Während christliche und anthroposophische Autoren bestimmte Musikrichtungen kritisieren, werden andererseits Gottesdienste für genau diese Art von Musik geöffnet, werden an Waldorfschulen Kompositionen in solchen Stilen als Jahresarbeiten hergestellt oder mit solcher Musik unterlegte Stücke als Klassenspiele aufgeführt. Selbst diejenigen Gruppierungen also, von denen ein differenzierter und vorsichtiger Umgang mit der Bilder-und Tonflut der Medien zu erwarten wäre, sind dieser schon zum guten (oder bösen) Teil erlegen.
Um noch einmal auf Erfurt zurückzukommen: macht Gewaltmusik Mörder? Diese Frage ist ebenso zu einfach gestellt, wie die Frage, ob Gewaltvideos Mörder machen. Leider sind es nur solch extreme Ereignisse wie Mord, die in der Öffentlichkeit zu einigem Nachdenken führen; aber Gewalt beginnt natürlich viel früher. So sind angesichts der Erfurter Opfer die schon „traditionellen" Ausschreitungen zum 1. Mai in Berlin, wenige Tage später, in den Hintergrund geraten. Aber wer außer den Tätern selbst würde abstreiten, daß auch die dort ausgeübte Gewalt, die zu Verletzten und großen Sachschäden - vom kostenintensiven Polizeieinsatz ganz zu schweigen - führte, ein nicht hinzunehmendes Problem darstellt? Hier können wir auch den Bogen zurück zur Musik schlagen: In einem Fernsehbericht über diese Ausschreitungen war zu sehen, wie sich die sogenannten Autonomen mit Musik in die richtige Stimmung versetzten, und wie sie später die vollbrachten Taten mit Musik feierten. Dem unbedarften Zuschauer ist das vielleicht gar nicht aufgefallen, weil Musik und gerade Gewaltmusik schon quasi zu einem Ostinato des Fernsehprogramms geworden ist: Sind nicht gewalttätige Szenen in Spielfilmen häufig mit einer bestimmten Art von Musik unterlegt? Machen nicht sogar ansonsten seriöse Magazin- und Nachrichtensendungen mit aggressiver Musik im Vorspann auf sich aufmerksam? Wird nicht fast jede Sportsendung mit ein- und ausleitendem Schlagzeug- und Elektronikkrach feilgeboten? Ist es nicht in den letzten Jahren üblich geworden, jedes größere internationale Sportereignis mit dem entsprechenden „Song" zu vermarkten, in dem oft mehr geschrien als gesungen wird? Nicht zu vergessen die Werbung - vor allem wenn sie sich an Jugendliche richtet, die damit in eine Rolle gedrängt werden, in der sie den Werbeagenturen offenbar besonders manipulierbar erscheinen.
Immerhin wurde schon in der die Fernsehzeitschrift „HÖRZU" festgestellt: „63 Prozent der Zuschauer fühlen sich von der Filmmusik im Fernsehen belästigt. Zu laut und auch sonst
ziemlich daneben" (Heft 28/01, S. 15). Aber hat diese Mehrheitsmeinung irgend etwas bewirkt? Parameter aggressiver Musik
Daß Musik Gefühle, „Affekte", wie man im Barock sagte, sowohl ausdrücken wie auch hervorrufen kann, weiß jeder, der sich beruflich mit Musik beschäftigt, und auch jedem Musikhörer wird es nach kurzem Nachdenken klar werden. Wen hat Musik noch nie zu Tränen gerührt, und wer hat sich andererseits noch nie über unerwünschte Musik zum unpassenden Zeitpunkt geärgert? Normalerweise aber ist Musik - welcher Art auch immerso sehr in den Alltag integriert, daß ihre Wirkung gar nicht mehr ins Bewußtsein dringt. Trotzdem sind wir natürlich in der Lage, einmal danach gefragt, Gefühlsinhalte eines Musikstückes assoziativ zu beschreiben. Und auch Gewaltmusik vermögen wir eigentlich gut zu erkennen. Es bedarf keiner großangelegten wissenschaftlichen Untersuchungen, um festzustellen, daß das Aggressionspotential einer Musik mit bestimmten Parametern zusammenhängt: + aggressiv - aggressiv dissonant/unharmonisch konsonant/harmonisch extreme Frequenzen (Tonhöhen) mittlere Frequenzen
Rhythmen/Betonungen gegen das Metrum metrisch kongruente Rhythmen/Betonungen undifferenzierte Rhythmen/Betonungen differenzierte Rhythmen/Betonungen viele Geräusche/Schlagzeug wenig Geräusche/ohne Schlagzeug monoton melodiös verzerrte Klanggebung „natürliche" Klanggebung aggressive, gespannte Singstimme unaggressive, entspannte Singstimme schnell langsam laut leise
Bei den meisten Parametern dieser Liste läßt sich schwer zwischen Komposition und Interpretation trennen. Ein kurzer Kommentar im einzelnen:
dissonant/unharmonisch vs. konsonant/harmonisch: Eine völlig dissonanzlose Musik ist natürlich langweilig. Da unser Gehör aber von Natur aus die Konsonanz gegenüber der Dissonanz bevorzugt (wie der Name schon sagt), wird eine zu dissonante Musik aggressiv wirken; insbesondere, wenn die Dissonanzen nicht in Konsonanzen aufgelöst werden. -extreme Frequenzen vs. mittlere Frequenzen: Wie in der Harmonik so gilt auch hier das Gesetz des richtigen Maßes.
Rhythmen/Betonungen gegen das Metrum vs. metrisch kongruente Rhythmen/Betonungen und undifferenzierte Rhythmen/Betonungen vs. differenzierte Rhythmen/Betonungen: Auch hier eine Sache der Ausgewogenheit. Ein monotones, undifferenziertes Stampfen wirkt aggressiv, aber auch sehr komplizierte, scheinbar oder tatsächlich chaotische Rhythmen und Betonungen.
viele Geräusche/Schlagzeug vs. wenig Geräusche/ohne Schlagzeug: Der Einsatz des Schlagzeugs (das auch auf elektronischem Wege simuliert werden kann) ist ein bedeutender Faktor in aggressiver Musik. Es wird natürlicherweise mit zuschlagenden Fäusten oder Gegenständen, oder mit Schußwaffen assoziiert.
monoton vs. melodiös: Hier mag die Assoziation des „Primitiven" gegenüber dem „Zivilisierten" eine Rolle spielen. Aggressivität ist nun einmal ein Erbe der Natur und unserer steinzeitlichen Vergangenheit; differenzierte Melodik erfordert dagegen ein gewisses Maß an Zivilisation, und diese kann unkontrollierte und unreglementierte Gewalt nicht zulassen. verzerrte vs. „natürliche" Klanggebung: Beides kann für natürlich erzeugte Klänge ebenso gelten wie für elektronisch erzeugte. Hier ist vermutlich ein ähnlicher Mechanismus am Werk wie im Falle von Konsonanz und Dissonanz. Auch besteht eine Affinität zum Charakter der Äußerungen eines gewalttätigen Menschen.
aggressive, gespannte vs. unaggressive, entspannte Singstimme: Eine spezielle Ausprägung des Vorgenannten. Wir können alleine am Tonfall etwa einer Begrüßung wie „Guten Tag!" erkennen, ob der Sprecher gut oder schlecht gelaunt, müde oder munter, entspannt oder wütend, mißtrauisch oder nervös ist. Diese Kompetenz des Hörers gilt auch in bezug auf die Singstimme. Er vermag diese Botschaft, bewußt oder unbewußt, zu erkennen, und der Sänger weiß, mit welcher Art der Stimmgebung er welche Botschaft vermitteln kann. schnell vs. langsam: Dieser Parameter ist für sich alleine wenig aussagekräftig und kann genausogut etwa für fröhlich vs. traurig stehen. Eine bereits aggressive Musik wird aber im allgemeinen an Aggressivität gewinnen, wenn sie schneller gespielt wird.
laut vs. leise: Eigentlich ein sekundärer Faktor; doch es ist charakteristisch für Gewaltmusik, daß sie normalerweise in besonders hoher Lautstärke gesendet und konsumiert wird. Es ist kein Geheimnis mehr, daß davon Gehörschäden ausgehen können, und daß mit der Verbreitung dieser Musik die Zahl der Gehörgeschädigten zugenommen hat. Die große Lautstärke hat außerdem den Nebeneffekt, daß die Musik auch Unbeteiligten, die sich in einiger Entfernung aufhalten, aufgezwungen wird. An ihren Früchten …
Es gibt noch eine weitere Möglichkeit, Gewaltmusik zu erkennen: an ihrem Umfeld. „An ihren Früchten sollt Ihr sie erkennen", sagt die Bibel (Mt. 7,16), und wo sie recht hat, hat sie recht. Von Gewaltmusik ist anzunehmen, daß ihre Komponisten, Interpreten und Hörer in einem größeren Maß als vom Bevölkerungsdurchschnitt zu erwarten in Gewalt, aber auch in Kriminalität allgemein involviert sind; sind doch auch andere als die sogenannten „Gewaltdelikte" ein Ausdruck von Aggressivität, da sie Gesetze „brechen" (man beachte den sprechenden Ausdruck), und da sie andere Menschen, manchmal auch den Täter selbst (Drogenkonsum), direkt oder indirekt schädigen. Wissenschaftliche Untersuchungen scheinen hierzu weitgehend zu fehlen oder unter Verschluß gehalten zu werden. Aber warum die Augen vor etwas verschließen, was offensichtlich ist?
Ein Teil der Gewaltmusik-Szene wird ganz offen vom Satanismus beherrscht. Das zeigen schon gewaltverherrlichende Texte. Aber auch Interpreten wie Alice Cooper, Jimi Morrison, Jimmy Page, die Gruppen „Kiss" oder „Black Sabbath" bekannten oder bekennen sich zum Satanismus. Satanische Symbole auf Plattenhüllen (umgedrehtes Kreuz, die Zahl 666) beweisen ein übriges. Es geht nicht darum, ob wir an einen Satan glauben oder nicht, sondern um die Erkenntnis, daß diese Musik ihre Hörer zum Bösen bekehren will. Zu diesem Zweck bedienen sich manche Interpreten auch der Methode des „backward-masking"; dabei werden Botschaften, die etwa zur Verehrung Satans oder zu kriminellen Handlungen auffordern, rückwärts gesprochen unter die Musik gemischt. Auf diese Weise sollen die Botschaften in das Unterbewußtsein der Hörer eindringen und um so wirksamer sein. Ob diese Methode funktioniert, ist wissenschaftlich umstritten. Vermutlich ist das, was man an dieser Musik bewußt wahrnehmen kann, weit gefährlicher. Aber auch hier zeigt allein schon der Versuch der Manipulation, welcher Gesinnung die Produzenten und Interpreten dieser Musik sind.
Interpreten, die „backward-masking" verwendet haben oder verwenden sind z.B. Pink Floyd, Petra, Queen, Electric Light Orchestra, Black Oak Arkansas, Eagles, Led Zeppelin, Beatles, Kiss („Kings in Satanic Service"), Madonna, Kate Bush (diese Liste nach Buddemeier/Strube 1989, S. 41).
Wenn sich Satanismus und „backward-masking" mit bestimmten Musikrichtungen verbindet, dann liegt es nahe, daß stilistisch ähnliche Musik, auch wenn sie explizit keine satanischen Botschaften enthält, einen vergleichbaren Zweck verfolgt. Ein weiteres Kennzeichen für Gewaltmusik sind gewalttätige Exzesse oder Drogenkonsum ihrer Interpreten; davon ist ja immer wieder zu lesen. Kneif (1982, S. 217f) nennt fünf Rockmusiker, die nachweislich an Drogenmißbrauch starben, und weitere Drogenabhängige dieser Zunft. Er meint, unter Rockmusikern „dürfte es nur ganz wenige geben, die überhaupt keine Erfahrungen mit Drogen haben." (Für die Spitzfindigen: Kaffee oder Alkohol in Maßen sind hier nicht gemeint!) Und in dem mir zugänglich gewesenen (letzten) Band 9 der biographischen Reihe „Idole", sind die Biographien von Alexis Korner, Eric Burdon und den „Animals", Mick Taylor und den „Rolling Stones", Ray Davies und den „Kinks" durchsetzt von Kriminalität, Drogen, Gewalt und sexuellen Exzessen - nicht umsonst ist „Sex, drugs and Rock 'n' roll" zu einem geflügelten Begriff geworden!
Gehen w ir von den Interpreten zu den Hörern: Orte, die in besonderem Maße von Gewaltmusik geprägt sind, sind Diskotheken. Es ist bekannt, daß nicht wenige davon Umschlagplätze für Drogen sind. Es ist auch bekannt, daß besonders viele Autounfälle im Anschluß an Diskothekenbesuche passieren, wobei häufig noch im Auto Gewaltmusik gehört wurde. Auch werden Diskotheken von vielen Jugendlichen, wie schon vor zwanzig Jahren (vgl. Mezger 1980), so gewiß noch heute, als Orte für die Anbahnung erotischer oder gar sexueller Kontakte genutzt. Das gehört durchaus hierher, denn der heutigen veröffentlichten Meinung zum Trotz läßt sich doch nicht leugnen, daß die heute als veraltet geltende Sexualmoral unserer Großeltern durchaus einen Sinn hat, der übrigens auch ihren Verächtern zugute käme: die Verhinderung von unerwünschten Schwangerschaften und Geschlechtskrankheiten nämlich; ganz zu schweigen von den psychischen Schäden, wenn der eine Partner eine dauerhafte Beziehung, der andere nur ein schnelles Abenteuer sucht. Frith stellt 1981 fest (S. 25): „Ein Aspekt des Rhythmus der schwarzen Musik - wofür Disco des jüngste Beispiel liefert - ist die eindeutige Äußerung solcher [sc. sexueller] Spannungen und Bedürfnisse. Im Gegensatz zu den westlichen Tanzformen [...] wird in der schwarzen Musik
der Körper und damit die Sexualität durch einen direkten körperlichen Beat und einen intensiven emotionellen Sound unmittelbar angesprochen ...". Auch die Art des Tanzens, die in Diskotheken zu beobachten ist, zeigt den Charakter von Enthemmung, Regellosigkeit und Aggression. Schon 1929 erkannte ein Tanzkritiker im Tanz der „schwarzen Musik" Amerikas, aus der später die Rockmusik hervorging (nach Frith 1981, S. 30): „Männer und Frauen, die so tanzen, haben auch die Fähigkeit zur Gewalt". Sogar der Pop- und Rockmusik im weiteren Sinne positiv zugewandte Autoren leugnen den aggressiven Charakter nicht (vgl.o. zur Reihe „Idole"). Paul Garon beschreibt den Blues als „aggressive und kompromißlose Durchsetzung der Allmacht von Begierde und Phantasie im Angesicht aller Unterdrückungen" (Frith 1981, S. 25). Schon Platon sah bekanntlich in bestimmten „harmoniai" („Tonarten", wobei der Begriff nicht mit dem heutigen vergleichbar ist) eine Gefahr für das Gemeinwesen und wollte dieselben verbieten. Wir wissen nicht viel über die Musik der alten Griechen, doch es darf bezweifelt werden, daß ihr Gewaltpotential auch nur entfernt an das heutiger Musik heranreicht - zumindest die heutigen extremen Lautstärken waren damals nicht erzielbar gewesen. Um wieviel sensibler müßten wir da heute auf die Botschaften der modernen aggressiven Musik achten!
Bei und nach Konzerten mit Gewaltmusik kommt es nicht selten zu Ausschreitungen. Selbst harmlosere Dinge, etwa der Zustand, in dem ein Konzertschauplatz hinterlassen wird (man denke an die Müllberge nach der alljährlichen „Love-Parade"), sind verräterisch. Gewaltmusik hat auch bei vielen Sportveranstaltungen ihren Platz. Läßt sich möglicherweise für die letzten Jahrzehnte ein statistischer Zusammenhang zwischen der zunehmenden Verwendung von Gewaltmusik in Fußballstadien und der zunehmenden Gewalt im Umfeld von Fußballspielen feststellen?
Wer all das in diesem Abschnitt Gesagte als Einzelfälle oder Zufälle abtun möchte, der braucht nur Vergleiche mit Konzerten „klassischer" Musik zu ziehen: Ein Opernhaus als Drogenumschlagsplatz? Der Zuschauerraum nach der Aufführung voller Abfall? Eine Häufung von Autounfällen nach „klassischen" Konzertveranstaltungen? Ein „E-Musik"-Künstler, der unter Drogeneinfluß auf die Bühne geht und Hoteleinrichtungen zertrümmert? Spätestens jetzt sollte beim Leser ein Aha-Erlebnis stattgefunden haben. Ein Indiz für das Gewaltpotential einer Musik ist auch, wie sie sich aufdrängt: Große Lautstärke, die einen weiten Umkreis beschallt, ist hier ebenso zu nennen wie aufgezwungene Präsenz an Orten, die fast jeder aufsuchen muß (Kaufhaus, Supermarkt). Und tatsächlich ist es
fast immer eine ihrem Wesen nach aggressive Musik, die in diesen Fällen und an diesen Orten zu hören ist. „U" und „E"
Wir unterteilen die Musik traditionell in U- und E-Musik. Das sind zu Recht umstrittene Begriffe, aber wir spüren doch, daß die Unterscheidung als solche (Übergänge nicht ausgeschlossen) einen Sinn ergibt; sie würde sonst nicht schon so lange funktionieren. Es wird dem Leser nicht entgangen sein, daß die oben beschriebenen Eigenschaften von Gewaltmusik, ihrer Interpreten und Konsumenten, auf weite Bereiche der U-Musik zutreffen. Oft finden wir hier alle oben genannten Aggressivitätsparameter vereint, während in sogenannter E-Musik kaum mehr als zwei oder drei von ihnen gleichzeitig anzutreffen sind. Ein gewisses Gewaltpotential, wenn auch weitaus geringer als das der meisten U-Musik, hat in der E -Musik die sogenannte Avantgarde, d.h. die sich an der jeweiligen Spitze der musikalischen Entwicklung fühlenden Arten neuer Musik des 20. Jahrhunderts. Zweifellos lassen sich die o.g. Parameter noch weiter überdenken, genauer definieren und auch gewichten. So ist „schnell vs. leise" gewiß weit weniger relevant als „verzerrte vs. natürliche Klanggebung", und ein Stück mit zwei gewichtigen Parametern kann aggressiver wirken als ein anderes, das vier weniger gewichtige enthält. Wie bedeutsam die „Klanggestaltung" für die Beurteilung ein und desselben Musikstückes ist (allerdings nur, wenn es sich um ein den Probanden nicht bereits bekanntes Stück handelt), wurde jüngst von Hans-Joachim Maempel in einem Experiment mit Schülern von 12 bis 20 Jahren gezeigt (vgl. die kleine Literaturliste am Ende dieses Beitrags).
Sicher werden wir bei der Beurteilung von Musik, wie auch bei der Beurteilung von Literatur und von Filmen, nicht ohne unser menschliches Empfinden auskommen. Dieses ist es ja schließlich, das von der Musik angesprochen wird. Wenn wir anerkennen, daß Musik Wirkungen auf die menschliche Psyche haben kann, dann wäre es naiv zu glauben, es könne sich nur um positive Wirkungen handeln. Wir müssen auch bedenken, daß es nicht um die Folgen eines einmaligen Anhörens geht, sondern daß Musik mit gewalttätigen Elementen überall auf uns einströmt: im Radio, im Fernsehen, in der Werbung, im Lokal, im Supermarkt, aus dem Walkman des Mitreisenden, aus der Stereoanlage des Nachbarn, im Plattenladen, in Kaufhäusern und Boutiquen. Welchen Anteil diese Massenbeschallung tatsächlich an der
Gewalt und Kriminalität in unserer Gesellschaft hat, läßt sich derzeit kaum erahnen. Das darf aber kein Grund sein, die Augen davor zu verschließen - die Ohren jedenfalls sind ihr mehr oder weniger schutzlos ausgeliefert. Wegsehen ist einfacher als weghören. Auch die besten Ohrenstöpsel, wenn man sie denn zur rechten Zeit parat hat, sind machtlos gegen die oft besonders große Lautstärke von Gewaltmusik, gegen das harte Schlagzeug und gegen die Vibrationen der tieffrequenten Bässe. Wissenschaftliche Erkenntnisse
War das noch nicht wissenschaftlich genug? Beginnen wir mit dem Versuch an Pflanzen und Tieren. Fernando Salazar Bañol (²1993, S. 45 - 49) berichtet von Untersuchungen, wonach Pflanzen unter Rockmusikbeschallung schlechter gedeihen als unter klassischer Musik. Ich erinnere mich an vergleichbare Experimente, über die in Fernsehsendungen berichtet wurde, einschließlich eines Experimentes mit Ratten oder Mäusen, die unter Rockmusikbeschallung krank wurden und ein aggressives Sozialverhalten entwickelten, während eine mit klassischer Musik beschallte Vergleichsgruppe von dieser Entwicklung verschont blieb. Und die Übertragbarkeit auf den Menschen? Jedenfalls würde kein neues Medikament beim Menschen zugelassen werden, das sich an Ratten als schädlich erwiesen hat. Aber es gibt auch Untersuchungen, die einen Zusammenhang zwischen Aggressivität und bestimmten Musikvorlieben bzw. Hörgewohnheiten beim Menschen beweisen:
1. Zu den „hoch signifikanten" Ergebnissen einer Studie von Christoph Langenbach (1988, ed. 1994) gehört, daß Jugendliche mit einem „Musikkonsum laut und viel" eine höhere Neigung zu aggressivem Verhalten besitzen als solche mit „Musikkonsum differenziert und leise" (S. 209).
2. Gunter Kreuz schreibt im Abstract seines im Rahmen der DGM-Jahrestagung 2 001 gehaltenen Vortrages: „Frühere Befunde legen nahe, daß ein Zusammenhang besteht zwischen persönlichen Dispositionen bei Kindern und Jugendlichen etwa zu allgemeiner Risikobereitschaft und musikalischen Vorlieben für aggressive Musikgenres. Die vorliegende Untersuchung sollte klären, ob solche Zusammenhänge bereits bei jüngeren Kindern im Alter von neun bis zehn Jahren vorhanden sind. [...] Es zeigte sich nach einer Varianzanalyse, daß die 'gefährdeten' Kinder schnellen Pop hoch signifikant bevorzugen." Als „gefährdet" werden hier Kinder bezeichnet, „die aufgrund der Aggressionsdiagnostik einer psychologischen
Intervention anempfohlen sind." Und um die traditionelle Aufteilung in „U" und „E" nochmals ins Spiel zu bringen: „Bemerkenswert erscheint schließlich, daß die Bevorzugung einiger komplexer Musikbeispiele mit niedrigeren Aggressionswerten korrelierte." Die verwendeten Stücke werden in diesem Abstract nicht genannt; doch bedeutet das jedenfalls, daß kompositorisch anspruchsvollere Musik, und das ist zumeist E-Musik, von Kindern mit geringer Aggressionsneigung bevorzugt wird.
3. Im Fall der sogenannten Avantgarde innerhalb der E-Musik konnte Klaus-Ernst Behne in einer Studie über Hörertypologien feststellen (1986, S. 157), „daß ... die avantgarde, an sich der 'musikalische Buhmann' der heutigen Jugend schlechthin ..., bei ... harten Rockfans immerhin im mittleren Bereich ... angesiedelt ist!" D.h. während avantgardistische Musik von den meisten Jugendlichen abgelehnt wird, zeigen sich die Liebhaber „harter", also besonders aggressiver Rockmusik, der Avantgarde gegenüber relativ aufgeschlossen. Gegenargumente
Ein paar Gegenargumente drängen sich zunächst auf. Haben nicht rechte wie linke Diktaturen die hier als aggressiv eingestufte Musik unterdrückt? Haben nicht Nationalsozialisten mit Begeisterung Wagner gehört? Müßte Wagner dann nicht auch zur Gewaltmusik gerechnet werden?
Bei diesen Fragen muß berücksichtigt werden, warum diese Musik jeweils unterdrückt wurde. Es war nur teilweise ihr aggressives Potential, das immerhin erkannt wurde: hätte es sich gegen die Diktatoren selbst richten können; vor allem war es die Herkunft: Jazz wurde von den Nationalsozialisten als „Negermusik" verachtet, und die vom Klassenfeind Amerika herüberdrängende Rockmusik war natürlich in den sozialistischen Ländern unwillkommen. Vergessen wir nicht, daß im Nationalsozialismus auch ein Komponist wie Walter Braunfels als „entartet" galt. Wer seine Musik kennt, wird dies nur auf seine jüdische Herkunft beziehen, nicht aber auf s eine Werke, die stilistisch so weit nicht von denen des hochgeschätzten Richard Wagner entfernt sind.
Damit sind wir bei der zweiten Frage: Wagner als Gewaltmusik? Nein, denn es ist gerade die heutige, nie zuvor dagewesene Omnipräsenz der Musik, die in ihrer Masse eine hinreichende statistische Relevanz für die hier vorgebrachten Behauptungen erlaubt. Eine Affinitität einzelner nationalsozialistischer Führungspersönlichkeiten zur Musik Wagners, die vielleicht
mehr auf dem Aspekt des Germanentums als auf wirklicher Musikliebe beruhte, ist deshalb nicht ausreichend, um Wagner als Gewaltmusik zu klassifizieren. Allenfalls spricht es gegen eine eventuelle Annahme, Wagners Musik könne im Gegenteil die Menschen zum Guten bekehren. Im übrigen ist nicht bekannt, daß die Kriminalität in Bayreuth zu Zeiten der Wagner-Festspiele signifikant ansteigen würde.
Natürlich kennt jeder irgendwelche Konsumenten von Gewaltmusik, die nicht zu Gewalttätigkeit zu neigen scheinen. Nun, auch der Mörder von Erfurt zeigte keine solchen Anzeichen, wenn man den Aussagen seiner Verwandten und Bekannten glauben darf. Aber auch wenn nur einer von tausend Gewaltmusikkonsumenten durch die Musik zum Gewalttäter würde, wäre das angesichts der Verbreitung dieser Musik schlimm genug. Vor allem aber hat Gewalt viele Gesichter. Wenn man sie in jeder Art von Kriminalität gespiegelt sieht, wie schon oben angedeutet, dann gerät die Tatsache, daß etwa Verkehrsdelikte, Steuerhinterziehung und Versicherungsbetrug heutzutage eine immense Verbreitung haben, in eine auffallende Parallele zur Verbreitung von Gewaltmusik. Die große Schwelle, die Gewaltmusik - möglicherweise - überwinden hilft, liegt zwischen legalem und illegalem Verhalten, weniger zwischen „etwas illegalem" und „sehr illegalem" Verhalten. Das Recht auf akustische Selbstbestimmung
Es gilt aber auch, diejenigen vor Gewaltmusik zu schützen, die sie nicht hören möchten. Zumindest hier sollte schnell ein Konsens erreichbar sein. Die meisten Raucher akzeptieren heute, daß sie ihren Rauch einem Nichtraucher nicht aufzwingen dürfen. Entsprechendes sollte auch für Musikkonsumenten gelten, und natürlich unabhängig von der jeweiligen Musikrichtung. Dies wird freilich zum Problem, wenn „klassische" Musiker zuhause üben wollen und müssen, oder wenn harmlose Hausmusik gemacht wird. Immerhin dürften die meisten dieser Personen die vorgeschriebenen Ruhezeiten respektieren - was man von Gewaltmusikhörern und Kneipenwirten erfahrungsgemäß selten sagen kann (noch ein Indiz!). Aber hier wird nun eben doch bedeutsam, daß Musik mit einem hohen Aggressionswert eher als Belästigung empfunden wird als Musik mit einem niedrigen Aggressionswert. Hörer von Gewaltmusik scheinen „gewaltfreie" Musik eher ertragen zu können als umgekehrt. Das erklärt sich aus der Sache selbst; und daß eine solche Unterscheidung tatsächlich statthaft ist, wurde inzwischen hinreichend ausgeführt.
Maßnahmen
Folgende Maßnahmen wären geeignet, dem Gewaltpotential bestimmter Musikrichtungen wie auch der Zwangsbeschallung zu begegnen:
Weitere wissenschaftliche Untersuchungen von Musikwirkungen und -präferenzen. Interessant wäre etwa der Vergleich der Musikpräferenzen von Gefängnisinsassen mit den entsprechenden Werten des Bevölkerungsdurchschnitts. Verbot von Musikbeschallung an der Allgemeinheit zugänglichen Orten. Walkmanverbot in geschlossenen Räumen; im Zug separate Abteile wie für Raucher. Beschränkung der erzielbaren Lautstärke von Tonwiedergabegeräten auf „Zimmerlautstärke". Für Geräte, die in größeren Räumen für Vortrags- oder Tanzveranstaltungen benötigt werden, könnte eine Ausnahme gemacht werden. Aber auch hier müßte die maximale Lautstärke weit unter den heute erreichbaren Werten liegen. Bessere Schalldämmung in und an Gebäuden.
Juristische Anerkennung von Zwangsbeschallung als Eingriff in das Persönlichkeitsrecht und als Körperverletzung.
Kontrolle von Musikaufnahmen vor deren Freigabe und ggf. Kennzeichnung als gewaltverherrlichend oder -fördernd, wie dies bei Filmen und Videospielen längst Praxis ist. Frühzeitige Aufklärung über Wesen und Ziele von Gewaltmusik in der Schule. Wie dies im einzelnen zu geschehen hat, soll hier nicht diskutiert werden. Nur so viel: Wer vor Drogenkonsum warnt, wird nicht die Schüler im Unterricht Drogen konsumieren lassen. Die heute oft zu beobachtende anbiedernde Art, Gewaltmusik im Unterricht zu behandeln, sei es auch mit ein paar kritischen Begleitworten, ist pädagogisch hochbendenklich. Wer die hier geforderten Maßnahmen als reglementierungswütig, reaktionär oder gar diktatorisch empfindet, der sei darauf hingewiesen, daß sie nur konsequent auf die Musik anwenden, was auf anderen Gebieten (Filme, Videospiele, Drogen, Tabak) bereits eine Selbstverständlichkeit und gesellschaftlich weitgehend akzeptiert ist. Dabei verbieten die genannten Maßnahmen niemandem, in angemessener Lautstärke und mit Respekt vor dem akustischen Selbstbestimmungsrecht anderer die Musik seiner Wahl zu hören. Von einem Verbot bestimmter Musik war noch gar nicht die Rede. Auf ein solches Verbot zu verzichten, wäre gleichwohl verantwortungslos, sollte sich der hier anhand
zahlreicher Indizien geäußerte Verdacht auf die gewaltfördernde Wirkung bestimmter Musik erhärten.
Doch selbst wenn sich eine derartige Kausalität nicht bestätigen würde, sollten wir uns fragen, weshalb wir Musikrichtungen mit solch unübersehbarer Affinität zu Kriminalität und Gewalt einen solch dominierenden Stellenwert in unserer Gesellschaft einräumen.
Literatur
Behne, Klaus-Ernst: Hörertypologien. Zur Psychologie des jugendlichen Musikgeschmacks = Perspektiven zur Musikpädagogik und Musikwissenschaft 10, Regensburg 1986. Buddemeier, Heinz und Strube, Jürgen: Die unhörbare Suggestion, Stuttgart 1989. Buddemeier, Heinz: Bewußtseinslähmende Musik mit negativen Inhalten; in: Buddemeier/Strube a.a.O., S. 13 - 37.
Frith, Simon: Jugendkultur und Rockmusik, Reinbek bei Hamburg 1981. Glogauer, Werner: Kriminalisierung von Kindern und Jugendlichen durch Medien, Baden-Baden 1991.
- ders.: Die neuen Medien verändern die Kindheit, Weinheim 1993. Kneif, Tibor: Rockmusik. Ein Handbuch zum kritischen Verständnis, Reinbek 1982. Kreuz, Gunter: Musikalische Vorlieben und Aggressionen bei Kindern. Abstract unter http://musicweb.hmt-hannover.de/dgm/german/abstracts01.htm Langenbach, Christoph: Musikverhalten und Wirklichkeit 16- bis 18jähriger Schüler = Studien zur Musik 7, Frankfurt/M. u.a. 1994.
Liedtke, Rüdiger: Die Vertreibung der Stille, München 1985, überarbeitete Neuausg. ebd. 1996.
Maempel, Hans-Joachim: Der Einfluß der Klanggestaltung auf die Beurteilung von Popmusik. Abstract unter http://musicweb.hmt-hannover.de/dgm/german/abstracts01.htm Mezger, Werner: Discokultur, Heidelberg 1980. Salazar Bañol, Fernando: Die okkulte Seite des Rock ²München 1993. Schmidt-Joos, Siegfried (Hg.): Idole. 9: Weg von meiner Wolke: Alexis Korner, Mick Taylor, Eric Burdon, Roy Davis, Frankfurt/M. u. Berlin 1987.
Strube, Jürgen: Besonderheiten einiger Rockplatten und Gruppen; in: Buddemeier/Strube a.a.O., S. 39 - 47. Dr. Klaus Miehling
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Dr. Klaus Miehling, 2003, Musik und Gewalt - Gewaltmusik, München, GRIN Verlag GmbH
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Grundzüge und Kritik der Ethik Peter Singers
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Praktikumsbericht / -arbeit, 39 Seiten
Dr. Klaus Miehling hat den Text Musik und Gewalt - Gewaltmusik kommentiert
Stephan R. hat den Text Musik und Gewalt - Gewaltmusik kommentiert
Sebastian Walser hat den Text Musik und Gewalt - Gewaltmusik kommentiert
AgroRockeR
tz....
Was soll denn DAS bitte sehr? Haben Sie Minderwertigkeitskomplexe und wollen sich wichtig machen? Bilden Sie sich etwas darauf ein, dass Sie einen Doktortitel haben? Wissen Sie was? Ich finde es total ungerecht, wie Sie vorurteilsbehaftet ,irgendwelche Leute die sich von allem und jedem bedroht fühlen, gegen uns aufhetzen. Das Einzige was wir wollen ist, dass wir friedlich unsere Musik hören können. Wir hören unsere Musik, Sie die Ihre. Ich habe nichts dagegen wenn man unsere Musik nicht gut findet. Aber wenn man dann so eine Hetzkampagn startet...Ich bin fassungslos.
am Wednesday, June 14, 2006-
mh. .
Sie Kulturbanause!.
Sie ein Doktor?
Nein, das denke ich nicht. Denn Sie erkennen scheinbar nicht den Unterschied zwischen Ursache und Wirkung bzw. haben beides in diesem Falle vertauscht.
Ja, gewaltbereite Menschen hören manchmal härtere Musik jeglicher Art, aber auch anderes.
Aber Menschen, die harte Musik hören, sind allgemein nicht gewaltbereit. Warum jmd. ist, wie er ist, hat wohl eher was mit sozialen Ursachen zu tun. Aber für die Nichtstuer ist es immer am einfachsten, irgendwelche obszönen Gründe zu suchen, die eigentlich als Begleiterscheinungen (wenn überhaupt) und nicht als Ursachen angesehen werden sollten. Was hat außerdem Müll mit Gewalt zu tun, da müssen sie wohl noch nachbessern.
Außerdem haben Sie anscheinend nicht die geringste Ahnung von Kultur & Gesellschaft und sind wohl auch verblendeter als mancher "Gewaltmusiker".
gruß,
der ohne doktortitel
am Tuesday, November 14, 2006-
Paul Köstner
Feige...
Nun,zum Inhalt ihrer Arbeit bleibt nicht viel zu sagen,am besten könnte man es mit:"..zu weit aus dem Fenster gelehnt..." umschreiben.
Einen wirklichen Kritikpunkt möchte Ich aber schon angehen:Von einer arbeit wird erwartet,dass sie NEUTRAL an eine Thematik herangeht und diese aus einem algemeinen Standpunkt aus bewertet,in der die eigene Meunung nich herauslesbar ist.
Und genau das trifft bei ihnen nicht zu.
Um in ihren Worten zu bleiben,halte Ich es für eine Art "Backward-Masking" wie sie behaupten,keine der Musikrichtungen persönlich anzugreifen während sie als einzige Rock/Metal ansprechen.
Selbst die Erwähnung von Jazz/Blues dient nur dem Zweck auf die schon verdorbenen Wurzeln von Metal einzugehen.
Wenn SIE der typische Klassik-hörer sind,dann bin Ich stolz drauf U-Musiker(Untermensch..) zu sein
am Friday, January 12, 2007-
schüler
es stellt sich nur die frage...was ist hier gewaltmusik?.
hallo....ich bin eine schülerin und muss ein referat über das thema gewaltmusik schreiben.....ich habe diese arbeit aufmerksam durchgelesen.....ich frage mich nur...warum wurde die wirkliche gewaltmusik vergessen....was ist mit zb. sido.......dieser gehört ja zu der msuik gruppe hip hop an...sprechgesang....er "singt" über vergewaltigungen...jedes 2. wort ist ein kraftwort......und so weiter....warum wurde diese musikrichtung in deiser arbeit ausgelassen....ist das nicht eigentlich die so genannte gewaltmusik?????lg alisa
am Monday, March 05, 2007-
Heinz
"Musikwissenschaft" und Weltgeschichte.
Endlich eine Antwort auf die Frage, die mich schon lange plagt:
Weshalb tauchen Krieg, Gewalt, Mord und Totschlag in der Menschheitsgeschichte erst seit der Erfindung von Rock, Pop und Jazz auf?
Herr Mieling bringt es auf den Punkt: Wenn Heere zu metrisch kongruenten Rhythmen marschieren geschieht das aus rein ästhetischen Gründen. Und bei einer netten Wagneroper ist so ein Holocaust doch gar nicht so schlimm.
Was ich vom Musikwissenschaftler aber gerne hören würde: Welchen Jazzstandard hat Nero beim Brand Roms gespielt?
am Monday, March 19, 2007-
Nils
"cum hoc ergo propter hoc"?.
Herr Miehling, Sie scheinen sich wie schon angesprochen, der Bedeutung der Worte "Ursache", "Wirkung" und "Korrelation" nicht bewusst zu sein. Um ihnen aus dem "cum hoc ergo propter hoc" genannten Denkfehler herauszuhelfen, werde ich ihnen einmal anhand eines Beispieles die möglichen Zusammenhänge zweier Phänomene aufzeigen.
Als Beispiel sei die (steigende) globale Erwärmung (A) in Verbindung mit der sinkenden Zahl an Piraten (B) gewählt.
Folgt man nun der Logik ihrer Arbeit, steigt die Temperatur der Erde, weil die Anzahl der Piraten sinkt. Doch für das Zusammenspiel zweier Phänomene A und B kann es vier Varianten geben:
1. A verursacht B: Den Piraten wird es zu heiß auf den Meeren.
2. B verursacht A: Piraten kühlörn das Klima, weniger Piraten = höhere Temperatur.
3. A und B haben die gleiche Ursache: Die Industrialisierung machte den Kolonialismus überflüssig, setzte aber auch sehr viel Treibhausgas in die Welt.
4. A und B treten zufällig gemeinsam auf, es besteht aber keine kausale Verbindung.
Wenn man einmal darüber nachdenkt, verliert ihre Arbeit leider jeglichen Boden.
am Sunday, May 06, 2007-
jana, misha, teona
lalala.
danke!
wir kommen aus israel und machen ein projekt in engilisch! sie haben uns sehr geholfen
am Sunday, March 16, 2008-
lilakmonoke
backtobasics.
bin gerade auf das buch vom guten dr zum gleichen thema gestossen und als jemand für den musik alles bedeutet muss ich das kommentieren.
ja, musik ist droge aber auch medizin. ja, musik ist gewalttätig aber auch liebevoll. warum? weil musik der direkteste kanal zum universum ist, musik ist reine energie, musik ist körper, musik ist emotion. musik ist der gewaltbereite gegenpol zur allesbeherrschenden abstraktion in der "modern world". je unmenschlicher das system desto gewaltiger wird die musik, so einfach ist das.
am Sunday, October 05, 2008-
Dr. Klaus Miehling
Wollte schon lange einmal antworten, hat aber bis jetzt nicht funktioniert.
Ein Kritikpunkt ist zutreffend, der von Alisa ("schüler"): Als ich 2003 diese erste Annäherung an das Thema schrieb, war Rap noch nicht in meinem Bewusstsein. In meinen späteren Veröffentlichungen erhält diese Musik den gebührenden Raum.
Heute kann ich sagen, dass ich mich keineswegs "zu weit aus dem Fenster gelehnt" (Paul Köstner) habe. Alle in dem Aufsatz geäußerten Vermutungen haben sich als richtig bestätigt.
am Sunday, May 16, 2010-
Sebastian Walser
Lieber Herr Miehling (ein Dr. will ich ihnen für das oben Geschriebene nicht zuerkennen): Was ich doch höchst interessant finde ist, dass sie mit ihrer Aufzählung der Parameter, die angeblich "Gewaltmusik" ausmachen sollen, die hälfte aller Klassischen Werke als "Gewaltmusik" verteufeln. Des weiteren verstehe ich nicht ganz, welchem Punkt der "-gewalt" spalte der Jazz/BLues/Soul wiederspricht. Diese beiden Punkte sind nur beispiele, aus denen man ihre inkompetenz in nicht nur in Sachen Musik, sondern auch im Psychologischen/Medizinischen Bereich.Kleine Anmerkung zum Schluss: ein Bibelzitat aus dem Zusammenhang zu reißen macht ihren Artikel weder Interessanter noch Glaubwürdiger.
am Thursday, December 16, 2010-
Sebastian Walser
p.s.: ich wollte eigentlich vervollständigen "Diese beiden Punkte sind nur beispiele, aus denen man ihre inkompetenz nicht nur in Sachen Musik, sondern auch im Psychologischen/Medizinischen Bereich Erkennen kann."
Ich befand mich beim Schreiben meines Kommentars zugegebenermaßen in einer gewissen Ungehaltenheit, welche jedoch ganz sicher nicht mit der Musik die ich höre zusammenhing.
am Thursday, December 16, 2010-
Dr. Klaus Miehling
Sehr geehrter Herr Walser,
wie aus der Erläuterung der genannten Parameter hervorgeht, kommt es auf das Maß der Dinge an.
Was Jazz/Blues/Soul betrifft, meinen Sie wohl "entspricht" statt "widerspricht"? Jedenfalls ist auch hier meistens Schlagzeug dabei, und der Gesang klingt aggressiv. Ausnahmen bestätigen die Regel.
am Friday, December 17, 2010-
Sebastian Walser
Sehr geehrter Herr Miehling,
ich meinte "entspricht" und bezog mich dabei auf die von ihnen beigefügte Tabelle.
Von ihren äußerst fragwürdigen äußerungen zum schlagzeug einmal abgesehen,klingt der Gesang bei sowohl bei Jazz als auch bei Blues wohl genau so Aggressiv wie der in einer klassischen Messe/Motette oder was auch immer sie da bevorzugen. Auch frage ich mich, was sie sich dabei denken, wenn sie z.B. Jazz als dissonant/unharmonisch, monoton, schnell oder laut bezeichnen. Des weiteren bestätigen Ausmahmen nur die Regel, wenn die Zahl an Ausnahmefällen die der Regelfälle nicht übersteigt, was bei ihrer "Regel" nun mal nicht stimmt. Was mich wirklich traurig macht ist, mit welcher vehemenz sie auch einige der schönsten klassischen Kompositionen als "Gewaltmusik" abstempeln.
am Friday, December 17, 2010-
Stephan R.
Respekt, Herr Doktor. Ich habe schon lange keine solche Niederschrift von exqusiter, pseudointelektueller Verbaldiarrhoe seit Hexenhammer und Rassenlehre gefunden.
Ihre Unterteilung der Musik in aggresive und nonaggressive Stilrichtungen mag ja einen Funken Wahrheit in sich tragen (auch wenn die von Ihnen angeführte Bemaßung bestenfalls als unzureichend bezeichnet werden kann), die darauf folgende "Einschätzung" jener, die entsprechende Musikrichtungen hören, artet hingegen zu einer faschistoid-weltfremden Ideologie aus, die starke ähnlichkeit mit Hexenverfolgung hat.
Ich muss Ihnen in einem Punkt Recht geben: Gerade der sogenannte "Ganster Rap" suggeriert teilweise einen sorglosen Lebensstil durch Kriminalität und Gewalt. Er zeigt die (leider sehr realen) Vorzüge wie schnelles Geld, Status und Respekt (oder eher "Angst") und ein übermaß an schönen Frauen und Statussymbolen. Dabei werden die Schattenseiten wie z.B. die Schnelllebigkeit und Dekadenz dieses Lebensstils sowie dessen Gefahren vollkommen verschwiegen oder untertrieben dargestellt.
Aber war die "klassische Musik" nicht soetwas wie der "Gangster-Rap der Aristokratie"?
Wenn ich mich recht erinnere - es ist schon ein wenig länger her, dass ich mich mit Musikgeschichte und Stilentwicklung befasst habe - hat sich die "Klassische Musik" aus dem dekadenten, egozentrisch ausgerichteten Lebensstil der Aristokratie entwickelt - wobei nach den Geschichtsbüchern die Aristokratie nicht gerade für ihre Offenherzigkeit und firedliebende Natur bekannt war - und wurde als Ausdruck eben jenes Lebensstils genutzt, um sich von dem Pöbel abzuheben. Eben jener Pöbel, der sich in Bezug auf Musik dann doch eher auf "primitive" und (mangels Instrumenten) stark auf Perkussion ausgerichtete Stile konzentrierte.
Während die klassiche Musik stellvertretend für eine Sorglosigkeit und einen von genusssucht getriebenen Lebenswandel stand und zum Teil heute immernoch steht.
Denn: Dass Opernhäuser nicht so "beschmutzt" sind, wie Diskotheken, liegt nicht an der Musik, die dort gespielt wird. Es liegt vielmehr an
- den Eintrittspreisen
- dem Klientel, welches sich diese Preise Leisten kann
- sowie an dem Luxus, den dieses Klientel erwartet.
Dass in Opernhäusern kein Müll herumliegt, liegt daran, dass dort nichts in Plastikfolie verpakt serviert wird und jedes Schnipselchen Papier, dass dann doch mal auf dem Boden landet von einer Heerschar Angestellter sofort beseitigt wird. Glauben Sie ernsthaft, es würde mehr als bloß eine Hand voll Opernbesucher auch nur im entferntesten interssieren, ob ihnen ein stückchen Paier auf den Bodne fällt?
Dass es dort keinen Drogenhandel gibt, liegt lediglich daran, dass die Drogenkonsumenten aus den Sozialen Schichten, die sich einen Besuch in einem Opernhaus leisten können, ihre privaten "Versorger" haben.
Dass aber Drogen auf den Toiletten und teilweise auch in den Logen der Opernhäuser konsumiert werden (vorzugsweise Kokain) haben sie jedoch vergessen zu erwähnen.
Fakt ist, dass der überwiegende Teil der "Freunde klassischer Musik" aus den oberen Gesellschaftsschichten kommen. Und eben jene Gesellschaftsschichten neigen - zu Zeiten des Barock genauso wie zu Zeiten der sogenannten "U-Musik" - zu sozialer Ausgrenzung, ja sogar einem gottkomplexähnlichen Überlegenheitsdenken und damit einhergehend zu einer Herabstufung und Diskriminierung Anderer; besonders in Form von psychologischer Gewalt, sowie in Form von Ausnutzung des Status zur Diskriminierung und Diskreditierung der "Niederen". Somit degradieren sich solche Menschen durch ihre Taten selbst und stellen sich dadurch als "einer psychologischen Intervention anempfohlen"[sic] dar.
Und dies, mein lieber Herr Doktor Klaus Miehling, ist meines Erachtens nach die Schlimmste Form der Aggression, zu der ein solcher "Mensch" - wenn man diese Personen überhaupt noch so nenne kann - fähig ist und die SIE hier durch ihre faschistoide Herabstufung von Menschen mit schlicht und ergreifend anderem MUSIKGESCHMACK - dem wohl subjektivsten Teil der menschlichen Zivilisation - an den Tag legen. Doch im Gegensatz zu Ihnen bin ich nicht der Meinung, dass die Musik daran Schuld ist.
Musik KANN garnicht gut oder böse sein. Musik ist Emotion. Nicht mehr und nicht weniger. Und ebenso wie Emotionen kann kann auch Musik mal angenehm und mal unangenehm sein. Mit dem Unterschied, dass die differenzierung von Angenehm und Unangenehm von Mensch zu Mensch verschieden ist, während fast jeder Mensch Emotionen gleich beurteilt.
Musik ist mit abstand die älteste Kunstform der Menschheit und kann - wie Sie schon festgestellt haben - sowohl Emotionen ausdrücken, als auch hervorrufen. Aber ist die Musik schuld daran, dass der Mensch aggressiv ist? Oder lag es nicht schon vor der "Entdeckung" der Musik in der Natur des Menschen, aggressiv zu sein?
So wenig, wie die Musik daran Schuld ist, dass es aggressive Menschen gibt, sind Herzpatienten daran Schuld, dass man ein Betablocker-Medikament beim Sportschießen wegen seiner Herzfrequenz senkenden Wirkung als Dopingmittel nutzen kann.
Natürlich wird Musik in gewissen Kreisen dazu genuzt, Aggressionen und "die richtige Stimmung" aufzubauen. Dies bedeutet allerdings, dass bereits eine Gewaltbereitschaft vorhanden sein MUSS, welche gesteigert werden soll. Ohne Musik wäre diese Gewaltbereitschaft genau so vorhanden. Sie wäre sogar vorhanden, wenn Wagner, Chopin und Haydn gespielt werden würde, denn es sind MENSCHEN, die aggressiv sein WOLLEN und nur ein mittel suchen, es so schnell wie möglich zu sein.
Genau so wird es immer aggressive Menschen geben, die blind und dumm Gewalt in physischer und psychier Form ausüben. Auch wenn es eine "perfekte Gesellschaft" nach Ihrer Sicht, Herr Miehling, geben würde.
Und nur, um Ihren Blick in Bezug auf Amokläufe mal ansatzweise gerade zu rücken: Die Schuld liegt nicht in Gewalt-Musik, Gewalt-Videos und Gewalt-Spielen. Das sind vorgeschobene Gründe, da die Medien einen Sündenbock wollen und die breite Masse, die sich ihre Meinung von diversen Schmierblättern vorgeben lässt, als Gründe bereitwillig annimmt. Und wie es scheint, bilden Sie sich auch gerne eine Meinung und lassen sich danach auch mit Fakten nicht mehr davon abbringen.
Die Schuld liegt an den Menschen, die in dem direkten Umfeld der Amokläufer leben. Mitschüler, Lehrer aber auch Freunde und sogar Eltern. Denn sie waren es, welche die von mir als "schlimmste Form der Aggression" bezeichnete Ausgrenzung und Diskriminierung begangen haben oder zumindest den Amokläufern nicht die menschliche Nähe und Beachtung geschenkt haben, welche die Amokläufer verdient bzw. gebraucht hätten. Diese Menschen waren der Grund, warum die Amokläufer psychisch Instabil werden konnten und diese Instabilität unentdeckt blieb.
Und ein dermaßen psychisch Instabiler Mensch wird auch ohne Gewalt-Musik, Gewalt-Videos und Gewalt-Spiele einen Amoklauf starten. Dazu reicht wohl schon der Anblick einer Kartoffel, die geschält wird - wenn überhaupt ein "Auslöser" vorhanden sein muss.
Denn Amokläufe im Speziellen bzw. Gewalt und Aggression im Allgemeinen, gab es schon vor Gewalt-Musik, Gewalt-Videos und Gewalt-Spielen. Und Amokläufe wird es - egal was man alles verbietet - auch IMMER WIEDER geben, solange die Menschheit ihren Umgang miteinander nicht ändert.
Außerdem wird Ihr ratschlag zur strikteren Kontrolle (man könnte es auch kurz und Bündig "Zensur" nennen) genau zum gegenteil führen: Nämlich zur auflehnung, zum "Reiz des Verbotenen" und damit zu erheblich mehr Gewalt und Randale, als es jetzt schon der Fall ist. Denn gängeln lässt sich die Menschheit nicht, wie uns die Geschcihte mehrfach bewiesen hat.
Vielmehr sollten sie darauf vertrauen (oer von mir aus auch Hoffen), dass sich das DENKEN der Menschen ändert. Und auch wenn die Chance nur verschwindend gering bis beinahe inexistent ist: Es könnte sich auch der Musikgeschmack equalisieren; vielleicht sogar hin zur Klassischen Musik.
Außerdem sollten sie Vorsichtig mit den Zitaten ihrer "Lektüren" sein. Jedes Mal konnte ich lesen, dass ohnehin schon gewaltbereite Kinder und Jugendliche dazu neigen, Gefallen an härterer Musik zu entwickeln. Aber kein einziges mal war zu lesen, dass vorher unauffällige Kinder und Jugendliche, die früh einen Hang zu härteren Musikgenres hatten, später auffällig aggressiv wurden.
Somit wird zwar ihre These, dass "Gewalt-Musik" von aggressiven Personen gerne Konsumiert wird, bestätigt. Ein Anhaltspunkt für ihre These, aggressive Musik würde friedliche Menschen aggressiv machen, ist allerdings nicht vorhanden.
Ehrlich gesagt, bei diesem "wissenschaftlichen" Werk, in Kombination mit den Eindrücken, die ich auf ihrer Internetpräsenz sammeln konnte ( besonders den diskusionen über Anglizismen in ihrem Gästebuch waren äußerst interessant), ließen in mir die Frage aufkeimen, ob Sie wohl brav beim Gruß die rechte Hand diagonal gen Himmel recken.
Aber ich glaube, hoffe und bete, dass sie trotz aller Engstirnigkeit und der verblüffend ähnlichen Diskreditierungsmethoden (Zusammenhangslosigkeit, Fehlinterpretation und wild formulierte Thesen, die keiner genaueren Betrachtung standhalten) noch so viel Menschlichkeit, Verstand und Weitsicht besitzen, nicht der braunen Masse angehören zu wollen.
Denn immerhin sind sie trotz allem Musiker. Nennen Sie mich von mir aus einen Idealisten, aber Musik ist für mich immer etwas "gutes" und demnach auch jeder, der Musik mit Leidenschaft macht und hört, ein grundsätzlich guter Mensch, bis er von anderen Menschen zu etwas Schlechtem "erzogen" wird. Nur fällt mir bei Ihnen der Glaube schwer, es noch mit einem unverdorbenen Menschen zu tun zu haben.
Nebenbei bemerkt, würde mich interessieren, ob sie die "Verhaltensmerkmale" des typischen "E-Musik"-Höhrers mit seinem musikbedingt niedirigen Aggressionspotential und seiner friedliebenden Art, explizit auf die "Höhrer" beziehen, oder ob sie die Komponisten solcher Musik ebenfalls mit einbeziehen.
Denn sollten sie die Komponisten ebenfalls damit klassifizieren wollen, würde mich interessieren, was der altbekannte, misanthropische Choleriker Ludwig van Betthofen dazu sagen würde, wo doch so viele Misanthropen, Choleriker und in gewissem Maße auch Sadisten und Vandalen unter den großen Meistern der "klassischen Musik" waren...
Mit trotz allem freundlichen Grüßen,
STEPHAN R.
- Dipl. Krankenpfleger, Vater, Ehemann, Tierbesitzer, Blut- & Organspender, Tafel- und "Aktion Mensch"-Unterstützer, ehrenamtlicher Aushilfs-Kirchenorganist und "Gelegenheits-E-Musik-Genießer" sowie "U-Musik (Metal & Gothic) Begeisterter".
PS: Es ist schon beinahe Makaber, dass mir Antonio Vivaldi mit dem Presto seines Sommers erst die richtige "Stimmung" gegeben hat, meinem Unmut über ihr pseudowissenschaftliches Unfugswerk Luft zu machen und diesen Kommentar zu verfassen, ich es jedoch L'Âme Immortelle zu verdanken habe, dass sich meine Spitzzüngigkeit in Grenzen hielt.
Außerdem Frage ich mich, ob sie tatsächlich glauben, was sie da geschrieben haben, oder ob es nicht vielleicht eine Art von "Umgekehrter Psychologie" sein soll, in dem sie die Menschen durch gezielte Provokation dazu verleiten, sich mehr mit dem Inhalt der Musik bzw. der Musik als Ausdrucksform auseinanderzusetzen, statt sie einfach so zu "konsumieren".
am Thursday, March 03, 2011-
Dr. Klaus Miehling
Sehr geehrter Herr R.,
der Aufsatz, über den wir hier sprechen, war meine erste Annäherung an das Thema. Weil mein Wissen noch sehr begrenzt war, habe ich folgerichtig von „Indizien" gesprochen und formuliert „selbst wenn sich eine derartige Kausalität nicht bestätigen würde [...]". Daher haben Sie nicht das Recht, von einem „pseudowissenschaftlichen Unfugswerk" zu sprechen. Es handelt sich um einen Essay, der aufgrund vorhandener Fakten Fragen stellt. Um so unverständlicher ist Ihre in feiger Anonymität heftige, teilweise unsachliche und gar beleidigende Reaktion, die nicht weniger als viermal die Nazi-Keule bemüht. Da müsste ich Sie folgerichtig aufgrund Ihrer Angriffe gegenüber gehobeneren Gesellschaftsschichten als Kommunisten bezeichnen.
Was Sie gegen die klassische Musik vorbringen, kann für einen großen Teil davon gewiss nicht gelten, nämlich für die geistliche Musik. Aber auch in der weltlichen klassischen Musik ist ein von „Sorglosigkeit und von Genusssucht getriebener Lebenswandel" nur gelegentlich Gegenstand, und wenn, dann eher als schlechtes oder komisches Beispiel, nicht als Aufforderung. Doch dies alles kann nur die Textinhalte betreffen. Sie haben offenbar nicht verstanden, dass es mir um die Musik als solche geht. Die Texte und das Verhalten der Interpreten sind ein Symptom, und dann natürlich auch ein schlechtes Beispiel, das aber nur über das Medium der Musik seine Wirkung entfalten kann.
Sie führen die zivilisierten Zustände in Opernhäusern auf die Eintrittspreise zurück. Aber sind die Eintrittspreise bei Gewaltmusikkonzerten nicht vergleichbar hoch? Und woher haben Sie die Behauptung, dass in Opernhäusern Kokain konsumiert wird?
Wie kommen Sie dazu, mir „faschistoide Herabstufung von Menschen" zu unterstellen, der Sie doch selber bestimmten „Gesellschaftsschichten" das Menschsein quasi absprechen („wenn man diese Personen überhaupt noch so nennen kann"), und das nur aufgrund von angeblichem Standesdünkel, der, läge er denn vor, nichts ist im Vergleich zu den Verbrechen, die ich im Zusammenhang mit Gewaltmusik kritisiere?
Sie haben auch nicht begriffen, dass es nicht um Geschmack geht. Dass Musik nicht gut oder böse sein könne, ist eine der dümmsten und gefährlichsten Aussagen überhaupt. „Musik ist Emotion", schreiben Sie selbst. Gutes wie Böses erwächst aber aus Emotionen. Gewiss liegt Aggressivität in der Natur des Menschen. Das zivilisierte Menschsein besteht nun aber daraus, die urtümlichen Triebe zu beherrschen und zu kontrollieren. Genau dem wirkt Gewaltmusik entgegen, indem sie jene Triebe weckt und fördert. Sie geben ja selbst zu, dass „Musik in gewissen Kreisen dazu genuzt [wird], Aggressionen und 'die richtige Stimmung' aufzubauen". Inwieweit die Aggression bereits in den Menschen vorhanden war, ist von untergeordneter Bedeutung. Wesentlich ist das Ergebnis, nämlich dass Gewaltmusik zu mehr aggressiven (und anderen kriminellen) Handlungen führt. Darauf weise ich hin, und das nennen Sie „faschistoid"!
Dass Amokläufe sehr viel mit Gewaltmedienkonsum zu tun haben, wird von Kriminologen und Hirnforschern bestätigt, die das wohl besser beurteilen können als ein Hobbypsychologe wie Sie.
Das Argument vom „Reiz des Verbotenen" ist geläufig und falsch. Warum sterben wesentlich mehr Menschen an Alkoholkonsum als am Konsum illegaler Drogen? Weil Handel und Konsum illegaler Drogen aufgrund des Verbotes eingeschränkt sind!
Dass ein „Anhaltspunkt [...], aggressive Musik würde friedliche Menschen aggressiv machen, [...] nicht vorhanden" sei, trifft ebenfalls nicht zu. Um das festzustellen, brauchen Sie nur meine neueren Schriften zu lesen, in denen ich auf zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen und empirische Beispiele verweise.
Was die angeblich bösen klassischen Komponisten betrifft: Da mögen Sie vielleicht in fünfhundert Jahren Musikgeschichte ein Dutzend Fälle finden. Bei Gewaltmusikern sind es dagegen gewiss mehr als Tausend aus den letzen Jahrzehnten, von denen ich Belege für Straftaten gefunden habe.
am Friday, March 04, 2011-