Inhalt
1. Einleitung 3
2. Die Biographie des Peter Weiss 3
3. Jugend im Exil 5
3.1. Die Beziehung zum Vater und die Tabuisierung des Judentums 5
3.2. Die Beziehung zur Mutter 8
3.3. Heimatlosigkeit und Leben im doppelten Exil 10
3.4. Versuche zu der Loslösung vom Elternhaus 13
3.5. Die stetige Außenseiterrolle 15
4. Schlussbemerkung 17
Bibliographie
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1. Einleitung
In der autobiographischen Erzählung „Abschied von den Eltern“ berichtet der Autor Peter Weiss in Form eines Ich-Erzählers von seiner Kindheit und Jugend bis zum frühen Erwachsenenalter von fünfundzwanzig Jahren, als er das Elternhaus endgültig verlässt. Die Erzählung ist in einem Erzählfluss ohne Absätze oder sonstige Gliederungsformen niedergeschrieben. In diesem Rückblick auf die Jugendjahre seines Lebens erzählt er von seinen Eltern und dem Wunsch, gegen deren Willen einen künstlerischen Beruf zu erlernen. Entscheidend sind dabei auch die politischen Umstände dieser Zeit, die ihm die Jugendzeit zusätzlich erschwert haben und bei ihm seit der Emigration nie mehr ein Gefühl von Heimat aufkommen ließen.
„Wie die besten seiner Werke mutet auch die Biographie des Peter Weiss gleichnishaft an: es ist die Geschichte eines Mannes, der ein Leben lang auf der Suche nach einer Heimat war- und der sie schließlich gefunden hat. Aber seine Heimat war nicht ein Land und nicht etwa eine Ideologie. Vielmehr war es die Kultur, die ihm schließlich Schutz bot.“ 1
2. Die Biographie des Peter Weiss
Peter Weiss wird am 08.11.1916 als Sohn des ungarisch-jüdischen Textilfabrikanten Eugen Weiss und der Schauspielerin Frieda Weiss in Nowawes bei Berlin geboren. Seine Mutter bringt zwei Söhne, Arwed und Hans, mit in die Ehe. Aufgrund des Berufes des Vaters muss die Familie mehrmals umziehen. Schon 1918 verlassen sie Berlin und ziehen nach Bremen. Im Jahre 1920 wird dort zunächst seine Schwester Irene Franziska geboren, 1922 folgt Margit Beatrice und 1924 schließlich Alexander. Die beiden Söhne von Frieda Weiss verlassen bereits 1924, bzw. 1925 die Familie. Im Jahr 1929 zieht die Familie zurück nach Berlin. Hier besucht Weiss eine Zeichenschule und beginnt mit der Malerei. Nach einem Verkehrsunfall stirbt seine Schwester Margit 1934.
Die Familie emigriert aufgrund der politischen Situation in Deutschland Ende 1934 zunächst nach England. Später, im Herbst 1936, in die Tschechoslowakei. Zu dieser Zeit ist er von Hesse fasziniert. Er schreibt dem Schriftsteller und bittet ihn um Hilfe auf der Suche nach einem Weg, Maler und Schriftsteller zu werden. Hesse erkennt
1 Reich Ranicki, Marcel. Peter Weiss. Poet und Ermittler 1961-1982. In: Gerlach, Rainer: Peter Weiss. Frankfurt
am Main, 1984. S. 11.
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die Begabung des jungen Peter Weiss und ermutigt ihn in seiner Antwort. Es entsteht ein Briefwechsel; 1937 besucht Weiss Hesse im Tessin zum ersten Mal, und 1938 das zweite Mal. Nach dem ersten Besuch beginnt Weiss ein Studium an der Kunstakademie in Prag.
Die Eltern müssen 1938 nach der Besetzung des Sudetenlandes nach Schweden emigrieren. Weiss bleibt zunächst in der Schweiz und folgt 1939 den Eltern nach Schweden. Er arbeitet erst in der Textilfabrik seines Vaters, bevor er sich 1940 in Stockholm niederlässt. Seinen Lebensunterhalt verdient er als Musterzeichner für die Textilfabrik. Im Jahr 1943 heiratet er Helga Henschen, lässt sich aber nach der Geburt der Tochter Randi Maria 1944 wieder scheiden. Er erhält 1946 die schwedische Staatsbürgerschaft.
Zwei Jahre nach Kriegsende reist er als Korrespondent nach Berlin und schreibt Reportagen sowie den Prosatext „Die Besiegten“, welcher 1948 in schwedischer Sprache erscheint, allerdings ohne große Resonanz. Seine zweite Ehe 1949 mit Carlotta Dethorey hält wie seine erste Ehe nicht lange und scheitert nach der Geburt des Sohnes Paul.
In den Jahren 1952 bis 1961 arbeitet er als Filmkritiker, konzentriert sich schließlich aber doch komplett auf die Schriftstellerei und Malerei. Seine Eltern sterben 1958 und 1959; kurz nach dem Tod des Vaters 1959 beginnt er mit dem Schreiben des autobiographischen Romans „Abschied von den Eltern“, welcher 1961 erscheint. Doch zunächst erscheint 1960 sein 1952 geschriebener Roman „Der Schatten des Körpers des Kutschers“. „Fluchtpunkt“, was man als zweiten Teil von „Abschied von den Eltern“ betrachten kann, erscheint 1962. Für dieses Buch erhält er den Schweizer Literaturpreis. Damit gelang ihm der Durchbruch als Schriftsteller und die folgenden Jahre schenkten ihm weltweiten Erfolg.
Seine dritte und letzte Ehe geht er 1963 mit Gunilla Palmstierna ein. Die Jahre 1964 bis 1971 sind von den Theaterstücken Weiss geprägt: 1964 „Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats“, 1965 „Die Ermittlung“, 1967 „Der Gesang vom Lusitanischen Popanz“, 1968 „Viet Nam Diskurs“, 1970 „Trotzki im Exil“ und 1971 „Hölderlin“. Diese Theaterstücke werden weltweit aufgeführt, auch in beiden Teilen des geteilten Deutschlands; er erhält einige Preise und Auszeichnungen für seine Arbeit.
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Seine Tochter Nadja wird 1972 geboren. Drei Jahre danach veröffentlicht er wieder. In den Jahren 1975 bis 1981 schreibt er drei Bände über die „Ästhetik des Widerstandes“ in denen er versucht, die historischen und gesellschaftlichen Erfahrungen zwischen 1917 und 1945 zu erfassen und ihre ästhetischen und politischen Erkenntnisse darzustellen. Ebenfalls 1975 wird Kafkas „Der Prozess“ uraufgeführt, 1980 veröffentlicht „Fremde“ unter dem Synonym Sinclair, wohl in Anlehnung an Hesse. In Stockholm führt er 1982 „Der neue Prozess“ auf und führt dabei auch selbst Regie. Im Mai stirbt er in Stockholm im Alter von 65 Jahren. Posthum wird er mit dem Georg-Büchner Preis ausgezeichnet.
3. Jugend im Exil
Im Folgenden sollen Gründe beziehungsweise Ursachen dafür gezeigt werden, weshalb Peter Weiss sich stets als Außenseiter und Flüchtling fühlte. Dies beginnt bei der Beziehung zu den Eltern, die ein Kind von Geburt an prägt und beeinflusst, erstreckt sich weiter über die Emigration, welche Peter Weiss als Jugendlicher erfährt und endet schließlich bei den Versuchen, sich vom Elternhaus dauerhaft zu lösen. Die ersten drei Unterpunkte beinhalten das
Unzugehörigkeitsgefühl des Autors, das die Identitätsfindung von Anfang an immens erschweren. In Punkt 3.4. soll gezeigt werden, dass ihm die politischen Zeitumstände eine Loslösung vom Elternhaus doppelt erschwerten und sie ihm erst mit 25 Jahren gelang, als er das Elternhaus für immer verlässt. Im 3.5. wird das stetige Gefühl ein Außenseiter zu sein, Bezug nehmend auf die vorangegangenen Punkte, dargestellt.
3.1. Die Beziehung zum Vater und die Tabuisierung des Judentums
Die Beziehung zu seinen Eltern beschreibt Weiss von Anfang an als schwierig. Schon zu Beginn des Romans schreibt er: „Nie habe ich das Wesen dieser beiden Portalfiguren meines Lebens fassen und deuten können.“ 2 Das Leben des Vaters war von „unermüdlicher Arbeit“ 3 geprägt und bot der Familie ein zumindest finanziell sorgenfreies Leben. Ihm gelang es schließlich, ein Heim „durch die Jahre der Emigration hindurch, durch ständige Übersiedlungen, Anpassungsschwierigkeiten und den Krieg hindurch“ 4 zu retten. Diese Einstellung zum Leben verlangte Eugen Weiss auch von seinem Sohn, denn „Leben war Ernst,
2 Weiss, Peter. Abschied von den Eltern. Frankfurt am Main, 1961. S.9.
3 Ibid. S. 9.
4 Ibid. S. 21.
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Mühe, Verantwortung“ 5 . Peter Weiss honoriert das Verdienst des Vaters, der Familie ein neues Heim durch viel Arbeiten, viele Reisen und Fabriken zu geben: „ich sehe mich heute so, wie sie mich damals sahen, ich verstand nicht, wie schwer sie um ihr Dasein kämpften, ich verstand nicht, welch unsägliche Bemühungen es kostete, dieses Heim mit all seinen Insassen am Leben zu erhalten.“ 6 Dennoch sagt Weiss, dass der Vater nie „Glück unter diesem Besitz“ 7 erfahren hat. Eugen Weiss konnte keine Beziehung zu seinen Kindern aufbauen. Für Peter Weiss war der „stärkste Eindruck seines Wesens seine Abwesenheit“ 8 und er bemängelte überdies, dass er nie mit seinen Kindern kommunizieren konnte. Dies scheitert dann vor allem an der „Unmöglichkeit gegenseitigen Verstehens“ 9 . Besonders von der beruflichen Zukunft Peter Weiss´ haben beide unterschiedliche Vorstellungen. Sein Vater sieht ihn eher im „praktischen Berufsleben“ 10 , da er ihn für die Schule und das Studium nicht geeignet hält. Peter Weiss fügt sich dem Vorschlag des Vaters, in dessen Kontor zu arbeiten und schreibt jedoch auch, dass er seinen Eltern nicht verständlich machen konnte, „dass Malen und Schreiben eine Arbeit“ 11 für ihn waren. Gerade darin zeigt sich das von Peter Weiss geschilderte gegenseitige Unverständnis. Überdies weiß er nicht viel von seinem Vater zu berichten. Ein räumt ein, nur wenig über die Vergangenheit des Vaters gehört zu haben. Dies liegt wahrscheinlich auch darin begründet, dass die Eltern versuchten, die jüdische Abstammung des Vaters zu vertuschen. Sein Vater trat fünf Jahre nach der Heirat mit Frieda Weiss zum Christentum über, ließ auch seine Kinder taufen und sympathisierte sogar mit dem Nationalsozialismus. Die vielen Umzüge erklärte er den Kindern immer aus beruflichen Gründen heraus, aber mit dem Beginn der Emigration nach London 1934 beginnt auch eine Flucht vor der jüdischen Herkunft. Alexander Weiss, Peter Weiss´ jüngerer Bruder, beschreibt dies folgendermaßen:
„Als wir im Spätsommer 1934 Deutschland verließen, geschah dies vor allem, weil mein Vater nicht gezwungen werden wollte, seine jüdische Herkunft aufzudecken. Erst in zweiter Linie war es der Auszug aus einem Land, das bald die Nürnberger Gesetze einführen sollte, die uns alle getroffen hätten.
5 Weiss, Peter. Abschied von den Eltern. Frankfurt am Main, 1961. S. 59.
6 Ibid. S. 106.
7 Ibid. S. 11.
8 Ibid. S. 39.
9 Ibid. S. 11.
10 Ibid. S. 59.
11 Ibid. S. 104f.
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Arbeit zitieren:
Kerstin Krauss, 2007, Peter Weiss - Jugend im Exil, München, GRIN Verlag GmbH
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