1. Das Guckkastenlied vom großen Hecker
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4 ∑ Α Θ ™ . . . . ∑
Hut! blut! ∑ ∑ ∑ ∑ ∑ ∑ Α Θ ∑ ∑ ∑ Λ ∑ ∑ ∑ ™ ∑
Pe - ter sag - te er : "Pe - ter sei du Statt - hal - ter!"
1. Seht, da steht der große Hecker, eine Feder auf dem Hut, Seht, da steht der Volkserwecker, lechzend nach Tyrannenblut! Wasserstiefel, dicke Sohlen, Säbel trägt er und Pistolen, Und zum Peter sagt er: „Peter sei du Statthalter!“
2. „Peter“, sprach er, „du regiere Constanz und den Bodensee, Ich zieh’ aus und commandire unsre tapfre Armee; Mit Pollacken und Franzosen wird der Herwegh zu mir stoßen, Und der stirbt lebendig eh’r, bis daß er ein Hundsfott wär“
3. Pflästerer und Schieferdecker, alles niedrig und hoch, Alles jauchzte unserm Hecker, bis er aus zum Kampfe zog. Handwerksburschen, Literaten, Tailleurs, Bauern, Advokaten, Alles folgte rasch dem Zug, als er seine Trommel schlug.
4. Rumbidibum, so hört man’s schlagen, Rumbidibum Dumdumdumbum; Und bei Straf ließ Weißhaar sagen rings im ganzen Land herum: „Thut euch schnell zusammenraffen, gebt mir Mannschaft, Pferde, Waffen, Oder ich bring Alles um; Rumbidibum Dumdumdumbum.“
5. Durch die Baar that man jetzt wandern, und hernach ins Wiesenthal, Und daselbst stieß man bei Kandern auf Soldaten ohne Zahl, Edler Gagern, wackre Hessen, wollt ihr euch mit Hecker messen? Gagern, du kommst nicht zurück, Vivat hoch die Republik!
6. Gagern wollt parlamentieren, doch das ist nicht Heckers Arth; „Ich“, sprach er, „soll retiriren, ich mit meinem roten Bart!?“-Ach! nun hört man Schüsse knallen, General Gagern sah man fallen -Und der tapfre Hinkeldey saß zu Pferde auch dabei.
7. Und als Gagern war gefallen, fing man leider auf dem Rhein, Zur Bekümmerniß uns allen, unsern edlen Struwel ein; Man that ihn in Eisen legen, aber von des Heckers wegen Ließ der Oberamtmann Schey den Gefang’nen wieder frei.
8. Kaiser, Weißhaar, Struwel, Peter, alle trieb man allbereits Gleichsam als wie Uebeltäter in die schöne freie Schweiz. Doch der Peter, der kam wieder, legt die Statthalterschaft nieder, „Denn“, sprach er, „ich werde alt, und verlier’ sonst mein Gehalt.“
9. Hecker, sag, wo bist du Hecker? legst die Hände in den Schooß? Auf nun, du Tyrannenschrecker, jetzt geht es auf Freiburg los. Badner, Hessen und Nassauer stehen dorten auf der Lauer.
Doch wir kommen schon hinein, denn neutral will Freiburg sein.
Und man ladet blaue Bohnen nebst Kartätschen schnell hinein. Langsdorf will recognosciren, läßt sich auf den Münster führen, und guckt durch ein Perspektiv, ob es gut geht oder schief.
Kam im Sturm mit einem Male, Siegels wildes, tapfres Corps. Aber unsre Hessenschützen ließen ihre Büchsen blitzen, Und das Corps zog sich zurück, aus war’s mit der Republik.
Und die Freischar war verloren trotz der tapfren Gegenwehr; Alle, die sich blicken ließen, that das Militär erschießen; Alle Führer gingen durch, und erobert war Freiburg.
Kamen in der Chais gefahren auf dem Weg nach Dossenbach. Doch zu ihrem großen Ärger sah man dort die Würtemberger; Miller, dieser große Schwab, kam von einem Berg herab.
Herwegh sah’s, er fuhr einspännig, und es fuhr ihm in den Darm. Unter seinem Spritzenleder fercht’ er sich vorm Donnerwetter; Heiß fiel es dem Herwegh bei, das der Hinweg besser sei.
Soll ich Narr mein Leben wagen? Nein! für jetzt nur schnell zurück! Laß für meinen Kopf uns sorgen, komm ich heut nicht, komm ich morgen; Ach, wie kneipt’s mich in den Leib, wende um, mein liebes Weib!“
Denn er konnt kein Pulver riechen, und es ging erschrecklich los; Schimmelpfennig war erstochen, manche Sense ward zerbrochen, Und erschossen mancher Mann, die ich nicht all nennen kann.
Ward vom Militär gefangen, liegt zu Bruchsal auf dem Stroh -Ich, ein Spielmann bei den Hessen, der kann Baden nicht vergessen, Der den Feldzug mitgemacht, habe dieses Lied erdacht.
In einem späteren Druck unter dem Titel Ein neues Lied vom Hecker sind noch weitere fünf Strophen eingefügt 1 :
Zwischen Strophe 4 und 5:
(5.) Und die reizende Frau Struwel warb mit ihrem Flammenblick Tausend Mann in diesem Trouble für die deutsche Republik; Gelder fand man in den Kassen, die man sich that öffnen lassen; Wein bracht man aus jedem Haus für die Republik heraus.
Zwischen Strophe 6 und 7:
(8.) Hecker wollt nicht länger bleiben, „Rechtsumkehrt euch!“ donnert er, Und zur Eile ließ er treiben, denn es stürmte gar zu sehr. Die Musik ließ er erklingen und sein Korps fing an zu singen: „Hecker ist ein großer Mann, der für Freiheit sterben kann.“
Zwischen Strophe 12 und 13:
(15.) Hecker stampfte auf den Boden, da ihm als dem Commandeur
1 Steiff (1912), S.958f
Reitende expresse Boten brachten diese Schreckensmähr; „Wo sind“, rief er, „die Reserven? laßt sie ihre Sensen schärfen!“ -Sprachs und blies in vollem Zorn in sein großes Messinghorn.
Zwischen Strophe 16 und 17:
(20.) Hecker ging jetzt in die Fremde und empfand den tiefsten Schmerz; Denn in seinem Blousenhemde schlägt ein großes, deutsches Herz. Mußt er diesmal auch entspringen, wird man dennoch von ihm singen: „Hecker ist ein großer Mann, der für Freiheit sterben kann.“
(21.) Aber ‘s hat so kommen müssen, denn Jesaia der Prophet Hat darauf schon hingewiesen, weil allda geschrieben steht: Disteln tragen eure Äcker - jed Kameel hat seinen Hecker.“ Folgt mithin aus dieser Red, daß es durcheinander geht.
Zum Text:
Josef Ignaz Peter war ein Freund Heckers, der Regierungsvertreter im badischen
Seekreis war und von Hecker zum republikanischen Statthalter ernannt wurde. Er floh
vor den einrückenden Bundestruppen aus Konstanz in die Schweiz. Nach der
Niederschlagung des Heckerputsches wurde er von der badischen Regierung wieder in
sein Amt eingesetzt. 2
Der Dichter Georg Herwegh, politischer Sprecher der „Demokraten“ der im
französischen Exil lebenden deutschen Republikaner, zog mit etwa 800 Mann,
größtenteils in Frankreich lebende deutsche Arbeiter, aber auch Franzosen und Polen,
über den Rhein, um mit Hecker Freiburg einzunehmen. 3
Weißhaar (oder Weishaar), ein Wirt aus Lottstetten, im Volksmund Dragonermetzger
genannt, war ein feuriger Redner. Ihm gelang es, die ursprünglich nur etwa 50 Mann
starke Freischärlertruppe durch Werbung auf stolze 1300 Mann aufzustocken. 4
General Friedrich von Gagern war der Oberbefehlshaber der Bundestruppen, die aus
einem hessischen und zwei badischen Bataillonen b estanden. Er war der Bruder des
liberalen Nationalversammlungsabgeordneten Heinrich von Gagern. Bei der Schlacht
von Kandern fiel Friedrich von Gagern im Gefecht. Sein Nachfolger wurde Oberst
Hinkeldey. 5
Nach der Niederlage von Kandern verhaftete Oberamtmann Schey Gustav (von)
Struve, ließ ihn aber bald wieder frei, so daß sich Struve in die Schweiz absetzen
konnte. 6
Der Konstanzer Schriftsteller und Arzt Kaiser hatte nach dem Gefecht bei Kandern die
Führung der Heckerschen Nachhut. 7
2 Otto (1982), S. 329
3 Vollmer (1979), S. 52f
4 Otto (1982), S. 329
5 ebenda
6 ebenda, S. 330f
7 ebenda
Langsdorf war Student und zog mit Hecker in Richtung Freiburg. 8
Franz Sigel, ehemaliger badischer Leutnant, hatte seine Truppe von Hecker getrennt
und wollte trotz der Niederlage Heckers nach Freiburg ziehen, um dort einen
Stützpunkt zu gewinnen, was aber nicht gelang. 9
Moritz von Miller war Generalleutnant einer württembergischen Bundestruppe, auf die
Herwegh und Sigel bei ihrem Rückzug in die Schweiz bei Dossenbach stießen. 10
Reinhard von Schimmelpfennig war preußischer Offizier, der sich in den Dienst der
Revolution stellte. 11
Kartätschen sind Artilleriegeschosse aus gehacktem Blei, Kugeln oder Nägeln, die in
eine Hülse gefüllt werden, die beim Schuß zerreißt u nd schreckliche Wunden
verursacht. 12
In Bruchsal hatte Baden ein hochmodernes Gefängnis bauen lassen, in dem die aus
Amerika importierte Methode der Einzelhaft praktiziert wurde. 13
Überschrieben ist das Lied mit Nach bekannter Melodei zu singen. 14 Eine genaue Angabe, um
was für eine Melodie es sich handelt, wird nirgends gegeben. Im Deutschen Volksliedarchiv
wird die Volksweise Weißt du, wieviel Sternlein stehen genannt. 15 Ulrich Otto ist aber nur die
Melodie von Peter Rohland b ekannt. Rohland interpretiert dieses Lied auch selbst auf seiner
Platte Lieder deutscher Demokraten 16 .
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Seht, da steht der gro - ße Hec - ker, ei - ne Fe - der auf dem Hut, seht, da steht der Volks - er - wec - ker, lech - zend nach Ty - ran - nen - blut. Α ∑ ∑ ∑ ∑ ∑ ∑ ∑ ∑ ∑ ∑ ∑ ∑ ∑ ∑ ∑ ∑
Α
8 Landeszentrale für politis che Bildung (1987), S. 39
9 Otto (1982), S. 330f
10 Otto (19882), S. 330f
11 Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (1987), S.39
12 ebenda
13 James/Moßmann (1983), S. 125
14 Steiff (1912), S. 955; Vögeley (1981), S. 99; Vollmer (1983), S. 135
15 Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (1987), S. 60
16 Otto (1982), S. 331
2. Ein schönes neues Lied vom weltberühmten Struwwel-Putsch
1. Wälzen möcht ich mich vor Trauer 2. Ach! wohl hat er schon gesessen Und zerraufen meinen Bart, Zu Säckingen in dem Loch, Weil das Schicksal mir die schauer-Brod und Wasser nur gegessen, liche Mähr noch aufgespart. Wieder frei ward er jedoch. Ach! ich kann ja gar nicht weinen, Freiheit, Wurzeln, wie auch Kräuter, Todtenbleich muß ich erscheinen, Er begehret ja nichts weiter, Meine kalte Stirne schwitzt -Lebt als Turner frei und frisch, Denn der Herr von Struwwel - sitzt! Und ißt weder Fleisch noch Fisch.
3. Und als offen ward sei Zwinger, 4. Schrieb’s, und zog voll Glut und Eifer Floh er in das Ellensaß. Seinen Damascener raus, Und schrieb krumm sich alle Finger, Und rief einen Scherenschleifer Bodenleer manch Dintenfaß; Sammt dem Karren in das Haus; Und bewies mit vielen Gründen, Er that selbst am Rade drehen. Heil und Glück könn‘ er nur finden Rrrr that der Schleifstein gehen, In der rothen Republik; Bis der Sarras ganz und gar Das bewies er Stück für Stück. Scharf wie ein Scheermesser war.
5. Orgeln tönen ohne Rasten, 6. Horch! was schreit mit schrillem Tone Bertands Abschied, Polens Noth; Dort aus dem Gemeindehaus? Putschinell in seinem Kasten Schau! wer steht auf dem Balkone Schlägt mit Prügeln Alles todt; Und streckt beide Arme aus? Hunde tanzen, Affen springen, Einen Säbel in der Rechten, Harfendamen hört man singen, Thut er durch die Lüfte fechten, Und aus Böllern Krach auf Krach, Seine Schärp‘ ist feuerroth, Denn s’ist Jahrmarkt in Lörrach. „Freiheit, schreit er, oder Tod!“
7. „Freiheit, ruft er abermalen, 8. Alle Harfendamen schwiegen, Wohlstand, keine Steuern mehr, Alle Orgeln standen still; Ihr braucht nichts mehr zu bezahlen, Putschinell muß sich verkriechen, Drum gebt euer Geld mir her! Weil kein Mensch ihn hören will; Seht da: Heckers alte Garden, Alles lauscht mit neuem Jubel Italiener, Savoyarden, Auf den Mund der Frau v. Struwwel, Polen und noch Allerlei Die im schwarzen Atlaskeid Steht mir heute treulich bei!“ Auf den Balkon tritt und schreit: -
10. Damit war Madam zu Ende. Ihr dürft auch nicht müßig seyn; Er rief. „Ist kein Peter da?“ Geht an’s Barrikadenbauen, Sieh, nun recket man die Hände, Macht Patronen drauf und drein; Hundert Stimmen schreien „ja!“ Helfet uns die Freiheit retten, „Ich - auch ich - und ich, - rief Jeder, Bringt mir Hemden und Servietten, Kann statthaltern grad wie Peter.“ Ich verschmähe so was nie, Also griff er blind hinein Das giebt treffliche Charpie.“ Und setzt‘ die Regierung ein.
11. Und man baute Barrikaden, 12. Denn er eilte hin gen Staufen, Holte Schuhe, Hemden, Geld. Weilt in Müllheim eine Stund; Wurst, Patronen, Carbonaten, Blankenhorn mußt los sich kaufen, Alles wurde rasch bestellt. Tausend Gulden zahlen rund; Lörrachs große freie Geister Mußt‘, als theures Angedenken, Packten Amt nd Bürgermeister, Ihr auch seinen Wagen schenken, Struwwel packt‘ die Kassen ein Und vier Pferde obendrein -Und ließ Lörrach - Lörrach seyn. Und sie dankte, und stieg ein.
13. Vorwärts geht es, immer weiter, 14. Rumbumbum, die Trommeln gehen, Alles muß im Sturm herbei, Und in Staufen zieht man ein. Wein und Waffen, Roß und Reiter, Züge, kaum zu übersehen, Kisten, Kasten, Geld wie Heu; Zehentausend mögen’s seyn! -Feuerzeichen, Sturmgeläute, Um den Hals die goldne Kette, Freies Leben, Lust und Freude; Vor den Augen die Lorgnette, Und wenn die Begeist’rung glüht, Liegt zur angenehmen Schau Singt man Schillers Räuberlied. Breit im Wagen Struwwels Frau.
15. Hinterm Wagen her da kamen 16. General Hoffmann, der „verthierte“, General Löwenfels und Blind, Der „entmenschte“ General, Siegel, und wie all die Namen Der griff an und kanonirte Dieser tapfern Struwwler sind. Wie ein wahrer Kannibal. Struwwel eilte, um die Kassen Struwwel rief: „Mein Schatz, aus Staufen Für die Freiheit abzufassen, Woll’n wir im Galopp jetzt laufen; Aber eh‘ er sich’s versah Der könnt‘ so barbarisch seyn, Waren schon die Badner da. Schöß‘ uns heut‘ noch kurz und klein.“
17. Von den Barrikaden schossen 18. Aus war’s mit den Barrikaden, Alle Struwwler scharf hinaus, Alle riß und schoß man ein, Aber die Haubitzen gossen Und die stürmenden Soldaten Ströme von Kartätschen aus; Drangen in die Stadt herein. Rauch erhebt sich, Häuser brennen, Frau v. Struwwels Hut und Mantel Struwwler fallen, andre rennen, Fanden sie in einem Kandel (Rinne), Und vor Allen Er und Sie, Und ein Söldling war so frech, Oft im Dr- bis an die Knie. Riß das schöne Futter weg;
19. Denn der große Herwegh könnte, - Hart und schwer durch Wald und Felder Das bildt‘ sich der Esel ein -Schleppt die rothe Republik Unser Herwegh könnt‘ am Ende Ihre Wintervorrathsgelder Eingenäht dazwischen seyn! Nach der schönen Schweiz zurück. Und der sitzt doch warm und trocken; Ach, wie mühsam und wie sauer Aber Struwwel ließ sich locken, Ward’s dem Struwwel, Betz und Bauer, Ging dem Oberamtmann Schey Und dem Dusar und dem Blind, Jetzt zum zweiten Mal in’s Gäu. Und Madam dem guten Kind!
21. „Polen ist noch nicht verloren“ 22. Ja in Wehr ward sie gefunden, Sang Madam zwar Anfangs noch, Unsre ganze Republik; Aber bald hat sie’s gefroren, Eingefangen und gebunden Denn ihr Strumpf bekam ein Loch; Kam sie von der Grenz zurück; Ach vor Frost that sie erbleichen, Als sie grad sich wollt erquicken, Ließ mit Schminck sich roth bestreichen Mußte Bürgerwehr anrücke, Und den Schminktopf nahm nachher Und der Oberamtmann Schey, Amtmann Schey ihr ab in Wehr. auch noch Dieser kam herbei!
23. Ach im Mund war kaum der Löffel, 24. Ich der Spielmann bei den Hessen, Als man sie ergreifen that! Der das Heckerlied erdacht, Heiliger Sanct Zitz und Schlöffel, Hab nicht minder unterdessen Heiliger Sanct Blum schaff Rath! Diesen Putsch in Reim gebracht. Ich muß hier mein Lied beschließen, Wer dabei nicht war in Laufen; Meine heißen Zähren fließen, Braucht nur dieses Lied zu kaufen, Meine kalte Stirne schwitzt, Dann hat er es schwarz auf weiß, Denn der Herr v. Struwwel - sitzt! So gewißlich als ich heiß Johann Schmidt
Zum Text:
Lebt als Turner frei und frisch / Und ißt weder Fleisch noch Fisch: Struve war überzeugter Vegetarier und verschmähte ebenso den Alkohol. Außerdem gehörte er in Mannheim der Turnbewegung an.
Blankenhorn war eine Lörracher Familie, die sich nur durch stattliche Gelder von der Werbung zu den Freischaren loskaufen konnte.
Löwenfels war der Kommandant der Aufständischen in Staufen.
Karl Blind war ein Vertrauter Struves, der gemeinsam mit dessen Schwager Perro Düsar in Straßburg zu ihm gestoßen war.
General Hoffmann war Kriegsminister und Oberbefehlshaber der regulären Truppen und fügte Struve bei Staufen am 24.September 1848 die entscheidende Niederlage zu.
Zitz, Schlöffel und Blum waren Abgeordnete der äußersten Linken in der Frankfurter Nationalversammlung, die Verständnis für die Vorgehensweise der badischen Revolutionäre hatten. 17
3. Betrachtung
Beide Lieder stammen vom selben Verfasser, und zwar von Karl Christoph Nadler. Allerdings versucht Nadler bei beiden Liedern anonym zu bleiben, denn beim Guckkastenlied bezeichnet er sich als Spielmann bei den Hessen und beim Struve-Lied zusätzlich noch als Johann Schmidt.
Daß er anonym bleiben wollte, ist verständlich, denn er machte sich damit nicht besonders beliebt. Im Sommer 1849 machten zwei heckertreue Soldaten sogar einen Mordversuch auf ihn.
Daß es sich bei dem Verfasser tatsächlich um Nadler handelt, läßt sich dadurch belegen, daß beide Lieder in seinem Gedichtband „Fröhlich Palz - Gott erhalt“ veröffentlicht wurden. Dennoch scheint diese Tatsache erst in neuerer Zeit erkannt werden zu s ein, denn im Ausstellungskatalog des Badischen Landesmuseums zur Ausstellung „Bilderbogen -Deutsche populäre Druckgraphik des 19.Jahrhunderts“ werden keine Angaben zum Verfasser gemacht.
Nadler war ein politischer Gegner Heckers in Frankfurt und nahm es wohl mit Genugtuung zur Kenntnis, daß der Heckerzug, und somit Heckers politische Laufbahn in Deutschland recht bald zerschlagen wurde.
Nadler zeichnet im Guckkastenlied ein Bild von Hecker,
„das den Volkshelden mit seinem breitrandigen hahnenfedergeschmückten Hut und seiner räuberhauptmannähnlichen Bewaffnung lächerlich machen sollte.“ (Vollmer 1979: 53)
Doch das Lied erzielte nicht den gewünschten Effekt. Es trug sogar noch zur Popularität
Heckers bei:
„Das Volk aber prägte sich die romantische Erscheinung des Freischarenführers mit Schlapphut, Hahnenfeder und Blouse ein und die Polizei mit ihren Schnüffeleien that ein Uebriges, ihm eine ganz unverdiente Legende zu verschaffen.“ (Blos 1978: 205f)
Anders beim Struve-Lied, das bei weitem nicht diese Popularität erreichte, was wahrscheinlich an dem sehr viel geringeren Ansehen Struves zusammen hängt.
Beide Lieder gehören zur Kategorie der Bänkellieder, die von Spielleuten auf den Markplätzen zum Besten gegeben wurden. Das erklärt auch die Karikaturen, die auf beiden Liedblättern zu finden sind. In der Mitte des 19.Jahrhunderts kommt eine neue Erfindung auf den Markt: der Guckkasten. Der Begriff „Guckkasten“ erklärt schon fast von selbst, worum es geht: in einem Kasten werden Bilder (hier: Karikaturen) gezeigt, die vom Erzähler (hier ein Sänger) kommentiert werden.
17 Otto (1982), S.349f
4. Literatur
BADISCHES LANDESMUSEUM (1973): Bilderbogen - Deutsche populäre Druckgraphik des
19.Jahrhunderts. Karlsruhe
BLOS, Wilhelm (1978): Die Deutsche Revolution. Geschichte der deutschen Bewegung von
1848 und 1849. Berlin: Verlag J.H.W. Dietz
BUNDESARCHIV / D EUTSCHES VOLKSLIEDARCHIV (1995): „Freiheit lebet nur im Liede“. Das
politische Lied in Deutschland. Katalog zur Sonderausstellung in der
Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte in
Rastatt. Koblenz, 2. Auflage
JAMES, Barbara / MOßMANN, Walter (1983): Glasbruch 1848. Darmstadt: Hermann
Luchterhand Verlag
LANDESZENTRALE FÜR POLITISCHE BILDUNG Baden-Württemberg (1987): H istorische Lieder.
In: Politik und Unterricht, Sonderheft Januar 1987
MEIER, John (1917): Volksliedstudien. Straßburg: Verlag von Karl J: Trübner
OTTO, Ulrich (1982): Die historisch-politischen Lieder und Karikaturen des Vormärz und der
Revolution von 1848/49. Köln: Pahl-Rugenstein
STEIFF, Karl (1899/1912): Geschichtliche Lieder und Sprüche Württembergs. Stuttgart:
Verlag W. Kohlhammer
STEINITZ, Wolfgang (1962): Deutsche Volkslieder demokratischen Charakters aus sechs
Jahrhunderten, Band 2. Berlin (Ost): Akademie-Verlag
VÖGELEY, Ludwig (1981): Hecker hoch! Dein Name schallet... . In: Badische Heimat 1/81, S.
85-103
VOLLMER, Franz Xaver (1979): Die 48er Revolution in Baden. In: LANDESZENTRALE FÜR
BILDUNG Baden-Württemberg: B adische Geschichte. Vom POLITISCHE
Großherzogtum bis zur Gegenwart. Stuttgart: Konrad Theiss Verlag, S. 37-64
VOLLMER, Franz Xaver (1979): Vormärz und Revolution 1848/49 in Baden. Strukturen,
Dokumente, Fragestellungen. Modelle zur Landesgeschichte. Frankfurt am Main
VOLLMER, Franz Xaver (1983): Der Traum von der Freiheit. Vormärz und 48er Revolution in
Süddeutschland in zeitgenössischen Bildern. Stuttgart: Konrad Theiss Verlag
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Michael Müller, 1999, Das politische Lied in der Revolution von 1848/49, München, GRIN Verlag GmbH
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Ursula Perkow hat den Text Das politische Lied in der Revolution von 1848/49 kommentiert
Ursula Perkow
Das politische Lied in der Revolution von 1848/49.
Sehr geehrter Herr Müller,
vielleicht interessiert es Sie, daß ich Ihre interessante Arbeit in der
am Monday, October 15, 2001-