Literaturwissenschaftliches Proseminar I Französisch Zur Gattungsgeschichte der Lyrik
SS 2002 Roswitha GEYSS
1. Vorwort 4
2. Begriffsabgrenzung „Lyrik“ - „lyrisch“ 4
'HILQLWLRQGHU/ ULN
3. Zur Problematik des Gattungsbegriffs „Lyrik“ 9
4. Die Gattungsgeschichte der Lyrik unter besonderer Berücksichtigung des Französischen 10
'LH/ ULNGHV0LWWHODOWHUV HLWGHU7URXEDGRXUVXQG7URXYqUHV
4.2.1 Die Blütezeit der mittelalterlichen Lyrik 12
4.2.2 Die städtisch-bürgerliche Dichtung 13
4.2.3 Die Lyrik des 14. und 15. Jahrhunderts - François Villon 14
'LH/ ULNGHU5HQDLVVDQFH
4.3.1 Lyrik in Frankreich - Die Pléiade 15
4.3.2 Lyrik als eigenständige Gattung. 15
'LH/ ULNGHV-DKUKXQGHUWV GLH2SSRVLWLRQ ZLVFKHQ DURFNXQG.ODVVLN
4.4.1 Herausbildung eines neuen Lyrikbegriffs 16
4.4.2 Die Barocklyrik und die préciosité. 16
4.4.3 Malherbe und die Einschränkung der Sprache. 17
'DV-DKUKXQGHUW
4.5.1 Von Hieber zu Batteux und Schlegel. 18
4.5.2 Johann Gottfried von Herder und das Volkslied als Teil der Lyrik 19
4.5.3 Frankreich und die Lyrik im 18. Jahrhundert. 19
'DV-DKUKXQGHUW
4.6.1 Die romantische Lyrik 20
4.6.2 Baudelaire und seine Bedeutung für die Lyrik. 20
4.6.3 Die symbolistische Bewegung 21
2
Literaturwissenschaftliches Proseminar I Französisch Zur Gattungsgeschichte der Lyrik
SS 2002 Roswitha GEYSS
4.7.1 Und wie wird die Lyrik nun heute aufgefasst? 22
4.7.2 Die Lyrik der Gegenwart 23
5. Schlusskommentar 24
6. Quellenverzeichnis. 25
3
Literaturwissenschaftliches Proseminar I Französisch
SS 2002
Jeder Mensch, der im Laufe seines Lebens mit Literatur in Kontakt kommt, weiß, dass es einen offensichtlichen Unterschied gibt zwischen Werken wie Baudelaires /HV)OHXUVGX0DO, Goethes )DXVW und Hemingways :HP GLH 6WXQGH VFKOlJW. Man erkennt typische
Ähnlichkeiten und Unterschiede im Bereich der literarischen Texte 1 . Darauf stützt sich die in der Literaturwissenschaft übliche Zuordnung der Texte zu drei literarischen Gattungen: Lyrik, Epik und Dramatik. Von diesen „ drei Naturformen der Poesie“ sprach Goethe schon am Beginn des 19. Jahrhunderts: „ Es gibt nur drei echte Naturformen der Poesie: die klar erzählende, die enthusiastisch aufgeregte und die persönlich handelnde: Epos, Lyrik und Drama.“ 2
Diese Dreiteilung ist bis zum heutigen Tag in ihren Grundzügen beibehalten worden, auch wenn es immer wieder Grenzfälle gegeben hat (vgl. z.B. Bert Brecht und das von ihm begründete Epische Theater bzw. die „ poèmes en prose“ von Charles Baudelaire). Auch vor dem 19. Jahrhundert gab es schon erste Einteilungsversuche literarischer Texte, z.B. in Tragödie, Komödie, Epos, Novelle usf. Selbst heute kann der Begriff Gattung auch spezifischer aufgefasst werden, nämlich in der Bedeutung von sogenannten Untergattungen oder genres, wie z.B. Roman, Melodram, Prosagedicht, Hörspiel usw. In meiner Arbeit werde ich nun - nach diesen allgemeinen Vorbemerkungen - zunächst näher auf die Begriffsabgrenzung „ Lyrik“ - „ lyrisch“ eingehen. Ich denke, um die geschichtliche Entwicklung dieser Gattung verstehen zu können, muss man zuerst eine Vorstellung davon erhalten, was man eigentlich unter Lyrik versteht und welche Merkmale diese kennzeichnen. Dann werde ich auf die Problematik des Gattungsbegriffs sowie schwerpunktmäßig auf die Gattungsgeschichte der Lyrik eingehen.
Doch was genau versteht man nun eigentlich unter Lyrik? Wie kann diese definiert werden? Um diese Fragen zu beantworten, möchte ich einige Zitate aus literaturwissenschaftlichen Lexika anführen.
1 vgl. Klinkert, Thomas: (LQIKUXQJ LQ GLH IUDQ]|VLVFKH /LWHUDWXUZLVVHQVFKDIW. Berlin: Erich Schmidt Verlag
2000, S 96
4
Literaturwissenschaftliches Proseminar I Französisch
SS 2002 'HILQLWLRQGHU/\ULN
Werfen wir hierzu zuerst einen Blick in das französische Lexikon 'LFWLRQQDLUHVGHV WHUPHV OLWWpUDLUHV:
Lyrique (poésie-) (gr. lura = instrument à cordes, chant) Chez les Grecs, chant accompagné par la lyre. À l’inverse des deux autres modes, plus objectivants (épique et dramatique), la poésie lyrique convient à l’expression spontanée de la vie intérieure.
Les caractéristiques essentielles du genre consistent en l’accent mis sur la valeur phonique et le mouvement rythmique de la langue, l’abstraction du rapport au temps et à l’espace concrets, et le style très suggestif qui mobilise le pathos. (...) 3
Aus dieser ersten Definition lassen sich bereits Rückschlüsse auf den Charakter der Lyrik ziehen: Die Lyrik ist also eine literarische Gattung, die in starker Verbindung zur Musik steht, was sich bereits an der Etymologie des Wortes erkennen lässt 4 . Sie ist gekennzeichnet durch den spontanen Ausdruck des Innenlebens, legt den Schwerpunkt auf den Klangwert sowie den Rhythmus der Sprache, arbeitet mit einer Abstraktion in Bezug auf Zeit und Ort und verwendet einen suggestiven Stil, der zum Pathos führt.
Eine ähnliche, jedoch etwas detailliertere Definition dieser Gattung findet man in dem Nachschlagewerk *UXQGEHJULIIHGHU/LWHUDWXUZLVVHQVFKDIW:
Lyrik [nach gr. Lyra = Leier], neben Epik und Drama dritte poet. Hauptgattung, mit historisch unterschiedlichen Definitionen und Ausprägungen. Im Abendland erstmals bei den Griechen lit. faßbar: alle zur Lyrabegleitung vorgetragenen Gesänge, ursprünglich meist mit einem magisch-kultischen Zweck (carmen, Zauberspruch, Beschwörung- und Segensformel, Totenklage, Kinder-, Arbeits-, Kriegslied usw.; einfache Formen), im Unterschied z.B. zu dem mehr rezitativisch vorgetragenen, nur von einem Rhythmus-, keinem Melodieinstrument begleiteten Epos, der von der Flöte begleiteten Elegie und dem primär schriftlichen Epigramm. (...) 5
Hieraus lässt sich erkennen, dass es sich nicht bei allen zu Instrumentalbegleitung vorgetragenen Texten auch zwangsweise um lyrische Texte handeln muss. Vor allem vom
2 Goethe, Johann Wolfgang v.: 1RWHQ XQG $EKDQGOXQJHQ ]X EHVVHUHP 9HUVWlQGQLV GHV ZHVW|VWOLFKHQ 'LYDQV.
1819, S 187. Zitiert nach: Klinkert a.a.O.
3 Gorp, Hendrik van u.a.: 'LFWLRQQDLUHGHVWHUPHVOLWWpUDLUHV. Paris: Honoré Champion Éditeur 2001, S 289
4 zur engen Verbindung Musik - Lyrik vgl. auch den Abschnitt „ 4. Die Gattungsgeschichte der Lyrik unter besonderer Berücksichtigung des Französischen“ , S 10ff.
5 Gfrereis, Heike: „ Lyrik“ . In: Gfrereis, Heike (Hrsg.): *UXQGEHJULIIH GHU /LWHUDWXUZLVVHQVFKDIW. Stutt-
gart/Weimar: Metzler 1999, S
5
Literaturwissenschaftliches Proseminar I Französisch
SS 2002 Epos muss man die Lyrik präzise abgrenzen, da das Epos zur Gattung der erzählenden Versdichtung gehört und somit ein Teil der Epik ist, wohingegen die gleichfalls im Zitat erwähnte Elegie heute zur Lyrik gezählt wird 6 . Bei einem Epigramm handelt es sich um eine kurze Inschrift, z.B. auf einem Grabmal oder Gebäude, wobei diese Form eng mit der Elegie verwandt ist und somit ebenfalls als Teil der Lyrik angesehen werden kann. Auf die im oben angeführten Zitat angesprochenen einfachen Formen wie das carmen werde ich später bei der Darstellung der Gattungsgeschichte der Lyrik im Kapitel „ 4.1 Die Lyrik der Antike“ noch näher eingehen 7 .
0HUNPDOHGHU/\ULN
Doch welche Merkmale machen nun eigentlich die Lyrik aus? Ich beziehe mich hierbei wiederum auf das Nachschlagewerk *UXQGEHJULIIHGHU/LWHUDWXUZLVVHQVFKDIW 8 Darin wird die
Lyrik als Gattung beschrieben, die durch folgende Charakteristika gekennzeichnet ist (die Frage der Vollständigkeit sei hierbei dahingestellt):
a) den Einsatz von Merkmalen, die ursprünglich allgemein für die Versdichtung zutrafen, wie z.B. Metrum, Vers, Rhythmus, Reim, Strophe 9 , Alliteration 10 , Refrain usf. Ich habe im vorhergehenden Abschnitt „ 2.1 Definition der Lyrik“ schon darauf hingewiesen, dass diese Gattung eng mit der Musik verbunden ist. Dies zeigt sich z.B. in der Verwendung des Metrums. Das lateinische Wort Metrum bedeutet übersetzt soviel wie Vers- oder Silbenmaß. Es handelt sich hierbei um ein abstraktes Schema, das die Silbenfolge eines Verses nach Zahl und gegebenenfalls auch Qualität (d.h. lang, kurz, betont, unbetont) mehr oder weniger fest ordnet. Das Metrum beeinflusst Wortwahl und Rhythmus eines Verstextes. Der Rhythmus, der einem Großteil der Menschen vor allem aus der Musik geläufig ist, meint in Bezug auf die Lyrik eine gleichmäßige Bewegung, die den Sprachfluss gliedert, z.B. durch den Wechsel von betonten und unbetonten Silben. Auch der Reim 11 spielt in der Lyrik eine wichtige Rolle. Ebenfalls aus der Musik vertraut
6 Es wurde erst möglich, die Elegie zur Lyrik zu zählen, als die Musik nicht mehr den Kern des Charakters dieser Gattung bildete. Vgl. hierzu Abschnitt „ 4.1 Die Lyrik der Antike“ , S 10ff.
7 zu den einfachen Formen vgl. den Abschnitt „ 4.1 Die Lyrik der Antike“ , S 10ff. 8 vgl. Gfrereis: „ Lyrik“ . In: Gfrereis 1999, S
6WURSKH Anordnung einer best. Anzahl von Verszeilen zu einer höheren metrischen Einheit
9
$OOLWHUDWLRQ von lat. ad + littera = zu + Buchstabe; gleicher Anlaut aufeinanderfolgender Wörter
10
5HLP Gleichklang von Wörtern vom letzten betonten Vokal an
¡
6
Arbeit zitieren:
Roswitha Geyss, 2002, Die Gattungsgeschichte der Lyrik, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Finanzplatzwettbewerb in Europa - Paris, London und Frankfurt
Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie
Hausarbeit (Hauptseminar), 30 Seiten
Geowissenschaften / Geographie - Didaktik d. Geographie
Examensarbeit, 172 Seiten
Unterrichtseinheit: Satzglieder - Sätze durch Umstellen verändern
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Unterrichtsentwurf, 24 Seiten
Catharina von Georgien. Untersuchung des Trauerspiels von Andreas Gryp...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 19 Seiten
Analyse von Lernaufgaben des Deutschunterrichts der Sekundarstufe II
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit (Hauptseminar), 49 Seiten
Zu: Fritz W. Scharpf - Regieren in Europa
Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union
Rezension / Literaturbericht, 13 Seiten
Die Methode City-Bound im Fokus der Kommunikationsoptimierung
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Diplomarbeit, 178 Seiten
Einfluss der Muttersprache auf Erwerb einer Fremdsprache
Deutsch - Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache
Hausarbeit (Hauptseminar), 19 Seiten
Vulkanismus am Beispiel des Mount St. Helens
Geowissenschaften / Geographie - Geologie, Mineralogie, Bodenkunde
Examensarbeit, 21 Seiten
Unterrichtsstunde: Die Umstellprobe zur Ermittlung von Satzgliedern in...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Unterrichtsentwurf, 8 Seiten
Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit, 28 Seiten
Unterrichtseinheit "Balladen" in Klasse 8 - Stunde "Der...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Unterrichtsentwurf, 14 Seiten
Prüfungslehrprobe im Fach Deutsch: "Der Knabe im Moor" von A...
Balladen und Erzählgedichte
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Unterrichtsentwurf, 19 Seiten
Zur Bewertung des Alfred Loth in Hauptmanns "Vor Sonnenaufgang&q...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 17 Seiten
Grevisse und Saussure - ein Vergleich
Französisch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit, 16 Seiten
Italienisch auf Korsika: die aktuelle Sprachkontaktsituation
Romanistik - Italienische u. Sardische Sprache, Literatur, Landeskunde
Seminararbeit, 17 Seiten
Roswitha Geyss hat den Text Die Gattungsgeschichte der Lyrik veröffentlicht
Roswitha Geyss hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare