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Inhaltsverzeichnis
Ausgangslage. 4
Zentralismus versus Regionalismus. 5
Integration versus Nationalismus. 7
Politische versus ökonomische Interessen. 9
Schlussbemerkungen 11
Literaturverzeichnis 13
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Einleitung
Die Bildung einer loyalen Staatsnation ist von besonderer Bedeutung für die Zukunft des ukrainischen Staates. Auf der Grundlage von drei für die nationalstaatliche Entwicklung der Ukraine markanten Interessenkonflikten sollen die unterschiedlichen Interessenlagen untersucht werden. Kernfrage ist dabei: Wie lassen sich die Konfliktlinien historisch, ökonomisch oder politisch begründen? Decken sich d ie artikulierten Interessen mit den tatsächlichen Zielen der Konfliktparteien?
In der vorliegenden Untersuchung zu den Konfliktlinien in der nationalstaatlichen Entwicklung wird das Dilemma der Gleichzeitigkeit unterstellt, nach dem zur politischen und wirtschaftlichen Transformation zeitgleich eine gesellschaftliche hinzukommt, die zu zahlreichen sozio-ökonomischen Problemen führt. Darüber hinaus gibt es in der Ukraine zahlreiche Minderheiten. Die Untersuchung der Konfliktlinien beschränkt sich auf die Interessen der russischen Minderheit. Die Verhältnisse auf der Krim stellen einen Sonderfall dar, der hier nicht näher untersucht werden soll.
Ausgangspunkt ist die Annahme, dass Akteure rational und interessengeleitet handeln. Das bedeutet, dass Interessenkämpfe, bargaining und Kompromisse im Vordergrund stehen, die Zugriff auf ökonomische und politische Ressourcen erlauben. Eine Nation entsteht im Ergebnis gegenseitiger Anerkennung und ist ein soziales Konstrukt. Aber Einzelinteressen können unter Umständen die Sozialordnung einer Nation instrumentalisieren. Auf Grund vorhandener Defizite in den nationalstaatlichen Funktionen haben Einzelinteressen konkreten Einfluss auf die Ausgestaltung des ukrainischen Nationalinteresses. In der Ukraine erscheinen die Einzelinteressen in Form von Netzwerken. Wenn sich politische, ökonomische und soziale Akteure innerhalb eines übergeordneten institutionellen Rahmens über informelle Wege selbst koordinieren, indem Informationen und Ressourcen ausgetauscht werden, spricht man von Netzwerken. 1 Da die Vertrauensbasis der Mitglieder in der gemeinsamen Vergangenheit geschaffen wurde, scheint der Netzwerkansatz für post-
1 Robus 2000: 30ff.
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sozialistische Gesellschaften besonders geeignet. Die Grenzen solcher Netzwerke zwischen politischem, ökonomischem und sozialem System sind fließend. Die Interessen der Bevölkerung werden erwähnt, wenn sie von den Einzelinteressen bestimmter Netzwerke differieren. Für die vorliegende Untersuchung wurde die Einteilung der Ukraine in Makroregionen gewählt.
Nach Darstellung der Ausgangslage folgt die Arbeit einer Dreiteilung. Zuerst werden dem staatlich „verordneten“ Zentralismus die regionalen Orientierungen und Traditionen der Bevölkerung gegenübergestellt. Im Anschluss folgt der Interessenkonflikt zwischen der von den Präsidenten beschworenen Integration und den nationalistischen Strömungen. Dann geht es um die sich gegenseitig beeinflussenden und blockierenden politischen und ökonomischen Interessen. Den Abschluss bilden einige Schlussbemerkungen.
Ausgangslage
„Die U kraine ist tief gespalten in den unierten, nationalistischen, ukrainischsprachigen Westen und den orthodoxen russischsprachigen Osten.“ 2 Nach Umfrageergebnissen verstehen sich 73% der erwachsenen ukrainischen Staatsangehörigen als „ethnische Ukrainer“. 22% bezeichnen sich als „ethnische Russen“ und weitere 5% gehören zu den nationalen Minderheiten. 3 Diese ethnische Identität deckt sich nicht mit der sprachlichen. Nur 37% sprechen Ukrainisch, 42% Russisch und 20% verwenden beide Sprachen unabhängig von ihrer Identität. 4 Diese widersprüchliche Selbsteinschätzung beruht auf der historischen Teilung des Landes und der Herrschaft unterschiedlicher kultureller und politischer Traditionen.
2 Huntington 1997: 216.
3 Die Prozentangaben entsprechen 11,4 Mio. Russen und 2,7 Mio. andere Minderheiten nach Wilson 1997: 147. Hierzu zählen nach ihrem Anteil: Juden, Belorussen, Moldauer, Bulgaren, Polen, Ungarn, Rumänen, Griechen, Tataren, Armenier, Sinti und Roma, Krimtataren, Deutsche u.a. Angaben nach Volkszählung 1989 nach Jewtuch 1993: 272ff.
4 Diese Daten sind Ergebnisse der Repräsentativbefragung „Die Ukraine und ihre Regionen zwischen Russland, NATO und EU“ vom Forschungsverbund Socis Gallup. Berlin, Kiev, Zürich. 23. Juni 1997.
Arbeit zitieren:
Andrea Friemann, 2002, Interessenlagen im Nationsbildungsprozess der Ukraine, München, GRIN Verlag GmbH
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