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Skript, 2001, 52 Seiten
Autor: Reinhard Röde
Fach: Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation
Details
Institution/Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München (Institut für Kommunikationswissenschaften)
Tags: Medienlehre, Kommunikationspolitik, Skript, Rezensionen, Basisliteratur, Magisterprüfung), Vorbereitung, Prüfung
Jahr: 2001
Seiten: 52
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-10642-9
Dateigröße: 302 KB
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Charlton: Rezeptionsforschung als Aufgabe eine interdisziplinären Medienwissenschaft |
Relevanz: Wichtig Kürze und Würze: 24 Seiten Zusammengefasst von: Hardy - Eigene Kommentare kursiv |
Der Kern: Michael Charlton fasst die drei grundsätzlichen Paradigmen von Rezeptionsforschung zusammen und geht auf ihre theoretischen Grundlagen ein. Am ausführlichsten tut er dies bei der handlungstheoretischen Rezeptionsforschung.
Der interdisziplinäre Aspekt aus dem Titel kommt nur am Rande vor: in der Forderung am Schluss, die Wissenschaften sollten doch ihre Ergebnisse gegenseitig nutzen und in der Feststellung, die drei Forschungsrichtungen existierten zwar in wechselseitiger Unabhängigkeit, könnten sich aber auch gegenseitig gut ergänzen. Die Nachricht Gegenstand, Standort der Rezeptionsforschung Unter Medienrezeption soll die aktive Auseinandersetzung von Lesern mit Texten verstanden werden. (Charlton stellt ständig klar, dass ,,Leser von Texten" stets auch ,,Hörern von Sprache und Musik", ,,Zuschauer von Filmen" etc. bezieht. Ich hab das hiermit getan und lass das im Rest des Textes). Der Rezeptionsprozess (RP) beginnt mit der Zuwendung zum Medium. Im Mittelpunkt des RP steht die Leser-Text-Interaktion, die von sozialer Kommunikation begleitet sein kann. Abbrüche der Leser-Text-Interaktion sind häufig. An die eigentliche Rezeption kann sich eine Aneignungsphase anschließen, in der Medienerfahrung und eigene Lebenswelt zueinander in Beziehung gesetzt werden. Die Rezeptionsforschung befasst sich mit den inhaltlichen und formalen Eigenschaften der Texte, mit den psychologischen und sozialen Bedingungen der Rezeption und mit der Beziehung zwischen Mediensystem und Alltagswelt der Rezeptionsteilnehmer. Deswegen ist eine interdisziplinäre Herangehensweise notwendig. Trend der Rezeptionsforschung: weg von dem Erfassen einer Medienwirkung, im Mittelpunkt stehen statt dessen die konstruktiven, sinnerzeugenden Aktivitäten der Rezipienten. 1. Kausalnomologische Medienwirkungsforschung Die Medienwirkungsforschung versucht nachzuweisen, dass zwischen der Beobachtung eines oder mehrerer vergleichbarer Medienereignisse und dem nachfolgenden Verhalten des Zuschauers eine kausale Beziehung besteht. Fokus der Forschung ist die Beeinflussbarkeit solcher Verhaltensweisen, die von allgemeinem gesellschaftlichem Interesse sind (Wahlverhalten, Kaufverhalten, durchgedrehte Killer-Jugendliche etc). Metaanalysen von Wirkungsstudien zeigen, dass die nachweisbaren Medieneffekte enttäuschend gering sind. Das Modell des passiven, indoktrinierbaren Zsuchauers ist durch eine handlungstheoreische Konzeption zu ergänzen (s.u.); zumindest sind, wie es der rezipientenorientierte Ansatz (z.B. Sturm 1982) verfolgt, Persönlichkeitsmerkmale und Lebensbedingungen des Rezipienten als Kovariate zu berücksichtigen. Kritisiert wird auch, dass eine Vermischung zwischen physikalistsicher (= nach den Methoden der Physik ausgerichteter) und intentionalistischer (= die Absicht des Handelnden in den Mittelpunkt stellender) Betrachtungsweise und Terminologie stattfindet (z.B. ,,Der Medienreiz x ist Ursache für die Aggressionsbereitschaft y".) Modell der Leser-Text-Interaktion in der Wirkungsforschung In der Wirkungsforschung sind die Leser als reizkontrolliert und input-abhängig konzipiert. Zu einer bidirektionalen oder transaktionalen Leser-Text-Interaktion kann es nicht kommen. Text- und Lesermerkmale sind unabhängige Einflussgrößen, die sich nicht gegenseitig verändern können, sondern nur einen spezifischen Effekt auf die abhängige Variable ,,Medienwirkung" haben. Über längere Zeit gesehen ist dies aber widersprüchlich: Geht man vom Leser als unabhängige Variable aus, so erscheint nicht plausibel, warum bei ihm eine Medienwirkung stattfinden und ihn verändern kann. 2. Kognitionswissenschaftliche Textverstehensforschung Wahrnehmen und Verstehen werden von Forschern dieser Richtung als konstruktive und wissensbasierte Prozesse beschrieben, die simultan verlaufen: sowohl ausgehend von der Reizgrundlage (,,bottom up"), als auch von den im Langzeitgedächtnis gespeicherten Konzepten und Schemata (,,top down"). Rezipienten konstruieren also auf der Grundlage ihrer Lebenserfahrungen eine subjektive Lesart der Mediengeschichte. Die kognitionswissenschaftliche Forschung sucht nicht nach kausalen Erklärungen für Medieneinflüsse, sondern nach Algorithmen, die den Konstruktionsprozess sowie die daran beteiligten Systeme erklären können. Kognitive Rezeptionstheorien können nicht nur die Modellierung mentaler Prozesse beschreiben, sondern darüber hinaus auch weitere Handlungen des Zsuchauers erklären. z.B. die selektive Zuwendung zu Medieninhalten, Aufsuchen von Angst oder Spannung etc. Leser-Text-Interaktion in der Textverstehensforschung und im Konstruktivismus Der Rezipient ist in der Textverstehensforschung aktiver Konstrukteur von Sinn und nicht Zielscheibe von Medienreizen. Die Leser-Text-Interaktion lässt sich unter bestimmten Bedingungen als transaktional beschreiben (z.B. bei Früh/Schönbach 1982). Natürlich verändert der Leser nicht den Text, dem er sich zugewandt hat. Die Transaktion beschreibt einen innerpsychischen Vorgang: Die konstruktiven, schemagesteuerten Prozesse aus dem Langzeitgedächtnis (top-down) interagieren mit den Prozessen, die von der Reizgrundlage (=dem Text) ausgehen (bottom-up). Kleiner Luhmann-Exkurs: Konstruktivistische Medientheorien verstehen die Beziehung zwischen dem Subjekt und seiner medialen Umwelt nicht mehr als Informationsaufnahme. Luhmann 1996: Information ist immer selbstreferentiell, d.h. auf die eigenen Wissensbestände des Systems (= hier: des Rezipienten) bezogen. Der Kontakt zur Systemumwelt erzeugt im kognitiven System lediglich Irritationen, die dann unter dem Rückgriff auf die vorhandenen Wissensbestände als bemerkenswert und damit informativ oder als nicht informativ bewertet werde. Sicher eine auf den extremsten Grundlagen von Informationsweitergabe argumentierende Sichtweise, aber nicht ohne Charme. Ein Germanistik-Professor zeichnete eine sehr ähnliche konstruktivistische Perspektive (es ging um Literaturinterpretation) mal so auf: Abb. [...] Folgt man dieser Vorstellung, kann im kommunikationswissenschaftlichen Sinn überhaupt nicht von einer Leser-Text-Interaktion gesprochen werden, da das System Rezipient und das Mediensystem jeweils geschlossene Systeme sind und die Wechselbeziehung nur in einer gegenseitigen Irritation besteht, die dann von jedem sozialen und kognitiven System selbst aufgelöst werden muss. 3. Handlungstheoretische Rezeptionsforschung Kommunikation und Interaktion dienen der Bewältigungd er Aufgabenm die das Leben inder Sozialwelt stellt. Der handlungstheoretische Ansatz in der Medienforschung sieht die Massenkommunikation als Tei dieser sozialen Praxis an - sowohl auf Seite der sich mitteilenden, als auch der rezipierenden Teilnehmer. Grundannahmen der handlungstheoretischen Rezeptionsforschung:
Beispiel: Strukturanalytsiche Rezeptionsforschung Es gibt mehrere handlungsorientierte Rezeptionsmodelle: z.B. Nutzenansatz (Renckstorf 1989), Encoding-Decoding-Theorie (Hall 1980), Biographieforschung (Baacke/Sander/Vollbrecht 1990). Charlton geht auf seinen eigenen Ansatz ein: die Strukturanalytsiche Rezeptionsforschung). Die strukturanalytsiche Rezeptionsforschung begreift das Ineinander von gesellschaftlichen Strukturen und subjektivem Handeln als Ergebnis eines Ko-Konstruktionsprozesses, in welchem individuelle Konstruktionstätigkeit und soziale Konstitutionzusammenwirken. (Noch Fragen? Ich hätte es auch nicht treffender sagen können ;-). Das Rezeptionsgeschehen wird als ein mehrschrittiger Prozess verstanden (Phasenmodell des Rezeptionshandelns):
Leser-Text-Interaktion in der handlungstheoretischen Rezeptionsforschung Aus handlungstheoretischer Sicht enthält ein Text (bzw. Bild, Film...) nicht (oder nicht nur) Informationen über die Welt, sondern eine Reihe von Instruktionen, wie sich der Leser selbst Erkenntnisse beschaffen soll. Ein Text ist also eine thematisch geordnete, kohärente Menge von Instruktionen, nach Eco eine ,,Strategie, die den Bereich seiner - wenn nicht legitimen, so doch legitimierbaren - Interpretationen konstituiert". Die Inhalte des Textes werden vom Leser aktualisiert, indem er
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