Inhaltsverzeichnis
1. Prolog. 2
2. Entwicklungslinien. 2
2.1. Soziale Schichten. 2
2.1.1. Das Schichtmodell Rainer Geißlers. 4
2.2 Von der Klasse zur Schicht. 5
3. Der gesellschaftliche Wandel. 6
3.1 Die moderne Gesellschaft. 6
3.2. Neue Grundschicht. 9
3.3. Trend zur Mittelschicht und subjektive Schichteinteilung. 10
4. Schlussbemerkung. 12
6.Literaturverzeichnis. 13
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1. Prolog
Gesellschaften können als lernendes, sich veränderndes System aufgefasst werden. Technologien und Produktionsweisen verändern sich, kurz, ökonomische, soziale, kulturelle und politische Faktoren unterliegen durch endogene und exogene Faktoren stetigem Wandel. Zudem stehen alle genannten Faktoren in einem wechselseitigem Abhängigkeitsverhältnis, sie sind je nach Gesellschaftstypus in unterschiedlichem Maße strukturbildend. Ähnliche soziale und ökonomische Bedingungen führen häufig zu einem ähnlichen sozialen Verhalten, zum Beispiel zu einer ähnlichen Wohn- oder Freizeitkultur. Eine Gesellschaftsanalyse, die auf den internen Strukturaufbau abzielt (Sozialstrukturanalyse), muss daher den historischen und gesellschaftsspezifischen Kontext berücksichtigen.
Nicht nur die Gesellschaft per se verändert sich, sondern auch die Sozialstrukturanalyse mit der ihr eigenen Terminologie. Bislang wurde meistens der Begriff soziale Schicht zur Analyse der bundesdeutschen Sozialstruktur angewendet, in jüngster Zeit ist diese Begrifflichkeit und ihre Aussagekraft von Soziologen in Frage gestellt worden. Nach einer Abgrenzung und Bewertung des Klassenmodells gegenüber dem Schichtmodell soll diese Arbeit die These Rainer Geißlers prüfen, dass sich zur Sozialstrukturanalyse der gegenwärtigen deutschen Gesellschaft der Begriff der sozialen Schicht eignet.
2. Entwicklungslinien
2.1. Soziale Schicht
Das Schichtkonzept ist seit der Schichtungsanalyse Theodor Geigers aus den 30’er Jahren ein soziologischer Grundbegriff vorwiegend der Makrosoziologie. Mit dieser aus der Geologie übernommenen Metapher soll soziale Ungleichheit, wie sie in jeder Gesellschaft existiert analysiert werden. Hierbei zeigen sich jedoch wichtige Unterschiede zu den Erdschichten der Geologie. Soziale Schichten können horizontal wie vertikal angeordnet sein, wohingegen Erdschichten immer übereinander lagern und sich eindeutig abgrenzen. Da zur Bildung eines Schichtindex in der Regel mehrere Faktoren, wie Bildungsabschluss, Einkommen, Sozialprestige etc. sozioökonomisch miteinander kombiniert werden und das daraus resultierende Verhalten nur typisch aber nicht deterministisch ist (nach Theodor Geiger) grenzen sich soziale Schichten an den Randbereichen nur schwach ab. Einfachere eindimensionale Modelle wie Einkommens- oder Berufsschichten lassen sich zwar untereinander klarer abgrenzen, sind dafür weniger realitätsnah.
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Die in einen Schichtindex eingehenden Faktoren welche ohnehin gesellschaftsspezifisch unterschiedliche Bedeutung haben verändern sich ständig, wodurch sich auch die sozialen Schichten ändern, es kommt zur „Umschichtung“ (R. Geißler 1990 nach T. Geiger:87). Zudem ist eine soziale Schicht mehrdimensional und es gibt neben dominanter Schichtung mehrere untergeordnete Schichtungen. Dominante Schicht und Subschichten bilden jeweils durch ähnliche Lebensumstände und Lebenslagen typische Schichtmentalitäten, die sich überlagern und so eine Abgrenzung zwischen verschiedenen Schichten erschweren.
Eine Gesellschaft wird nach verschiedenen Determinanten in Schichten unterteilt. Hierbei werden Differenzen in vier unterscheidbaren gesellschaftlichen Teilbereichen unterschiedlich stark einbezogen (siehe Grafik). Politischer Teilbereich
Rainer Geißler 1990 : 94
Differenzen im ökonomischen Teilbereich beziehen sich auf die unterschiedliche Stellung des Individuums im System der Erwerbsarbeit (z.B. Betriebshierarchie).Im politischen Teilbereich zeigen sich Unterschiede in Bezug auf Macht- und Herrschaftsstruktur (die Möglichkeit des Einzelnen eigene Zielvorstellungen politisch zu verwirklichen/Einfluss). Im kulturellen Teilbereich lässt sich eine Gesellschaft nach unterschiedlichen Verhaltens-und Interaktionsmustern, spezifischen Subkulturen,
unterschiedlichen Mentalitäten und Lebensstilen differenzieren. Diese typischen Mentalitäten und kulturellen Verhaltensweisen ergeben sich aus ähnlichen Lebenslagen. Interaktionen im politischen und ökonomischen Bereich wirken so auf den kulturellen Teilbereich.
Die drei genannten Teilbereiche sind allesamt “sozial“, schließlich verweisen sie zumeist auf bestimmte Interaktionsmuster und Abhängigkeitsnetzwerke zwischen einzelnen Personen. Dennoch lässt sich ein spezieller sozialer Teilbereich ergänzen, der auf Unterschiede in Prestige, Besitz und Einkommen, sowie im Bildungsniveau verweist.
Nach Theodor Geiger lässt sich eine Gesellschaft in Gruppen mit typischer Soziallage einteilen. Die Soziallage, oder synonym der Status setzt sich aus
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mehreren Indikatoren zusammen. Diese Indikatoren sind: Lebensstandard, Privilegien, Einfluss, Rang und Sozialprestige. Die richtige Gewichtung einzelner Indikatoren unterliegt dem gesellschaftlichen Wandel ist also zeitwie ortspezifisch und keine Konstante. Aus der Soziallage ergeben sich wiederum typische Lebenschancen, also Ziele, die in einer Gesellschaft allgemein als erstrebenswert angesehen werden, verbunden mit einer schichttypischen Mentalität.
Soziale Schichtung und soziale Lagen sind Begriffe, die sich vorwiegend auf die vertikale Gliederung der Gesellschaft aufgrund struktureller Ungleichheiten und auf die Position von Personen in einer Statushierarchie beziehen. Diese Terminologie suggeriert eine Skalierung der Gesellschaft in Kategorien wie “arm“ und reich“ “oben“ und “unten“. Begriffe wie soziale Lagen beziehen sich daneben auch auf sogenannte neue soziale
Ungleichheiten, die alte, durch soziale Schichtung determinierte Ungleichheiten überlagern oder abschwächen.
In komplexe, mehrdimensionale Schichtungsmodelle finden somit nicht nur objektive (Einkommen, Lebensverhältnisse etc.), sondern auch subjektive Merkmale in Form schichttypischer Einstellungsmuster Eingang.
2.1.1. Das Schichtkonzept Rainer Geißlers
Rainer Geißler greift das Schichtmodell Theodor Geigers auf, wonach verschiedene Determinanten jeweils gesellschaftsspezifisch unterschiedlich gewichtet werden. Ein jeweiliger Schichtindex in den bestimmte Determinanten eingehen, ist daher historisch und hat keinen allgemeingültigen Anspruch wie der Marxsche Klassenbegriff, bei dem das Produktionsverhältnis durchgehend der dominierende Faktor ist (vgl: R.Geißler:86).
Nach Geißler hängen die jeweiligen Lebenschancen insbesondere von Berufsposition und in zunehmendem Maße vom Bildungsniveau ab. Diese vertikalen Unterschiede des sozialen Teilbereichs gesellschaftlicher Differenzierung seien sehr viel allgemeiner und stärker ausgeprägt als horizontale Schichtungsunterschiede wie: Geschlecht, Region, Alter und Nationalität.
Wie Theodor Geiger sieht Geißler Klassen, Kasten, Stände als historische Sonderformen des allgemeinen Schichtmodells. Der Schichtbegriff bezieht sich im Gegensatz zum Klassenbegriff nicht nur auf ökonomische Ursachen sozialer Ungleichheit. Hierdurch werden neue sozial und politisch relevante Gruppierungen erfasst.
Seit den 80’er Jahren gerät der Begriff soziale Schicht zunehmend in die Kritik. Das traditionelle Schichtmodell erfasse durch den Schwerpunkt der vertikalen Unterschiede wichtiger werdende soziale Gruppierungen wie
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Arbeit zitieren:
Malko Ebers, 2002, Soziale Schichten - Entwicklung und gesellschaftlicher Wandel, München, GRIN Verlag GmbH
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