Bedeutung des Investor Relations für die Unternehmungsführung
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
Abk ürzungsverzeichnis 4
Diplomarbeit 1
Industrielles Management und Controlling 1
Bedeutung des Investor Relations 1
f ür die Unternehmungsführung 1
Inhaltsverzeichnis 2
Abk ürzungsverzeichnis 6
AG Aktiengesellschaft 6
AktG Aktiengesetz 6
AIMR Association for Investment Management 6
BFuP Betriebswirtschaftliche Forschung und Praxis 6
B örsG Börsengesetz 6
B örsZulV Börsenzulassungsverordnung 6
bzgl. bezüglich 6
bzw. beziehungsweise 6
CAPM Capital Asset Pricing Modell 6
CEO Chief Executive Officer 6
cor. corporation 6
DAI Deutsches Aktieninstitut 6
DBW Die Betriebswirtschaft 6
d.h. das heißt 6
DIRK Deutscher Investor Relations Kreis 6
DStR Deutsches Steuerrecht 6
DVFA Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Anlageberatung 6
e.V. eingetragener Verein 6
FD Fair Disclosure 6
HGB Handelsgesetzbuch 6
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Bedeutung des Investor Relations für die Unternehmungsführung
Hrsg. Herausgeber 6
IAM Internationale Anleger Messe 6
IAS International Accounting Standards 6
i.d.R. in der Regel 6
IR Investor Relations 6
M A Mergers and Acquisitions 6
NASDAQ National Association of Securities Dealers Automated Quotations 6
NIRI National Investor Relations Institute 6
Nr. Nummer 6
o. S. ohne Seite 6
O.V. ohne Verfasser 7
plc. public limited company 7
PK Pressekonferenz 7
PR Public Relations 7
S. Seite 7
SEC Security and Exchange Comission 7
u.a. unter anderem 7
USA United States of America 7
US -GAAP United States Generally Accepted Accounting Principles 7
WISU Das Wirtschaftsstudium 7
WPg Die Wirtschaftsprüfung 7
WpHG Wertpapierhandelsgesetz 7
XBRL eXtensible Business Reporting Language 7
ZfB Zeitschrift für Betriebswirtschaft 7
ZfbF Zeitschrift für betriebswirtschaftliche Forschung 7
1 Problemstellung und Gang der Arbeit 8
2 Grundlagen des Investor Relations 9
2.1 Definitorische Abgrenzung 9
2.2 Historische Entwicklung 10
2.3 Theoretische Fundierung des Investor Relations 11
2.4 Grundsätze der Investor Relations-Arbeit 12
2.4.1 Wesentlichkeit 12
Von besonderer Bedeutung für die Unternehmungskommunikation mit der Financial Community
ist der Grundsatz der Wesentlichkeit. Die Informationsempfänger benutzen die für sie
wesentlichen Unternehmungsdaten, um die Unternehmung fair bewerten zu können.
Unternehmungsdaten sind dann als wesentlich einzustufen, wenn sie kurs- und
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Bedeutung des Investor Relations für die Unternehmungsführung
bewertungsrelevante Informationen beinhalten. Eine große Rolle in diesem Zusammenhang spielt
die Effizienz. Publikationen von nicht kurs- und bewertungsrelevanten Informationen sind
ineffizient, da einerseits die Kosten den Nutzen für die Unternehmung übersteigen und
andererseits die Informationsempfänger unnötig verwirrt werden. 12
2.4.2 Kontinuität 12
2.4.3 Zielgruppenorientierung 13
2.4.4 Sonstige Grundsätze 13
2.5 Investor Relations-Konzept 14
2.5.1 IR-Marktforschung 14
2.5.2 IR-Planung 15
2.5.3 IR-Durchführung 17
2.5.4 IR-Kontrolle 17
3 Ziele des Investor Relations 18
3.1 Finanzwirtschaftliche Ziele 18
3.1.1 Steigerung des Aktienkurses 18
3.1.2 Stabilisierung der Aktienkursentwicklung 20
3.1.3 Senkung der Kapitalkosten 21
3.1.4 Erweiterung und Veränderung des Aktionärskreises 22
3.1.5 Schutz vor feindlichen Übernahmen 23
3.2 Nicht unmittelbar finanzwirtschaftliche Ziele 23
3.2.1 Schaffung von Vertrauen 23
3.2.3 Steigerung des Bekanntheitsgrades 24
3.2.4 Verbesserung des Unternehmungsimages 25
4 Zielgruppen der Investor Relations-Arbeit 25
4.1 Private Investoren 25
4.2 Institutionelle Anleger 27
4.3 Multiplikatoren 29
4.3.1 Finanzanalysten 30
4.3.2 Wirtschaftsjournalisten 31
4.3.3 Sonstige Multiplikatoren 32
5 IR-Instrumente für alle Zielgruppen 32
5.1 Geschäftsbericht 32
5.2 Quartals- und Zwischenberichte 36
5.3 Internet 37
5.4 Dividendenpolitik 42
5.5 Finanzkalender 42
5.6 TV-Interviews 43
5.7 Börseneinführungen an internationalen Finanzplätzen 43
5.8 Betriebsbesichtigungen 43
6 Zielgruppenspezifische Instrumente des IR 44
6.1 Private Investoren 44
6.1.1 Hauptversammlung 44
6.1.2 Aktionärsbriefe und -zeitungen 47
6.1.3 Investor-Relations-Foren 48
6.1.4 Aktionärsmessen 48
6.1.5 Call Center 49
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Bedeutung des Investor Relations für die Unternehmungsführung
6.1.6 Informationspakete 49
6.1.7 Finanzanzeigen 50
6.1.8 Informationen für Mitarbeiter 50
6.2 Institutionelle Anleger und Analysten 51
6.2.1 Analysten- und Investorenkonferenzen 51
6.2.2 Einzel- und Roundtablegespräche 52
6.2.3 Telefonkonferenzen 52
6.2.4 Investorenhandbuch 53
6.2.5 Road Shows 54
6.3 Wirtschaftsjournalisten 54
6.3.1 Pressekonferenzen 54
6.3.2 Pressemitteilungen 55
7 Zusammenfassung und Ausblick 56
Literaturverzeichnis 56
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Bedeutung des Investor Relations für die Unternehmungsführung
Abkürzungsverzeichnis
AG Aktiengesellschaft AktG Aktiengesetz AIMR Association for Investment Management BFuP Betriebswirtschaftliche Forschung und Praxis BörsG Börsengesetz BörsZulV Börsenzulassungsverordnung
bzgl. bezüglich bzw. beziehungsweise CAPM Capital Asset Pricing Modell CEO Chief Executive Officer cor. corporation DAI Deutsches Aktieninstitut DBW Die Betriebswirtschaft d.h. das heißt DIRK Deutscher Investor Relations Kreis DStR Deutsches Steuerrecht DVFA Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Anlageberatung e.V. eingetragener Verein FD Fair Disclosure HGB Handelsgesetzbuch Hrsg. Herausgeber IAM Internationale Anleger Messe IAS International Accounting Standards i.d.R. in der Regel IR Investor Relations M&A Mergers and Acquisitions
NASDAQ National Association of Securities Dealers Automated Quotations NIRI National Investor Relations Institute Nr. Nummer o. S. ohne Seite
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Bedeutung des Investor Relations für die Unternehmungsführung
O.V. ohne Verfasser plc. public limited company PK Pressekonferenz PR Public Relations S. Seite SEC Security and Exchange Comission u.a. unter anderem USA United States of America US-GAAP United States Generally Accepted Accounting Principles
WISU Das Wirtschaftsstudium WPg Die Wirtschaftsprüfung WpHG Wertpapierhandelsgesetz XBRL eXtensible Business Reporting Language ZfB Zeitschrift für Betriebswirtschaft ZfbF Zeitschrift für betriebswirtschaftliche Forschung
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Bedeutung des Investor Relations für die Unternehmungsführung
1 Problemstellung und Gang der Arbeit
„Alle Aktionäre sind dumm und frech - dumm, weil sie ihr Geld aus der Hand geben, und frech, weil sie dafür auch noch Dividenden verlangen“. 1 Diese Aussage von Carl Fürstenberg (1850-1933) spiegelte lange Zeit die E instellung der Aktiengesellschaften zu ihren Aktionären wider. Inzwischen hat sich jedoch dieses Verhältnis und damit der Stellenwert der Aktionäre in der Unternehmung grundlegend verändert. 2 Zahlreiche börsennotierte Unternehmungen haben, nicht zuletzt aufgrund der Globalisierung der Kapitalmärkte und der damit verbundenen Verschärfung des Wettbewerbs um das Kapital der Investoren, in den letzten Jahren die Notwendigkeit erkannt, die Beziehungen zu aktuellen und potentiellen Investoren über das gesetzlich geforderte Maß hinaus zu pflegen, d.h. Investor Relations (IR) zu betreiben. 3
Das Ziel dieser Arbeit ist es, die Relevanz des IR für die Unternehmungsführung anhand der zu verfolgenden Ziele und der einer Unternehmung zur Verfügung stehenden Instrumente darzustellen.
Im nachfolgenden Kapitel wird zunächst geklärt, was unter dem Begriff Investor Relations zu verstehen ist und wie sich die Historie des IR darstellt. Anschließend werden die theoretische Fundierung, die Grundsätze und die Vorgehensweise der IR-Arbeit beschrieben. Das dritte Kapitel behandelt die Ziele, die eine Unternehmung durch IR-Aktivitäten anstrebt. Während sich das vierte Kapitel mit den Zielgruppen des IR befaßt, werden im fünften und sechsten Kapitel Instrumente vorgestellt, die eine Unternehmung im Rahmen der IR-Arbeit einsetzen kann. Die Arbeit schließt im siebten Kapitel mit einer Zusammenfassung und einem Ausblick.
1 Zitiert nach Günther, T./ Otterbein, S. (1996), S. 390.
2 Vgl. Schmitz, H.R. (1993), S. 8.
3 Vgl. Remmers, J. (1993), S. 320.
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Bedeutung des Investor Relations für die Unternehmungsführung
2 Grundlagen des Investor Relations
2.1 Definitorische Abgrenzung
Die Unternehmung kann als Zentrum verschiedener Interessengruppen wie Kapitalgeber, Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten und Staat aufgefaßt werden. Oberstes Ziel ist dabei die Erhaltung und die erfolgreiche Weiterentwicklung der Unternehmung. 4 Während Public Relations (PR) darauf abzielen, bei Kunden, Lieferanten, Mitarbeiter und Staat Akzeptanz zu schaffen und damit eine Corporate Culture aufzubauen, konzentrieren sich Investor Relations auf die Unternehmungskommunikation mit der sogenannten „Financial Community“, die sich aus den Kapitalgebern und Multiplikatoren wie Analysten, Wirtschaftsjournalisten, Fondsmanager und Rating-Agenturen zusammensetzt. 5 In der Literatur existieren verschiedene Definitionen des Begriffes Investor Relations. Bereits 1968 beschreibt Hartmann Investor Relations als „freiwillige Bemühungen der obersten Geschäftsleitung, durch ein geplantes, langfristiges und kontinuierliches Programm von nach innen gerichteter Politik und nach außen zielenden Handlungen das dauernde Vertrauen der Investor-Öffentlichkeit zu gewinnen und zu v ermehren und den Beliebtheits- und Bekanntheitsgrad des Unternehmens zu erhöhen“. 6
Süchting liefert eine weitergehende Definition, in der er Investor Relations als Kommunikationspolitik im Rahmen eines Finanzmarketingansatzes sieht. Finanzmarketing ist für ihn „der an den Bedürfnissen der Kapitalgeber orientierte zielgerichtete Einsatz der finanzpolitischen Instrumente zur Überwindung der zwischen Kapitalnachfrage und Kapitalangebot bestehenden Marktwiderstände“. 7 Neben den Investor Relations zählen für Süchting die Finanzmarktforschung sowie die Produkt-, Preis- und Vertriebspolitik zu den finanzpolitischen Instrumenten. 8 Das National Investor Relations Institute (NIRI) in den USA definiert Investor Relations folgendermaßen: „IR is a corporate marketing a ctivity combining disciplines of communication and finance, providing present and potential investors
4 Vgl. Hahn, D. (1996), S. 11 f.
5 Vgl. Schanz, J. (2001), S. 4 in Verbindung mit Alvarez, M./ Wotschofsky, S. (2000a), S. 651.
6 Hartmann, H.K. (1968), S. 70.
7 Süchting, J. (1986), S. 654.
8 Vgl. ebenda, S. 656 ff.
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Bedeutung des Investor Relations für die Unternehmungsführung
with an accurate portrayal of a company´s performance and prospects. Conducted effectively, IR can have a positive impact on a company´s total value relative to that of the overall market and a company´s cost of capital.“ 9 Als Grundlage für diese Arbeit dient eine Definition des „Deutschen Investor Relations Kreises“ (DIRK): „Investor Relations besteht in der zielgerichteten, systematischen und kontinuierlichen Kommunikation mit tatsächlichen und potentiellen Anteilseignern (Entscheidungsträgern) einer börsennotierten Aktiengesellschaft sowie mit Finanzanalysten und Anlageberatern
(Meinungsbildnern) über das vergangene, laufende und vor allem zukünftig erwartete Geschäft des Unternehmens unter Berücksichtigung der
Branchenzugehörigkeit und der gesamtwirtschaftlichen Zusammenhänge“ 10
2.2 Historische Entwicklung
In den USA beschäftigen sich Unternehmungen schon seit Jahrzehnten mit dem Thema Investor Relations. 11 General Electric war 1955 die erste US-Unternehmung, die ein sogenanntes „Investor Relations-Programm“ entwickelte. In den Folgejahren kam es jedoch nur zu einer zögerlichen Ausbreitung des IR-Gedankens, da vor allem in den 60er Jahren einige PR-Agenturen durch unseriöse Praktiken die Aktien ihrer Kunden in die Höhe trieben. Aus diesem Glaubwürdigkeitsverlust resultierte Ende der 60er Jahre die Einrichtung des National Investor Relations Institute und die damit verbundene Aufstellung von Regeln für Investor Relations. In der Folgezeit kam es in den USA zu einer kontinuierlichen Ausweitung des Investor Relations-Managements. 12
In Deutschland begannen die ersten Investor Relations-Aktivitäten in den 80er Jahren. Höhere Aktienkurse, hervorgerufen durch v erbesserte Ertragsverhältnisse deutscher Unternehmungen und Kurssteigerungen an ausländischen Börsen, führten zur Verbesserung der Attraktivität der Aktie als Finanzierungsinstrument. Auch der nicht mehr nur durch Eigenmittel zu deckende Investitionsbedarf sorgte dafür, daß in
9 Vgl. O.V. (2001a), o. S.
10 Vgl. O.V. (2001b), o. S.
11 Vgl. Günther, T./ Otterbein, S. (1996), S. 391.
12 Vgl. Liener, G. (1993), S. 326.
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Bedeutung des Investor Relations für die Unternehmungsführung
deutschen Unternehmungen ein Umdenken zugunsten des IR stattfand. 13 Bayer, Schering und BASF waren die ersten Unternehmungen in Deutschland, die Investor Relations in ihre Unternehmungspolitik aufnahmen. 14 Die erhöhte Aufmerksamkeit der Unternehmungen gegenüber den Finanzmärkten und den Investoren wird auch durch die Gründung des Deutschen Investor Relations-Kreises im Jahre 1990 deutlich. 15 Diesem seit 1996 eingetragenen Verein gehören mittlerweile über 200 deutsche Unternehmungen an. Mitglieder sind nicht nur im DAX notierte Unternehmungen, sondern zahlreiche Mid und Small Caps sowie Gesellschaften, die den Börsengang noch vor sich haben. Ziel des Vereins ist es, den Erfahrungsaustausch der Mitglieder untereinander zu fördern und so die Qualität der Beziehungen der Unternehmungen zu Investoren im In- und Ausland zu verbessern. Außerdem pflegt der DIRK Kontakte zu Institutionen und Verbänden auf nationaler und internationaler Ebene, die sich mit Investments in und der Analyse von deutschen Aktien befassen. Darüber hinaus informiert der DIRK die breite Öffentlichkeit zum Thema Investor Relations. 16
2.3 Theoretische Fundierung des Investor Relations
Betrachtet man die Steigerung bzw. Maximierung des Aktienkurses als das Oberziel der IR-Arbeit, dann müßte der Aktienkurs durch IR-Maßnahmen beeinflußbar sein. Zur Überprüfung dieser Aussage wird die Theorie der effizienten Kapitalmärkte herangezogen. Fama unterscheidet drei Formen der Informationseffizienz. Die schwache Form („weak form“) zeichnet sich durch die Verarbeitung aller historischer Kurse in den Marktkursen aus. Bei der halbstrengen Form („semi-strong form“) werden zusätzlich die öffentlich verfügbaren Informationen berücksichtigt. In der strengen Form („strong form“) der Informationseffizienz enthalten die Marktkurse alle bewertungsrelevanten Informationen, also auch solche, die nicht veröffentlicht sind. 17 Investor Relations wären bei Gültigkeit der strengen Form der Informationseffizienz überflüssig, da alle Informationen stets i m Aktienkurs der
13 Vgl. Günther, T./ Otterbein, S. (1996), S. 391.
14 Vgl. Ulrich, S. (1990), S. 205.
15 Vgl. Günther, T./ Otterbein, S. (1996), S. 392.
16 Vgl. O.V. (2001b), o. S.
17 Vgl. Fama, E.F. (1970), S. 383.
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Bedeutung des Investor Relations für die Unternehmungsführung
Unternehmung einkalkuliert sind. Durch empirische Untersuchungen hat man versucht herauszufinden, welche Form der Informationseffizienz an den Kapitalmärkten herrscht. 18 Es kam zwar zu widersprüchlichen Aussagen, aber die Ergebnisse deuten daraufhin, daß weder am amerikanischen noch am deutschen Kapitalmarkt strenge Informationseffizienz vorliegt. 19 Die Begründung für die Durchführung von IR-Aktivitäten liegt somit in der auf Kapitalmärkten vorherrschenden beschränkten Informationseffizienz.
2.4 Grundsätze der Investor Relations-Arbeit
2.4.1 Wesentlichkeit
Von besonderer Bedeutung für die Unternehmungskommunikation mit der Financial Community ist der Grundsatz der Wesentlichkeit. Die Informationsempfänger benutzen die für sie wesentlichen Unternehmungsdaten, um die Unternehmung fair bewerten zu können. Unternehmungsdaten sind dann als wesentlich einzustufen, wenn sie kurs- und bewertungsrelevante Informationen beinhalten. Eine große Rolle in diesem Zusammenhang spielt die Effizienz. Publikationen von nicht kurs- und bewertungsrelevanten Informationen sind ineffizient, da einerseits die Kosten den Nutzen für die Unternehmung übersteigen und andererseits die
Informationsempfänger unnötig verwirrt werden. 20
2.4.2 Kontinuität
Kontinuität ist ein wichtiger Erfolgsfaktor für IR-Maßnahmen. Eine Unternehmung sollte mit schlechten Nachrichten genauso offen umgehen wie mit guten, da sonst die Glaubwürdigkeit der Unternehmung auf Dauer in Frage gestellt werden könnte. 21 Der amerikanische Experte Charles D. Ellis rät in diesem Zusammenhang: „Say no more in good times about good news than you would be willing to say in bad times about bad news“. 22 Unternehmungen verstoßen häufig gegen das Prinzip der
18 Vgl. Günther, T./ Otterbein, S. (1996), S. 392.
19 Vgl. zum deutschen Kapitalmarkt Möller, H.P. (1985), S. 500ff. und zum US-Markt Fama, E.F. (1970), S. 383 ff.
20 Vgl. Diehl, U./ Loistl, O./ Rehkugler, H. (1998), S. 14 f.
21 Vgl. Liener, G. (1993), S. 328.
22 Ellis, C.D. (1985), S. 40.
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Bedeutung des Investor Relations für die Unternehmungsführung
Kontinuität, indem sie ihre Kommunikationsmaßnahmen lediglich auf die Zeit vor dem Börsengang, vor Kapitalerhöhungen oder in Unternehmungskrisen begrenzen. 23
2.4.3 Zielgruppenorientierung
Investor Relations-Aktivitäten konzentrieren sich hauptsächlich auf die Zielgruppen der privaten und institutionellen Anleger sowie der Multiplikatoren. 24 Jede dieser Zielgruppen hat ihre spezifischen Informationsbedürfnisse, die durch eine differenzierte Kommunikationspolitik seitens der Unternehmung zu erfüllen sind. 25 Die Informationen sollten je nach Verwendungszweck und Verwertungsfähigkeit der jeweiligen Informationsempfänger unterschiedlich gestaltet werden. 26 Bei der Zielgruppenorientierung müssen Unternehmungen in Deutschland jedoch darauf achten, daß sie nicht in den Verdacht geraten, Insidergeschäfte nach § 14 WpHG zu tätigen. Mit § 15 WpHG wurde ein Paragraph geschaffen, der börsennotierte Unternehmungen zur Ad-hoc-Publizität, d.h. zur unverzüglichen Veröffentlichung von kurssensitiven Informationen, verpflichtet. Dies soll den Mißbrauch von Insiderwissen präventiv verhindern. 27 In den USA wurde im Oktober 2000 von der SEC (Security and Exchange Comission) eine neue Regelung, die sogenannte Fair Disclosure (FD), erlassen. Diese schreibt vor, daß kursrelevante Informationen zur gleichen Zeit der gesamten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden müssen. Das Verbot der Insidergeschäfte soll durch diese Regelung bestärkt werden. Vor allem Privatanleger sollen von dieser Regelung profitieren, da diese in der Vergangenheit erst von Neuigkeiten erfuhren, nachdem Analysten und institutionelle Anleger schon informiert waren. 28
2.4.4 Sonstige Grundsätze
Neben den bereits genannten gibt es noch weitere Grundsätze, die eine Unternehmung beachten sollte, damit Investor Relations-Aktivitäten zum Erfolg
23 Vgl. Krystek, U./ Müller, M. (1993), S. 1785 f.
24 Siehe ausführlich Kapitel 4 dieser Arbeit.
25 Vgl. Paul, W. (1993b), S. 141.
26 Vgl. Diehl, U./ Loistl, O./ Rehkugler, H. (1998), S. 17.
27 Vgl. Kümpel, S. (2000), S. 1831.
28 Vgl. O.V. (2001c), o. S.
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Bedeutung des Investor Relations für die Unternehmungsführung
führen. Die an die Finanzwelt zu übermittelnden Unternehmungsdaten sollten in Form, Umfang und Methodik eine gewisse Stetigkeit aufweisen. 29 Außerdem sind Aktualität und Vollständigkeit in bezug auf die Informationen von äußerster Wichtigkeit, um eine Glaubwürdigkeit bei den Informationsempfängern zu erreichen. 30 Auch der Grundsatz der Wirtschaftlichkeit darf nicht außer acht gelassen werden. Investor Relations-Aktivitäten sollten nur durchgeführt werden, wenn den dadurch entstehenden Kosten ein mindestens genauso hoher Nutzen gegenübersteht. 31 Alle IR-Maßnahmen sollten immer vom Grundsatz der Glaubwürdigkeit dominiert werden. 32
2.5 Investor Relations-Konzept
Damit IR-Aktivitäten zum Erfolg führen, ist es notwendig, mit Hilfe eines IR-Konzeptes vorzugehen. Das K onzept kann z.B. aus den Phasen der IR-Marktforschung, -Planung, -Durchführung und -Kontrolle bestehen. 33
2.5.1 IR-Marktforschung
Aufgabe der IR-Marktforschung ist es, Daten über den Aktienmarkt, über die gegenwärtigen und potentiellen Investoren, über Multiplikatoren und über die eigene Unternehmung zu sammeln und zu analysieren. In der Aktienmarktanalyse stehen vor allem die tägliche Kurs- und Umsatzentwicklung der eigenen Aktien und die generelle Entwicklung der Aktien-und Kapitalmärkte im Mittelpunkt der Betrachtung. In der Investoren- und Multiplikatorenanalyse werden Investoren und Multiplikatoren identifiziert und Informationsbedürfnisse hinsichtlich der IR-Aktivitäten der Unternehmung erarbeitet. Die Unternehmungsanalyse hat das Ziel, ein Chancen/Risiken- und Stärken/Schwächen-Profil der Unternehmung zu erstellen und eine Einschätzung über einen angemessenen Börsenwert der eigenen Unternehmung zu geben. 34
29 Vgl. Diehl, U./ Loistl, O./ Rehkugler, H. (1998), S. 16.
30 Vgl. Link, R. (1991), S. 348.
31 Vgl. Diehl, U./ Loistl, O./ Rehkugler, H. (1998), S. 18 f.
32 Vgl. Paul, W. (1991), S. 940.
33 Vgl. Drill, M. (1995), S. 213.
34 Vgl. zu diesem Abschnitt Drill, M. (1995), S. 215 ff.
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Jochen Reis, 2001, Bedeutung des Investor Relations für die Unternehmungsführung, München, GRIN Verlag GmbH
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