Inhalt
Einleitung 4
1. Zweisprachigkeit - Chance oder Risiko? 4
1.1 Definition 4
1.2 Vorurteile 6
1.3 Vorteile und Nachteile 8
2. Bedingungen an die Eltern für eine erfolgreiche Zweisprachigkeitserziehung 13
2.1 Voraussetzung 13
2.2 Une personne, une langue - die erfolgversprechendste Methode der
Zweisprachigkeitserziehung 15
2.3 Alternativen 18
3. Die Unterstützung durch die Lehrer 20
3.1 Voraussetzungen 20
3.2 Was Lehrer tun können 21
4. Literaturverzeichnis 25
3
Einleitung
In Anbetracht der gesellschaftlichen Entwicklungen und der daraus resultierenden Veränderungen bezüglich der beruflichen Zukunft der Kinder unserer Zeit, bleibt das Thema Zweisprachigkeitserziehung aktuell, es wird sogar immer wichtiger.
In den letzten Jahren hat man die Vorteile der Zweisprachigkeit immer mehr erkannt und es erscheint sinnvoll, diese dort zu fördern, wo die Voraussetzungen durch Mischehen oder andere familiäre Konstellationen gegeben sind.
In der vorliegenden Arbeit werde ich zunächst in das große Thema Zweisprachigkeit einführen, indem ich Definitionsansätze sowie gängige Vorurteile, Vor- und Nachteile beschreiben werde.
Im zweiten Teil werde ich darstellen, welchen Einfluss Eltern auf die Zweisprachigkeit ihrer Kinder nehmen können und im letzten Kapitel soll gezeigt werden, dass auch Lehrer Kinder in ihrem Zweitspracherwerb unterstützen können.
Es soll deutlich werden, dass erfolgreiche Zweisprachigkeit mit ein wenig Zeit und Aufwand der Eltern und Lehrer realistisch ist. Damit werden Kindern neue Zukunftsperspektiven geboten, die man ihnen nicht vorenthalten sollte.
1. Zweisprachigkeit - Chance oder Risiko?
1.1 Definition
In der Literatur findet man gegensätzliche Positionen, wenn es um die Definition des Begriffes Zweisprachigkeit geht. Während die eine Seite die Meinung vertritt, eine Grenzziehung zwischen Monolingualismus und Bilingualismus sei unhaltbar, diskutiert die andere Seite darüber, wie eine Definition am treffendsten ausdrücken kann, was Zweisprachigkeit denn nun genau ist.
Als eine Vertreterin der Seite, die eine Definition nicht für möglich hält, wehrt sich Rosemarie Tracy dagegen, Monolingualismus und Bilingualismus als zwei „klar
4
voneinander unterscheidbare mentale Zustände oder Prozesse“ 1 zu betrachten. Anhand eines Beispiels widerspricht sie der Vorstellung, dass bei Monolingualen „zwei in jeder Hinsicht formal oder funktional äquivalente und dennoch voneinander strikt isolierbare Systeme“ präsent sind und dem daraus resultierenden Trugschluss, „Bilinguale entsprächen sprachlich in jeder Hinsicht der Summe zweier Monolingualer“ 2 . Zudem erläutert sie, dass nicht zweisprachig aufwachsende Kinder schon sehr früh mit „sozialen und regionalen Varietäten und stilistischen Registern“ 3 konfrontiert werden und sich diese auch aneignen. Als strikt monolingual wären sie demnach nicht mehr zu charakterisieren.
Bei denjenigen, die eine Definition für möglich erachten, dreht sich alles um die Frage, was genau ein Mensch leisten muss, um als zweisprachig bezeichnet werden zu können.
Siebert-Ott erläutert, dass die Kriterien hierbei auf einem Kontinuum liegen, dessen Maximum verlangt, zwei Sprachen in Wort und Schrift perfekt zu beherrschen, und dessen Minimum „Kenntnisse in mehr als einer Sprache“ 4 „zumindest in einem der vier Bereiche Hörverstehen, Textverstehen, Sprechen und Schreiben“ 5 fordert. Wäre nun eine dieser beiden Extrempositionen die absolute Definition der Zweisprachigkeit, so würde es viel weniger bzw. viel mehr zweisprachige Menschen geben als es tatsächlich der Fall ist. Deswegen wird oft der Mittelweg gewählt. „Als mehrsprachig wird danach eine Person bezeichnet, die nicht nur über die Fähigkeit verfügt, mehr als eine Sprache im mündlichen und/oder schriftlichen Bereich produktiv und rezeptiv einzusetzen, sondern die von dieser Fähigkeit im Alltag zumindest in bestimmten Kontexten auch regelmäßig Gebrauch macht.“ 6
Auch Ernst Apeltauer definiert Zweisprachigkeit. Er versteht darunter „jede Aneignung einer weiteren Sprache (neben der Muttersprache)... , wobei die einzelnen Formen dieses Aneignungsprozesses sich nach Lernalter
1 Tracy, R., S. 73
2 Tracy, R., S. 74
3 ebd., S. 74
4 Siebert-Ott, G., in: Giest, H./Scheerer-Neumann, G. (Hrsg.), S. 114
5 ebd., S. 113
6 ebd., S. 114
5
(gleichzeitig/nachzeitig zum Erstspracherwerb) und Lernkontext (natürlich/gesteuert) weiter differenzieren lassen“ 7 .
Außerdem hält Eduard Blocher eine Definition für sinnvoll und umschreibt die Zweisprachigkeit als „die Zugehörigkeit eines Menschen zu zwei
Sprachgemeinschaften in dem Grade, dass Zweifel darüber bestehen können, zu welcher der beiden Sprachen das Verhältnis enger ist, oder welche als Muttersprache zu bezeichnen ist, oder welche mit größerer Leichtigkeit gehandhabt wird, oder in welcher man denkt“. 8
Einen noch etwas anderen Standpunkt nimmt Dieter E. Zimmer ein. Er definiert drei Arten der Zweisprachigkeit und befindet sich mit dieser Auffassung zwischen den bisher erwähnten Positionen. Es gibt für ihn „ eine nebenordnende Zweisprachigkeit, bei der die beiden Sprachen sauber abgegrenzt nebeneinander bestehen; eine unterordnende Zweisprachigkeit, bei der die eine, die dominante Sprache die andere stark beeinflusst, aber nicht umgekehrt; und eine vermischende Zweisprachigkeit, bei der sich beide Sprachen gegenseitig stark beeinflussen“. 9 Dabei sind, laut Zimmer, die Übergänge zwischen den einzelnen Arten der Zweisprachigkeit fließend.
Wie diese Auswahl an Meinungen zeigt, ist es fast unmöglich, diese teilweise weit auseinanderliegenden Auffassungen in einer allgemein gültigen Definition der Zweisprachigkeit zu bündeln.
1.2 Vorurteile
In der älteren Fachliteratur, besonders in der deutschen, findet man grobe Fehleinschätzungen bezüglich des Einflusses der Zweisprachigkeit auf die kindliche Entwicklung. Auffällig dabei ist, dass sehr häufig die empirische Grundlage fehlt, die diese Urteile rechtfertigen würde. Es scheint eher der Fall zu sein, dass Zweisprachigkeit benutzt wurde, um ungeklärte Sachverhalte zu begründen. 10
7 Apeltauer, E., S. 9
8 Blocher, E., S. 17
9 Zimmer, D. E., S. 95
10 vgl.: Kielhöfer, B./Jonekeit, S., S. 10
6
Die Frage nach dem Ursprung solcher Vorurteile beantwortet Wode mit einem Verweis auf die historische Entwicklung Europas im 18. /19. Jahrhundert. In dieser Zeit erkannte man, „welche Dynamik aus einem einheitlichen Nationalgefühl mit einer eigenen Kultur entstehen kann“ 11 und das Prinzip une nation, une langue, une culture sollte das Zusammengehörigkeitsgefühl der Bevölkerung stärken. Einsprachigkeit wurde sehr schnell zur Selbstverständlichkeit, Mehrsprachigkeit zum exotischen Sonderfall deklariert.
Obwohl heutzutage ca. 50% der Weltbevölkerung mehrsprachig aufwachsen, wird die Einsprachigkeit immer noch als der Regelfall gesehen und auch empfunden. Dabei spielen, laut Tracy, mehrere Faktoren eine Rolle: Zum einen die Angst der Einsprachigen vor Überfremdung, zum anderen das „Misstrauen bezüglich der politischen Loyalität anderssprachiger Minderheiten“ und letztlich auch die „ideologische Verquickung von Konzepten wie Weltbild, Muttersprache, Nationalstaat, Intelligenz und Rasse“. 12
Kielhöfer/Jonekeit fassen die Vorurteile folgendermaßen zusammen:
• „Durch das gleichzeitige Erlernen von zwei Sprachen sind die Kinder überfordert.
• Zweisprachige Kinder lernen weder die eine noch die andere Sprache richtig. Sie sind halbsprachig - semilingual.
• Diese Kinder sind sprachlich verspätet.
• Diese Kinder haben keine Muttersprache.
• Diese Kinder können sprachlich nicht kreativ sein.“ 13 Im Hinblick auf die ganze Persönlichkeit von Zweisprachigen wird behauptet, zweisprachige Kinder seien intelligenzmäßig zurück, phantasielos und gefühlsarm, doppelzüngig, berechnend und verlogen, entwurzelt und heimatlos, ohne Identität, linkshändig und ungeschickt, oft Stotterer, orientierungslos, labil, passiv im Verhalten, oberflächlich. Zudem hätten diese Kinder Minderwertigkeitskomplexe und eine gespaltene Persönlichkeit, sie neigten angeblich zu Schizophrenie. 14
11 Wode, H., S. 16
12 Tracy, R., S. 71
13 Kielhöfer, B./Jonekeit, S., S. 9
14 vgl. ebd., S. 10
7
Arbeit zitieren:
Tessa Rothe, 2000, Sprechen lernen in einer mehrsprachigen Umgebung - wie Eltern und Lehrer Kindern helfen können, München, GRIN Verlag GmbH
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