Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 4
1.1 Zur Lage der Forschungsliteratur 5
1.2 Begriffsklärung. 6
1.2.1 Funktionen. 6
2 Antonomasien im Gregorius 8
2.1 Antonomasien für Gregorius 8
2.2 Antonomasien für Gott und den Teufel. 10
2.2.1 Zur Appellfunktion des Werkes 10
2.2.2 Exkurs: Zahlensymbolik. 12
2.2.3 Antonomasien für Gott- Gradmesser der Gotteserkenntnis 13
2.2.4 Der Teufel als Gegenpol Gottes 15
2.3 Nebenfiguren 17
3 Fazit. 18
4 Literaturverzeichnis. 21
4.1 Primärliteratur 21
4.2 Sekundärliteratur 21
3
1 Einleitung
Die vorliegende Hausarbeit behandelt die Gregoriusdichtung Hartmanns von Aue vor allem unter einem Gesichtspunkt: Der von Hartmann verwendeten Antonomasien. Im Verlauf der Arbeit soll dabei gezeigt werden, dass diese ein für Verständnis und Deutung des Handlungsgeschehens kaum zu unterschätzendes Instrument darstellen. Um diese Funktion der Antonomasien angemessen darstellen zu können, ist diese Hausarbeit in folgende Schritte untergliedert:
Zunächst einmal sei auf einer allgemeinen Ebene eine kurze Begriffsumgrenzung des Stilmittels vorgenommen, wobei eine knappe Gegenüberstellung mit der Metapher vorgenommen wird. Dass dieser Vergleich - aufgrund des begrenzten Rahmens der Arbeitnicht umfassend sein kann, versteht sich von selbst. Die Gegenüberstellung soll lediglich dazu dienen, die für den Zweck dieser Hausarbeit wichtigsten Eigenschaften der Antonomasie herauszustreichen. Im Anschluss an diesen Teil wird kurz auf die Lage der Forschungsliteratur einzugehen sein, um zu veranschaulichen, welch geringe Beachtung Antonomasien in der Sekundärliteratur besitzen. Um die davon abweichende und weitaus größere Bedeutung des Stilmittels zu veranschaulichen, seien die theoretischen Überlegungen zur Antonomasie im folgenden auf den Text der Dichtung 1 bezogen. Es wird dabei um eine Untersuchung der verwendeten Antonomasien gehen, innerhalb der nicht allein ihr jeweiliger Kotext in Betrachtung gezogen werden soll, sondern gleichsam ihr Zusammenspiel im übergreifenden Kontext des Werkes. Das „Konzert“, das durch die Verknüpfung der verschiedenen, mit Antonomasien belegten Personen 2 entsteht, soll so anschaulich dargestellt werden. Um dies innerhalb eines angemessenen Rahmens vornehmen zu können, werden Bezüge zu ausgewählten Werken der Sekundärliteratur unumgänglich sein. Ebenso werden, aufgrund des Aussagegehaltes der Dichtung, Bezüge zur Bibel herausgestellt werden müssen, denn - wie noch darzustellen sein wird- ist der Dichtung deutlich an der Übermittlung religiöser Inhalte gelegen.
1 Im folgenden wird- wann immer es um Textbezüge zum „Gregorius“ (von Aue, Hartmann I) geht- lediglich die Verszahl im Anschluß an das Zitat genannt. Eine umfassende Literaturangabe befindet sich am Ende der Arbeit.
2 Das Phänomen, das verschiedene Wörter benutzt werden, die denselben Bezugspunkt besitzen, gibt es natürlich nicht nur bei Personenbezeichnungen. So finden sich z.B. für den Sündebegriff folgende Ausdrücke: schulde (2290), houbetschulde (3141), oder auch missetat (2681). Obwohl diese Ausdrücke im eigentlichen Sinne keine Antonomasien darstellen, weil sie sich nicht auf Eigennamen beziehen (siehe Begriffsdefinition in 1.2), ließe sich auch hier untersuchen, welche Aspekte verdeutlicht werden. Zudem wäre grundsätzlich immer diskutierbar, welches denn der eigentliche oder „ursprünglich bezeichnende“ Begriff ist. Da es zumeist nur sehr schwer
4
1.1 Zur Lage der Forschungsliteratur
Obwohl die Antonomasie „in antiker Rhetorik und mittelalterlicher Poetik definiert und in der antiken Gerichtsrede und Poesie wie in der lateinischen Literatur des Mittelalters allenthalben genutzt wird“ 3 , finden sich erstaunlich wenig erläuternde, kommentierende oder vergleichende wissenschaftliche Arbeiten, die sich mit den Antonomasien verschiedener literarischer Werke, oder gar speziell mit denen der Gregoriusdichtung auseinandersetzen. Da nicht alle mittelalterlichen Autoren - und somit auch nicht alle Bearbeiter des Gregoriusregen Gebrauch dieses Stilmittels zeigen, mag das in manchen Fällen zu verstehen sein 4 . Gerade in Bezug auf Hartmann von Aue muss es den aufmerksamen Leser aber wundern, weil dieser Antonomasien „in ihren Möglichkeiten intensiv nutzt, wenn er die Fabel prägnant auf ihren Sinn hin deutet“ 5 . Dennoch lassen sich auch nach ausgiebiger Recherche in den Bibliographiensammlungen nur wenige Untersuchungen zum Antonomasiebegriff finden- und in Titel oder Inhaltsverzeichnis eines Sekundärwerkes taucht der Begriff demzufolge höchst selten 6 auf. Nichtsdestotrotz erwähnen einige Autoren 7 , die sich mit der Interpretation der Werke Hartmanns beschäftigen, im Verlaufe ihrer Untersuchungen dieses Stilmittel und beziehen es in ihre Gesamtinterpretation mit ein. Sie verdeutlichen so, dass sie ihr Vorhandensein erkennen- ohne aber ihre Bedeutung und Tragweite zu realisieren. Somit erwecken sie den Eindruck, dass sie es für unnötig halten, sich ausgiebiger mit ihnen zu beschäftigen. Eine Beantwortung der Frage, warum dies so ist, wäre müßig und würde ihren spekulativen Charakter nie verlieren 8 . Deshalb sei von einem solchen Versuch hier abgesehen.
Ist der einzelne Rezipient bei der Analyse der Antonomasien somit zwar im Wesentlichen auf seine eigenen Gedanken angewiesen- so kann er doch von der umfangreichen Sekundärliteratur zum Gregorius Gebrauch machen, denn diese bietet fundiertes und dichtungsübergreifendes Wissen, welches an den Antonomasien punktuell verdeutlicht werden kann.
möglich sein wird, diesen klar festzustellen, sei auf derartige Diskussionen im Rahmen dieser Hausarbeit verzichtet.
3 Freytag, 143.
4 Insbesondere ist zu beachten, dass „dieser Tropus in den volkssprachigen Gregoriusdichtungen der afrz. „Vie“ und mehr noch der frühnhd. Legendare praktisch überhaupt keine Rolle“ spielt (ebd., 153) und es sogar der Fall zu sein scheint, „dass die Bearbeiter Hartmanns diesen stilistischen Kunstgriff und seine interpretatorische Funktion ignorieren“ (ebd.).
5 ebd., 142.
6 Vgl.: ebd..
7 Vgl. z.B.: Steinle, Gisela, Kennzeichnen durch Bezeichnen, 36 ff. ; sowie: Dahlgrün, Corinna, 117.
5
1.2 Begriffsklärung
Als Antonomasie bezeichnet man „die Umschreibung eines bekannten Eigennamens durch charakteristische Beiwörter oder Eigenschaften“ 9 , die sich z.B. auf Volkszugehörigkeit oder Beruf bezieht. Eine solche Umschreibung kann durch ein einziges Wort vorgenommen werden, wie beispielsweise in der Antonomasie „der Nazarener“ für Jesus. Es ist aber auch möglich, Umschreibungen in umfangreicherem Maße vorzunehmen, wobei man dann von sog. periphrastischen Antonomasien 10 spricht 11 . In beiden Fällen dienen Antonomasien jedoch denselben Zwecken, weshalb sie im folgenden auch nicht ausdrücklich unterschieden werden.
1.2.1 Funktionen
1. Der stilistische Wert der Antonomasie liegt in der Vermeidung „wiederholter Namensnennung“ 12 . Mit ihrer Hilfe ist es möglich, sich in einem Text 13 wiederholt auf dieselbe Person zu beziehen, ohne dabei jeweils dasselbe Substantiv verwenden zu müssen.
2. Neben ihrer stilistischen Bedeutung besitzen Antonomasien jedoch auch heuristische Funktionen und um diese soll es im Verlauf dieser Hausarbeit primär gehen. Dadurch dass Antonomasien ihre Wurzel in bestimmten Eigenschaften einer Person haben, ist es dem Autor mit ihrer Hilfe möglich, dem Leser zu verdeutlichen, welche Charakteristika einer Person innerhalb eines Erzählabschnittes von besonderer Bedeutung sind. Er kann somit eine „präzisiere, pointiertere Akzentuierung“ 14 vornehmen, als das durch die bloße Wiederholung des Eigennamens möglich wäre. Gleichsam können inhaltliche Aspekte der Erzählung in wenigen Worten komprimiert werden, die bereits vorher oder im Anschluss in epischer Breite ausgeführt werden können. Wenn dies der Fall ist, dann reicht die Bedeutung von Antonomasien „über
8 Ähnlich verhält es sich mit der Frage, wie folgenreich dieses Versäumnis ist, denn die Gesamtaussage eines Textes wird je nicht lediglich anhand der Stilmittel deutlich. Dennoch machen diese häufig einen besonderen Reiz desselben aus.
9 Wilpert, 40.
10 Vgl.: Freytag, 144.
11 In unserem Beispiel würde die Antonomasie lauten: „Der, der aus Nazareth kam...“
12 Wilpert, 40.
13 Da es sich bei dieser Hausarbeit um ein Textinterpretation handelt, seien Antonomasien auch nur hinsichtlich der geschriebenen Sprache betrachtet. Dabei ist jedoch klar, dass sie sich ebenso in mündlichen Äußerungen finden.
14 Freytag, 143.
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Arbeit zitieren:
Hanno Frey, 2000, Antonomasien im Gregorius von Hartmann von Aue, München, GRIN Verlag GmbH
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