 6, 3) 25 . Die Blüte und Dekadenz der Oberschicht (Am 3, 12b.15; 5, 11; 6, 4-6) wurde getragen von der Verelendung der kleinen Leute und deren Ausbeutung. So klagte Amos die Schuldsklaverei (2, 6) und auch die Manipulation des Rechts durch die Oberschicht an, für die die Rechtsprechung zu einem Machtmittel geworden war (5, 12; 6, 12b): Richter ließen sich bestechen, Armen wurde nicht geholfen, Unschuldige wurden unterdrückt.
Zu dieser Sozial- und Rechtskritik gehörte zwingend für Amos auch die Kritik am Kult: Da Israel seine Erwählung durch Jahwe nicht als Verantwortung begriff, für „Recht und Gerechtigkeit im erwählten Volk“ einzutreten 26 , sondern als „Bevorzugung vor den anderen Völkern“ 27 , wurde auch der Gottesdienst zu einer leeren Farce; das kultische Handeln stand in einem scharfen Widerspruch zum alltäglichen Tun 28 . Die Ausbeutung von Menschen durch Menschen widersprach dem Jahwerecht und wurde durch übertriebenen Kult nur überdeckt 29 . Amos forderte verantwortliches soziales und rechtliches Handeln anstelle sinnentleerter gottesdienstlicher Feiern (Am 5, 21-24).
Über die Motivation des prophetischen Wirkens gibt es in der Literatur verschiedene Ansichten. So interpretiert das TRE seine Reden „nicht als Mahnung zur Umkehr“, sondern als Anstoß zur Bewusstseinsänderung: Israel sollte erkennen, dass es selbst Schuld trug an dem kommenden Unheil. Gleichzeitig sollten die Unterdrückten des Volkes erkennen, dass Jahwe auf ihrer Seite stand 30 . Das radikale Nein Jahwes über Israel (Am 8,2: „Das Ende ist gekommen für mein Volk Israel“) ist aber unumstößlich. Deissler dagegen stößt sich an
21 Deissler 89
22 Deissler, 89; Kaiser 221; Theologische Realenzyklopädie 2, 472 (im folgenden TRE)
23 Deissler, 89
24 Deissler, 89; TRE 474
25 vgl. Deissler, 474
26 Deissler, 89f
27 Deissler, 89f
28 TRE, 477
29 Deissler, 89
30 TRE, 477
dieser Interpretation: „Dennoch steht damit die Durchführung des Strafurteils nicht einfach 5 schon fest wie bei einem für unabänderlich erklärten Dekret.“ (90). Er begründet dies damit, dass so die Sendung Amos im Kontext der biblischen Prophetie ausschließlich der Verkündigung des Strafgerichts diene, und die Mahnungen zur Besserung in Am 5, 4 oder 5, 24 keinen Sinn mehr machen.
Der Text des Buches Amos lässt sich nach Deissler grob in drei Teile einteilen 31 : Er beginnt mit dem „Fremdvölkerzyklus“ (1, 3- 2, 16), in dem Jahwe neben Israel auch Fremdvölkern ihren Untergang ansagt. Hier zeigt sich ein universaler Anspruch: Auch diese Völker werden wie Israel daran gemessen, wie sie „den Schwachen und Hilflosen bei[zu]stehen“ 32 . Durch die Einreihung Israels und Juda in diesen Zyklus aber greift Amos das Überlegenheitsgefühl seiner Landsleute vor Gott scharf an und verdeutlicht, dass die Erwählung durch Jahwe nicht als Bevorzugung, sondern als besondere Verantwortung vor ihm zu verstehen ist 33 (siehe Amos 3,2).
Der sich anschließende zweite Teil des Buches Amos besteht aus Gerichtsreden gegen Israel 34 (Am 3-6), in denen Amos das Gericht des Herrn und die Strafe für Israel ankündigt und die Gründe dafür in drastischen Worten aufzeigt.
Der dritte Teil besteht aus einem Visionszyklus (7-9), unterbrochen von dem Bericht seines Konflikts mit dem Amazja, Priester in Bethel (7, 10-17). Es handelt sich um fünf Visionen, in denen Gott Amos das Strafgericht für Israel ankündigt. Kann Amos in den ersten beiden noch für Israel bitten, so prüft Jahwe in der dritten Vision symbolisch mit dem Senkblei die Schuld Israels. Diese macht eine weitere Schonung unmöglich 35 (Am 7, 7-9). Die vierte und fünfte Vision zeigen das Ausmaß der Strafe auf.
31 An dieser Stelle wird die Einteilung nach Deissler übernommen, die sich an dem ursprünglichen
Text des Amos ausrichtet, nach Abzug der redaktionellen Eingriffe während der Textgeschichte (siehe
Deissler, 91).
32 TRE, 476
33 TRE, 476f
34 Deissler, 92
35 TRE 473
Arbeit zitieren:
Romy Schwarz, 2009, Vier Unterrichtseinheiten: Der Prophet Amos, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Weihnachten - Unterrichtsentwurf
Theologie - Didaktik, Religionspädagogik
Unterrichtsentwurf, 17 Seiten
Unterrichtseinheit: Vom Sinn der Gebote: Das Doppelgebot der Liebe
Unterrichtsentwurf, 24 Seiten
Der Exorzismus - Lästiges Überbleibsel einer vergangenen Zeit oder gen...
Theologie - Praktische Theologie
Diplomarbeit, 89 Seiten
Die Kreuzzüge - ein historischer Abriss
Eine Darstellung von Gründen, ...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit, 17 Seiten
Handlungsorientierter Religionsunterricht
Theologie - Didaktik, Religionspädagogik
Hausarbeit, 28 Seiten
"Kirche und Stadt" - Entwicklung einer Unterrichtsstunde übe...
Hausarbeit (Hauptseminar), 36 Seiten
"Thatcherism" und die "campus novel": Eine Untersu...
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
Manipulation und Information in der Werbung
Medien / Kommunikation - Public Relations, Werbung, Marketing
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Juda und Tamar - Zur Exegese von Genesis 38
Theologie - Biblische Theologie
Hausarbeit (Hauptseminar), 28 Seiten
Die Unterrichtsmethode des Stationenlernens
Sachunterricht, Heimatkunde (Grundschulpädagogik)
Hausarbeit (Hauptseminar), 14 Seiten
Walter Jens: "Der Fall Judas" im kurzen Vergleich mit Jorge ...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 12 Seiten
Unterrichtseinheit: Die Heilung des blinden Bartimäus bei Mk 10,46-52 ...
Eine Einheit für die 8. Klasse
Theologie - Didaktik, Religionspädagogik
Unterrichtsentwurf, 12 Seiten
Unterrichtsstunde: Die Staatsanwaltschaft ermittelt im Fall des Putsch...
Hintergrund und Ablauf des ges...
Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik
Unterrichtsentwurf, 14 Seiten
Gefährdung der Weltmeere - Eine Unterrichtsstunde im Fach Geographie, ...
Geowissenschaften / Geographie - Geographie als Schulfach
Unterrichtsentwurf, 19 Seiten
Partizipation der Frau im frühen Christentum
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Immer die gleiche Arbeit? - Vor- und Nachteile der Arbeitsteilung am B...
Politik - Didaktik, politische Bildung
Unterrichtsentwurf, 17 Seiten
Wie wirkt sich der Wertewandel in unserer Gesellschaft aus unter dem A...
Hausarbeit, 14 Seiten
Romy Schwarz's Text Vier Unterrichtseinheiten: Der Prophet Amos ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Romy Schwarz hat den Text Vier Unterrichtseinheiten: Der Prophet Amos veröffentlicht
Romy Schwarz hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare