Webbasierte Geschäftsmodelle für Musikdownloads im Internet
und ihre Zukunftsfähigkeit
Inhaltsverzeichnis Seite
I Abbildungsverzeichnis
II Abkürzungsverzeichnis
1 Einführung 1
1.1 Motivation und Vorgehensweise 1
1.2 Allgemeine Fakten zur Musikindustrie 3
1.2.1 Begriff Musikindustrie 3
1.2.2 Zahlen der Musikindustrie 3
1.2.3 Die „Big Four“ und die „Indies“ 4
2 Der Musikmarkt im Wandel der Zeit 5
2.1 Der traditionelle Musikmarkt 6
2.1.1 Die Musikanfänge 6
2.1.2 Die Entwicklungsgeschichte der Speichermedien 7
2.2 Der Weg zum Online-Musikmarkt 10
2.2.1 Geschichtlicher Kontext zum Internet 10
2.2.2 Die Anfänge der Musiktauschbörsen 12
2.2.2.1 Client-Server-Modell und Peer-To-Peer-Modell 12
2.2.2.2 Das digitale Musikformat MP3 14
2.2.2.3 Die Geschichte von Napster 14
2.2.3 Musikpiraterie im Internet heute 17
2.2.4 Grundtypen von Geschäftsmodellen für Musik im Internet 19
2.2.4.1 Unentgeltliche B2C-Services (Quadrant I) 20
2.2.4.2 Kostenpflichtige B2C-Services (Quadrant II) 21
2.2.4.3 Die unentgeltlichen und kostenpflichtigen
P2P -Services (Quadranten III und IV) 21
2.3 Zwischenfazit Kapitel 2 22
3 Die Marktteilnehmer und die veränderten Wertschöpfungen der Musikindustrie 23 3.1 Weitere Marktteilnehmer der Musikindustrie 23 3.2 Die Wertschöpfungskette der Musikindustrie 25
3.3 Gesamtergebnis des dritten Kapitels 35
4 Die Geschäftsmodelle Musicload und iTunes im Vergleich 36 4.1 Die Analyse von Musicload 37
4.2 Die Analyse von iTunes 51
4.3 Das Gesamturteil der beiden Geschäftsmodelle 58
5 Mögliche zukünftige Modelle 59 5.1 Flatrate-Geschäftsmodell 59 5.2 Internetfähige MP3-Player 60 5.3 „Musictube“ 60
6 Fazit 61
7 Literatur- und Quellenverzeichnis 64
I Abbildungsverzeichnis
Titel Seite
Abbildung 1: Musikdownload-Prognose
Abbildung 2: Übersicht über die Umsatzanteile der Plattenfirmen
Abbildung 3: Musikformate und Endgeräte im Jahre 1983
Abbildung 4: Anzahl der Internetnutzer in Millionen
Abbildung 5: Das Client-Server-Modell
Abbildung 6: Das Peer-To-Peer-Modell
Abbildung 7: Funktionsweise von Napster
Abbildung 8: Funktionsweise von Gnutella
Abbildung 9: Wert von Musikpiraterie und Musikkopien zu
Endverbraucherpreisen in Mio. Euro
Abbildung 10: Grundtypen von Geschäftsmodellen für Musik
im Internet
Abbildung 11: Medienformate und Endgeräte 2005
Abbildung 12: Akteure der Musikwirtschaft
Abbildung 13: Die klassische Wertschöpfungskette nach Porter
Abbildung 14: Die Wertschöpfungskette der traditionellen
Musikindustrie
Abbildung 15: Wertschöpfung einer Audio-CD
Abbildung 16: Die Wertschöpfung der Musikindustrie nach der
Digitalisierung
Abbildung 17: Wertschöpfung eines „iTunes“-Track in Prozent
Abbildung 18: Screenshot von Musicload
Abbildung 19: Die Musicload-Preispolitik
Abbildung 20: Beispiel aus der Produktpalette bei Musicload und die
jeweiligen DRM der Plattenfirmen
Abbildung 21: Gesamtergebnis des Musicload-Tests
Abbildung 22: Screenshot vom iTunes Music Store
Abbildung 23: Gesamtergebnis des iTunes-Tests
Abbildung 24: Das Musikdownload-Traummodell
II Abkürzungsverzeichnis
% -Prozent € -E u r o & -und -Copyright 56k -56 Kilobyte pro Sekunde A & R -Artist and Repertoire AAC -Advanced Audio Coding AEG -Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft AG -Aktiengesellschaft Anm. des Verf. -Anmerkung des Verfassers AIZ -Autonomous Zone Industries ARPA -Advanced Research Projects Agency ASP -Application Service Provider ATRAC -Adaptive Transform Acoustic Coding B2C -Business To Consumer BITKOM -Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. BMG -Bertelsmann Music Group bzw. -beziehungsweise ca. -circa, ungefähr CD -Compact Disc Cm -Zentimeter d.h. -das heißt DAT -Digital Audio Tape Dr. -Doktor DRM -Digital Rights Management DSL -Digital Subscriber Line DVD -Digital Versatile Disc e.V. -eingetragener Verein E-Mail -Electronic Mail E-Commerce -Electronic Commerce E-Shop -Electronic Shop EMI -Electric and Musical Industries etc. -et cetera f. -folgende FAQ -Frequently Asked Questions ff. -fortfolgende GEMA -Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte GfK -Gesellschaft für Konsumforschung GmbH -Gesellschaft mit beschränkter Haftung Herst. -Herstellung, Hersteller IFPI -International Federation of the Phonographic Industry Inc. -Incorporated Inkl. -Inklusive Ing. -Ingenieur IT -Information Technology KB - Kilobyte
Kbit/s -Kilobit pro Sekunde LP -Langspielplatte, Long Play MB -Megabyte MC -Music Cassette MD -Mini Disc Mil-Net -Military Networks Mio. -Millionen mm -Millimeter MMS -Multimedia Messaging Services MP3 -MPEG-1 Audio Layer 3 MPEG -Moving Pictures Expert Group Mwst. -Mehrwertsteuer OS -Operating System
P2P -Peer-To-Peer PC -Personal Computer Prof. -Professor ra -Real Audio RAM -Random Access Memory RCA -Radio Corporatrion of America RIAA -Recording Industry Association of America rm -Real-Player Video RSS -Really Simply Syndication, Internetnachrichtenformat S. -Seite SACD -Super Audio Compact Disc TV -Television u.a. -unter anderem USA -United States of America usw. -und so weiter VCR -Video Cassette Recorder Vertr. -Vertrieb Vgl. -Vergleiche (mit) wav. -Wave www. -world wide web WMA -Windows Media Audio XP -eXPerience z.B. - zum Beispiel
1 Einführung
Diese Diplomarbeit entstand im Rahmen des betriebswirtschaftlichen Studiengangs mit dem Schwerpunkt Marketing an der Fachhochschule Gelsenkirchen, Abteilung Bocholt. Sie bildet die Abschlussprüfung dieses in der Regelstudienzeit acht Semester andauernden Studiengangs.
1.1 Motivation und Vorgehensweise
Im Jahr 1976 sang der Musiker John Miles „Music was my first love and it will be my last“. Eine Tatsache, die Millionen Menschen teilen; Musik ist allgegenwärtig, begleitet unser ganzes Leben, steht häufig für Epochen und Lebensabschnitte. Sie bringt die Stimmung auf Feten und Emotionen in Filme. Wer kann sich schon ein Leben ohne Musik vorstellen?
Diese Arbeit befasst sich aber nicht mit den emotionalen Komponenten von Musik, sie erklärt nicht, wie der Mensch bzw. das menschliche Gehirn in Gegenwart von Musik reagiert oder was die Faszination der Töne ausmacht. Hier soll es um ein reines (Geld-)Geschäft gehen: Die Musikindustrie. Eine Branche, die Menschen zu Millionären gemacht hat, aber auch Leben zerstört hat.
Die Fragen, die in dieser Arbeit beantwortet werden sollen, befassen sich schlicht mit betriebswirtschaftlichen Fakten, hier im speziellen mit dem Musikmarkt im Internet, was bedeutet: Downloads im Internet. Auch der Verfasser selbst hat einen Teil der Entwicklung mitgemacht: Während er in den 1990er Jahren noch Kassetten oder später verstärkt CDs gekauft hatte, beschränkt er sich seit dem Jahr 2002 eher auf Musikdownloads im Internet. Seine gut bestückte CD-Sammlung ist seitdem stagniert, die Anzahl seiner Musikstücke allerdings nicht. Wie man Umfragen entnehmen kann, teilt er diese Erfahrung mit vielen Menschen. Abbildung 1 zeigt diese Downloadentwicklung der letzten Jahre in Zahlen und verdeutlicht die neuerlangte Wichtigkeit für die Musikindustrie in Deutschland und auch weltweit. Schon als Laie erkennt man, dass ein neues Denken für die Musikbranche von Nöten ist: Ein Hauptaugenmerk muss nun auf den digitalen Musikmarkt gerichtet werden, die „physischen“ Produkte wie CDs bleiben zwar erhalten, verlieren aber an Bedeutung.
Abbildung 1: Musikdownload Prognose Quelle: http://www.big-screen.de/deutsch/pages/news/allgemeine-news/2007_02_28-musik-
download.php (Stand: 05.06.2008)
Dass die Macher der Musikindustrie aber auch aufgrund von illegalen Downloads stöhnen, bleibt niemandem verborgen. Warum das konkret so ist, wie sich die Wertschöpfung im Laufe der Jahre verändert hat, wird in einem späteren Kapitel dargestellt.
Die Arbeit wird zunächst einen Überblick über die Musikindustrie im Wandel der Zeit geben, von den traditionellen Anfängen im Grammophon-Zeitalter bis hin zum Absatzmarkt im Internet. Auch der Musikpiraterie im Internet wird ein Unterkapitel gewidmet.
Im dritten Kapitel werden die einzelnen Marktteilnehmer genauer unter die Lupe genommen, von den Produzenten/Labels bis hin zum Handel wird deutlich gemacht, wer wie und in welcher Form von den Absätzen profitiert und welche Interessenten es gibt. Der Schwerpunkt wird dann im vierten Kapitel besonders bei den Geschäftsmodellen von „Musicload“ (Deutsche Telekom AG) und iTunes (Apple) liegen. Die Grundfragen, die in dieser vorliegenden Arbeit behandelt werden, lauten: Sind solche Musikdownload-Geschäftsmodelle, wie sie von Apple oder der Telekom praktiziert werden, ein Zeitphänomen oder werden sie sich langfristig auf dem Markt etablieren können? Welche Vorraussetzungen müssen geschaffen sein, um erfolgreich im Markt überleben zu können? Was kann die Zukunft auf diesem Gebiet noch bieten, wie lassen sich Kunden binden und die Musikpiraterie bekämpfen? Auf
all diese Fragen wird der Autor dieser Arbeit versuchen, eine gezielte Antwort zu finden.
Um eine bessere Lesbarkeit zu gewähren, wird in der gesamten Arbeit auf die weibliche Grammatik verzichtet. Der Verfasser bittet weibliche Leser daher um Verständnis.
1.2 Allgemeine Fakten zur Musikindustrie
In diesem Kapitel wird erst der Begriff „Musikindustrie“ definiert, außerdem allgemeine Zahlen zum jährlichen Umsatz kurz angeschnitten. Im letzten Unterkapitel werden die Plattenfirmen, die Majors und die so genannten „Indies“, als wichtigste Marktteilnehmer der Musikindustrie vorgestellt.
1.2.1 Begriff Musikindustrie
Laut Hanno Beck verstehen wir die Musikindustrie als „die Gesamtheit aller Marktteilnehmer, die sich fortlaufend systematisch mit Herstellung, Verkauf und Vermarktung musikalischer Produkte befassen.“ 1 Schon anhand dieser Definition wird deutlich, dass darunter auch neue Marktteilnehmer fallen, die durch die nichtphysische Vermarktung von musikalischen Produkten hinzugekommen sind wie z.B. Betreiber von Downloadplattformen oder Anbieter von Klingeltönen. Zu den einzelnen Marktteilnehmern - sowohl in der traditionellen als auch in der heutigen Musikindustrie - wird in späteren Kapiteln genauer eingegangen.
1.2.2 Zahlen der Musikindustrie
Die Musikbranche erzielte im Jahre 2006 einen weltweiten Umsatz von 31,8 Milliarden US Dollar. 2 Die Entwicklung des Umsatzes ging seit 1999 fast kontinuierlich zurück. Erzielte die Branche zum Ende des Jahrtausends einen Umsatz von über 40 Milliarden US Dollar, so waren es sieben Jahre später gute neun Milliarden weniger.
Die größten Absatzmärkte der Musikindustrie sind die USA, gefolgt von Japan, Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Auf Kontinente bezogen liegt Europa knapp vor Amerika, gefolgt von Asien.
1 Vgl. Beck (2002), S. 2
2 Vgl. www.ifpi.de (Stand : Juli 2008)
1.2.3 Die „Big Four“ und die „Indies”
Dominiert wird der internationale Musikmarkt klar von den so genannten „Big Four”, die zusammen einen Weltmarktanteil von etwa 75 % besitzen. 3 Die „Big Four“ sind im Einzelnen Sony BMG mit 25 %, die Universal Music Group mit 24 %, sowie EMI und Warner Music mit je 13 % am Weltmarkt. Diese Unternehmen dominieren den Tonträgermarkt, sind also die Global Player in der Musikindustrie. 4 Die übrigen 25 % fallen den so genannten Independent Labels, auch „Indies“ genannt, zu. Früher war immer die Rede von den „Big Five“, was seit der 2004 erfolgten Fusion zwischen der Bertelsmann Music Group (BMG) und Sony Music aber nicht mehr der Fall ist.
Die Majors entstanden in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts aufgrund der zunehmenden Globalisierung. 5 Unternehmen, deren Vertrieb regional aufgebaut war, konnten ihr Vertriebsnetz nicht so ausbauen, wie es der Markt erforderte, was anfangs zu einer Übernahme des Vertriebs durch die Majors führte. Später wurde das komplette Unternehmen übernommen. Majors sind Tochterunternehmen von internationalen Konzernen, so gehört beispielsweise BMG zum Bertelsmann Konzern.
Die Independent Labels oder „Indies“ sind, wie der Name bereits andeutet, unabhängige Labels. 6 Sie sind meistens kleinere Plattenfirmen, die sich von der allgemeinen Masse abzusetzen versuchen. 7 Als derzeit weltweit bekanntestes Independent Label gilt Egitaph mit Künstlern wie „The Offspring“ oder „Bad Religion“. Anhand solcher Künstler wird deutlich, dass es sich nicht um massenkompatible Musiker bzw. Produkte handelt. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich z.B. Menschen über 50 diese Musik anhören geschweige denn kaufen würden, ist eher gering. „Indies“ produzieren also am „Mainstream“ vorbei, versuchen nicht zwanghaft alle Menschen zu begeistern. Ziel ist es eher Trends zu entwickeln oder Neues zu erfinden. Während die Philosophie der Majors eher besagt, dass nur dann produziert wird, wenn mit dem Produkt auch Geld zu verdienen ist, gilt für die Independent Labels eher die Haltung, musikalisch Einzigartiges zu schaffen und das
3 Vgl. Sauer (2007), S. 19
4 Man spricht auch von „Major Record Companies“ als Big Player im Musikgeschäft
5 Vgl. Sauer (2007), S. 23
6 Der Begriff „Label“ bezeichnet allgemein eine Marke. Einzelne Plattenfirmen bedienen sich meistens je nach Musikrichtung verschiedener Labelnamen. So verfügt allein Sony BMG über mehr als 200 verschiedene Labels, nachzulesen auf www.sonybmg.com (Stand: 26.06.2008). So wird es dem potentiellen Käufern einfacher gemacht, verschiedene Musikstile auseinander zu halten.
7 Vgl. Sauer (2007), S. 24 f
reine Geldverdienen in den Hintergrund zu ziehen. Geld verdienen ließe sich nämlich dann am besten, wenn man etwas Besonderes kreiert hätte. Weitere typische Beispiele dieser unabhängigen Labels sind auch viele Hip Hop-Künstler, deren Musik eher junge Menschen anspricht und die aufgrund vieler Faktoren - beispielsweise aggressiver Wortwahl der Songtexte - von den Majors häufig ignoriert wurden, so dass viele Musiker gezwungen waren, eigene kleine Unternehmen zu gründen. Generell behauptet man von Zielgruppen der „Indies“, dass sie jünger und „progressiver“, also fortschrittlicher seien. Kooperationen zwischen Majors und „Indies“ sind dennoch nicht unüblich. Hauptgrund sind die besseren Vermarktungsmöglichkeiten, die durch den guten Vertrieb der Majors entstehen und bei den kleinen Labels nicht immer gewährleistet ist. Absatzzahlen von 10000 Tonträgern gelten nämlich bei „Indies“ schon als Erfolg. 8
Abbildung 2: Übersicht über die Umsatzanteile der Plattenfirmen
Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Christoph Sauer, S. 19, „Das Internet als
Vermarktungsweg für die Tonträgerindustrie“ (2007), der sich auf die Zahlen des Jahresberichts von
2004 des Bundesverbandes Phonographischer Wirtschaft bezieht; abrufbar auf www.ifpi.de (Stand:
Juli 2005)
Weitere Akteure der Musikindustrie werden in Kapitel 3 dargestellt.
2 Der Musikmarkt im Wandel der Zeit
Heute gibt es zwei Marktbereiche in der Musikindustrie: Zum einen den traditionellen Markt, den „physischen“ Markt, in dem Musik auf Tonträgern wie Schaltplatten oder CDs hergestellt, und so an den Endverbraucher vermarktet und
8 Bei Majors sollten es schon (je nach Künstler) mindestens 30000 bis 50000 Platten sein
verkauft wird. Zum anderen den Online-Musikmarkt, der erst verstärkt seit Anfang des 21. Jahrhunderts als ernstzunehmende Industrie angesehen werden kann. Obwohl es in dieser Arbeit verstärkt um die webbasierten Geschäftsmodelle geht, ist es dennoch von Bedeutung, auch den altbewährten Markt genauer zu erläutern, zumal er laut Jahresbericht 2007 des „Bundesverband Musikindustrie“ immer noch gute 85 % des Umsatzes ausmacht. 9
In diesem Kapitel geht es allerdings noch nicht konkret um die verschiedenen Marktteilnehmer und die Wertschöpfungen dieser beiden Märkte. Darauf wird in Kapitel 3 eingegangen. Hier sollen vor allem die verschiedenen Medienformate und Endgeräte dargelegt werden. Außerdem wird es eine kleine Einführung zur Geschichte des Internets geben und die Entwicklungen des Online-Musikmarktes, angefangen von den Downloadplattformen wie Napster bis hin zu den „legalen“ Geschäftsmodellen wie iTunes. Auch die Musikpiraterie im Internet wird thematisiert.
2.1 Der traditionelle Musikmarkt
Im Verlauf dieses Abschnitts soll der Weg der Musik aufgezeigt werden: Von der Zeit, als Musik noch keine ökonomische Bedeutung hatte bis hin zur Entwicklung der uns bis heute bekannten Speichermedien.
2.1.1 Die Musikanfänge
Es ist weniger verwunderlich, dass die Musik vor vielen Jahrhunderten noch keinerlei ökonomische Bedeutung hatte. Sie wurde vor allem zur Anbetung von Göttern verwendet und erst zu Beginn des Mittelalters zu Unterhaltungszwecken aufgeführt. 10 Sie wurde als Hofmusik bezeichnet und ausschließlich mit Saiteninstrumenten (Harfen z.B.) von so genannten Troubadours in Frankreich, Minnesängern in Deutschland, Minstrels in England oder Trobadores in Spanien vorgetragen. Durch die steigende Nachfrage nach Musikdarbietungen entstand der Beruf des Musikers. Ein Stamm solcher Hofmusiker wurde von Hofherren für Festlichkeiten gehalten.
Es gab in der Anfangszeit der Musik aber eine große Schwierigkeit: Die Musik konnte in keiner Form aufbewahrt werden. Dies änderte sich durch die Erfindung des
9 Die CD war 2007 mit 81 % der größte Umsatzträger, dahinter Musikvideos mit 9 %. Alles genauer nachzulesen unter www.ifpi.de
10 Vgl. Abendroth (1978), S. 14 f
Buchdrucks durch Johannes Gutenberg im 15. Jahrhundert. Nun war es möglich, Musik schriftlich in Worte zu fassen und zu komponieren. 11 So gab es seit dem Zeitpunkt sowohl komponierende Musiker, die ihre Stücke selbst ausführten und rein „ausführende“ Musiker, die nicht selbst komponierten.
2.1.2 Die Entwicklungsgeschichte der Speichermedien
Nachdem es möglich geworden war, zumindest schriftlich (Musik-)Texte festzuhalten, stand die Wissenschaft nur noch vor dem Problem es möglich zu machen, gesprochene oder gesungene Worte konservieren zu können, ohne sie wiederholen zu müssen. Um dies realisierbar zu machen, war es also nötig ein Speichermedium bzw. Tonträger zu erfinden.
Am 18. Juli 1877 gelang Thomas Alva Edison (1847 - 1931) ein erster Erfolg: Mit Hilfe eines mit Paraffin überzogenen Papierstreifens, den er an einer Membran mit Nadelspitze vorbeizog, gelang es ihm, sein eigenes Wort (der Legende nach sein „Hello“) einzufangen und wiederzugeben. 12 Er nannte diese Erfindung den „Phonographen“, der zur Sensation des Jahres 1878 wurde. Dennoch hatte Edisons Methode einen Nachteil: Vervielfältigungen waren nicht möglich. Durch dieses Problem entstand der Beruf des Walzensängers, der nichts anderes machte, als auf jede einzelne Walze dasselbe Stück aufzunehmen. 13 Der Deutsche Emil Berliner erkannte diese Problematik und experimentierte mit dem Phonographen. Er änderte den Winkel zwischen Nadel und Trägerfolie um 90 Grad und erfand damit die so genannte Seitenschrift, die sich nicht mehr als Punkt- sondern als Zick-Zack-Furche darstellt.
Berliner entwickelte eine Scheibe, von der er glaubte, dass er sie später abpressen könne. Diese bestand aus mit Wachs überzogenem Zink, hatte einen Durchmesser von 12 Zentimetern und lief mit 150 Umdrehungen pro Minute. Er nahm diese Zinkscheibe, tauchte sie in eine stark nach Benzin riechende Flüssigkeit und überzog diese anschließend mit einer dünnen Wachsschicht. Bei der anschließenden Aufnahme durchschnitten die Töne das Wachs bis auf das blanke Metall. Nach dem
11 Vgl. Kulle (1998), S. 5 f
12 Infos zur Entwicklungsgeschichte der Speichermedien hauptsächlich entnommen aus www.tonaufzeichnung.de (Stand: 1. Juli 2008)
13 Vgl. Große (1989), S. 19
Ende der Aufnahme wurde die Platte in ein Chromsäurebad getaucht, wodurch die Schalllinien in das Zink geätzt wurden und die Platte dauerhaft konserviert wurde. 14 Danach wurden aus dem Rohling Pressfolien hergestellt. Im November 1887 meldete Berliner sein „Grammophon“ zum Patent an und ein Jahr später verwendete er eine Mischung aus Schellack, Graphit, verschiedenen Fasern und Gesteinsmehl als Ersatz für Pressfolien. Die Schellackplatte war geboren und sollte 60 Jahre führend in der Plattenindustrie bleiben. 15 1909 etablierte sich ein Fachhandel für Grammophon und Schallplatte, da die Nachfrage schon so dermaßen gestiegen war, dass sie kaum noch befriedigt wurde.
Der 21. Juni 1948 sollte ein weiterer Meilenstein der Tonträgergeschichte werden: Der ungarisch-amerikanische Physiker Dr. Peter Carl Goldmark (1906 - 1977) erfand die Vinyl-Schallplatte. Die Columbia Phonograph Company, Tochterunternehmen der von Edison gegründeten National Phonograph Company und der United States Grammophone Company von Emil Berliner, nannte die Platte erstmals Langspielplatte (LP). Sie zeichnete sich durch eine Spielzeit von 23 Minuten aus (bei den Vorgängern war es gerade mal eine Minute oder später bei „verbesserten“ Platten zwei Minuten), die Abspielgeschwindigkeit wurde von 78 auf gute 33 1/3 Umdrehungen pro Minute reduziert. Das neue Material sorgte auch dafür, dass die Schallplatte an Qualität gewann, da die Eigengeräusche auf ein Minimum reduziert wurden. 16 Später entwickelte die Radio Corporation of America (kurz: RCA-Victor) eine Platte, die mit einer Geschwindigkeit von 45 Umdrehungen abgespielt werden musste. Es begann ein „Krieg der Geschwindigkeiten“ („War of Speeds“), dessen Endresultat es war, dass klassische Stücke auf 33 1/3 LPs und Unterhaltungsmusik auf 45er Platten, den so genannten Singles, in den Handel gebracht wurden. Die Vinylplatte als LP und Single sollte bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts der weltweit am meisten verbreitete Tonträger bleiben. 17 Nicht außer Acht lassen darf man die Entwicklung der Tonbandgeräte und der Compact Cassette. Der Vorgänger des Tonbandgerätes - ein Telegraphon - entstand bereits zeitgleich zur Erfindung von Schallplatten durch den Dänen Valdemar Poulsen. Doch erst im Jahre 1928 veröffentlichte der Deutsche Fritz Pfleumer das erste Tonbandgerät. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern, die seit Jahren auf
14 Vgl. Kuhnke/Miller/Schulze (1976), S. 164
15 Vgl. Reichhardt (1962), S. 99
16 Vgl. Walter (2000), S. 18 f
17 Vgl. Sauer (2007), S. 4
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Dipl.-Betriebswirt Daniel Garcia Dinis, 2008, Webbasierte Geschäftsmodelle für Musikdownloads im Internet und ihre Zukunftsfähigkeit, München, GRIN Verlag GmbH
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