David Chalmers - Fehlende Qualia, Schwindende Qualia, Tanzende Qualia
In der Verschriftlichung des Referates zum Thema Qualia, soll Chalmers Position zu den drei oben genannten Möglichkeiten und der Möglichkeit einer Invertierten Qualia dargestellt werden. Dazu soll vorerst der Begriff der Qualia definiert werden, um im weiteren Verlauf anhand von zwei Gedankenexperimenten Chalmers Erläuterungen zu sammeln und zu hinterfragen. 1. Qualia
Thomas Metzinger definiert Qualia als „einfache mentale Zustände, die einen ganz bestimmten phänomenalen Gehalt besitzen, (Metzinger 1995, 323) oder in anderen Worten den ganz subjektiven Anteil eines Erlebnisses, welcher nur von der Person empfunden werden kann, die gerade das Erlebnis durchlebt (Metzinger 1995, 323). Die Qualia ist daher nur schwer in Worte zu fassen und ihre Existenz ist nicht gänzlich unstrittig. 2. Chalmers Ausgangspunkt
Chalmers nimmt an, dass unter Umständen die funktionale Organisation eines physischen Systems für Qualia verantwortlich sein könnte, da bewusste Erlebnisse eine physische Basis haben (Chalmers 1995, 367). Die funktionale Organisation wiederum soll ein abstraktes Modell der kausalen Interaktion zwischen Systembestandteilen darstellen, wobei es vor allem um die Anzahl der Bestandteile und deren Abhängigkeitsrelationen geht. In seinem Aufsatz verteidigt Chalmers das Prinzip der strukturellen Invarianz, welches davon ausgeht, dass zwei Systeme mit derselben funktionalen Organisation qualitativ identische Erlebnisse haben müssen gegen die Annahmen von invertierter, schwindender, fehlender und tanzender Qualia. In der ganzen Argumentation sei es jedoch wichtig, so Chalmers, darauf hinzuweisen, dass es keine entgültigen Beweise geben kann, da im Zusammenhang mit bewusstem Erleben nur die Plausibilität der Argumente überprüfbar sei (Chalmers 1995, 371). 3. Die Gedankenexperimente 3.1 Fehlende und invertierte Qualia
Da von einigen Wissenschaftlern angenommen wird, dass Systeme in einer entsprechenden Weise biochemisch zusammengesetzt sein müssen, damit sie Bewusstsein haben können (Chalmers 1995, 369) könnte, laut Chalmers ein System in einem Roboter aus Siliziumplättchen niemals Erlebnisse habe. Andere Wissenschaftler scheinen dahingegen Bewusstsein durchaus auch auf die Organisation des Systems zurückzuführen. Jedoch gehen diese Wissenschaftler davon aus, dass solche Erlebnisse sich von menschlichen stark unterscheiden. Hier kommt das Argument der invertierten und fehlenden Qualia ins Spiel.
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3.1.1 Fehlende Qualia
Argumente, die von einer fehlenden Qualia ausgehen beziehen sich meist auf Systeme, die theoretische eine korrekte funktionale Organisation haben könnten, jedoch trotzdem nicht davon ausgegangen werden kann, dass diese Systeme bewusste Erlebnisse haben. Als Beispiel wird hier die Bevölkerung Chinas angeführt. Wie bereits oben angeführt kann nur die Plausibilität von Argumenten überprüft werden und dieses Beispiel verdeutlicht die Unplausibilität einer fehlenden Qualia. 3.1.2 Invertierte Qualia
Invertierte Qualia beschreibt das Phänomen, dass zwei Systeme funktiuonal isomorph zueinander sind und auch gleiche Aussagen treffen, jedoch unterschiedliche Empfindungen haben. Dieses Phänomen wird am Beispiel des Farbensehens beschrieben. Zwei Systeme behaupten beide von sich die Farbe rot zu sehen, während das eine System aber in Wirklichkeit die Empfindungen hat, die das andere System hätte, wenn sie der Farbe blau gegenüber stünde. Würde dieses Argument zutreffen, so Chalmers, dann würde die funktionelle Organisation nicht die spezifische Natur eines Erlebnisses bestimmen (Chalmers 1995, 370), sondern andere Eigenschaften.
Chalmers sieht als Grundproblem jedoch, dass diese Annahmen für manche logisch und für andere als unlogisch empfunden werden und es so auf einen Patt hinauslaufe. Daher versucht er anhand zweier Gedankenexperimente diesen Patt aufzuheben. 3.2 Gedankenexperiment schwindende Qualia
Hierbei wird zunächst einmal in einer reductio angenommen, dass fehlende Qualia möglich ist. Dies würde bedeuten, dass ein Wesen mit einem System, welches dieselbe funktionale Organisation besäße, wie ein Mensch nicht zu bewusstem Erleben in der Lage wäre. In diesem Gedankenexperiment würde also ein Wesen, welches ROBOT genannt wird erschaffen, welches statt Neuronen Siliziumplättchen besitzt. ROBOT ist funktional isomorph zu einem zu bewussten Erlebnissen fähigen Wesen mit Neuronen. Im weiteren Verlauf werden nach und nach Neuronen des Ausgangswesens mit bewusstem erleben durch Siliziumplättchen ersetzt. Das Gedankenexperiment wirft die Frage auf, was genau passieret, wenn ein Plättchen ein Neuron ersetzt und was wenn es tausende sind. Würde bewusstes Erleben plötzlich oder graduell verschwinden? Ersteres würde bedeuten, dass bereits das Ersetzen eines Neurons komplette Bereiche des bewussten Erlebens ausfallen lassen könnte. Dies ist jedoch relativ unwahrscheinlich, da bekannte Naturgrundgesetze nur kontinuierliche Abhängigkeiten kennen. Das Problem bei der zweiten Annahme wäre, dass das Zwischenwesen, welches zwischen Ausgangswesen und Robot entsteht, ab einer bestimmten Anzahl von Siliziumplättchen ein
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Sahar Farman, 2006, David Chalmers – Fehlende Qualia, Schwindende Qualia, Tanzende Qualia, München, GRIN Verlag GmbH
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