Wahrheit war selbst für den Wolf zu stark“) Räuber (V. 4) dar. Er sucht eine
Rechtfertigung für sein Handeln, indem er das Lamm für das angebliche
Schmähen durch dessen Vater verantwortlich macht (V. 13 „Dann wars dein
Vater eben, ja, beim Herakles“).
In Lessings Fabel hat der Wolf ähnliche Eigenschaften. Er wird als stolzer (Z. 8)
und kluger Räuber (Z. 3), der geduldig (Z. 8) auf den Moment der Rache wartet,
beschrieben.
Im Großen und Ganzen ist der Wolf in beiden Fabeln als stark und mächtig
einzuschätzen.
Das Lamm stellt Phädrus als verschüchtert (V. 6), wollig weich (V. 6),
freundlich und schmeichelnd (V. 7 „Mein lieber Wolf“) sowie klug und
aufrichtig (V. 8 „Das Wasser fließt doch erst von dir zu mir herab.“) dar.
Lessing dagegen beschreibt das Schaf als höhnisch (Z. 3) und spötterisch (Z. 5)
sowie übertrieben höflich (Z. 4 „Herr Wolf“). In beiden Fabeln sind Lamm und
Schaf schwach und unterlegen. Doch in Lessings Fabel zieht das Schaf die Wut
des Wolfes auf sich, weil es sich auf dumme und spöttische Art und Weise die
Sicherheit des breiten Flusses ausnutzt.
„Wolf und Lamm“ ist in Versform und ohne Reim geschrieben. Das Metrum ist
durch einen 6 -hebigen Jambus gekennzeichnet. Phädrus verwendet kurze
prägnante Sätze sowie mehrere Dialoge. Er benutzt außerdem Metaphern (V. 3
„des Rachens wilde Gier“), die die Anschaulichkeit erhöhen; Katachresen (V. 4
„darum brach der Räuber einen Streit vom Zaun“; V. 9 „Die Macht der
Wahrheit“); Ausrufezeichen (V.10, 12, 13), die die Wut des Wolfes
verdeutlichen; Fragezeichen (V. 7) sowie die Verniedlichung (V. 6
„Lämmchen“), die die Unschuld des Lammes hervorheben. Die nachgestellte
Nutzanwendung wird durch einen Absatz zwischen Vers 14 und 15
herausgestellt.
Lessings „Der Wolf und das Schaf“ ist in Prosaform, also vers- und reimlos,
geschrieben. Die Handlung ist kurz und zugespitzt. Lessing verwendet eine sehr
exakte Sprache, lange Dialoge sowie mehrere Semikolons (Z. 1,4,6,8). Durch
das Wortspiel in Zeile 2 (gesichert - Sicherheit) wird die Eindringlichkeit
gesteigert. Die Metapher in Zeile 6 („knirschte mit den Zähnen“)
veranschaulicht das einfache Handlungsgeschehen.
Phädrus stellt über den Wolf den Bezug zu Herakles (V. 13) her. Dieser war
Sohn des Zeus und der Alkmene. Er musste im Dienste des Königs Eurysteus 12
schwere Arbeiten verrichten und war von großer Stärke. Im Römischen wurde er
als Herkules bezeichnet.
Dadurch wird noch einmal die Überlegenheit des Wolfes offensichtlich.
Lessings und auch Phädrus’ Fabel sind durch die Einfachheit der Geschichte
leicht zu verstehen und regen zum Nachdenken an.
Die Überzeugung Lessings, dass die Fabel ein Lehrwerk sein müsse und nicht
die Belustigung als Ziel habe, wird in „Der Wolf und das Schaf“ an der
zugespitzten und knappen Prosaform der Fabel sowie an der Vers- und
Reimlosigkeit deutlich.
An die Fabeldefinition aus Lessings erster Abhandlung „Von dem Wesen der
Fabel“ (Zitat: „Wenn wir einen allgemeinen moralischen Satz auf einen
besonderen Fall zurückführen, diesem besonderen Falle die Wirklichkeit
erteilen, und eine Geschichte daraus dichten, in welcher man den allgemeinen
Satz anschauend erkennt. So heißt diese Erdichtung Fabel“) halten sich beide
Dichter. Obwohl man erwähnen muss, dass Phädrus schon längst gestorben war,
als Lessing die Definition aufstellte.
Phädrus’ Fabel zeigt, dass es für den Stärkeren leicht ist, den Schwächeren zu
unterdrücken oder zu vernichten, wenn man ihm falsche Unterstellungen macht.
Lessings dagegen greift die Menschen an, die sich durch Dummheit selbst ins
Verderben ziehen, indem sie ihre momentane Sicherheit ausnutzen und sich
nicht über die Konsequenzen im klaren sind.
Die beiden Fabeln sind auch noch heute von großer Nützlichkeit, obwohl die des
Phädrus bereits vor 1900 Jahren und die des Lessing vor etwa 250 Jahren
entstand. Sie sprechen jeden Menschen an und sind allgemein gültig. Bestimmte
Charakterzüge und Schwächen einzelner Personen werden angegriffen, um
darüber nachzudenken, eine Lehre daraus zu ziehen und eventuell das eigene
Verhalten zu ändern.
Arbeit zitieren:
Angelika Gutsch, 2000, Lessing, G. E. - Der Wolf und das Schaf - Vergleich mit der Fabel von Phädrus "Wolf und Lamm", München, GRIN Verlag GmbH
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Angelika Gutsch hat den Text Lessing, G. E. - Der Wolf und das Schaf - Vergleich mit der Fabel von Phädrus "Wolf und Lamm" veröffentlicht
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Anne hat den Text Lessing, G. E. - Der Wolf und das Schaf - Vergleich mit der Fabel von Phädrus "Wolf und Lamm" kommentiert
Dirk Urbanek
gut durchdacht.
Respekt! Für diese ARbeit. Ich meine 15 Punkte bekommt nicht alltäglich. Sie sind aber gerechtfertigt.
am Tuesday, November 06, 2001-
Hannah
Lessing - Der Wolf und das Schaf.
Ich finde diesen Teil sehr schlecht!!!!!!
am Thursday, September 12, 2002-
Anne
schwache Interpretation.
Zeigt Lessing nicht viel eher auf, dass es dem Schaf durch Logik und Verstand gelingt,dem hochmütigen aber machtlosen Wolf seine Überlegenheit zu zeigen?
-Die Fabel verweist auf die Möglichkeiten des Bürgertums, die höheren Stände mit Tugenden und Intelligenz zu übertrumpfen!!!
am Wednesday, November 05, 2008-