In der 19. Szene „Marie mit Mädchen vor der Haustür“ fordert Marie die Großmutter auf ihr und den drei Kindern eine Geschichte zu erzählen. Großmutter erzählt ein Märchen, das an das Märchen „Sterntaler“ erinnert. Normalerweise gehen Märchen gut aus, aber dieses Märchen geht schlecht aus. Das Kind in dem Märchen hat keine Eltern mehr und sucht ihr Glück beim Mond, der allerdings nur ein Stück Holz war, bei der Sonne, die nur eine vertrocknete Sonnenblume war und bei den Sternen, die nur brennende Mücken. Daraufhin beschließt das Kind zurück zur Erde zu gehen, welche aber inzwischen ein umgestürzter Hafen ist. Das Kind bleibt allein und einsam zurück. Am Ende der Szene tritt Woyzeck auf, der Marie auffordert, mit ihm zu gehen.
Das Märchen charakterisiert das ganze Stück und ist das Symbol für die Existenz Woyzecks. Woyzeck ist der äußerste Gegensatz zum klassischen Ideal zum tragischen Helden. Sein elendes Dasein ist von Hilflosigkeit und Armut geprägt. Er wird vom Leben herumgestoßen ähnlich wie das Kind in Großmutters Märchen. Auch es versucht immer wieder auf eine neue Art und Weise woanders sein Glück zu finden, doch wird immer wieder enttäuscht. Woyzeck verfügt über kein befreiendes Ideenreich, rettendes Gottvertrauen oder schützendes männliches
Selbstbewusstsein. Woyzeck wird, wie auch das Kind in Großmutters Märchen als Sinnbild des wehrlosen, unbedeutenden Menschen hingestellt. Woyzeck wird letztendlich vom Armut und der materiellen Welt in den Wahnsinn getrieben. Das Kind in dem Märchen fühlt sich am Ende allein und diese Einsamkeit scheint unvergänglich zu sein. Woyzeck erhält in dem ganzen Stück kaum Geborgenheit und bleibt auch bis zum Ende allein. Woyzeck löst seine Beziehungen zur Umwelt auf und verschachtelt sich immer mehr in seiner eigenen Welt; er ist determiniert. Er geht soweit, dass er aus Eifersucht ein Verbrechen begeht und seine eigentlich geliebte Marie ermordet.
Büchner will mit diesem Märchen die eigentliche Welt darstellen und spielt somit auch auf die Französische Revolution an. Er betont, man müsse „die Welt“ zeigen, „wie sie sein soll“. Büchner möchte sich nicht vor den Schattenseiten des Lebens verstecken und offenbart sie seinen Lesern durch das Elend des Kindes in dem Märchen der Großmutter, welches ebenso das gesamte Elend Woyzecks symbolisiert, der trotz des Suchens nie sein Glück finden wird.
Arbeit zitieren:
Ina Goebels, 2005, Büchner, Georg - Woyzeck - Szene 19. Das Märchen der Großmutter, München, GRIN Verlag GmbH
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Yannik S. hat den Text Büchner, Georg - Woyzeck - Szene 19. Das Märchen der Großmutter kommentiert
Ina Goebels hat den Text Büchner, Georg - Woyzeck - Szene 19. Das Märchen der Großmutter veröffentlicht
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ich selber
meine meinung.
danke
am Monday, April 28, 2008-
Susanne
ziemlich gut.
Ich finde die Interpretation wirklich sehr gut, allerdings hab ich einen kleinen Kritikpunkt. Ich würde nicht "Er geht soweit, dass er aus Eifersucht ein Verbrechen begeht und seine eigentlich geliebte Marie ermordet." schreiben, da die Untreue von Marie nur der Tropfen ist, der das Fass zum Überlaufen bringt. Vorangegangen und weiterhin existierend sind ja immer noch der Hauptmann und der Doktor, die Woyzeck immer wieder demütigen, ausnutzen und für dumm und verwirrt erklären. Sie sind also auch Teile der Auslösung zur Psychose, die Woyzeck hat, die schließlich durch die körperliche Erkrankung (die einseitige Ernährung), den sozialen Druck (er muss Marie und seinen Sohn ernähren können, hat so viele Nebenjobs und trotzdem kaum Geld) und die seelische Belastung ausgelöst wird.
am Monday, June 02, 2008-
Ollers
Anmerkung.
Woyzeck stibrt am Ende nicht. Das Ende ist offen -> offenes Drama
am Monday, June 02, 2008-
Yannik S.
wirklich sehr gut, wie ich finde.
Eine stelle denke ich ist aber falsch.
Büchner betont nicht, dass man zeigen müsse, wie die Welt sein soll, sondern wie sie ist. Schließlich möchte Büchner ja die Realität zeigen und sich von den Ideendamen abgrenzen.
am Sunday, December 12, 2010-