In der historischen Entwicklung nahm das Handelscontrolling dem Industriecontrolling gegenüber immer eine untergeordnete Rolle ein. Gerade aber die massiven Strukturänderungen im Handel in den letzten Jahren, die zu einer rapiden Zunahme von großen Shopping-Citys und dem Aufbau von überregionalen Filialsystemen führten, ließen das Handelscontrolling wesentlich an Bedeutung gewinnen. So ist es nicht verwunderlich, dass zum Beispiel kaum eine Entwicklung ganzheitlicher, integrativer Kennzahlensysteme die speziell auf die Bedürfnisse des Handels abgestimmt waren, stattfand. Stattdessen begnügte man sich im Handelscontrolling lange Zeit mit einer Adaption der für die Industrie entwickelten Systeme. Diese Tendenz kann über die Kennzahlensysteme hinaus auch bei den Controllinginstrumentarien der verschiedenen Leistungsbereiche des Handels festgestellt werden. Das zentrale Thema dieser Arbeit soll das Aufzeigen der Besonderheiten des Handelscontrolling sein, resultierend aus den Bedingungen unter denen in Handelsunternehmen geplant, geführt, kontrolliert und organisiert wird. Vor allem die unglaubliche Dynamik des umfangreichen Sortiments, das Kundenwünschen entsprechend wenn möglich sowohl in die Tiefe, wie auch in die Breite gehen soll, aber auch die hohe Flexibilität bezüglich Standortwahl erfordern ständige Anpassungen und Innovationen, sowie ein rasches Erkennen von Veränderungen des Marktes. Vom Controller selbst werden im Handel eine starke Marketingorientierung und die Übernahme genereller betriebswirtschaftlicher Aufgaben, etwa im Rechnungswesen oder der Erfolgsrechnung, erwartet. Auch darauf wollen wir in dieser Arbeit Rücksicht nehmen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definitionen
2.1 Handel – Begriffserklärung und Entwicklung
2.2 Controlling – Aufgaben, Funktionen und Ziele
3 Konzeptionelle Grundlagen des Controllings im Handel
3.1 Besonderheiten
3.1.1 Standortspezifische Einflüsse
3.1.2 Sortimentsspezifischer Informationsbedarf
3.1.3 Vielfalt von Abstimmungsproblemen
3.1.4 Absicherung durch gewerbliche Schutzrechte
3.1.5 Umstellungsflexibilität
3.1.6 Schwer steuerbare Verkaufsfunktion
3.2 Aufgaben, Anforderungen und Ziele das Handelscontrollings
3.2.1 Aufgaben
3.2.2 Anforderungen
3.2.3 Ziele
3.3 Bezugsobjekt
3.4 Institutionalisierung des Handelscontrollings
3.4.1 Arten von Handelscontrollern
3.4.2 Anforderungen an Handelscontroller
4 Controllinginstrumente im Handel
4.1 Instrumentarien im Leistungsbereich Einkauf
4.2 Instrumentarien im Leistungsbereich Lagerhaltung
4.3 Instrumentarien im Leistungsbereich der Sortimentsgestaltung
4.4 Instrumentarien im Leistungsbereich Preisgestaltung
4.5 Instrumentarien im Leistungsbereich Absatz
5 Kennzahlen und Steuerungsgrößen
5.1 Funktionen von Kennzahlen
5.2 Qualitative Kennzahlen im Handel
5.3 Quantitative Kennzahlen
6 Kennzahlensysteme
6.1 Adaptierte Systeme
6.1.1 DuPont Schema
6.2 Für den Handel entwickelte Systeme
6.2.1 Methode der direkten Produktprofitabilität
6.2.2 Filialbezogene Deckungsbeitrags- und Spannenrechnungen
6.2.3 Unternehmensbezogene Erfolgsrechnung
6.2.4 Kennzahlensysteme für einzelne Instrumentarien
6.3 Defizite in der Praxis
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Besonderheiten des Handelscontrollings unter Berücksichtigung der spezifischen Bedingungen in Handelsunternehmen. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Planung, Steuerung und Kontrolle durch die hohe Dynamik des Sortiments und die Marktanforderungen beeinflusst werden und welche Instrumente hierbei effektiv zur Unterstützung des Managements eingesetzt werden können.
- Grundlagen und Besonderheiten des Handelscontrollings
- Aufgaben und Anforderungen an den Controller im Handel
- Controllinginstrumente für die Leistungsbereiche Einkauf, Lagerhaltung, Sortiment, Preis und Absatz
- Kennzahlen und Kennzahlensysteme im Handel
- Analyse von Praxisschwächen bei der Anwendung von Controlling-Systemen
Auszug aus dem Buch
4.2 Instrumentarien im Leistungsbereich Lagerhaltung
Die Lagerhaltung wird maßgeblich durch die Art der angebotenen Produkte sowie die hinsichtlich des Lieferservices gesetzten Ziele determiniert. Notwendig ist die Ableitung eines in sich konsistenten Zielsystems. Will man beispielsweise eine hohe Lieferbereitschaft sicherstellen, ist man auf hohe Lagerbestände angewiesen. Mit hohen Beständen sind aber andererseits auch hohe Lagerhaltungs- und Kapitalbindungskosten verbunden. Im Rahmen der Planung und Gestaltung der Lagerhaltung sind folgende Entscheidungstatbestände zu unterscheiden:
Festlegung der Stufen des Warenverteilungssystems
Festlegung der Standorte, Anzahl und Größe der Lager
Festlegung der Betriebsform der Lager
Festlegung der Höhe der Lagerbestände
Bei der Festlegung der Stufen des Warenverteilungssystems ist in Abhängigkeit von der Art der Produkte sowie der Anzahl, Größe und geographischen Verteilung der Kunden und unter Berücksichtigung von Kosten- und Erlösaspekten die Zahl der Zwischenlagerstufen im Absatzkanal festzulegen, mit der das angestrebte Lieferserviceniveau sichergestellt werden kann. Ausgehend vom Fertigungswarenlager in der Produktionsstätte können in nachgelagerten Stufen u. a. Zentral- und Auslieferungslager der Hersteller sowie Umschlagslager der Transportträger und Lager in Groß- und Einzelhandelsbetrieb einbezogen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den historischen Aufstieg des Handelscontrollings aufgrund zunehmender Filialisierung und Marktänderungen sowie das Erfordernis, spezifisch auf den Handel abgestimmte Instrumente zu entwickeln.
2 Definitionen: Dieses Kapitel definiert den Handel als Institution und Funktion sowie die zentralen Aufgaben, Funktionen und Ziele des Controllings als Unterstützung für das Management.
3 Konzeptionelle Grundlagen des Controllings im Handel: Hier werden die branchenspezifischen Besonderheiten, wie Standortfaktoren und Sortimentsdynamik, sowie die Rollen von strategischen Controllern und Filialcontrollern diskutiert.
4 Controllinginstrumente im Handel: Dieses Kapitel stellt konkrete Koordinationsinstrumente für die Bereiche Einkauf, Lagerhaltung, Sortimentsgestaltung, Preisgestaltung und Absatz vor.
5 Kennzahlen und Steuerungsgrößen: Es erfolgt eine Darstellung der Funktionen von Kennzahlen sowie eine Abgrenzung zwischen qualitativen und quantitativen Steuerungsgrößen.
6 Kennzahlensysteme: Das Kapitel vergleicht klassische, adaptierte Systeme (z.B. DuPont) mit spezifischen Handels-Kennzahlensystemen und thematisiert deren Defizite in der praktischen Anwendung.
Schlüsselwörter
Handelscontrolling, Kennzahlensysteme, Deckungsbeitragsrechnung, Sortimentsgestaltung, Lieferantenanalyse, Lagerhaltung, Preisgestaltung, Filialcontroller, Erfolgsrechnung, Produktlebenszyklus, ABC-Analyse, Handelsspanne, Prozesskostenrechnung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen und praktischen Konzeption des Controllings speziell im Handelssektor.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Anpassung allgemeiner Controlling-Methoden an die spezifischen Bedingungen des Handels, insbesondere in Bezug auf Sortimentssteuerung, Lagerhaltung und Filialführung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Identifikation von Besonderheiten im Handelscontrolling und die Aufarbeitung geeigneter Instrumentarien zur Steuerung von Handelsunternehmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse und den Vergleich etablierter betriebswirtschaftlicher Modelle hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit im Handel.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Instrumente in verschiedenen Leistungsbereichen wie Einkauf und Lagerhaltung sowie den Einsatz von Kennzahlensystemen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Hauptbegriffe sind Handelscontrolling, Kennzahlen, Deckungsbeitrag, Sortiment und Prozessorientierung.
Warum ist eine spezielle "Handels-Methodik" oft problematisch?
Weil viele Systeme aus der Industrie adaptiert wurden und die komplexen Anforderungen des Handels (wie Sortimentsverbundeffekte) oft nur unzureichend abbilden.
Welche Rolle spielt die ABC-Analyse im Lagerbereich?
Sie dient als Systematik, um A-Artikel mit dem höchsten Deckungsbeitrag zu identifizieren und den Steuerungsaufwand in Handelsbetrieben effizient zu fokussieren.
- Quote paper
- Christoph Töglhofer (Author), Kristina Janak (Author), Christian Kösslbacher (Author), Elisabeth Kastner (Author), Daniela Brunner (Author), Barbara Moser (Author), 2003, Controlling im Handel, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/22014